• S.

    Frau Dr Helene Deutsch

    Wien I
    Wollzeile 33

  • S.

    PROF. DR. FREUD 
    WIEN IX., BERGGASSE 19

  • S.

    PROF. DR. FREUD 
    WIEN, IX., BERGGASSE 19.

    Tegel  7. X. 1929

    Liebe Frau Doktor

    Beiliegend ein Brief 
    von Pierce Clark u ein 
    Scheck auf $ 250, von mir 
    unterschrieben.

    Es entstehen gewiße Schwier-
    igkeiten.  Ich sehe davon 
    ab, dass Clark wahrschein-
    lich unser Institut mit dem 
    Verlag verwechselt, denn 
    nur für letzteren wurde 
    kürzlich gesam̄elt, das Institut 
    hat noch nie geschnorrt. 
    Aber ein Amerikaner 
    wird sich nie um europaeische 
    Verhältniße kümmern, 
    so wenig wie Wilson 
    um die Geographie Europa’s.  
    Dies scheint mir aber kein 
    genügender Grund, die 
    Summe nicht ihrer aus-
    drücklich genannten Be-
    stimmung zuzuführen.

    Die Schwierigkeit ist aber 
    vorwiegend persönlicher Natur. 
    Clark hat einen sehr schlechten 
    Namen in Amerika und

  • S.

    besonders bei unseren Freunden 
    dort. Er gilt als unehrlich, unscrup-
    ulous, schwindelhaft usw. Nun 
    hat fast jeder Amerikaner 
    dort einen schlechten Namen 
    u fast jeder mit Recht. Es 
    scheint aber, dass Clark seinen 
    schlechten Namen mit be-
    sonderem Recht erworben 
    hat. Daraus folgt nur soviel, 
    daß es naiv wäre zu glauben, 
    er mache diese Spende ohne 
    Hintergedanken, ohne geheime 
    Absicht, bei deren Enthüllung 
    wir leicht zu Schaden kom̄en 
    könnten.  Es ist also nicht selbst-
    verständlich, daß wir sie ohne 
    Weiteres annehmen. Gewiß 
    nicht ohne anzufragen, was 
    dafür verlangt wird. Ich 
    schlage Ihnen vor, sich mit 
    Dr Federn zur Beratung 
    der Angelegenheit zusam̄en-
    zusetzen. Vielleicht sollten 
    Sie auch bei Dr Brill an-
    fragen, der sich uns seit 
    dem Kongreß sehr ange-
    nähert hat.

    Ich hoffe selbst nach dem 
    15 dM in Wien einzu-
    treffen. 
    Herzl grüßend
    Ihr 
    Freud