• S.

    PROF. DR. FREUD    
    WIEN IX., BERGGASSE 19

    Semmering

    31. 7. 24.

    Liebe Dolfi

    Dein Vorwurf hat ganz Recht, 
    es war eine Schande, daran 
    zu ver­ges­sen. Entschuldigung 
    ist kaum die Gleichmäßigkeit 
    der Tage hier u die beständige 
    Beschäftigung mit den kleinen 
    Quälereien die jetzt einen 
    zu großen Anteil am Leben 
    wegnehmen. Es geht mir üb-
    rigens, seitdem ich einmal 
    in Wien war, viel besser, 
    meist sind es nur winzige 
    Veränderungen an der 
    Prothese oder kleine Ver-
    schlechterungen des Schnupfens, 
    die ich als große Erschwe­rungen 
    des Lebens verspüren muß.

    Aber ich werde es Dir 
    gutmachen wenn wir in Wien 
    sind.  Es ist hier sonst sehr 
    behaglich u doch die einzige 
    Möglichkeit für uns. In 
    ein Hotel tauge ich nicht 
    mehr.

    Herzlich Dein 
    Sigm

  • S.

    31.7.24.

    Liebe Mutter 

    Es freut mich sehr zu hören, 
    daß es Dir so gut geht 
    u Du doch den Aufenthalt 
    in Ischl so genießen kannst. 
    Ich getrau mich nicht zu hoffen, 
    daß Euer Wetter besser 
    ist als unseres. Es ist heuer 
    überall recht schlecht. Aber 
    doch wenigstens Ruhe und 
    Grün.

    Das Leben hier ist sehr beahglich, 
    auch die Anwesenheit von 
    Robert u Mathilde sehr 
    erwünscht. 

    Mit herzlichen Wünschen 
    Dein
    Sigm