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S.
11 Nov 26
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Lieber Herr Doktor
Ich danke Ihnen für alle die guten Nachrichten von der Pariser Gesellschaft, die mir zum Teil schon von unserer Prinzessin mitgeteilt worden waren.
Wenn Sie meine Ansicht über die Fragen wünschen, die in Ihrem Kreise diskutirt werden, will ich damit nicht zurückhalten. Ich hätte mich recht gefreut, wenn Sie meinen Namen auf's Titelblatt gesetzt hätten und von selbst wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass Claude es übel nehmen könnte, denn er kann sich doch nicht darüber täuschen, wie gering sein Anteil an der ΨA ist. Aber ich kenne ihn nicht, und vom Moment da Sie (oder einige von Ihnen) vermuten, dass er eine gleiche Hervorhebung wünschen könnte und durch ihre Unterlassung gekränkt wäre, hatten Sie sicherlich Recht, das Streitobjekt aus dem Weg zu räumen. Der massgebende Gesichtspunkt ist offenbar der, von seinem Einfluss frei zu bleiben, und die Nennung meines Namens ist eine Nebensache.
Dagegen meine ich, Sie sollten es nicht unterlassen, Ihre Zugehörigkeit zu unserer Internationalen auch im Titel der Zeitschrift zum Ausdruck zu bringen, und sich gegen den Verdacht des Opportunismus und Eklektizismus in der Analyse zu verwahren. Vorbild könnte die englische Zeitschrift sein, die Sie gewiss besitzen, deren Kopf ich aber hier abschreiben will. Es heisst dort:
The
International Journal
of
Psycho-Analysis
directed by
Sigm. Freud
Official organ of the
Internat. Psycho-Analytical Association
edited by
Ernest Jones. -
S.
So ähnlich könnten Sie hinsetzen.
Organ der Société ps.a. de Paris
(oder wie Sie sich sonst genannt
haben)
Membre oder groupe der Associat. internat
de PsA.
Die richtige Stilisirung werden Sie leicht finden.Ihren Wunsch nach einem Beitrag von mir für die erste Nummer kann ich nur schwer absagen, aber noch schwerer erfüllen. Ich habe nichts im Vorrat, bin sehr arbeitsunlustig und kann jetzt ebensowenig wie früher etwas ohne inneres Bedürfnis nach Darstellung schreiben. Ein nicht wissenschaftlicher, nur literarischer Aufsatz von mir zB. über die Aufnahme und die Aufgaben der Analyse in Frankreich würde aber die französische Mentalität, die Sie zu schonen bemüht sind, nur kränken. Sie wissen, ich bin ziemlich schriff und intransigent. Ich habe übrigens auch diesen Aufsatz nicht bereit. So scheint es besser, dass Sie auf eine formelle Anteilnahme von meiner Seite noch verzichten. Ob meine Arbeitskraft noch wiederkommen wird? Ich weiss es nicht.
Es scheint mir aber eine Gelegenheit, Sie zu dem raschen Erfolg Ihrer Bemühung in dem so spröden Milieu herzlich zu beglückwünschen. Sie haben viel geleistet. Wenn ich nicht sehr irre, haben Sie auch an Prinzessin Marie ein höchst wertvolles Mitglied gewonnen.
Sie deuten an, dass Sie in diesem Winter nach Wien kommen wollen. Wir werden Sie mit allen Ehren empfangen. Die acht Tage um Weihnachten gedenke ich nach Berlin zu reisen, um endlich meine Enkel kennen zu lernen. Sie wälen nicht gerade diese Zeit?
Mit herzlichen Grüssen für Sie u Ihre liebe Frau
Ihr Freud