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S.
5. 2. 1928
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19Lieber Herr Doktor
Ich glaube, Sie sind nicht in der Lage zu vergleichen, sonst würden Sie gemerkt haben, dass ich in früheren Zeiten Briefe etwas rascher zu beantworten pflegte. Ich gieng lange mit dem Gefül herum, dass ich Ihnen eine Antwort auf die Bemerkungen schulde, mit denen Sie auf die "Zukunft einer Illusion" reagirt hatten, versprach Ihnen seither direkt, diese Antwort zu schreiben, und bin heute an einem endlich freien Sonntag, nachdem ich Ihren Brief wiedergelesen, in rechter Verlegenheit, was ich Ihnen sagen soll. Vom Dank des befriedigten Autors natürlich abgesehen!
Es scheint mir, dass Sie das wirklich bescheidene Büchlein doch überschätzen. Die Hintergründe, die Sie verspüren, stecken im Thema und nicht im Buch, das sein Thema doch auch weit weniger erschöpft als Sie
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S.
Ihren Jean Jacques. Wie man Kulturbereitschaft herstellt, wäre ein Problem für sich zu erörtern. Gewiss gebe ich Ihnen Recht, es dürfte nicht auf blos vernünftige Art geschehen, dh. die einzig vernünftige Art wäre, die zweckentsprechenden affektiven Bindungen hervorzurufen. Ob unserer Psychoanalyse ausser einer grossartigen indirekten Wirkung aber auch eine direkte zuzutrauen ist? Es macht mich manchmal irre, dass die Analytiker selbst durch ihre Beschäftigung mit der Analyse nicht gründlicher verändert werden. -----
Auf dem Semmering könnten wir einige Stunden diesen Gesprächen widmen. Briefe sind eigentlich nur mehr dazu da, um Nachrichten zu geben und ich habe nichts Besonderes zu berichten.
Mit herzlichen Grüssen für Sie u Ihre liebe Frau
Ihr Freud