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    PROF. DR. FREUD
    WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    13. 2. 12

    Sehr geehrter Herr Kollege

    Herzlichen Dank für die Mühe der Über-
    setzung und Zusendung des Feuilletons, 
    aus dem deutlich zu ersehen ist, wie 
    scharf Sie das Wesentliche der ΨA begriffen 
    haben. Wie lacht das Herz, wenn ich wieder 
    etwas von der Thätigkeit eines tapferen 
    Streiters in einem fernen Lande erfahre. 
    u  ich mache im Geiste die Anfeindungen mit, 
    die ihm nicht erspart bleiben werden.

    Ihr Wunsch, den kleinen „Traum“ zu über-
    setzen, sei ohne Weiteres genehmigt, Sie 
    brauchen sich nur mit Bergmann in Ein-
    vernehmen zu setzen. Oder eigentlich, 
    nach Ihrem Bericht brauchen Sie das auch 
    nicht.  Mit der „Psychoanalyse“ hat es eine 
    andere Bewandtnis; Ihr Kollege 
    Dr van Emden in Leiden, der im 
    Sommer 1911 bei mir war, hat diese 
    Übersetzg übernom̄en u sollte sie 
    längst publizirt haben. Er ist ein 
    Zauderer und Trödler.  Ich bitte Sie, an 
    seiner Bestrafung mitzuwirken, 
    indem Sie ihm schreiben, dass Sie 
    diese Übersetzung machen wollen, wenn

  • S.

    er es nicht schon gethan hat oder nicht dazu kom̄t, 
    und daß Sie mein Einverständnis haben, 
    wenn er es Ihnen abtreten will. Sie 
    sollten nebenbei seine Bekanntschaft machen, 
    er ist fein und intelligent u Sie werden 
    beide Umgang an einander haben. 
    Er wohnt in Leiden oder vielleicht schon 
    im Haag, wohin er übersiedeln wollte.

    Ihre Bemerkungen aus Scherner werde 
    ich der Redaktion des Zentralbl 
    übergeben, ich glaube aber zu erin̄ern, 
    daß Stekel schon einige Sätze daraus 
    in seinem Buch gebracht hat u so sehr 
    bedeutsam sind sie eigentlich nicht.

    Mit herzlichem kollegialem 
    Gruß u in Erwartung Ihrer Beiträge 
    u Nachrichten 
    Ihr 
    Freud