S.

PROF. DR. FREUD
WIEN, IX. BERGGASSE 19.

14. 6. 12

Lieber Herr Kollege

Ich bestätige dankend den Empfang 
Ihrer Traumarbeit, auf deren 
Inhalt ich sehr gespannt bin. Leider 
kann ich zu wenig daran enträtseln. 
Ich sehe nur, Sie thun Stekel theilweise 
Unrecht, was sich mit fortschreitender 
Erfahrung wol ändern wird. Seine 
verwegenen Deutungen sind zu aller-
meist richtig, von seinen Verallge-
meinerungen gebe ich Ihnen einiges 
preis.

Dass Sie Scherner hervorheben, kann ich 
gewiß nicht übel nehmen. Ich habe 
seine Verdienste selbst höher ein-
zuschätzen begonnen, seitdem die Sym-
bolik im Traum zu einer soviel 
größeren Bedeutung gelangt ist, und 
Stekel hat sich sehr nachdrücklich 
für ihn eingesetzt. Auf dem Wege 
der Überkompensation mag 
man dann leicht dazu kommen, 
nicht seine Verdienste, wol aber 
seine Einsichten zu überschätzen.

In kollegialer Ergebenheit 
Ihr 
Freud