S.
Rauchstr. 4
26. 12. 24
Lieber Otto,
daß ich auf Deinen ebenso große Überraschung wie Befriedigung hervor- rufenden Brief nicht sofort geantwortet habe, wirst Du gerade bei mir gut begreifen. Immer und immer wieder mußte ich mir den ganzen Verlauf der Krise vergegenwärtigen; die Antworten, die ich mir auch auf die an Dich selbst gestellten Fragen über die Gründe Deines Verhaltens im letz- ten Jahr gegeben hatte, nochmals durchgehen, alles was ich begriffen zu haben glaubte nochmals überprüfen. Es gab sehr viel zu tun. Und daß meine Reaktion auf Dein Verhalten eine besonders stark affektive gewe- sen ist, wird Dich bei Deiner Kenntnis meiner Art auch gewiß nicht ver- wundert haben; zu ihrer völligen Überwindung brauche ich noch Zeit2, hoffe aber zuversichtlichst, daß es mir in gemeinsamen Bemühungen mit Dir restlos gelingen könnte.
Mit Abraham und Sachs haben wir Deinen Brief, restlos möchte ich wie- der sagen, eingehendst diskutiert; als Randbemerkung zu unserer gemein- samen Antwort an Dich möchte ich Dir noch versichern, daß gerade auch bei Ersterem der Wille und die innere Bereitschaft, die alten Beziehungen in vollem Umfange wieder herzustellen, die größten sind und die besten Aussichten eröffnen. Realisieren wir sie nun.
Besonders freue ich mich auf die Aussicht, daß es nun doch gelingen könnte, die Verwirrung, die in den Geistern der Analytiker zu entstehen im Begriffe war, statt der Klärung, die wir von den Entwicklungszielen erwartet hatten, doch bald aus der Welt zu schaffen.
Gerade jetzt bedauere ich es noch mehr, daß es mir infolge der Verschie- bung der für den 20. angesagten Generalversammlung nicht möglich gewesen, Dich noch persönlich zu Deiner Arbeit zu sprechen. Jedenfalls hoffe ich jedoch von jetzt ab wieder öfter und mehr von Dir zu hören und grüße Dich auch meinerseits wieder bestens
Dein
Max
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Ferenczi, Sándor
- Freud, Anna
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Rank, Otto
- Sachs, Hanns