• S.

    Berlin, den 20. März 1926.

    Liebe Freunde,

    Unser Rundbrief verzögerte sich dieses Mal infolge unseres Wunsches,  
    die Vereinssitzung erst abzuwarten, die eine Diskussion bringen  
    sollte, auf die wir weiter unten zu sprechen kommen. Wir beginnen mit  
    dem Ausdruck unserer Freude darüber, daß der Herr Professor den Sana-  
    toriumsaufenthalt nicht allzu unangenehm empfindet, und daß letzterer  
    sich vor allem so nützlich erweist. Kollege Lévy – Budapest, der  
    in Sachen der Gesundheit bekanntlich doch sehr streng und viel for-  
    dernd ist, war von seinem letzten Besuch beim Herrn Professor am 14.  
    d. M. sehr befriedigt. Er fand das Befinden des Letzteren nicht nur  
    nach allen Richtungen sehr wesentlich gebessert, sondern es seien die  
    meisten Erscheinungen, die die Ortsveränderung und die mit ihr ver-  
    bundenen Beschränkungen nötig gemacht hätten, überhaupt gewichen.

    Von der Vereinigung ist zunächst auch nur Gutes zu berichten.  
    Unser neuer Vorsitzender bewährt sich ganz so gut, wie Schreiber die-  
    ses (E.) vorausgesagt hatte; er ist in sehr taktvoller Weise objektiv, dabei sehr rege 
    und gewinnt sich sichtlich rasch die Sympathien auch derjenigen, die  
    nicht daran gedacht hatten, ihn an dieser Stelle zu sehen oder zu wün-  
    schen. Und ihm selbst scheint die „Beförderung“ sehr gut zu bekommen.  

    Der analytische Film wirft bereits seine Schatten oder auch –  
    Lichter voraus. Die erwähnte letzte Sitzung brachte einige Interpel-  
    lationen an unsern Freund Sachs, deren Absicht dahin ging, daß von
     

  • S.

    seiten Sachs’ wie auch der Vereinigung, nachdrücklichst unterstrichen  
    würde, daß die Verantwortung für den Film Sachs allein und, trotz sei-  
    ner prominenten Stellung in der Vereinigung, nicht die letztere trage.  
    Dies war auch das Ergebnis der sehr langen und teilweise sehr tempera-  
    mentvoll geführten Diskussion, die wir als interne Angelegenheit der  
    Vereinigung betrachten und die jedenfalls auch zunächst entspannend ge-  
    wirkt hat.  

    Was den Reorganisationsplan des Komitees anlangt, so schließt  
    sich auch Sachs meiner Ansicht an, daß wir mit der geplanten Erweiterung,  
    mit der Hineinnahme, wenn auch sehr verdienter, so uns doch, teilweise  
    vielleicht mit Ausnahme Radós, insgesamt ferner stehender Kolle-  
    gen, den ursprünglichen Sinn des Komitees aufgeben und dafür etwas  
    Neues eintauschen würden, was weder einem sonderlich dringenden Bedürf-  
    nis entsprechen, noch besonders leistungsfähig sein dürfte.  

    Die Anregung von Jones, bezüglich der in fremden Ländern aus-  
    gebildeter, resp. deren Bekanntgebung an den Vorstand der Heimatsgruppe,  
    werde ich beherzigen und, im entsprechenden Zusammenhang, Regel werden zu  
    lassen trachten.  

    Mit den herzlichsten Grüßen  
    [Eitingon]