S.
Rank and Freud, letter to the ›Secret Committee‹ from 27.10.1920
Vienna Position concerning the relation between Press and Verlag
„Zwischen Wien und London schwebte von Anfang ein Missverständnis in der Verlagssache, das sich bereits gerächt hat und jetzt weitere Folgen zu zeitigen beginnt. Der Verlag hat die englische Press ins Leben gerufen als eine geschäftliche Unternehmung, die sich heute sogar als noch weit fruchtbarer erweist als seiner Zeit. Jones und sein Verlagsleiter Hiller haben diesen Gesichtspunkt nie besonders gewürdigt – wie mir Jones im Haag zu meinem Erstaunen erklärte – sondern fast ausschließlich das Repräsentative möchte ich sagen daran gewürdigt. Sie wollten in England eine Zentralstelle haben, in der man alle psa. Arbeiten erhalten sollte und von dieser Stelle aus auch Propaganda für die Bewegung und unsere Literatur machen. Dazu gehört aber viel Geld, während wir – der Verlag – umgekehrt Geld von dort aus dem Verkauf unserer Bücher zu bekommen hofften. Diese Zentral-Propaganda-Stelle war immer und ist jetzt auch zur Vermeidung von Missverständnissen streng von der Press zu trennen, die nichts weiter beinhaltet, als daß wir englische Publikationen unter einer gewissen Firma herausgeben. Wir wollten der Einfachheit halber lieber die erstere kurzweg Shop nennen, weil sie sich ja hauptsächlich mit dem Bücherverkauf beschäftigen soll. Nun wurde sie ja zu einer Zeit gegründet, wo die Press noch gar nichts publiziert hatte (sie hat ja auch bis zum heutigen Tag auch nur das 1. Heft des Journals herausgegeben) und war ja auch nach der Idee von Jones und Hiller dazu bestimmt, psa. Werke von allen möglichen Verlegern (auch amerikanischen) zu verkaufen. Hiller meinte, wenn sie nur ein Anfangskapital zum Einkauf von Büchern hätten und zur Einrichtung eines Büros, so würde sie bald aktiv werden. Dieses Anfangskapital konnte der Verlag aber naturgemäß nicht bereitstellen (weil es sich ja um Pfunde und Dollar handelte) und dieses Kapital wurde aus Spenden von Mitgliedern der englischen Gruppe aufgebracht. Sie hatten es zwar auf einen Aufruf der Press hin gezeichnet, aber von dem ganzen Gelde hat die Press keinen Penny gesehen, weil es ausschließlich vom Shop verschlungen wurde, der bisher für die Press gar nichts leisten konnte, weil die Press noch keine Publikationen hatte. Auf dieser Basis sind die Einwendungen der Londoner Mitglieder leicht zu widerlegen. Sie beklagen sich, daß sie keinen Einfluß auf die Leitung der Press haben und daß die Press zu viel Geld kostet (engl. Verleger würden unsere Sache ohne finanzielle Unterstützung drucken). Auf den zweiten Einwand ist zu erwidern, daß auch die Press (d.i. der Verlag) die englische Sache ohne finanzielle Unterstützung druckt und weiter drucken kann; im Gegenteil, darin ein glänzendes Geschäft sieht, aus dem es Nutzen ziehen kann: Es wird eben hier wieder Press und shop verwechselt. Der erste Einwand ist vollkommen unberechtigt, denn es ist nie versprochen worden, daß die Spender freiwilliger Gaben für den Verlag einen Einfluß auf dessen Führung damit erwerben, weder in finanzieller noch in wissenschaftlicher Hinsicht. Das wäre doch auch praktisch undurchführbar. In wissenschaftlicher Hinsicht aber hat der Professor auf dem Kongreß ausdrücklich die Gruppe aufgefordert, die von ihr gewünschten Redakteure für das Journal vorzuschlagen. Unter diesen Umständen habe ich Jones geraten, die jetzigen Spenden, an die sich die Kritik der Mitglieder geschlossen hatten hat, lieber abzulehnen, als damit irgend eine Verpflichtung auf sich zu nehmen, namentlich wenn es den Anschein erwecken könnte, als wäre unter einer Scheinvoraussetzung gesammelt worden. Im übrigen ist durchaus nicht zu befürchten, daß im Falle des Verkaufs an Kola Jones den englischen Mitgliedern gegenüber in eine schiefe Situation kommen könnte, wenn sie dann ihre Spenden zurückverlangen sollten; denn wir wären dann ja auch in der Lage, ihnen das Geld zurückzuerstatten. – Was ihre jetzige Spende betrifft, ist weiterhin zweierlei zu bemerken: 1. Bei der Gründung der Press haben sie durch ihre Subscriptionszeichnung sich gewissermaßen moralisch verpflichtet, die ganze englische Aktie zu unterstützen und sie mussten damals auch wissen, daß das Geld für den Buchshop und zur Bezahlung Hillers verwendet wird. Ist nun diese Sache passiv geworden, so geschah es nicht zum wenigsten darum, weil sie ihr damaliges Versprechen, wie Jones uns am Kongress erzählte, nicht eingehalten haben. Wenn also heute der Shop selbst in Konkurs gehen musste, hätten sie eigentlich die moralische Verpflichtung, einfach die Schulden des Unternehmens zu zahlen, das auf ihre Versprechungen hin gegründet wurde. Und wie Jones schreibt, scheinen ja die jetzigen Spenden tatsächlich dem schlechten Gewissen der Mitglieder nach dieser Richtung zu verdanken zu sein. Außerdem wurde aber anlässlich der jetzigen Spenden wieder über die Schwierigkeiten gesprochen, Hiller, der nach Wien zum Verlag gehen soll, zu bezahlen; und ein Teil der Spenden soll auch im Einverständnis mit den Mitgliedern zu diesem Zwecke verwandt werden. Es ist nicht einzusehen, was da noch für Vorbehalte der Spender zu machen sein sollten, wenn sie wenigstens einen Teil des Geldes für einen ganz bestimmten Zweck bestimmt haben!
Ich hoffe, mich ziemlich klar gemacht zu haben, wenngleich ich mir nicht verhehlen kann, daß die Sache derart kompliziert wurde, daß selbst eine mündliche Aussprache sie schwer entwirren könnte. – Die „Spenden“, die der Verlag bisher erhalten hat, und von denen Jones auch zwei anführt, sind aber ganz und gar nicht mit den wirklichen „Danations“ der englischen Mitglieder zu vergleichen. Die 300 Dollar von Putnams Witwe sind als Beitrag zu den Herstellungskosten seines Buches gedacht und werden diese kaum decken. (Ähnlich verhält es sich mit den K. 25.000, die Roheim uns für sein englisches Werk zur Verfügung gestellt hat, das ungefähr viermal so viel kosten dürfte). – Die einzig wirkliche Spende ist der von Brill dem Verlag zugedachte Summe von 1000 Dollar, die so sonderbare Schicksale hatte.
Übrigens scheint sich die Sache jetzt endlich auzuklären.“
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Ferenczi, Sándor
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Rank, Otto
- Sachs, Hanns