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S.
Budapest, 19 Febr. 1925
Liebe Freunde:
Die Verspätung um vier Tage[1] bitte ich zu entschuldigen. Sie setzt mich allerdings (ungerechterweise) in den Stand, auf die höchst interessante Frage der Gedankenübertragung schon jetzt einzugehen.[2] Wie der Herr Professor weiß, beschäftigt mich dieses Problem seit vielen Jahren. Ich habe eine große Anzahl positiver Fälle und selbstgemachter gelungener Experimente zusammengetragen, die zum Teil an die von Prof. Murray gemahnen. Es wäre längst an der Zeit, uns mit diesem Problem auseinanderzusetzen. Schon Myers[3] hat bekanntlich die Telepathie mit Hilfe des Unbewußten zu erklären versucht. Die eigenen Fälle sind nicht nur als Bestätigung der Tatsächlichkeit der Gedankenübertragung von Bedeutung, sondern auch als eine Art objektiver Beweis für die von der Psychoanalyse vorausgesetzten Arbeitsweisen des Ubw., insbesondere der Symbolik. Ich hoffe über diesen Gegenstand mit Herrn Professor demnächst persönlich sprechen zu können und bitte ihn, die betreffende Nummer der »Psychical Researches« für mich aufheben zu wollen. (Ich las nur ein Referat im Manchester Guardian.) Schade, daß der Harzer geheime Aufsatz nicht erscheinen kann. Vielleicht ließe sich eine etwas abgekürzte Mitteilung publizieren oder die Einwilligung der Betreffenden einholen. Ich wollte schon im I. Jahrgang der »Zeitschrift« mit einer Arbeit über die Beziehungen der Psychoanalyse zur Telepathie loslegen. Inzwischen ist darüber von Outsiders viel geschrieben worden, auch die englischen und amerikanischen »Psychic[al] Research«-Kreise versuchten (bisher mit wenig Glück), die Psychoanalyse für ihre eigenen Zwecke zu verwerten.
Durch die Verlegung des Kongresses nach Deutschland[4] dürfte die Zahl der ungarischen Teilnehmer wesentlich steigen. Ich hoffe auch auf eine rege Beteiligung meiner Gruppe an den wissenschaftlichen Verhandlungen.
Die Generalversammlung der Vereinigung beschäftigte sich unter anderem mit der Frage der Gründung einer Poliklinik. Die Abhaltung von Kursen für Ärzte schon in diesem Jahre wurde zum Beschluß erhoben.
Mit herzlichen Grüßen,
Ferenczi
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A Dieser Rundbrief ist, mit Ausnahme der Unterschrift »Ferenczi«, mit Maschine geschrieben.
1 Es war vereinbar worden, die Rundbriefe jeweils am 15. d.M. zu versenden.
2 Eine Reaktion auf Freuds Rundbrief von Mitte Februar: „Der stärkste literarische Eindruck dieses Monats kam mir aus einem Bericht über Telepathieexperimente mit Professor Murray (Proceedings of the Society for Psychical Research, Dec. 24.). Ich bekenne, daß der Eindruck dieser Berichte so stark war, daß ich bereit bin, meinen Widerspruch gegen die Existenz der Gedankenübertragung aufzugeben ... Ich wäre sogar bereit, der Sache der Telepathie die Unterstützung durch die Psychoanalyse zu leihen. Eitingon hat das Manuskript des geheimen Aufsatzes mitgenommen, aus dem ich auf unserer Zusammenkunft im Harz solche analytische Bekräftigungen der telepathischen Hypothese ableitete. Ich würde mich heute entschließen, diesen Aufsatz in die Welt zu schicken und würde das Spektakel nicht scheuen, den er unfehlbar hervorrufen würde. Aber als unübersteigliches Hindernis erhebt sich die Schranke der ärztlichen Diskretion ... Gerade das Aufsehen dieser Publikation macht die Zurückhaltung derselben zur Pflicht, Entstellungen sind unstatthaft, Milderungen würden nichts helfen. Sollte das Schicksal die beiden Empfänger der nicht eingetroffenen Prophezeiungen vor mir sterben lassen, so fiele das Hindernis weg” (SFC). Der Aufsatz erschien posthum in gekürzter Form (Freud, 1941d).
3 Frederic William Henry Myers (1843-1901), englischer Schriftsteller, Mitbegründer der Psychical Research Society (1882).
4 Der IX. Internationale Psychoanalytische Kongreß hätte ursprünglich in der Schweiz (Luzern bzw. Genf) stattfinden sollen, wurde aber aufgrund organisatorischer Schwierigkeiten nach Bad Homburg in Deutschland verlegt.
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S.
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Anna
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Sachs, Hanns
http://data.onb.ac.at/rec/AC16740636 Autogr. 1055/22(1-16) HAN MAG