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S.
Budapest, 18. April, 1925
Liebe Freunde:
Das Hauptereignis des letzten Monats ist das Gelingen des für Ärzte und Mediziner arrangierten psychoanalytischen Kurses, ein Mittelding zwischen populären Vorträgen und akademischem Lehrkurs. Inzwischen ruhen allerdings die Vereinssitzungen, da wir alle so angestrengt arbeiten, daß wir nicht mehr als zwei Abende der Woche dem Gemeinwohl opfern können.
Der Kongreß wird, wie ich hoffe, von Ungarn gut besucht sein; alle hoffen auf die Anwesenheit des Herrn Professors und versprechen, ihm dort in keiner Weise zur Last zu fallen. Dasselbe Verhalten könnten auch die anderen Gruppenvorstände den Mitgliedern nahelegen.
Ich glaube, lieber Karl, daß Du den Fall Groddeck[1] etwas zu starr behandelst, ganz im Gegensatz zu Deiner sonst von allen gelobten geschickten Diplomatie. Er ist ein Original, den man in Nebensachen seinen eigenen Weg gehen lassen sollte; in der Hauptsache ist er ein treuer Anhänger, dazu ein anständiger Mensch. Er betreibt keine reine Psychoanalyse, sondern verwendet ein nicht ungeschicktes Gemenge verschiedener therapeutischer Maßnahmen. Es war vielleicht nicht sehr taktvoll oder gar übermütig, wenn er vor der Öffentlichkeit ein Beispiel der eigenen freien Assoziationen gab, der Übermut ist aber bei ihm wirklich nur die Übertreibung des Mutes, an dem es ihm nicht mangelt. Mit etwas Entgegenkommen ließe er sich beeinflussen, das Drohen mit Paragraphen würde ihn sicherlich nur verwildern.
Das Symposion nach dem Kongreß hat in der ungarischen Gruppe keine Anhänger.[2]
In der Frage der Gedankenübertragung halte ich meine Ansicht aufrecht, verzichte aber einstweilen, im Einverständnis mit Herrn Professor, auf die Publikation meiner Erfahrungen, Experimente und Erklärungsversuche.
Eine amerikanische Psychoanalytikerin, die auch von Rank in Amerika analysiert wurde, ist jetzt bei mir in Analyse.[3] Ich hoffe in der Vor-Kongreß-Konferenz über die Erfahrungen bei diesem Falle eingehend berichten zu können. Beim zweiten Besuch scheint R[ank] vieles öffentlich revoziert zu haben.
Mit herzlichen Grüßen Euer,
Ferenczi
P.S. April 21. Inzwischen erhielt ich den Berliner und den Wiener Brief, beantworte sie aber erst im Monat Mai. Schreibmaschinenfehler verursachte die Verspätung.
P.S.
Herzlichen Dank für Brief und Sendung. Antworte demnächst.
F.
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A Dieser Rundbrief ist, mit Ausnahme der Unterschrift »Ferenczi« und der zweiten Nachschrift, mit Maschine geschrieben.
1 „In besonders mißlicher Weise macht sich Groddeck hier bemerkbar. ... In einem ... [seiner Vorträge in Berlin] unterbrach G sich: er habe soeben von der Straße ein Autosignal gehört und wolle einmal seine freie Assoziation dazu mitteilen. Nach zuviel lässigem Bericht gab er nun weit über eine Stunde lang alle intimsten Einzelheiten seines Privatlebens zum Besten, die sich u. a. auf seine anwesende Frau bezogen; dabei schwelgte er dauernd in den krassesten Ausdrücken. Man müßte diesem Treiben doch einmal entgegentreten” (RB Abraham, 15.3.1925, LOC). „Kürzlich war Landauer hier, der gerade vorher G in Baden-Baden besucht hatte. ... [Groddecks] Angabe nach hat er 2 Freunde und 2 Verfolger in der Vereinigung. Die erstern sind Herr Prof und Sandor, die letzteren Abraham und Jones (ausgerechnet!). Landauer war der bestimmten Meinung, daß G paranoisch sei — womit er hoffentlich doch zu weit geht!” (RB Abraham, 13.4.1925, LOC).
2 Dies bezieht sich möglicherweise auf einen früheren Vorschlag Abrahams, am kommenden Kongreß ein Symposion über technische Fragen zu veranstalten (Abraham an Freud, 6.2.1925; Briefwechsel, S. 354).
3 Möglicherweise eine erste Erwähnung von Elizabeth Severn (siehe 1023 Fer und Anm. 1).
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S.
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Anna
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Sachs, Hanns
http://data.onb.ac.at/rec/AC16740636 Autogr. 1055/22(1-16) HAN MAG