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S.
Budapest, 28. Nov. 1925
Liebe Freunde,
In der zweiten und dritten November-Woche war Groddeck mit seiner Frau in Budapest, und sie nahmen jede freie Stunde in Anspruch. Daher die neuerliche Verspätung. Groddeck, dessen Ahnungen über eine mögliche Ausdehnung der Psychoanalyse aufs Organische allmählich mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken, ist ein intuitiver Geist, der rein naturwissenschaftlichen Forschung im althergebrachten Sinne abhold. Ich glaube, daß der Verkehr mit mir seine in gewissem Sinne auch förderliche Einseitigkeit zu mildern geeignet ist. Er hielt einen Vortrag in unserer Vereinigung[1] und einen öffentlichen vor 2 - 300 Hörern. In beiden mußte man seine Vorzüge anerkennen, vieles von ihm profitieren, und beide Male konnte man die Grenzlinie feststellen, an der er das Gebiet der nach unserer Ansicht noch legitimen theoretischen Schlußfolgerungen überschritt. Die Diskussion unserer Mitglieder war eine sehr rege. Die ärztlichen Mitglieder mußten zum Teil die Richtigkeit seiner Hauptklage, daß die Organiker die Persönlichkeit des Kranken allzusehr vernachlässigen, anerkennen, doch fast alle lehnten gewisse Übertreibungen ab. Groddeck schien unseren Argumenten zugänglicher. Ich persönlich habe von Gr[oddeck] manches gelernt, insbesondere die Kunst, die angelernte Medizin gelegentlich zu vergessen. Natürlich halte ich es aber für unumgänglich notwendig, das Gelernte gelegentlich auch zu erinnern. Erst aus dieser Kombination läßt sich etwas Brauchbares für die »Psychoanalyse des Organischen« erwarten.
In der Frage der Laien-AnalytikerB bin ich nach wie vor der Ansicht, daß man ihnen gegenüber bei der Erteilung der Mitgliedschaft mit allergrößter Strenge zu verfahren hat, wenn sie aber allen Anforderungen entsprechen, müssen sie unbedingt akzeptiert werden. Ich verweise nochmals auf meinen in der Homburger Komiteesitzung vorgebrachten Plan, nebst dem akademischen Lehrplan, deren Befolgung die Mitgliedschaft bedeutet, eine Art Mittelschule zu gründen, die den unleugbaren Interessen der Laien diente und aus der durch sorgfältige Auswahl eventuell einzelne zur »akademischen« Laufbahn zugelassen werden könnten.
Herzliche Grüße!
Ferenczi
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A Dieser Rundbrief ist, mit Ausnahme der Unterschrift »Ferenczi« und weniger handschriftlicher Korrekturen, mit Maschine geschrieben.
B Im Original: Laien-Analysen.
1 Vortrag vom 14.11.1925 über „Psychoanalytische Therapie innerer Krankheiten” (Zeitschrift, 1926, 12: S. 124).
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S.
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Anna
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Sachs, Hanns
http://data.onb.ac.at/rec/AC16740646 Autogr. 1055/23(1-16) HAN MAG