• S.

    Budapest, 31 Jänner, 1926

    Liebe Freunde:

    Diesmaliger Grund der Verspätung: Indisposition, die sich inzwischen besserte.

         Die Berliner Lösung erscheint mir als die derzeit einzig richtige. Ich bin überzeugt, daß Simmel, ein talentvoller Mensch, im Bewußtsein seiner wichtigen Position in jeder Hinsicht wachsen wird. In seiner produktiven Phantasie neigt er allerdings in eine Richtung, die der von Abraham entgegengesetzt ist; die kritische Begabung Radós wird aber ein gutes Gegengewicht sein.

         Die eventuelle Ergänzung des Komitees sollten wir uns, wie Ernest richtig meint, für eine spätere Zeit vorbehalten.

         Kolnai is[t] aus der Vereinigung ausgetreten. Er begründet es damit, daß er in Wien eine Doktorsarbeit publizieren wird, die sich kritisch gegen einige Grundansichten der Psychoanalyse wendet.[1] (Ich glaube, er schreibt eine neue Ethik.) Es ist gut, daß wir ihn los sind.

         Herzliche Grüße!

                                                                                       Ferenczi

     

    Lieber Herr Professor,

    Ihren Brief dankend erhalten. Nach Rücksprache mit Eitingon und Federn komme ich auf die Frage der Geburtstagsfeier zurück. Einstweile[n] habe ich abgewinkt.

         Auch meine Gesundheit ist nach wie vor etwas wackelig.

         Herzlich

                                                                                                Ihr

                                                                                       Ferenczi

     

     

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    A Der Rundbrief ist mit Maschine geschrieben, die Unterschrift   »Ferenczi« und die Nachschrift an Freud sind handschriftlich verfaßt.

     

     

    1         Wahrscheinlich Der ethische Wert und die Wirklichkeit (Freiburg, 1927). Zu Kolnai siehe 840 Fer und Anm. 1.