• S.

    Bp am 11. X        1920

    Lieber Herr Professor, liebe Kollegen!

    1.  Bis jetzt keinen Brief von Euch bekommen. –

    2.  Ich wiederhole den Rank bereits geschriebenen Vorschlag, 
       die Diskussion über die Referate von Binswanger und Stärcke 
    in den Vereinigungen durchführen zu lassen und  die gesammelten 
    Diskussionsbeiträge – etwa als Beiheft  der Zeitschrift – heraus-
    zugeben. Jones müßte die zwei Referenten ersuchen, Abzüge 
    oder Abschriften ihrer Referate jeder Vereinigung zukommen zu lassen, 
    die Präsidenten der Vereinigungen müßten dann (auch von Jones) 
    ersucht werden, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die 
    Diskussions-Sitzungen abzuhalten und die Sitzungsberichte an Rank 
    zu schicken. –

    3.  Die Angriffe gegen die Psychoanalyse sind an der Tages-
       ordnung. Nach dem erwähnten medizin. „Klatschblatt“ haben zwei 
    Tagesblätter das ungünstige Referat von Prof. Korányi ver-
    öffentlicht. Ich reagierte nur insofern, als ich der Behauptung, 
    die maßgebendsten Gelehrten seien Gegner der Psa. durch das 
    Zitieren einiger Namen entgegentrat. Daraufhin haben die 
    contrajewish Zeitungen die Sache aufgegriffen und benützten die 
    Gelegenheit, Angriffe gegen den in den Werken von Steinach, 
    Einstein, Ehrlich, Marx + Freud herrschenden Geist zu richten. 
    Eine reaktionäre Revue schließlich schrieb einen unflätigen Leitartikel 
    gegen die ψα. – Natürlich enthalte ich mich jeder weiteren Äußerung. 

  • S.

    Interessant ist, daß gleichzeitig einige nächste Angehörige der 
    angreifenden Partei (Familienmitgl., Freunde) großes Interesse 
    für die Psa. bekunden. –

    4.) Ranks Bericht v. 5/X. soeben bekommen!
        Die Frage des Vereinsabzeichens wurde beim letzten Beisammensein
        der Mitgl. bereits in positivem Sinne entschieden. (Wir treffen uns
        jetzt nur bei mir zum „schwarzen Kaffee“.) Bis jetzt 2-mal:
        1) Kongreßbericht, 2) (gestern) meine Arbeit über den „Tic“.

    5.)  Das handschriftl. Exemplar meines Briefes schicke
        ich gewöhnlich nach Wien. Die übrigen Exemplare sind (von meiner
        Frau) mittelst Kopierpapiers vervielfältigt und gleichzeitig versendet
        worden, so auch heute. –

    6.)  Ich denke, daß Adlers Buch zu meinem
        Referatengebiet gehört (Allg. Neurosenlehre). Ich bin bereit, dieses
        Referat zu übernehmen.

    7.)  Die im Bericht enthaltenen Anregungen werde
        ich nach Möglichkeit fördern.

       Dank und Gruß von