S.
Budapest, 1920 Oktober 18.
Liebe Freunde,
- Ich freue mich außerordentlich über die günstigen Aussichten des Wiener Verlags. Sobald der Vertrag geschlossen ist, müssen wir
- über das für unsere Zwecke verfügbare Kapital
- über die Bedingungen, die uns (resp. Rank) gestellt werden orientiert werden, dann sollte Rank einen allgemeinen Betriebsplan ausarbeiten, zu dem jeder von uns seine Bemerkungen machen könnte, usw. Mit einem Wort, es wird lebhaft zugehen!
-
In der Voraussetzung, daß das Geschäft mit Kola zustande kommt, mache ich Rank sofort einen privaten Vorschlag. Mein Verleger, Dick3, ist sehr unverläßlich. Da ich keine Zeit, auch keine Lust habe, mich um den Vertrieb meiner ung. Werke und Übersetzungen zu kümmern, über- vorteilt er mich nach jeder nur möglichen Art. Unlängst machte mir eine Wiener ung. Firma4 einen sehr günstigen Vorschlag: Ich soll ihr die ung. ps.an. Werke – u zw. nur die nächste Auflage, allerdings eine starke: je 4000 Exemplare, überlassen; man zahlt mir (sagten sie) 12 ½ % vom Brutto! Wien ist jetzt nämlich ein günstiges Zentrum zum Verkauf und zur Herstellung ung. Bücher für die besetzten ung. Gebiete geworden; wohin von hier aus kaum etwas exportiert wird. – Natürlich würde ich es vorziehen, die ung. Bücher dem internat. Verlag zum Vertrieb zu über- lassen. Dick könnte weiter den Vertrieb im Stammland Ungarn besorgen. – Einige ung. ψα Werke sind seit Monaten vergriffen und sollen in 3. resp. 4. Auflage erscheinen.
Bezüglich dieser wäre die Sache akut5; ich möchte nämlich von Dick um jeden Preis fort. – Einzelheiten können wir natürlich erst besprechen, wenn das Geschäft mit Kola abgeschlossen ist. Der Verbrauch Ungarns an ung. ψα Büchern ist ein recht bedeutender. Die ung. Übersetzung der Traumdeutung (von mir und Hollós6) kann nicht erscheinen, weil Dick kein Papier hat. –
N.B. die ung. Bücher sind mein Eigentum, sie [sind] bei Dick nur zum Vertrieb. Ausgenommen ist die ung. Traumdeutung, deren Hausgabe auf gemeinsames Risiko (von Dick und mir) gedacht war.
3) Zu Jones‘ Bericht vom 7.X.:
- Ich halte es für eine dringende Aufgabe, die amerikanische Organisa- tion zu neuem Leben zu erwecken, – wenn es geht – mit Brill, wenn er aber länger streikt: ohne ihn. Es ist nicht möglich, daß wir es dulden, daß infolge des neurotischen Verhaltens eines Einzelnen die ψα Bewegung in einem ganzen Weltteil einschläft. Leider kann ich hierüber keine posi- tiven Vorschläge machen.7
- In der nächsten Sitzung will ich Dr. Eder8 mit der Leitung des Refera- tenwesens betrauen. Dr. Szilágyi9 behält das Referat über ung. Literatur, Róheim den über Ethnologie, ich das über Neurosenlehre.
4) Zu Jones’ Bericht v. 12.X.:
a) Wir sind vollkommen außerstande, englische oder französische Bü- cher oder Zeitschriften zu kaufen. Ich wäre Jones sehr dankbar, wenn er neue Bücher, die er nicht braucht oder schon gelesen hat, leihweise uns überließe. Ich bin gern bereit, französische Bücher für die Zeitschriften (u. Journal) zu referieren. Auch Cruchet’s Tic-Arbeiten10 möchte ich gerne lesen.
b) Für das interessante Zitat aus Elliot11 herzlichen Dank.
6) Zu Abrahams Bericht Nr. 1.
Ich vermisse die Antwort auf meine Frage bezügl. des anzustellenden 2. Arztes der Poliklinik, die ich in meinem 1. Bericht stellte (Dr. Hárnik).
6) In der Wochenschrift »The Nation« (New York) v. 29. Mai 1920 finde ich folgende Annonce:
Lecture on
»America’s Contribution to Psycho- analysis.«or Kempe and his Dynamic Mechanism
by André Tridon famous psychoanalyst.
At the Bramhall-Playhouse /38 E. 27th St.
On June 3. Thursday 830 p.m.
Reserved Seats $1.10. General Admission 55c.
Tickets by mail from Symon Gould, 107 E. 4. St. N.Y.City
Wer weiß etwas?12 Herzlich grüßend
Ferenczi
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Rank, Otto
- Sachs, Hanns