• S.

    Angekommen: W/2. B/2. L/2.
    Budapest, 21. Jänner 21.
    3/21.

    Liebe Freunde!
    Die erste Wiederkehr des Tages, an dem unser Freund Toni gestorben
    ist, kann ich nicht vorübergehen lassen, ohne seiner zu gedenken. So schwer
    mir die Last des Lebens ist und so sehr man auch zeitweise geneigt ist, die
    Toten zu beneiden, so leid tut es einem doch, in den Momenten, in denen 
    uns die Fortschritte unserer Sache Vergnügen bereiten, einen der Besten zu
    vermissen.– Frau Rózsi v. Freund äußerte vor mir die Absicht, diesen
    Todestag dadurch zu feiern, daß sie mir für die Zwecke der Sache der ψα 
    in Ungarn 20.000 Kronen zur Verfügung stellt. Ich werde ihr vorschlagen, 
    diese Summe zur Komplettierung der Vereinsbibliothek zu verwenden.–
    In der nächsten Sitzung, die zugleich eine intime Erinnerungsfeier sein 
    soll, will ich das den Mitgliedern bekanntgeben.– Eine andere, größere
    Spende der Fr. v. Freund ist einstweilen nur psychoanalytisches Gesprächs-
    material zwischen uns; vielleicht wird aber auch hievon ein Teil realisiert.–
    In Bezug auf den »großen Fond« Tonis ist nichts zu vermelden.–

    ad W.: 1) Das ung. Tagebuch (das M. S.) ist endlich in meinem Besitze
    und bereits bei Eisler in Übersetzung. Es wird nicht schaden, wenn Du l. 
    Rank, ihn gelegentlich zur Eile drängst. 2) Nach reiflicher Überlegung
    bleibe ich mit den ung. Büchern bei Dick, da unter den herrschenden Ver-
    hältnissen die Versorgung Ungarns mit ψα Literatur nicht von einer
    ausländischen Stadt aus geschehen kann. Lévy Bela wird mit Dick einen
    annehmbaren Vertrag schließen. 3) Den Vertrag mit L und Storfer sollst Du 
    bei der Verpöntheit ihres Blattes in Ungarn unbedingt 
    so formulieren, daß der Titel ihrer Zeitg should not appear 
    anywhere, sonst ist es ausgeschlossen, daß auch nur 1 Exemplar 
    can pass the frontier. Es wäre überhaupt schade, die wissenschaftliche 
    Literatur mit der pol[itischen] zu verquicken. Das könnte unsere Sache hier 
    (vielleicht auch uns selbst)totschlagen. So be careful! Vielleicht 
    beginnst Du lieber mit den anderen Landessprachen, doch auch dort without 
    mentioning the name of that J.

  • S.

    Übrigens sehe ich dem Erscheinen des Rank’schen Opus mit Vergnügen entgegen.
    Übersetzer für die Landessprachen wären hier schwer aufzutreiben. In Wien 
    viel eher. Ein ähnlicher Antrag, wie jetzt an Rank, wurde mir vor einigen Monaten 
    durch Bolöny zu teil; natürlich mußte ich aus obgen. Gründen ablehnen.– Ich
    mache auch darauf aufmerksam, daß St[orfer] .– sonst nett und ehrlich – in pol[itischer] 
    Hinsicht unverbesserlicher Fanatiker, und als geheilter dem[entia] praecox-Fall 
    mit Vorsicht zu behandeln ist.

    Ad B.) Freue mich über die guten Nachrichten über Hárnik; erwarte Ähnliches
    über Frau Klein.

    Ad L.) 1) Bitte um besagte Nr. der »Proceedings«. Dieses Blatt wird mir nicht
    mehr gesandt; allerdings wäre mir das Abonnement zu teuer. 2) Dr. Lévy – 
    der Dir direkt schrieb, bekam noch keine engl. Zeitschrift v. 1921. 3) 
    Das amerikanische Geld ist glücklich angekommen. Herzlichen Dank. 4) Als
    „Protektor“ Kolnai’s plädiere ich für den Verkauf an eine fremde Firma. 
    6) Die ung. Gruppe stimmt für 1922 als Kongreßjahr; die offiz. 
    Verständigung an die Zentrale kommt bald, zugleich auch die Antwort auf 
    Eure Fragen.

    Anbei einige kanadische Zeitungsausschnitte über ψα in 
    Vers und Prosa.

    Herzliche Grüße von
    Ferenczi