• S.

    ad Be 5 W 5 L, Nr 6 (v. 21. II)
    Budapest Nr 6, (2. März 1921)

    Liebe Freunde,
    Ich glaube kaum, daß ich 6 Exemplare werde ordentlich kopieren kön-
    nen, will es aber versuchen.

    1.) Lokale Nachrichten: In einem hier seit kurzem erscheinenden sozial-
    politischen Halbmonatsblatt liberaler Schattierung erschien unlängst
    eine rein politisch-ethische Arbeit Kolnai’s, die der Psychoanalyse
    keine Erwähnung tat. Es scheint, daß wir ihn nur als Outsider betrachten
    dürfen. Der Aufforderung derselben Person, etwas über PsA zu schreiben,
    werde ich nicht entsprechen. Für mich und unsere Ortsgruppe ist derzeit
    die esoterisch-wissenschaftliche Arbeit die einzig angezeigte.–
    Die anerkennenden Worte des H. Prof. über die Leistungen dieser Grup-
    pe werden die Mitglieder zu noch fleißigerer Arbeit anregen.–

    Frau Sokolnicka, die sich seit mehr als einem Jahr hier aufhielt, reiste
    über Wien nach Warschau ab und will noch im April d. J. in Paris ihre
    psychoanalytische Praxis beginnen.

    2.) ad W.: Mit der energischen Ablehnung des Schweizer Protestes gegen
    Groddeck bin ich voll einverstanden.
    Nach Beendigung der mit Hollós gemeinsamen Paralysen-Arbeit gehe ich
    an die Zusammenstellung meiner deutschen Sammlung.

  • S.

    Ich danke dem Verlag für die Bereitwilligkeit.
    ad B) Vor etwa 10 Tagen sandte ich Dir, l. Abraham, einen
    Brief in dem ich zur Antwort, die ich auf Frau Dr. Herford‘s und Dr.
    Stockmayer‘s Briefe erteilen soll, Weisungen verlangte. Ich legte die
    Original-Briefe bei. Ist dieser Brief in Verlust geraten? Im Wesen han-
    delt es sich in Herford‘s Brief darum, daß sie mich nach London einlädt,
    einen Kurs über
    Neurosenlehre zu halten. Dr. Stockmayer der mich „jungisch“ anmutet,
    will mit Kolnai Fühlung suchen, in dem er den Ethiker zu wittern scheint.
    Er schreibt, daß er rein analytisch arbeitet und von den Kliniken Fälle
    zugewiesen bekommt. Er scheint für die „Ralliierung“ mehrerer
    Schattierungen plädieren zu wollen. Er korrespondiert mit Marcinowski
    und scheint sich mit soziologischen Problemen zu befassen.
    Ich will bei Róheim nach der Kolnai-Übersetzungsfrage anklopfen.
    ad L.: Willst Du Dich, l. Ernest, über die Steinach–Frage informieren,
    so lasse Dir sein Buch: Verjüngung durch experimentelle Einpflanzung der
    Pubertätsdrüse kommen (Springer Berlin). Er unterbindet d. vas deferens
    und bringt die Samenkanälchen zur Atrophie, das interstitielle Gewebe
    (Pubertätsdrüse) zur vicarierenden Hypertrophie, die (auch sexuelle) Verjüngung zur 
    Folge haben soll.

    Viele herzliche Grüße von
    Ferenczi