S.

ad W. L. B. v. 11/IV.                                                Budapest, 22. Apr. 21 (Ein Tag Verspätung)

Liebe Freunde,

Kolnai ersuchte mich brieflich, eine Vorrede zu seiner 
in II. Aufl. erscheinenden »Ps[ychoanalyse] + Soz[iologie]« zu schreiben. 
Zugleich sandte er mir das MS der Zusätze zu dieser Auflage. Ich 
entsprach seiner Aufforderung, machte ihn aber darauf
 aufmerksam, daß er die Stelle, wo er von zweierlei Richtungen 
der Ps. spricht (von einer, die das »freie Ausleben« zum Programm 
macht, und von einer anderen, die nach ihm von Freud, Pfister 
und mir vertreten sei), korrigieren muß, da mir von einer 
ψα mit dem Programm des »freien Auslebens« nichts bekannt sei. 
Ich mache Rank auf diese Stelle aufmerksam.– Er benützte 
diese Gelegenheit, um gegen Groddecks Buch und d. »Ars amandi« 
Stellung zu nehmen. Wir sehen, sein Ethicismus nimmt überhand.

Radó, unser Sekretär, sowie andere Mitglieder beklagten 
sich bei mir, auf Anfrage etc. vom Verlag keine Antwort zu be-
kommen.

ad L. Wäre es nicht besser, jede Gemeinschaft mit dem 
Kegan-Buch schon von vornherein öffentlich abzulehnen? 
Bousfield’s Gutachten fordert dazu förmlich heraus.

Herzliche Grüße

Ferenczi