• S.

    Budapest, 12. V. 1921

    Liebe Freunde

    Es tut mir unsäglich leid, zu Professors Geburtstags-
    fest nicht nach Wien gekommen zu sein. Die Hindernisse 
    waren zu groß, – vielleicht bin ich auch – wie unser Jubi-
    lant mir schrieb – weniger beweglich als früher. Umsomehr 
    freue ich mich auf die nunmehr im Sinne Abrahams 
    endgültig festgestellte Zusammenkunft in Deutschland.

    Von hier aus einige literarische Nachrichten:

    1. )Die Paralysenarbeit v. Hollós habe ich doch durchgesehen 
      und nach entspr. Korrektur mit meinem „Imprimatur“ versehen; sie dürfte bereits bei Rank sein.

      2.) Dr. Dukes (Rechtsanwalt, Patient bei mir) bringt 
      dieser Tage eine eigene z.T. von mir inspirierte Arbeit über 
      „Ps.An. und strafrechtliche Schuld“ persönlich zu Rank. 3) Er 
      bringt auch das MS meiner „Gemeinverständlichen Auf-
      sätze über Psychoanalyse“ ( s. I. Band meiner Sammlg 
      für die Bibliothek). 4.) Frau Rózsi v. Freund gab ich den 
      Auftrag, die „Gradiva“ des Prof. ins Ungarische zu über-
      setzen. Den Probebogen habe ich noch nicht überprüft. 
      Gelingt die Arbeit, so wird sie natürlich beim „Verlag“ er-
      scheinen. 5.) Ich bitte Rank, Eisler einmal etwas energischer 
      wegen des ung. Tagebuches zu mahnen. Ich tat es öfters; zuletzt 
      sprach er aber von „dringenden anderen Arbeiten“ etc., die ihn 
      zwingen, diese Arbeit auf die Ferien zu verschieben. Bitte 
      ihm einen früheren Termin zu setzen.

      Frau Sokolnicka teilt mir mit, daß sie ihre ps.a. 
      Praxis in Paris aufnahm. Ihre Adresse ist Paris, XV. 4. Avenue 
      Pasteur. Vielleicht hat jemand (Jo- nes ?) Patienten für sie.

  • S.

    ad L.: Bitte, l. Ernest, uns mit so bösen Nachrichten 
    wie die im letzten Briefe zu verschonen! Hoffentlich bist Du 
    wieder all right!

    ad Wien: 1) Darf ich die Preiszuerkennung an Róheim 
    bereits offiziell verkünden?

    2) Herzlichste Glückwünsche aus Anlaß der schönen Bilanz 
    unserer „GmbH. Sind die Valoren mit verrechnet? 
    Und sind sie schon verkauft?

    3) Will der Verlag die Übersetzungskosten der „Gemein-
    verständl. Aufsätze“ im Sinne des letzten Rundbriefes auf 
    sich nehmen?

    4) Beklagt hat sich eigentlich nur Radó, woraufhin 
    sich auch andere Stimmen – deren ich mich nicht mehr erinnere – 
    erhoben. Inzwischen meldete aber auch Radó das 
    Einlangen der Antworten aus Wien.

    Viele herzliche Grüße von

    Ferenczi