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S.
Budapest, 11. Nov. 1921
Liebe Freunde,
von der übrigen Welt auch postalisch beinahe abge-
schnitten, freue ich mich doppelt über jede Nachricht von Euch.
Eure Briefe erreichen mich alle, doch mit beträchtlicher Ver-
spätung. So erhielt ich den B.Brief erst heute, – den L.Brief
2 Tage früher.Im Verein erzählte uns Feldmann von Erfahrungen über
Schwangeschaftsphantasien. Er behauptet, daß Frauen, deren ubw.
Schw[angerschafts]-Phantasien analytisch zu Tage gefördert werden, die Sterili-
tät aufgeben und konzipieren.Einem sehr herzlichen Brief von Groddeck fügte Fr. Emmy v.
Voigt, seine schwedische Mitarbeiterin, die Mitteilung bei, sie hätte sich
wegen der schw[edischen] Übersetzungen mit ihrem Vaterlande in Verbindung
gesetzt.Wegen der ung. Übersetzungsrechte muß ich mit meinem Gauner
von einem Verleger einen unangenehmen Streit führen, dessen
Erfolg sehr zweifelhaft ist. Dr. Béla Lévy erweist sich als ein
etwas saumseliger juristischer Ratgeber und Helfer.Vorigen Sonntag wurde der Leichnam unseres Toni Freund von
Wien nach Bp. überführt und hier endgültig bestattet. Seiner
Frau scheint diese Zeremonie zur Beendigung ihrer pathologi-
schen Trauer verholfen zu haben. Sein Bruder Emil offenbart
seinen wirklichen Charakter darin, daß er sich rückhaltlos dem
antisemitischen Kurse anschloß und auch die Berührung mit mir
resp. der Psychoan. meidet. Auf ihn ist nicht zu rechnen. -
S.
Ad L. Frau Dr. Ilona (Helene) Krassó ist die erste (geschiedene)
Frau unseres Sekretärs Dr. Radó. Du dürftest ihn, lieber Ernest
bei Deinem längeren Aufenthalt in Bp. vor dem Kriege, persönlich kennen gelernt
haben. Sie ist M.D., intelligent, aber sehr unstet, besonders
aber: snobistisch. Sie gestand mir seinerzeit, Dr. Radó, ihren seiner-
zeitigen Gatten, jahrelang von der Beschäftigung mit der Psychoanalyse abge-
halten zu haben, weil sie mit dieser hier offiziell nicht anerkann-
ten Sache nichts zu tun haben wollte. Nach der Scheidung brachte
sie ihr Onkel, der Millionär Kessler, nach Amerika, wo sie
sich mit Röntgenologie beschäftigte. Das Anerkanntsein der Psychoanalyse
in Amerika scheint sie nun dieser Sache gnädiger gestimmt zu
haben. Das Einzige, was dafür spräche, sie trotz alledem zu
akzeptieren, ist die Aussicht, jenen ungemein freigebigen
Onkel, der auch hier Millionen für die Armen spendet, für die
Sache der Psychoanalyse zu gewinnen.Ad W. Prinzipiell bin ich nicht abgeneigt, für die Amer-
ikaner in Wien 2 Vorträge zu halten und würde mich gerne
hierüber mit Abraham ins Einvernehmen setzen (Zeitpunkt,
Vortragsgegenstand, Bedingungen etc.).Viele herzliche Grüße von
Ferenczi
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Rank, Otto
- Sachs, Hanns