• S.

    Budapest, 21. II. 922.

    Liebe Freunde,

    Die ung. ψα Bewegung (die inoffizielle) ist bekannt-
    lich vor einigen Jahren eingeschlafen. Nun fängt aber
    der Wellenschlag vom Westen her von neuem an. Die Journale 
    schreiben fast jede Woche etwas von der Psychoanalyse in
    London oder Paris; meist unsinnige Albernheiten. Ich
    halte es für’s Zweckmäßigste, mich in Schweigen zu
    hüllen. – Als Kuriosum erwähne ich, daß eine Fr.
    Dr. Vas eine psychoanalytische Tanzschule gründen will,
    wo man seine Träume in selbstgewählten Gesten,
    und Bewegungen „abreagiert“. Natürlich wies ich
    eine Beteiligung an diesem Unternehmen ab und
    riet der Dame, sich erst analysieren zu lassen. –
    Die nächste Vereinssitzung findet in der Irrenan-
    stalt statt; am Programme steht die psychoan.
    Theorie der paralyt. Geistesstörung (von mir) und
    Krankenvorstellung (von Hollós). – Ich wäre H.
    Prof. dankbar, wenn er mich über die Ankunft
    des Paralyse-Manuskriptes beruhigen könnte.
    Auch eine Äußerung seinerseits über den Inhalt des
    MS wäre mir sehr erwünscht.

    ad L.: In einer separaten Karte gab ich in Bezug
    auf die Calcutta-Gruppe nur die (unmaßgebliche)
    Meinung ab, ob die Angliederung der Gruppe nicht noch
    aufzuschieben wäre, bis die Gruppe Zeichen v. ihrer Brauchbarkeit

  • S.

    gibt. –
    Die Berliner Vorschläge bezügl. Kongreßdatums und
    öffentl. Vortrags finde ich annehmbar; die persönl.
    Einladung Abrahams nehmen wir dankend, aber nur für den
    Fall an, daß wir nicht bei meinem Bruder Unter-
    kunft finden.

    ad Kongr. 1): Ich stimme für das Stenographieren resp. für
    d. Kongreß-Beiheft.

          2): Für Ungarn könnten 5–600 K. pro Person
    in Vorlage gebracht werden.

           3) Die Themata des öffentl. Vortrags wären
    sorgfältig auszuwählen. Ich (für meine Person) schlage das
    Thema „Suggestion u. Psychoanalyse“ vor.

    Fragen:
           1) Wann läuft der Termin für Vortrags-
    Anmeldungen ab?

           2) Vielleicht könnte man einige der
    für d. Ps.An. interessierten Franzosen einladen.

    Herzliche Grüße von
    Ferenczi

    P.S. Über Blüher erschienen in einer reaktionären
    ung. Tageszeitung die Äußerungen des Berliner Historikers,
    Prof. Ernst Troeltsch, daß „dieser Anhänger der
    Schule Freuds alle Lebensäußerungen auf Erotik zurück-
    führe. Er umgibt sich mit Aristokraten und scheint
    seine Sexualphilosophie materiell zu verwerten“.