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S.
Budapest
17. V. 1922.Liebe Freunde,
von hier nichts Wissenschaftliches zu melden. Es scheint,
daß die Stellung von H. in der Irrenanstalt nicht
zu halten ist. Wohl ein Beispiel für Verhältnisse.
Es ist der einzige Psychiater hier, der diesen Namen
verdient.In der Sitzung sprachen mehrere, hauptsächlich
Kasuistik. Radó warf die Idee auf, ob die Sodomie,
die so weit verbreitet ist, nicht ein Sediment eines
Zeitalters ist (nach der Vertreibung der Söhne), in
dem Tiere als Ersatz benützt wurden. Pfeiffer
reagierte bereits auf Professors „Traum und
Telepathie“ und wollte mit schlecht belegten
Beispielen das Thema vorzeitig ausschlachten.
Er wurde abgelehnt. Ich sprach über einen
Fall von Tic, der für meine Annahmen sprach
und nochmals über den typischen Traum vom
„gelehrten Säugling“.Beiliegend interessante Zeitungsausschnitte
aus Amerika und Italien, sie gehen über L.-B.–
nach Wien.
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S.
Ad B.: In Ungarn wird deutsch wenig gelesen; auch
wer die deutsche Umgangssprache beherrscht, liest
lieber ungarisch, die Muttersprache; daher wird
verhältnismäßig wenig deutsche psychoanalytische Literatur verkauft.
– A propos! Rank sollte regere Verbindungen des
Verlages mit den ungarischen Buchhändlern anbahnen; man
sieht in den Schaufenstern unsere Verlagsprospekte
fast nie, – G. Fischer’s, Braumüller’s u. a. viel
öfter.Ad W.: Erwarte mit Interesse die Entscheidung in
der Frage der ungarischen Übersetzungen. Dick droht mit
Repressalien, ohne sich realer zu äußern, was er meint.
Meine Darstellung der Analyse paßt vielleicht
eher in den Sammelband (in dem es auch ungarisch erscheint).
Auf diese Weise bringen wir neue Kreise in Berührung
mit der Psychoanalyse.Vom Journal besitze ich eigentlich nichts.
Ad L.: Die Nachricht von der „London University
in combination with the Jewish Hist Society“
wirkt hier im Country des Numerus clausus fast phan-
tastisch.Herzliche Grüße!
Ferenczi
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Rank, Otto
- Sachs, Hanns