S.
Budapest, 15. Nov. 22
Liebe Freunde,
Der vorzeitig angekommene Brief Ottos setzt mich
in den Stand, auf die letzte große Mitteilung (Übersiedlung nach
Berlin) zu reagieren. Ich staune über die kolossale Mobili-
tät und Anpassungsfähigkeit des Verlags resp. der Verleger;
ohne diese wären wir gewiß längst zugrunde gegangen. So
aber beginne ich zu hoffen, daß wir allen denkbaren Wirt-
schaftskrisen gewachsen sind.
Ich selbst kann leider nicht einmal meine kleinen lokalen
Geschäfte in Ordnung bringen. Die Verbindung mit meinem bishe-
rigen (und noch für 4 Jahre verpflichteten) Verleger Dick
wird mir immer lästiger. Dagegen hoffe ich, das Alltagsleben
vor Weihnachten herauszubringen. Ich bitte bei diesem Anlasse
Rank, das geplante Geschäft bezüglich des Witz-Buches
mit Deuticke abzumachen (Ankauf der ung. Rechte
und temporärer Weiterverkauf an „Weltliteratur“). Die
Übersetzung ist bereits fertig, wenn auch noch nicht
revidiert.
Hermanns zweiter Vortrag war kaum besser als der
erste. Der Arme wurde ordentlich niedergedonnert.
Ich hoffe, er verzichtet auf die Veröffentlichung.
Wie ich vielleicht schon mitteilte, biedert sich uns Dr. Décsi
(der berühmte Verfasser des Ausdrucks Freud = alttestamentarischer,
Jung = germanischer Held) wieder an. Siehe dazu die beiliegende
Kritik aus dem „Pester Lloyd“. Ich werde natürlich auf
seine Freundschaft nach wie vor verzichten und registriere
den Fall nur als Zeichen der Zeit.
Die Praxis nimmt ab. Zu Weihnachten reist die einzige
Pat., die mit wirklichem Geldbesitze, ab. Die Aussichten
sind recht trübe.
Herzlichst Euer
Ferenczi
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Rank, Otto
- Sachs, Hanns