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Budapest, im Dez. [Dezember] 1923
Liebe Freunde,
1) So sehr mich Eitingons interessante
Berichte über die Fortschritte der Psychan. in Frankreich
erfreuten, so unangenehm berührt es mich, daß Dr.
Laforgue, ein Schüler der Sokolnicka, ungestraft
und unbehindert an der konsequenten Ausschaltung
seiner Lehrerin (wovon ich unterrichtet bin) hinar-
beiten kann. Jeder einzelne von uns muß das
Seinige tun, um solches Vorgehen unmöglich zu machen.
Laforgue muß sich klar machen, daß die Beschäfti-
gung mit der Psy. An. besonders aber die Tendenz, die
Führung in einem Lande wie Frankreich zu über-
nehmen die Pflicht mit sich bringt, auch seine
eigene Ambition zu beherrschen und sich keine
solche Blößen zu geben. Meiner Ansicht nach sind
wissenschaftliche Ehrlichkeit und Charakterfestigkeit
unlöslich miteinander vereinigt. Du l. Max muß-
test das Dr. L. klarmachen. Ich sehe ein, daß Sok.
zur Führung ungeeignet ist, – das beansprucht
sie auch gar nicht; sie soll aber als Mitarbeiterin
anerkannt und gefördert werden.2) Ernest’s Antwort auf
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meine Klage entkräftet das Vorgebrachte durch-
aus nicht. Der Sachverhalt ist folgender: Ich schrieb
in 1909² die Arbeit über Sugg. und Hypnose, die sich
auch über das Verhältnis von Auto- und Heterosugg.
recht eingehend äußert. Diese Ansichten werden
von Ernest in 1910 fast wörtlich in einer Arbeit
verwertet, in der er mich 12mal zitiert. In 1923 ver-
öffentlicht er eine neue Arbeit über diesen Gegen-
stand, in dem mein Name nicht mehr genannt wird,
dagegen seine eigenen Worte (die nur die mei-
nigen wiederholen) wörtlich unter Anführungs-
zeichen („I wrote“ etc.) zitiert werden. Das ist
doch nichts als eine konsequente Ausschaltung
meiner Person.Die Erklärung, daß meine Rolle
allbekannt ist, ist unzulänglich, und daß mei-
ne Erklärung der Autosuggestion ein „truism“ ist,
kann ich nicht anerkennen. Sie ist nur
truism, seitdem ich sie veröffentlichte.Ich begnüge mich damit, daß Ernest in
der Zeitschrift, in der die „Auto sugg.“-Arbeit er-
schienen, nach Abrahams Vorschlag einen kurzen
literarischen Nachtrag abdrucken läßt, in dem
klar ausgesprochen ist, daß sowohl die libidinös-
– parentale überhaupt die psychoan. Theorie
der Sugg. und Hypn. – als auch die Zurückführung
der Hetero- auf Autosuggestion (die allerdings
auf frühinfantile Heterosuggestionen basieren)
von mir stammt.Natürlich will ich damit den von
Jones in seiner Arbeit gemachten Fortschritt
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durchaus nicht leugnen. Indem er meine „Elterntheorie“
mit den neuesten Freudschen Forschungen (Ich-Analyse)
verknüpft, trägt er zu ihrer Plausibilität gewiß
nicht unwesentlich bei. Nur hätte er diesen
Fortschritt als solchen hervorheben sollen. Wenn
er es aber nachträglich tut, ist die Angelegenheit
für mich erledigt. Ich bitte also Ernest, dem Vor-
schlag Abrahams zuzustimmen.Dagegen müßte die deutsche Überset-
zung diesen Dingen eingehender Rechnung tragen
(N.B.: Ernests Rundbrief mußte ich von Wien kommen
lassen; ich selber erhielt keinen.)3) In der Vereinigung trug ich gestern einen Ka-
pitel aus der „Genitaltheorie“ vor. Eine Einladung für
mich nach Kaschau (jetzt Tschechoslowakei) liegt auch
vor. Ich soll über denselben Gegenstand sprechen. –
Hermann übergab mir eine interessante Arbeit über
Psychoanalyse und Logik, die sich als Heft der „Neuen
Arbeiten“ eignen dürfte; zuvor muß ich sie aber
durchstudieren.4) Feldmann regt sich. Er schrieb ein Reklam-Buch
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„Therapie der Impotenz“ – „eine psychoan. Untersuchung“
à la Stekel. Ich will es in Dr. Levy’s Zeitschrift re-
ferieren und seinen Austritt aus der Vereini-
gung hervorheben.5) Unter den jüngeren Ärzten (auch Neurologen)
macht sich hier wieder mehr Interesse für die
Ps.A. bemerkbar. Ich wurde zur Haltung von
Vorträgen aufgefordert, bin aber einstweilen von
der unbarmherzigen Praxis daran gehindert. Täg-
lich 9–10 Stunden, damit man leben kann. Der
Kollege, den unser zukünftiges Mitglied Frau
Kovács analysierte, bewährt sich bei seinen eigenen
Versuchen recht gut; zwei weitere Kollegen sind
jetzt bei ihr (Frau K.) in der Analyse.Herzliche Neujahrs- und Weihnachts-
wünsche von EuremSándor
P.S. An der offenen Zusendung des letzten
Rundbriefes ist nur der schlechte Klebstoff
meiner Briefkuverts schuld.
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Rank, Otto
- Sachs, Hanns