S.

Budapest, 13. Jänner 1924  

Liebe Freunde.  

Meine Neujahrsreise nach Wien und das seither etwas schwankende 
Wohlbefinden verursachten, daß ich so verspätet mit meinem Januar-
brief komme.  

In Wien freute ich mich, Herrn Professor rüstig und arbeitsfähig 
wiederzusehen, besonders erfreulich war mir, daß seine Aussprache 
relativ so wenig unter dem Eingriff gelitten hat. Er präsidierte in 
der Sitzung, in der ich einen Vortrag hielt, nach langer Krankheit zum 
ersten Male.  

Den Vortrag selbst (gleichsam die Illustration zur Arbeit, den ich 
mit Rank zusammen verfaßte) wiederholte ich auch in Budapest, wo 
Alexander aus Berlin zugegen war. Letzterer, sowie die Wiener schienen 
unseren Vorschlägen nach den gegebenen Aufklärungen nicht unfreundlich 
gegenüberzustehen. Natürlich hoffe ich (und wohl auch Rank) erst dann 
[auf] eine objektive Kritik über diese Schrift, wenn das darin Vorgeschlagene 
von den Lesern auch praktisch erprobt wurde.  

Darum finde ich auch die von Rank bemängelte Kritik seitens einiger  
Kollegen in Berlin mindestens voreilig und gewiß nicht taktvoll. Die 
Neugierde   wäre allenfalls noch verzeihlich, keinesfalls aber die von 
Rank mitgeteilte Art der Reaktion auf das Gehörte.  

Ad London: Nach reiflicher Überlegung verzichte ich auf die von 
Karl vorgeschlagene Berichtigung seitens Ernest um so eher, als zufällig 
gerade in der letzten Nummer der Mitchell’schen Zeitschrift über das 
Thema der Autosuggestion von einem Outsider eine neue Arbeit erschien, 
die meine Arbeiten entsprechend würdigt. Damit erkläre ich diese, an 
und für sich nicht bedeutende Angelegenheit für erledigt.  

Brill schrieb mir, er möchte meine „Genitaltheorie“ ins Englische 
übersetzen. Ich antwortete ihm, daß ich zuvor den diesbezüglichen 
Vorschlag der „Press“ erfragen will. Natürlich müßtest Du, l. Ernest, 
wenn Du darauf reflektierst, Dich ehestens äußern und auch einen nicht 
langgestreckten, genauen Termin des Erscheinens feststellen.  

In der nächsten Sitzung wird Frau Kovács ihren Aufnahmevortrag 
halten.  

Mit den besten Neujahrswünschen Euer,  

Sándor