S.

Budapest, 6 April 1924

Liebe Freunde:

Es waren wichtige Interessen, die uns seinerzeit dazu bewegten,
eine intime Gemeinschaft zur Pflege der Psychoanalyse zu schaffen und
diese auch durch eine regelrechte Rundbriefkorrespondenz zu fördern.
Diese Korrespondenz hat sich in letzterer Zeit in eine Anzahl von Pri-
vatkorrespondenzen aufgesplittert, während die Rundbriefe zu einer in-
haltslosen Formalität degradiert wurden. Es wäre pure Hypokrisie und
unser unwürdig, diese Tatsache abzuleugnen oder zu verschweigen.

Es ist abzuwarten, wie sich das persönliche Verhältnis der bis-
herigen Komitee-Mitglieder gestalten wird. Wie dem aber auch sei, meine
Ansicht geht dahin, daß die Leiter der bedeutendsten Vereinigungen un-
bedingt eine Plattform finden müssen, die es ihnen ermöglicht die vor
allem zu berücksichtigenden Interessen der Psychoanalyse nach wie vor
durch gegenseitige Unterstützung zu fördern. Ich gebe also der Hoffnung
Ausdruck, daß – abgesehen davon, wie und von welcher Seite gegen die
Kollegialität gesündigt wurde, alles getan wird, was das gemeinsame In-
teresse erheischt.

Bei Abwesenheit des H. Professor vom Kongreß bleibt es Einzelbe-
sprechungen vorbehalten, einen Modus vivendi zu schaffen.

Mit Gruß Euer,

Ferenczi