S.
Budapest, 21. Dez. 1920
Nr. 10
angekommen: B., W., L. 10.2
Der Wunsch nach einem glücklichen, jedenfalls glücklicheren neuen Jahr mag vielen von uns persönlich gerechtfertigt erscheinen. Unsere gemeinsame Sache kann sich mit dem Erfolge des abgelaufenen Jahres zufrieden geben.3 Ich habe den Eindruck, daß die Psychoanalyse seit der Beendigung des Krieges sich rapid über die ganze von kultivierten Men- schen bewohnte Erde ausbreitet. Unsere Organisation hielt – wie der letzte Kongreß zeigte – allen Erschütterungen stand, und das Jahr 1920 bescherte uns mit einigen bedeutsamen Arbeiten unseres Lehrers. Nicht zu vergessen ist die Erstarkung der »inneren Mission« durch die Einfüh- rung der regelmäßigen Korrespondenz. Wenn den Wünschen nur eine Spur von Allmacht verblieb, so müssen wir uns in 1921 in Fröhlichkeit wiedersehen.
Aus unserem Verein ist zu vermelden: ein kürzerer Vortrag von Dr. Hermann über die zeichnerische Begabung4 (Rückführbarkeit dersel- ben auf erotische Betonung der – onanierenden – rechten Hand) und ein ebensolcher von mir über den Zusammenhang der musikalischen Bega- bung mit der Analerotik (zugl. Hinweise auf die Bedeutung der Synästhesien (erotischen Verdichtungen mehrerer Sinnessphären) in der Kunst und im Kunstgenuß)5.
Ad W.: Die Gründe, die für Verschiebung des Kongresses auf 1922 sprechen, bestimmen auch mich dem Wiener Vorschlag beizustimmen. Für die Komitee-Sitzung empfehle ich Ostern in Salzburg. Zugleich melde ich mich als Korreferent über Gedankenübertragung.
Ad L.: Dank für den neueren Schritt im Interesse Róheims. Ich fürchte eigentlich, ihn zu verlieren, aber er paßt nicht in die hiesigen Verhältnis- se. Man stelle ihn irgendwohin, wo er nicht, wie jetzt, Büroarbeiten ma- chen muß, und er wird Hervorragendes leisten.
Nochmals: Merry Christmas and happy new Year!
Ferenczi
- Geheimes Komitee
- Abraham, Karl
- Eitingon, Max
- Freud, Sigmund
- Jones, Ernest
- Rank, Otto
- Sachs, Hanns