• S.

    Budapest, am Neujahr 1921
    Nr. 1/1921
    Antwort auf L. 11 u. 12, B. 11 u. 12, W. 11

    Liebe Freunde,
    Die Stadt, in der ich lebe, ist immer noch vielfach abge-
    sperrt von der normalen Kommunikation. Aus diesem Grunde und
    aus vielen anderen wird sich meine Tätigkeit wahrscheinlich nach wie 
    vor hauptsächlich darauf beschränken, Eure Mitteilungen zu be-
    stätigen und auf sie zu reagieren; die Initiative bleibt also den Haupt-
    zentren überlassen.

    Ad L.:

    1. Wie ich es bereits meinem Freudensgenossen Rank schrieb,
      hoffe ich, daß das Erhobenwerden zum Ehrenmitglied nicht eine 
      schonende Form der – Entfernung bedeutet, wie z.B. das Projizieren
      der Göttlichkeit auf den Himmel. Ich hoffe, daß ich noch Gelegen-
      heit haben werde, meine reale Existenz durch persönliches
      Erscheinen unter den einfach-irdischen Mitgliedern der
      britischen Gruppe zu beweisen. Natürlich werde ich der
      Gruppe auch offiziell danken. Einstweilen danke ich nur
      Dir, lieber Ernest, dem mutmaßlichen Anstifter der Erhöhung.

    2. Das Schicksal der α Bewegung in England erinnert
      mich lebhaft an die Ebbe und Flut, wie sie bei uns ablief.
      Es wäre interessant, die Parallele zwischen der Fluktuation von 
      Übertragung und Widerstand bei der individuellen Behandlung und jener bei
      Massenbehandlung (durch Verbreitung von ψα Kenntnissen) aufzu-
      stellen.

    3. Als Mitglied der S.P.R. (London) bin ich über den
      Stand der Telepathiefrage in England wohl unterrichtet,
      behaupte aber trotzdem, daß die Behandlung dieser Probleme

  • S.

    bisher von der Wissenschaft vernachlässigt wurde und daß es von
    Wichtigkeit wäre, daß sich die ψα dieses auch heuristisch –
    bedeutsamen Gebietes bemächtigt.
    4) Nach meiner Information hat die hiesige amerik. Mission
    viel mehr Dollars als die 44, die sie mir auszahlen soll. Aber ich
    überlasse Dir die Erledigung dieser Angelegenheit.
    5) Als Form der Entscheidung über den Zeitpunkt des Kon-
    gresses empfehle ich die Befragung aller Präsidenten, möchte
    aber (bei meiner bekannten demokratischen Art) dafür sorgen, 
    daß die Antworten im Sinne des Komitees ausfallen. Nunmehr 
    stimme ich auch für 1922, so daß für dieses Datum eine 
    Komitee-Majorität vorzu liegen scheint (Prof., Rank, Fe-
    renczi, Jones, (Eitingon?)). 

    Bezüglich der Komiteesitzung möchte ich die Entscheidung
    Prof. überlassen, so daß ich diesbezüglich auf mein Votum 
    verzichte, um die Verständigung zu vereinfachen.

    Ad Berl.: Dein bedauerliches Unwohlsein, das inzwischen hoffentlich 
    ganz vorüber ist, möge Dir, l. Abraham, als Zeichen dienen, daß 
    Du Dich nicht noch mit Kongreßagenden zu belasten brauchst, wenigstens 
    nicht im J. 1921. In 1922 wirst Du mit umso größerer Energie 
    den – sicherlich allerschönsten – Kongreß seit der Vereinsgründung 
    zusammenbringen.

    Ad W.: Ich gratuliere dem Verlag zur prächtigen Weihnachts-
    bescherung. Jeden Tag bringt jetzt die Post eine ψα Überraschung. 
    Vivant sequentes! Hast Du schon, l. Rank, jemanden zum
    Referieren über Groddeck? Wenn nicht, so melde ich mich dazu.
    Das Buch wird – zwar geistvoll und amüsant – viel böses Blut
    machen; eine vorbeugende Kritik wäre am Platze.

    Herzlichste Grüße von Eurem
    Ferenczi