Hier finden Sie derzeit nur eine erste Materialiensammlung für eine Einführung zu diesem Werk:
Entdeckt in einem Konvolut von Briefen der Freud-Ferenczi-Korresondenz und als Faksimile-Ausgabe erstmals veröffentlicht von Ilse Grubrich Simitis:
Freud, Sigmund (1985): Übersicht der Übertragungsneurosen.
Ein bisher unbekanntes Manuskript. Mit einem Essay von Ilse Grubrich-Simitis; Transkription von Ingeborg Meyer-Palmedo. Frankfurt am Main: S. Fischer.
(In unserem Werkverzeichnis zu finden unter:
Freud, Sigmund (1915-101/1985): Übersicht der Übertragungsneurosen
Enthalten auch in:
Freud, Sigmund (1915-101/1987): Übersicht der Übertragungsneurosen. GW Nachtragsband:627–651.
Sigmund Freuds 12. metapsychologischer Abhandlung
Sigmund Freud hatte den Entwurf zu diesem Werk am 28.7.1915 an Sándor Ferenczi geschickt.
Ilse Grubrich Simitis entdeckte ihn 1983 in Freuds Haus in London in einem Koffer mit Hinterlassenschaften von Sàndor Ferenczi.
Papierformat: 21,3x33,7 cm
23 Seiten Entwurf,
Die Blätter sind beidseitig beschrieben.
Kurrent mit einzelnen Wörtern in lateinischer Schrift
Auf der Rückseite des letzten Blattes findet sich Freuds Brief an Sándor Ferenczi vom 28.7.1915 mit Briefumschlag.
Freud hatte zu diesem Zeitpunkt davon bereits eine (uns nicht überlieferte) Reinschrift verfertigt, die sich seinen Aussange nach nur wenig vom Entwurf unterschied. Er dürfte sie vernichtet haben.
Die Erstveröffentlichung erfolgte erst posthum:
Freud, Sigmund (1985a [1915]): Übersicht der Übertragungsneurosen.
Ein bisher unbekanntes Manuskript.
Ediert und mit einem Essay versehen von Ilse Grubrich-Simitis.
Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 128 Seiten.
Die Erstausgabe enthält ein Faksimile der Handschrift und, außer der edierten Fassung des Texts, eine buchstabengetreue Transkription von Ingeborg Meyer-Palmedo.
Freud arbeitete 1915 an 12 Abhandlungen, die in einem Buch mit dem Titel Zur Vorbereitung einer Metapsychologie erscheinen sollten. Diesem Projekt unmittelbar voran ging seine Arbeit zur Einführung des Narzißmus (1914-003) und der Beginn seiner Niederschrift zum "Wolfsmann" Aus der Geschichte einer infantilen Neurose (1918-004) sowie die dritte Auflage der Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905-004/1915).
Zur Vorbereitung einer Metapsychologie:
Freud konzipierte dafür 12 Abhandlungen. Veröffentlicht hatte er nur die ersten fünf Studien, sie erschienen in der Internationalen Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse.
(1915-003/1915) Triebe und Triebschicksale. IZP
(1915-004/1915) Die Verdrängung. IZP
(1915-005/1915) Das Unbewußte. IZP
(1918-001): Metapsychologische Ergänzungen zur Traumlehre
(1918-002): Trauer und Melancholie
Bereits formuliert aber nicht publiziert waren auch die weiteren 7 Abhandlungen. Vn vier Abhandlungen wissen wir zumindest das Thema oder den Titel
Das Bewußtsein
Angst
Konversionshysterie
Der Zwang
Von zwei Abhandlungen wissen wir keinen Titel.
Strachey (1957:72) spekulierte, dass sie folgende Themen zum Inhalt gehabt haben könnten:
Sublimierung
Projektion (oder Paranoia)
Von der letzten Abhandlung ist uns ein Entwurf überliefert.
(1915-101): Übersicht der Übertragungsneurosen (Entwurf)
Schon am 4. August 1915 konnte Freud Hitschmann mitteilen, dass sein aus 12 Abhandlungen bestehendes Buch fertig sei: "Meine Arbeit ist von den Anwendungen jetzt ganz zu den Grundlagen zurückgekehrt. Mein aus 12 Abhandlgen bestehendes Buch ist zum ersten Mal fertig; zur realen Vollendung drängt aber nichts." (F-HiEd/1915-08-04)
Aus seinen Briefen an Sándor Ferenczi, Lou Andreas Salomon und über eine Anmerkungen in seine Metapsychologische Ergänzungen zur Traumlehre erfahren wir Details.
(F-FeSa/2.12.1914)
(F-FeSa/11.1.1915)
(F-FeSa/18.2.1915)
(F-FeSa/8.4.1915)
(F-FeSa/21.6.1915
(F-FeSa/10.7.1915
(F-FeSa/12.7.1915
(Fe/Sa-F/18.7.1915
(Fe/Sa-F/24.7.1915
(F-FeSa/27.7.1915
(F-FeSa/31.7.1915
(F-FeSa/9.8.1915
(F-FeSa/31.101915
(F-FeSa/6.12.1915
(F-FeSa/24.3.1916
(F-FeSa/25.11.1916)
(F-FeSa/20.11.1917
(F-FeSa/17.3.1918
(F-FeSa/
(F-FeSa/
F-ASLo/13.7.1917
F-ASLo/18.3.1919
F-ASLo/18.3.1919
Freud hatte zwar sein Vorhaben Zur Vorbereitung einer Metapsychologie nicht abgeschlossen, sondern widmete sich mit den Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (!917-001) einem anderen umfangreichen Vorhaben.
Aber seine metapsychologischen Überlegungen führte er später vor allem in folgenden Werken fort:
(1920-004) Jenseits des Lustprinzips
(1921-001) Massenpschologie und Ich-Analyse
(1923-003) Das Ich und das Es
(1926-001) Hemmung Symptom und Angst
Aber bereits 1915, in der 3. Auflage der Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie können wir lesen:
„Die Abhängigkeit dieser Schrift von den psychoanalytischen Erfahrungen, die zu ihrer Abfassung angeregt haben, zeigt sich aber nicht nur in der Auswahl, sondern auch in der Anordnung des Stoffes. Überall wird ein gewisser Instanzenzug eingehalten, werden die akzidentellen Momente vorangestellt, die dispositionellen im Hintergrunde gelassen und wird die ontogenetische Entwicklung vor der phylogenetischen berücksichtigt. Das Akzidentelle spielt nämlich die Hauptrolle in der Analyse, es wird durch sie fast restlos bewältigt; das Dispositionelle kommt erst hinter ihm zum Vorschein als etwas, was durch das Erleben geweckt wird, dessen Würdigung aber weit über das Arbeitsgebiet der Psychoanalyse hinausführt.
Ein ähnliches Verhältnis beherrscht die Relation zwischen Onto‑ und Phylogenese. Die Ontogenese kann als eine Wieder-
holung der Phylogenese angesehen werden, soweit diese nicht durch ein rezenteres Erleben abgeändert wird. Die phylo-
genetische Anlage macht sich hinter dem ontogenetischen Vorgang bemerkbar. Im Grunde aber ist die Disposition eben
der Niederschlag eines früheren Erlebens der Art, zu welchem das neuere Erleben des Einzelwesens als Summe der akzidentellen Momente hinzukommt.“ (1905-004/1915:IV-V)