Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/David_Claparède [2026-02-01]}

"Édouard Claparède (* 24. März 1873 in Genf; † 29. September 1940 ebenda) war ein Schweizer Psychologe und Pädagoge, der die École de Psychologie et des Sciences de l’Éducation an der Universität Genf gründete.

Claparède, ein Sohn des Pfarrers und Theologen Théodore Claparède (1828–1888), der sich schon 1892 kritisch zu seiner Collège-Ausbildung geäußert hatte, studierte in Genf und kurzfristig auch in Leipzig. Er schloss 1897 sein Medizinstudium ab und verbrachte dann ein Jahr in Paris, wo er die Bekanntschaft Alfred Binets machte.

Ab 1899 arbeitete er bei seinem Cousin Théodore Flournoy. Er forschte zunächst zu Themen wie Schlaf, Wachheit und Ermüdung und dehnte seine Untersuchungen schnell über das Gebiet der Physiologie hinaus zu den psychischen Funktionen, die mit diesen Erscheinungen in Verbindung stehen, aus.[1]

Kindheit war ein weiteres zentrales Thema für Claparède. Bekannt wurde Claparède durch seine Theorie der Bewusstwerdung: Handlungen dringen dann ins Bewusstsein, wenn sie nicht automatisiert ablaufen. Er führte den Begriff der Psycholoexie (alle qualitativen psychischen Vorgänge) als Gegenposition zur quantitativ orientierten Psychometrie ein.

1898 schrieb er eine – nicht publizierte – Abhandlung über die Bedingungen öffentlicher Meinungen. Dieses Thema beschäftigte ihn sein Leben lang. Sein besonderes Interesse galt aber auch der Kinder- und Tierpsychologie; seit 1911 vertrat er die Theorie des Funktionalismus.

1912 gründete er sein erziehungswissenschaftliches Institut an der Universität von Genf (Institut Jean-Jacques Rousseau). Im selben Jahr legte er erstmals Beobachtungen, die er an den Elberfelder Pferden von Karl Krall gemacht hatte, schriftlich nieder. Zu dieser Zeit war er noch von Kralls Annahme, die Tiere könnten in menschlicher Sprache denken und kommunizieren, überzeugt. Einige Jahre später erlebte er bei eigenen Experimenten mit den Elberfelder Pferden Rückschläge, doch verteidigte er Krall stets gegen seine Kritiker.[2]

Claparède war mit Jean Piaget (1896–1980) befreundet, der 1929 nach Genf kam und nach Claparèdes Tod ab 1940 dessen Lehrstuhl sowie das Direktorat des Instituts J.J. Rousseau übernahm.

Schriften

1905 erschien sein Werk Psychologie de l'enfant et pédagogie expérimentale, das er später unter dem Aspekt des Funktionalismus überarbeitete, 1931 Éducation fonctionelle und 1940 Morale et politique. Insgesamt verfasste er zwischen 1892 und 1940 über 600 Schriften. Postum wurde von Pierre Bovet seine Autobiographie veröffentlicht, die Développement mental enthielt. 1901 rief er zusammen mit Flournoy die Archives de psychologie ins Leben. 1920 kümmerte er sich um die erste Übersetzung der fünf Vorlesungen Über Psychologie von Sigmund Freud durch Yves Le Lay ins Französische und schrieb die Einleitung dazu.

Im Jahre 1930 prägte er den Begriff ‚mentalisation‘, er wurde als Artikel „La mentalisation“ von Édouard Claparède, in der polnischen Fachzeitschrift „Polskie Archiwum Psychologji“ veröffentlicht.[3]

Einzelnachweise

  1. http://www.jstor.org/pss/3443000
  2. Herman H. Spitz: Nonconscious Movements. Lawrence Erlbaum Associates Inc. 1997, ISBN 978-0-8058-2564-0, S. 36 f.
  3. Carlo Trombetta, Luciano Mecacci: Édouard Claparède and the Concept of Mentalization. In: European Yearbook of the History of Psychology. Sources, Theories, and Models. Vol. 5, 2019, S. 139–151, DOI:10.1484/J.EYHP.5.118914"

Aus: Historisches Lexikon der Schweiz. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/009013/2009-06-18/ [2026-02-01]

"1908-40 Psychologieprofessor an der Univ. Genf. C. entdeckte die Psychologie dank seines Cousins Théodore Flournoy, mit dem er 1901 die "Archives de psychologie" ins Leben rief. 1912 gründete C. in Genf das Institut Jean-Jacques Rousseau."

GND: 118676253
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