Eine Beziehung zwischen einem Symbol und einem Symptom.
von Sigm. Freud
Der Hut als Symbol des Genitales, vorwiegend des männlichen, ist durch die Erfahrung der Traumanalysen hinreichend sichergestellt. Man kann aber nicht behaupten, daß dieses Symbol zu den begreiflichen gehört. In Phantasien wie in mannigfachen Symptomen erscheint auch der Kopf als Symbol des männlichen Genitales, oder wenn man will, als Vertretung desselben. Mancher Analytiker wird bemerkt haben, daß seine zwangsleidenden Patienten ein Maß von Abscheu und Entrüstung gegen das die Strafe des Köpfens äußern wie weitaus gegen keine andere Todesart und wird sich veranlaßt gesehen haben, ihnen zu erklären, daß sie das Geköpftwerden als wie einen Ersatz des Kastriertwerdens behandeln. Wiederholt sind Träume jugendlicher Personen oder aus jungen Jahren analysiert und auch mitgeteilt worden, die das Thema der Kastration betrafen und in denen von einer Kugel die Rede war, welche man als den Kopf des Vaters deuten mußte. Ich habe kürzlich ein Zeremoniell vor dem Einschlafen auflösen können, in dem es vorgeschrieben war, daß das kleine Kopfpolster rautenförmig auf den anderen Polstern liegen und der Kopf des Schlafenden genau im langen Durchmesser der Raute ruhen sollte. Die Raute hatte die bekannte, aus Mauerzeichnungen vertraute Bedeutung, der Kopf sollte ein männliches Glied darstellen.
Es könnte nun sein, daß die Symbolbedeutung des Hutes sich aus der des Kopfes ableitet, insofern der Hut als ein fortgesetzter, aber abnehmbarer Kopf betrachtet werden kann. In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich eines Symptoms der Zwangsneurotiker, aus dem sich diese Kranken eine hartnäckige Quälerei zu bereiten wissen. Sie lauern auf der Straße unausgesetzt darauf, ob sie ein Bekannter zuerst durch Hutabnehmen gegrüßt hat, oder ob er auf ihren Gruß zu warten scheint, und verzichten auf eine Anzahl von Beziehungen, indem sie die Entdeckung machen, daß der Betreffende sie nicht mehr grüßt oder ihren Gruß nicht ordentlich erwidert. Sie finden solcher Grußschwierigkeiten, die sie nach Stimmung und Belieben aufgreifen, kein Ende. Es ändert an diesem Verhalten auch nichts, wenn man ihnen vorhält, was sie ohnedies alle wissen, daß der Gruß durch Hutabnehmen eine Erniedrigung vor dem Gegrüßten bedeutet, daß ein Grande von Spanien z. B. das Vorrecht genoß, in Gegenwart des Königs bedeckten Hauptes zu bleiben und daß ihre Grußempfindlichkeit also den Sinn hat, sich nicht geringer darzustellen als der andere sich dünkt. Die Resistenz ihrer Empfindlichkeit gegen solche Aufklärung läßt die Vermutung zu, daß man die Wirkung eines dem Bewußtsein weniger gut bekannten Motivs vor sich hat, und die Quelle dieser Verstärkung könnte leicht in der Beziehung zum Kastrationskomplex gefunden werden.