15. Januar 1928. Kleine Mitteilungen und Referate 1928-502/1928.2

Jokl, Robert Hans (1928-502/1928.2): 15. Januar 1928. Kleine Mitteilungen und Referate

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    Korrespondenzblatt                  435


     

     

    25. Januar 1928: Kleine Mitteilungen und Referate.
    1. Frau Dr. Angel: Nachtrag zur letzten Mitteilung.
    Als der Knabe 19 Monate zählte, wurde er oft mit einem Kosenamen
    benannt. Er hielt dann sein Glied in der Hand, streichelte es zärtlich und
    benannte es ebenso.

    2. Frau Dr. Angel: Betrachtungen über das Leben in Davos.
    Versuch, den „Zauberberg“ Davos, d. h. die Beobachtung, daß leichte Fälle
    von Tuberkulose dort nicht gesund werden können und schon Gesundete
    jahrelang dort verweilen, aus unbewußten Lustquellen zu erklären. 6000 bis
    8000 Kranke leben dort im selben Rhythmus; sie haben die orale Konstitution
    gemeinsam und bilden eine homogene Masse, die den gleichen psychologischen
    Gesetzen folgt. Sie führen das Leben von Säuglingen, liegen den ganzen Tag
    fest eingepackt, unterbrochen nur durch die reichlichen Mahlzeiten und das
    „Lutschen“ am Thermometer. Beschäftigungslos dösen sie vor sich hin, der
    Zeitsinn ist ihnen verloren gegangen. Das Leben entspricht einer Massen-

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    regression in das Säuglingsstadium, aus dem die Lustquellen stammen, die
    diese Menschen jahrelang am Orte festhalten.
    Diskussion: Frau Dr. Deutsch, Federn, Dr. Perls (a. G.), Reich.

    3. Frl. Freud: Zum Thema: „Kinderanalyse“. Bericht über das Symposion
    on Child-Analysis aus Internat. Journal of Psycho-Analysis, VIII, Part 3.
    Diskussion: Doz. Deutsch, Frau Dr. Deutsch, Federn, Nunberg, Reich,
    Wittels.

    4. Dr. Federn: Eine noch nicht bekannte Form der Kastrationsphantasie.
    Während das Erleiden der Kastration, mag diese auf andere Organe ver-
    schoben oder durch eine Beeinträchtigung oder Formveränderung anderer Art
    ersetzt sein, sonst immer als ein Erleiden durch Einwirkung von außen
    phantasiert wird, bestand in einem Falle die voll entwickelte Phantasie, daß
    etwas wie eine Hand durch die Bauchdecke greife und von i n n e n das
    gesamte Genitale wegreiße. Die Phantasie reicht weit in die Kindheit zurück
    und ist angstbesetzt. Hinweis auf den Zusammenhang mit der sadistischen
    Phantasie von einer Entbindung durch die Bauchdecke und der Identifizie-
    rung von Penis und Kind.
    Diskussion: Nunberg, Reich.

    5. Dr. Federn: Zur neurotischen Störung des Farbensinnes.
    Jacoby hat gefunden, daß das musikalische „Gehör“ durch neurotische
    Hemmungen gestört werden kann und daß der größte Teil der sogenannten
    „Unmusikalischen“ durch Einschüchterung der musikalischen Spontaneität in
    der Kindheit entstehe. Er bezweifelt, daß es überhaupt „Unmusikalische“ geben
    müsse, wenn man von den organischen Störungen des Gehörorganes absieht. —
    Farbenblindheit ist keine Neurose. Es gibt aber auch, und wahrscheinlich in
    Überzahl, Farbenunterempfindliche, deren Störung durch Übung wesentlich
    gebessert werden kann, wenn sie nicht neurotisch fixiert ist. In einem Falle
    trat während der Analyse eine wesentliche Besserung des Unterscheidungs-
    vermögens für Farben und die Lebhaftigkeit der Farbenunterschiede auf. Das
    Rot war übersehen worden, weil es in unbewußtem Zusammenhange mit
    Ereignissen der Kindheit stand. — Es wäre wünschenswert auf Änderung des
    Farbenunterscheidungsvermögens als Folge einer psychoanalytischen Behandlung
    fernerhin zu achten; eine neue Indikation für die Psychoanalyse sei damit
    vorderhand nicht aufgestellt.
    Diskussion: Doz. Deutsch, Frau Dr. Deutsch, Dr. Eidelberg (a. G.), Hartmann,
    Hitschmann, Nunberg, Prof. Pappenheim (a. G.), Dr. Perls (a. G.), Reich,
    Dr. Sterba.

    8. Feber 1928: Vortrag Dr. Robert Wälder: Versuch einer Axiomatik
    und Problematik der analytischen Psychologie.
    Formulierung der grundlegenden Gesetzmäßigkeiten, die sich in der psycho-
    analytischen Arbeit kristallisiert haben, in einer Art Axiomentafel, um möglichst
    alle Konsequenzen, die implizit in der Psychoanalyse enthalten sind, über-
    schauen zu können. Dabei ergeben sich Angriffsstellen für verschiedene Probleme,
    z. B. die Neurosentheorie, das Formproblem und die Grundfragen der Sozial-
    psychologie.
    Diskussion: Federn, Hartmann, Reich, Schilder.