18. Vortragsabend, am 28. Februar 1912: VI. Onanie-Debatte. Ref.: Dr. Steiner, Dr. Federn 1912-509//1912-772

Rank, Otto (1912-509//1912-772): 18. Vortragsabend, am 28. Februar 1912: VI. Onanie-Debatte. Ref.: Dr. Steiner, Dr. Federn

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S.

Korrespondenzblatt, 547

16. Vortragsabend, am 14. Februar 1912:

Dr. Karl Schrötter (als Gast): Experimentelle Träume.

Vortr. bezeichnet seine Versuche, Träume durch bestimmte, in der Hypnose
gegebene Aufträge experimentell zu erzeugen, im Gegensatz zur Analyse als Syn-
these. Es werden vier Arten des Experiments charakterisiert und an Beispielen er-
låutert. 1. Vorstellungs-Kombinationstråume, wobei der Versuchsperson eine Reihe
von Vorstellungen gegeben wird, mit dem Auftrag, davon zu träumen. 2. Reiz-Vor-
stellungstråume, bei denen sowohl Vorstellungen als Reize (wirkliche und suggerierte)
gegeben werden. 3. Träume mit Zeitbestimmung, wobei die Versuchsperson den
Auftrag erhålt, im Moment des Traumbeginnes die Hand an die Brust zu erheben
und am Schluss des Traumes wieder sinken zu lassen. 4. Gedanken, Symbol- und
Zensur-Träume, wo Wünsche, Symbole etc. aufgegeben werden. Es zeigt sich, dass
die Triumer prompt jede Suggestion mit Verwendung des in Freud’s Traum-
deutung aufgedeckten Raffinements in «einen Traum zu verweben wissen, dessen
andere Elemente der Vortragende aus seiner] genauen Kenntnis der [Lebensverhält-
nisse und Beschäftigung der Versuchspersonen zur Zeit der Experimente auf Tages-
anknüpfungen zurückführt. Eine Analyse im Freudschen Sinne wurde nicht vor-
genommen. Während aber die Versuchspersonen beiderlei Geschlechtes alle Sugge-
stionen direkt und prompt träumen, erweist sich bei Suggestionen aus dem
sexuellen Vorstellungskreis (z.B. Auftrige an eine Dame: tråumen Sie vom
geschlechtlichen Verkehr mit Herrn N.; oder vom homosexuellen Verkehr mit Frl. X.)
die Einwirkung der Zensur auch in der Hypnose insofern wirksam, als die
Tråumerin, die vom Wesen der Symbolik keine Ahnung hatte, fiir die Darstellung
dieser Vorgänge regelmässig eine, oft geistreiche, bildliche Einkleidung zu finden weiss.

In der Diskussion wird hervorgehoben, dass dieser Versuch, den Traum
aus einzelnen manifesten Brocken aufzubauen, den Namen einer Synthese des Traumes
nicht verdiene (Freud). Die experimentelle Bestätigung der durch die
psychoanalytische Traumdeutung eruierten Sexual - Symbolik wird dagegen
allgemein als höchst interessanter und wertvoller Beitrag hervorgehoben und dem
Ref. verschiedene Winke gegeben, in welcher Richtung die Fortsetzung seiner
Experimente vom psychoanalytischen Standpunkt aus erwünscht und interessant
wäre.

17. Vortragsabend, am 21, Februar 1912;

Dr. Theodor Reik: Der Elternkomplex als Kulturferment.

Die Bedeutung des Vaters für die kulturelle Einstellung wird zunächst an
einigen Typen erläutert. Eine der Wurzeln des Ehrgeizes sei im Sexualneid gegen
den Vater zu finden und dieses Verhältnis führe oft auch zur Skepsis (Flaubert,
Heine etc.), die auf dem Boden der infantilen Sexualneugierde zum religiösen Zweifel
führe, der wie der Atheismus im Vaterkomplex wurzle. Der Kinfluss der Mutter
wird im Sinne Freud’s insbesondere in der Objektwahl (Liebestypus) verfolgt und
neben dem Don Juan-Typus auch der Gretchen-Typus (die reine jungfrünliche Dulderin)
auf den Mutterkomplex zurückgeführt. Schliesslich wird auch auf die Beziehungen
der Eltern zu den Kindern ein Streiflicht geworfen und der aus dem Elternkomplex
stammende Kampf zwischen der alten und neuen Generation als eines der wertvoll-
sten Kulturfermente hervorgehoben.

18. Vortragsabend, am 28. Februar 1912:
VI. Onanie-Debatte. Ref.: Dr. Steiner, Dr. Federn.
19. Vortragsabend, am 6. März 1912:
Dr. Alfr. Frhr. v. Winterstein: Zur Psychoanalyse des Reisens
(erscheint in ,,Imago“).
Zentralblatt für Psychoanalyse. 11°. 38