Jokl, Robert Hans (1928-513/1928.2): 27. Juni 1928. Vortrag Dr. Paul Federn: Weitere Bemerkungen über das Ichgefühl und Libidobesetzungen
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572 Korrespondenzblatt
27. Juni 1928. Vortrag Dr. Paul Federn: Weitere Bemerkungen über
das Ichgefühl und Libidobesetzungen.
Disposition: 1) Der primäre Narzißmus ist ichlibidinöser, der sekundäre
objektlibidinöser Natur. 2) Die Ichlibido ist nicht qualitätlos, sie behält vom
sexuellen Dimorphismus die Qualität (Form) der Aktivität und Passivität bei.
3) Die Ichgrenzen sind nicht starr, aber jeweilig dadurch bestimmt, daß
psychische Vorgänge an die einheitliche primär-narzißtische Besetzung heran-
treten; das einheitliche Ichgefühl ist durch eine zusammenhängende narzißtische
Besetzung unterhalten. 4) Soweit die Libido nicht zu solcher orgasmusähnlicher
Befriedigung gelangt, strömt sie auf andere psychische Funktionen ab, welche
schon dadurch lustbetont werden. 5) Die sexuelle Befriedigung ist nicht nur
ein peripherer Vorgang, sondern auch eine Vereinigung von Libidogrößen ver-
schiedener Qualität im Ich, die dadurch zu bestehen aufhören. 6) Die
erwähnten orgasmusähnlichen Libidovereinigungen finden auch bei jeder
Wunscherfüllung statt. 7) Alle solche Vereinigungen betreffen jeweilig an
denselben Objektinhalt oder an dieselbe Funktion geknüpfte Ich- und Objekt-
besetzungen. 8) Der Vorgang der Sublimierung findet dadurch statt, daß
Widerstände gegen solche orgasmusähnliche Vereinigung von der Ich- und
von der Objektlibido aus mit einander entgegenstrebender Libido besetzt
werden. 9) Die Triebverdrängung drückt sich in dem Umfang des Körper-
ichgefühles aus. 10) Das Verbleiben der Ichgrenzen auf einer früheren Stufe
ist eine der Ursachen von mangelhafter Realitätserfassung, auch wenn keine
wirkliche Entfremdung vorliegt. 11) Die Symptombildung geschieht bei der
Zwangsneurose von einer aktiv libidinösen, bei der Hysterie von einer passiv
libidinösen Ichgrenze aus. 12) Die Grenzen des Ichs sind verschieden resistent
gegen außerliche Ansprüche. Zum Beispiel ist das Mitleid eine Erweiterung
der Ichgrenzen bei passivem Ichgefühl. 13) Der Erfolg der Psychoanalyse
hängt in jedem Stadium auch davon ab, daß das Ichgefühl, welches zum
jeweilig wiedererweckten Objekte gehört, gleichfalls wiedererweckt wird.
Diskussion: Reich, Schilder, Wälder.
Dr. R. H. Jokl
Schriftführer