28. Sitzung am 7. Mai 1913: Dr. Karl Weiß: Erziehung und Neurose (Disk. „Gesellschaft und Neurose“ IV) 1913-517//1913-774

(1913-517//1913-774): 28. Sitzung am 7. Mai 1913: Dr. Karl Weiß: Erziehung und Neurose (Disk. „Gesellschaft und Neurose“ IV)

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Korrespondenzblatt der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.

6. Ortsgruppe Wien.

Als Mitglieder wurden aufgenommen:
Dr. H. v. Hug-Hellmuth, Wien, XVIII, Hofstattgasse 4.
Cand. med. Ed. Weiß, Wien, IX, Währingerstraße 23.

Sitzungsberichte.

28. Sitzung am 7. Mai 1913:
Dr. Karl Weiß: Erziehung und Neurose (Disk. „Gesellschaft und Neurose“ IV).

29. Sitzung am 14. Mai 1913:
Cand. med. E. Weiß: Über Namenvergessen.

30. Sitzung am 21. Mai 1913:
Dr. O. Rank: Psychoanalytische Märchenforschung (er-schien im Druck: Rank und Sachs, Die Bedeutung der Psycho-analyse für die Geisteswissenschaften, Kap. II).

31. Sitzung am 28. Mai 1913:
Kasuistische Mitteilungen und Referate.

32. Sitzung am 4. Juni 1913:
Prof. Freud: Die infantile Wiederkehr des Totemismus
(erschien in „Imago“, August 1913).
Nächste Sitzung anfangs Oktober 1913.


7. Ortsgruppe Zürich.

In den Sitzungen vom 13. Jänner bis 14. März fand eine Diskussion
über Dr. Jungs Libidotheorie statt. Dabei wurden folgende Voten abgegeben:
Dr. A. Maeder:
Jung zeigt uns die Kontinuität im Psychischen nicht nur ausgedehnt
auf das individuelle Leben (das Verdienst Freuds), sondern auf das Leben
der Völker; dadurch gibt er uns einen Weg zur tieferen Überwindung des
Anthropozentrismus, als bisher möglich gewesen war; wir werden von den
Interessen des Einzelnen auf diejenigen des Stammes, des Volkes gebracht.
Jung lehrt uns zum erstenmal systematisch, das phylogenetische Denken im Psychischen einzuführen.

Die Psyche des Einzelnen wird zu einem bloßen Elemente der Volks-psyche; die Psychologie der Helden, des Denkers, des Religionsstifters, des
Künstlers (sofern letzterer kein bloß passiver Träumer ist, es gibt zwei
Haupttypen von Künstlern) wird uns dadurch viel klarer; diese Vorkämpfer
erfüllten eine bestimmte Funktion in der Menschheitsentwicklung. Der
phylogenetische Standpunkt ist bedeutsam, indem er uns den tieferen Sinn
des merkwürdigen „Inzestkomplexes“ bekanntlich durch Freud als Kern
der Neurose bezeichnet, erschließt. Die Mutter darf nämlich nicht indivi-duell psychologisch gefaßt werden, als Objekt, sie ist nur ein Symbol, welches
gedeutet werden muß; sie ist für die regressive Lust eingesetzt; deswegen
muß sie überwunden werden. Das Inzestproblem verliert seine anthropo-morphe Gestalt, um eine biologische Anpassungsfrage zu werden.