[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Adler ›Ein Beitrag zur Paranoiafrage‹ 1908-415/1908.01

Rank, Otto (1908-415/1908.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Adler ›Ein Beitrag zur Paranoiafrage‹

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    Dr. med. Alfred Adler
    I Dominikanerbastei



     

    Fünfzehnter Vortragsabend
    am
    29. Jänner 1908. —




     

    Ein Beitrag zur Paranoiafrage.

    Dr. Adler.

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    Adler stellt an der Hand einer kurzen, nicht kontinuierlich durch —
    geführten und vorzeitig abgebrochenen Analyse einige Probleme
    zur Diskussion.
    Mit Übergehung von Jungs Bemerkungen über Dementia und der be —
    kannten Ausführungen Freuds knüpft er an Bleulers Ausführungen
    über Affektivität und Paranoia an und bespricht im Anschluss
    daran die Bedeutung des Traumas.
    Wichtig sei vor allem die Erscheinung zu verfolgen, die sich um die
    Charakteranlage drehe. — Ein weiteres Problem sei zu verfolgen,
    wie sich die Verdrängung bei der Paranoia geltend mache und
    wie sie im Anfall (die ganze Paranoia sei eigentlich ein kontinuierlicher
    Anfall) aufgehoben werde.
    Er gibt nun einen Ausblick über den Verlauf der Verdrängung
    bei Zwangsneurose, Hysterie und Paranoia, wobei er das intime
    Verhältnis von Verdrängung und Furcht (Angst) in den Vordergrund
    stellt:
         Der Anfall bei der Zwangsneurose sei ein gelegentlicher und knüpfe
    an einen Anlass an. Die verdrängte Charakteranlage breche bei
    einem Anlass durch und äussere sich entweder in Anfall oder
    in Furcht oder in beiden. Der Zwangsneurotiker werde gleich —
    sam in sich mit dem Anfall fertig.
         Bei der Hysterie sei die Erscheinung der Verdrängung
    wesentlich im gleichen Sinne; auch hier haben wir ein Anfall
    die Äusserung eines verdrängten Triebes (Charakteranlage) vor
    uns; oder aber die Äusserung der Verdrängung und Furcht
    dabei: Der Hysteriker entlade seinen Anfall nach aussen.
         Bei der Paranoia sei die Verdrängung der Charakteranlage
    eine ungemein weit gehende; sie erscheine zumeist als rohe
    Gegensätze. Oder sie äussern sich — und das sei für die P. charakte —
    ristisch — in einer ungemein sublimierten Form (Politiker, Künstler)

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    der Aufhebung der Verdrängung könne eine zeitlang Furcht vorhergehen.
    Bei der Zwangsneurose sei die grösste Masse von Furcht.
    Bei der Hysterie ersetze der Anfall die Furcht.
    Bei der Paranoia erfolge die Aufhebung der Verdrängung so voll —
    kommen, dass ihm die Furcht erspart werde. — Der Paranoiker
    äussere seine Wahnideen ohne besondere Furcht. Dieser Umstand
    sei für die Auffassung der Paranoia von grosser Bedeutung.
    Der Paranoiker benutzt seine Triebe (Charakteranlagen) derart zum
    Durchbruch, dass er seine Umgebung verändert (Freud: er
    projiziert seine unbewussten Regungen nach aussen).
    Daraus seien auch seine Wahnideen gut begreiflich; ebenso
    die Illusionen (die bei der Paranoia eine grosse Rolle spielen) und
    die Halluzinationen (wobei er die von den Autoren aufgeworfene
    Frage uninteressant lasse, ob die Halluzinationen oder die Wahnideen
    das Primäre seien).
         Er kommt nun auf die sexuelle Wurzel der Paranoia zu sprechen,
    auf die unbewussten sexuellen Regungen, die in Verbindung
    stehen mit anderen ursprünglichen Charakteranlagen der
    Person. —- Vermuten möchte er, dass der Unterschied in den
    drei Neurosen darin bestehe wie die verschiedenen Charakter —
    anlagen, inbegriffen die sexuelle Anlage, auf einander
    wirken und mit einander Verbindungen eingehen.
         Nachdem er diese theoretischen Formulierungen voraus —
    geschickt hat geht er an die Schilderung des Falles.
         Der Mann (32 Jahre alt) sei mit der Klage gekommen, es lasse ihn
    jemand beispitzeln.
         Aus der Vorgeschichte: Einige Monate früher ist er aus dem Geschäft
    seines Vaters, der ihn eines Diebstahls beschuldigte, fort. — Den
    Vater schildert er als zänkisch, unverträglich, der die Mutter auch
    fortgeekelt habe. — Eine platonische Geliebte war ihm kurz
    vorher von einem Freunde weggeschnappt worden.

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    Vor ihm beispitzeln lasse, wisse er nicht zu sagen; er vermute dahinter
    aber die Geliebte seines 60jährigen Vaters.
         Er sei spät (mit 17 Jahren erst) zur Masturbation gekommen, habe
    dann auch mit Prostituierten verkehrt, was ihn anekelte. Er
    konnte nur Koitus ausüben, wenn sie angekleidet war: er fürchtete
    sich vor nackt Dastehenden. Manchmal misslungener Koitus, ejaculatio
    praecox; seit Monaten kein Sexualverkehr.
         Später schob er alles auf den Abgeordneten Pernerstorfer, den
    Feuilleton-Redakteur der Arbeiter-Zeitung, der mit seinen (des Pat.)
    schriftstellerischen Produkten Missbrauch treibe und ihn beispitzeln
    lasse, von dem überhaupt sein ganzes Unglück herrühre.
    Adler machte ihn, den Freidenker, darauf aufmerksam, dass er
    ja ebenso handle wie ein Gottesgläubiger, der auch alles was ihn
    betreffe auf ein Wesen beziehe.
         Adler erwähnt nun kurz die Traumanalysen. Beim ersten Traume,
    der den Pollutionscharakter war (eine Prostituierte nahm seinen
    Penis in die Hand, worauf die Ejakulation folgte), kam eine Kindheits —
    erinnerung zutage. In einer Gesellschaft, wo er als 7jährig. Knabe war,
    machte sich ein Mann in der Tiefe des Sackes an seiner Hose seiner Hose zu schaffen.
    Wiederholt habe ein wichtiges Element hervor: die Berührung der
    Genitalien mit der Hand.
         Die letzte Sitzung brachte einen Traum, in dem es sich um ex —
    hibitionistische Gelüste handelte; um die Berichtung eines
    nackten weiblichen Körpers (Herbststimmung im Traum deutet
    darauf an, dass es sich um eine ältere Person handle). Er stellt
    auch einen Trupp Soldaten mit französischen Mützen: das Soldat —
    wesen stehe mit dem Wunsche nach einem harten Sexualleben
    in Zusammenhang).
         Die Aufgabe, dieses dürftige Material in Einklang zu bringen
    mit den eingangs angedeuteten Problemen, müsse er sich
    jetzt ersparen und wolle nur kurz das wichtigste Problem berühren

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    Unter den unterdrückten Trieben stehe bei der Paranoia der
    Exhibitionistrieb in erster Reihe. Die Wahnideen der Paranoiker
    (vor allem der Beachtungs- aber auch der Verfolgungs- und Grössen —
    wahn) lassen sich auf exhibitionistische Regungen zurück —
    führen. Die Paranoia bedarf in ihrem Aufbau als wesentliche
    Stütze des Exhibitionistriebes. Die Verfolgungsideen gehen auf
    verdrängte Exhibition zurück. Die Art wie der P. die Verdrängung
    los werde und die Furcht befreie geschehe durch Umdeutung der
    Aussenwelt. — In seinen Wahnideen biete er das Objekt
    dar, das von allen gesehen werden könne. Beim Gehörtwerden
    und Hören handle es sich um ähnliche Dinge. Daraus gehe hervor,
    dass es sich bei der Paranoia um den Überbau der Seh- und
    Gehörorgane handelt. Um die Minderwertigkeit dieser beiden
    Organe. Er habe bei Paranoikern oft beobachtet gelegentliches
    Blinzeln, hochgradige Myopie und ungleiche Refraktion an
    beiden Augen.
         Mit dieser Betonung des Exhibitionismus in der Paranoia
    sei aber die Bedeutung der anderen Komponenten des Sexual —
    triebes  nicht , besonders des Sadismus, nicht geleugnet.


     

    Diskussion:


     

    Hitschmann findet das Thema zu schwierig und zu fernliegend,
    namentlich im theoretischen Teil, um momentan näher darauf
    eingehen zu können.
         Was den Fall selbst betreffe, so fehlen ihm die Indizien,
    was er als Paranoia ansehen gelernt habe. Pat. gehe in nichts
    über den neurasthenischen Beachtungswahn hinaus. Es
    existiere hier gar kein Wahngebäude.
         Dann vermisst er die Auskünfte der Verwandten etc. Man
    man könne doch einen Wahnsinnigen nur nach dem Beurteilen

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    was seine Umgebung über ihn sage.
         Sadger hebt hervor, dass man Beachtungs- Verfolgungs —
    und Grössenwahn auch in der Analyse von Hysterikern und
    bei Normalen finde. So z. B. bei Goethe (in Dichtung und Wahrheit),
    wo sich die ersten Beachtungsideen mit den ersten
    sexuellen Erlebnissen einstellen. Auch habe er einmal nach
    einem Streit mit Kameraden, der darauf bestand ihre
    Ränkeleien zu hören und so erfuhr, dass man ihn nicht für
    den Sohn seines Vaters halte, sich für ein Fürstenkind gehalten.
    Charakteristisch für die Paranoia sei also nur die Fixiertheit und
    die Unkorrigierbarkeit der Wahnideen, darüber aber sei Adler jede
    Aufklärung schuldig geblieben.
         Ob der regente Trauma eine so grosse Rolle spiele wie Bleuler und
    nach ihm Adler meine sei fraglich. — Die Furcht bleibe dem
    Paranoiker keineswegs erspart; die grausamsten Verbrechen
    werden von P. verübt, was er doch ohne Furcht zu haben nicht täte.
    Bei der Dementia paranoides fehle der Affekt in der von Adler
    geschilderten Weise.
         Auch die Aufklärung für den Umstand, dass Pat. nur mit angekleideten
    Prostituierten verkehren könne, vermisse man.
         Auffällig sei, dass ihn der Vater des Diebstahls beschuldigte und
    er den Redakteur desselben Vergehens beschuldige; da habe
    vielleicht eine homosexuelle Übertragung vom Vater statt —
    gefunden.
         Die Vorliebe für kleine Kinder und die Furcht vor denselben
    hänge wahrscheinlich mit seinen Beziehungen zu jüngeren
    Schwestern zusammen.
         Die Prostituierte im Traum, die seinen Penis in die Hand nehme,
    vertrete wahrscheinlich die Mutter aus seiner infantilen Phase.
    Er wollte wahrscheinlich die Stelle des Vaters bei der Mutter
    vertreten. — Die persönlichen Judenablehnungen gehen ja auf die

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    Vater zurück.
         Die theoretischen Ausführungen seien in dem Vorgebrachten
    nicht begründet. — Die Wahnideen müssten keine exhibitionist.
    Grundlage haben und die Annahme eines Überbaues von
    Seh- und Gehörorganen finde er nicht berechtigt.
         Rank geht zunächst auf die Bemerkung ein, dass der
    P. sich eher und vorwiegend künstlerisch betätige und möchte
    das lieber vom Hysterisch-Veranlagten behaupten; denn beim
    P. falle ja bald die Fähigkeit den ästhetischen Anforderungen
    zu entsprechen, ganz abgesehen von anderen tiefer liegenden
    Ursachen. — Die Identifizierung Pernerstorfers mit dem Vater
    sei ganz deutlich und die Erklärung mit der Gottesgläubigkeit
    habe dem Pat. deswegen so imponiert weil diese Gottidentifizierung
    ja weiter (Gott = Vater etc) gehe. — Auch die Beziehung zur
    Mutter sei angedeutet.
         Wäre die Paranoia, der kontinuierliche Anfall, vornehmlich
    im Exhibitionismus, so zeige schliesslich auch der hysterische
    (momentane) Anfall nur ein Schaustreifen, ein Exhibitionieren.
         Bemerkenswert sei der Umstand, dass so viel „Formelles“
    in dieser und in anderen Krankengeschichten vorkomme.
         Federn entschuldigt seine fragmentarischen Bemerkungen
    mit seiner mangelhaften Kenntnis der Paranoia. Die ver —
    schiedenen in der Disk. erhobenen Vorwürfe treffen Adler nicht,
    der ja nur Andeutungen eines grossen Gedankengangs geben
    wollte. — Die Paranoia sei eine besonders egozentrische Krankheit
    und jeder mit einem grossen Selbstbewusstsein habe eine exhibitionist.
    Vergangenheit.
         Adlers Bemerkungen über die Beziehung zwischen Scham
    und Paranoia seien sehr einleuchtend. Zu seiner Überbau —
    theorie würde die Insuffizienz der Intelligenz beim Paranoiker
    stimmen, da ja durch Auge u. Ohr die Aussenwelt aufgenommen
                                                                                       werde.

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    Prof. Freud bedauert sich in wichtigsten Punkt, der Frage
         nach der Neurosenwahl, Zurückhaltung auferlegen zu
         müssen, da er der Lösung dieses Problems auf der Spur
         sei, augenblicklich aber weder durch zu ausführliche oder
         unvollständige Andeutungen darüber einer späteren Mit —
         teilung vorgreifen wolle.
              Um Missverständnissen vorzubeugen sei es voll zweck —
         mässig statt Furcht (die doch immer ein Objekt habe) Angst
         (die objektlos sei) zu sagen. Adler habe auch voll Angst gemeint.
              Das Problem nach dem Primat der Halluzinationen oder der
         Wahnideen falle sofort mit der Einführung des Unbewussten.
         Die Autoren hatten nur das im Auge, was zuerst ins Bewusst —
         sein tritt, während beides ohne Beziehung zueinander aus dem
         ganzen Prozess hervortrete, einmal die Halluzinationen zuerst
         ein andermal die Wahnideen. Aber ebenso wenig sei eines von
         den beiden die Ursache des anderen, wie ein Traum z.B. die Ursache
         einer Psychose; der Traum sei natürlich nur eine Äusserung
         des ganzen Prozesses.
              Das Neue in Adlers Ausführungen sehe er an zwei Punkten:
         1) In der Beobachtung, dass der Paranoiker keine Angst ent —
         wickle, was in der Tat ein wichtiger Charakter der P. sei.
         Dieser Zug gelte aber nur für die reine chronische Paranoia.
         In einem Detail sei aber Adler zu widersprechen: die grössten
         Angstzustände finden sich nicht bei der Zwangsneurose, wo
         die Angst so ziemlich psychisch gebunden sei, sondern
         die grösste Angst finde man bei der Hysterie.
              Die zweite metapsychologische Eigenschaft der P. sei der
         Mechanismus der Projektion: dass er seine innere Ver —
         wandlungen nach aussen wirft. Auf diesem Wege kämen,
         wie Adler richtig erkannt habe zuerst die Illusionen dann
         die Erinnerungstäuschungen zustande.

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    Zur Krankengeschichte des Falles sei ja bemerken, dass seine
         Deutung in der Ablösung des homosexuellen Affekts vom
         Vater und in der Übertragung auf Pernerstorfer liege (Sadger).
         Der alte Familienroman, der allen Neurosen zugrunde liege zeige
         sich auch hier (des Pat. Vermutung, dass die Geliebte des Vaters ihn
         bespitzeln lasse etc.)
    2) Die zweite wichtige Aufdeckung sei die Zurückführung des
         Beachtungswahns auf den Schautrieb. — Im allgemeinen
         jedoch ginge es nicht an, die Besonderheit der Neurosen aus
         einzelnen Trieben zu erklären.
              Als Beweismaterial für Adlers Behauptung könne er seine Analyse
         einer Paranoia anführen, wo der Beachtungswahn von exhibitionist.
         Kindheitserinnerungen gespeist werde. — Zu weitgehend er —
         scheine es jedoch, wenn Adler auch den Verfolgungs- und
         Grössenwahn mit dem Exhibitionismus in Zusammenhang
         bringe. Diese Formen kämen  nur  bei der P. nur zum Vor —
         schein, werden aber nicht von ihr gebildet.
              Als Bestätigung, dass es sich um Überbau des Sehorgans
         handelt könne er aus seiner Beobachtung die abnorme Augen —
         mimik der Paranoiker anführen, die er aber als ein Zeichen
         der sekundär veränderten Innervation ansehen möchte
         (Adler: warum gerade die Augen?)
         Es sei auch die Vermutung zu wagen ob sich beim Pat. nicht um
         Napoleonphantasien (die Soldaten mit den französischen Mützen,
         Revolution, die Säule etc) gehandelt habe.
         Die Paranoia könne man sehr gut in nicht krankhaften
         Fällen studieren. Der Reformator werde, solange er allein
         sei, für einen  Reformator  Paranoiker gehalten (in letzter Zeit
         Wagner). Die Anhängerschaft schützt vor der Krankheit —
         erklärung. — So sei auch die Gründung der christlichen
          Religion keine
         Paranoia zu Judäa (die Vision der Auferstehung etc.) und hätte

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    sie nicht später so viele Anhänger gewonnen, so wäre sie als
    krankhafter Phantasieauswuchs einiger betrachtet worden.
         Das regente Trauma spiele eine grosse Rolle (gegen Sadgers Bemerkung);
    es sei hier die Ausschluss e ung durch den Vater.
         Stekel bemerkt, er sei mit grossen Erwartungen ge —
    kommen, gehe aber enttäuscht weg. Adlers Fehler in der
    Technik seiner Vorträge sei der, dass er von Abstraktionen
    ausgeht, die man nicht überblicken kann. Deswegen könne
    er auch auf die Disk. der theoretischen Thesen nicht ein —
    gehen.
         Die Analyse sei er verfehlt angegangen; er habe einen intimen
    Zusammenhang übersehen. Der Wahn des Paranoikers stelle
    eine Wunscherfüllung dar, der P. flüchtete in die Krankheit.
    Deswegen hat er auch keine Angst denn seine Ideen sind ernst
    zu nehmen.
         Spitzel = Penis; er sieht sich von Penisen umgeben und davor
    braucht er ja keine Angst zu haben. — Die Soldaten (aufgepflanzte Bajonette)
    bedeutet dasselbe.
         Der Herbst im Traum bedeutet Beziehung auf die Mutter,
    zu der die Inzest-Gedanken deutlich sind.
         Der Neurotiker hat zwei Wege, die ihm der Mutter näher bringen:
    1) wenn er nicht der Sohn seines Vaters ist
    2) wenn seine Mutter eine Dirne ist, die jeder (also auch er) haben kann.
    Vorliebe für die Kinder ist Vorliebe für die Genitale. —
    Zwei mächtige Strömungen lassen sich im Pat. verfolgen: die
    Neigung zur Mutter, und die homosexuelle Neigung zum
    Vater. — Der ganze Wahn besteht darin, dass der Wunsch des
    Unbewussten, so viele Penisse um sich zu haben, zum Durch —
    bruch kommt (homosexuelle Komponente).
         Die Neurotiker seien entweder sehr fromm oder atheistisch.
    Die Empörung gegen Gott und Kaiser sei Empörung gegen den Vater.
    Da zeige sich wie die politische Stellung eines Kranken auf die

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    persönlichen Erlebnisse zurückgehe. —
         Der Paranoiker Rousseau habe eine stark masochistische
    Jugend. Dieses Moment sei für den Verfolgungswahn charakterist.
         Wittels bestätigt aus seiner Erfahrung, dass die P.
    bei den furchtbarsten Dingen keine Angst zeigen. So eine
    Patientin die mit Seelenruhe sagte, er werde sie mit einem
    Dolch durchbohren. Da dahin der steckende unbewusste
    Gedanke sei allerdings auch gar nicht geeignet bei der Pat.
    Angst zu erwecken. Eine andere Patientin wieder berichtete mit
    grossem Affekt, man suche sie überall Haus nach etc. (Freud:
    hier der Affekt, weil es keine Entstellung ist).
         Der Exhibitionismus finde sich in allen Psychosen, die Pat.
    in den Anstalten onanieren vor dem Arzt. —
         Dass in Adlers Fall der Pat. die Verschreibung vom Vater zu —
    gegeben habe spreche gegen die Diagnose Paranoia; denn eine
    P. korrigiere nicht. —
         Hitschmann fragt nach, was Defekte des Auges und Ohres zu
    bedeuten haben? (Taube z. B. seien sehr misstrauisch). — Diese
    Dinge müssten aber durch eine gründliche Statistik bewiesen
    werden.
         Zu Beginn der P. spiele die Enttäuschung eine grosse Rolle.
    Die Enttäuschung des Ehrgeizes (als verdrängter Charakteranlage)
    beim Mann, der Sexualität bei der Frau.

     

    Adler wendet sich in seinen Schlussausführungen zunächst
         gegen Wittels mit der Bemerkung dass Paranoiker im
         Anfang, und auch am Schluss, korrigieren. Von Un —
         korrigierbarkeit könne man auch nur bei Ausschluss
         des Psychoanalytischen sprechen und damit sei auch
         die Frage der Heilbarkeit der P. aufgeworfen, die man
         gar nicht verneinen müsse. —

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    Dass der Exhibitionismus bei allen Neurosen und Psychosen
    vorkomme sei selbstverständlich; was sollte denn hervor —
    brechen, wenn nicht die ursprünglichen Anlagen.
    Er wendet sich dann kurz gegen die Bemerkungen Stekels
    und dankt Federn für den Anschluss an seinen Standpunkt.
    Manche von den vorgebrachten Deutungen seien richtig,
    viele wahrscheinlich, einiges aber ganz ohne Anhaltspunkt.
    Schliesslich fasst er kurz zusammen, was er mit dem Vortrag
    bezweckt hat: —
    1) die Bedeutung des Exhibitionismus und des psychischen
        Überbaues von Auge und Ohr für die Paranoia darzulegen,
    2) die Art der Verdrängung, die der Paranoiker in der vorpara —
        noischen Zeit leistet aufzuzeigen und wie diese Verdrängung
        zur Zeit der Krankheit aufgehoben wird. — Dass es dazu eines
        regenten Anlasses bedarf sei nicht zu leugnen. —



     

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