[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Kleine Mitteilungen und Referate 1915-412/1915.01

Rank, Otto (1915-412/1915.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Kleine Mitteilungen und Referate

Zurück zum Werk
S.

28/243

= 9. S i t z u n g =
am 3. Februar 1915

KLEINE MITTEILUNGEN UND REFERATE

Reik über den Lustmord., Lustmörder, die nach dem Koitus morden: neben der
infantil-sadistischen Koitusauffassung dient der Koitus als Verlust
für die im Mord erzielte Endlust. Diese Auffassung wird aus ethnologi-
schem Material gestützt.

      Tausk findet dabei zwei ganz verschiedene Mechanismen, die nur da-
durch zusammenarbeiten, dass der Mann eben eine Lebende koitieren
will und nicht einen nekrophilen Akt begehen.
Federn meint, wie die Sexualität überhaupt ein Stück Infantilismus
sei, so werde beim Lustmörder ein Stück infantilen Sadismus reakti-
viert wie normalerweise ein Stück infantiler Zärtlichkeit.
Hitschmann möchte den Koitus hier nicht als Verlust gelten lassen,
Sachs dagegen sich Reiks Auffassung anschliessend
Prof. Freud erinnert zur Unterstützung von Reiks Auffassung an die
Pat., die nach dem Koitus onanieren müssen und bei denen derselbe
wirklich nur einer Vorlust entspricht, da sie die Erregung auf dem
alten gewohnten Wege abführen müssen. - Dagegen ergebe sich ein Ein-
wand aus der häufigsten Form des Lustmordes, dem Bauchaufschlitzen,
das nicht zu den inf. Sexualtheorien gehört, sondern erst in späte-
ren Jahren das Zurweltkommen der Kinder betrifft. Das Phänomen
scheint komplizierter Natur und nicht so einfach zu erklären.

Sachs: Beispiel einer Symptomhandlung mit der Funktion der Selbstberuhi-
gung (erscheint im Druck) -

      Referat von Stekels "Zentralblatt", letzte Nummer, u Journ. abn. Psych

Tausk Nachtrag zur Melancholie. Bericht der in dem Fall eines jungen
Mädchens (von Rank) vermissten Liebesgeschichte. Ihr Verrat am Chef, der
scheinbare Anlass der Erkrankung, findet Gegenstück im Verrat ihres Ge-
liebten an ihr, der eine andere heiratete; als er aus dem Geschäfte wegging
fing die Verstimmung an.
      Federn findet es typisch für die Melancholie, dass sie nicht auf ein
mal ausbricht sondern ihre Vorstufen hat. Anfangs gelingt es meist,
die Verstimmung durch Libidoverschiebung zu bewältigen. - Es handelt
sich um unbefriedigte Personen, die auch schon in der Jugend auf Ona
nie mit Verstimmung reagierten.
      Prof. Freud kann bestätigen, dass die Mel. Vorstadien haben, die aber
eigentlich schon volle Mel. sind; die ersten schon in der Kindheit.
Der Schlüssel des von Tausk mitgeteilten Falles ist die Liebesge-
schichte mit dem Verräter: Diese Mel. erzeugt ihre Symptome mittels
Identifizierung (darin zeigt sich ihre Liebe), in der sie sich herab-
setzt: das ist die Verurteilung des Geliebten. Es handelt sich um
Liebesunglück, das durch Identifizierung auf das eigene Ich geworden
wird. So erweist sich die Rolle der libidinösen Störung als grösser
wie man meint. Die narzisstische Störung ist nur d s regressive Er-
gebnis der Liebesstörung und zeigt die volle Abhängigkeit der erste-
ren von der Objektwahl.
      Federn bemerkt zur Identifizierung die Fälle frigider Frauen, die
sich durch Identifizierung mit dem Mann befriedigten.
      Freud bemerkt, dass frigide Frauen eben solche sind, die sich nar-
zisstisch nicht befriedigen können (denn die Koitusbefriedigung sei
wesentlich narzisstisch).

Hitschmann: Referat über Friedemann und Kohnstamm: Heilung eines Basedow
                   nebst kritischen Bemerkungen über die Ps A (erscheint im Druck

+0+0+0+0+0+0+0+0+0+0+0+0+0+0+0