Rank, Otto (1909-433/1909.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Wittels ›Analyse einer hysterischen Verworrenheit‹
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Stekel stellt zu Beginn der Sitzung einen Fall von traumatischer Neurose
vor und knüpft daran die Bemerkung, dass durch das Trauma (einen Fall
aus geringer Höhe) eine alte in lat. vorbereitete Neurose nur zum Aus-
bruch gekommen sei. Mit dieser Feststellung scheine die Brücke von
innerer Hysterie zur traumatischen Neurose geschlagen.Prof. Freud bemerkt, man habe noch nicht das Recht von diesem
Falle aus auf die echt traumatische Neurose zu schliessen, denn lat.
habe sich selbst gestellt bemerkt, das sei eine Hysterie. —
Furtmüller möchte nur einige Probleme zur Diskussion stellen
und bitten, ihm Winke zur Weiterarbeit in dieser Richtung zu
geben. Er bittet es mit seiner geringen Einarbeitung zu ent-
schuldigen wenn sein Vortrag manches enthalten wird, was längst
unser Gemeingut geworden ist und anderes, was von innerem Ge-
biet abweicht.Der Vortr. geht von dem starken Widerstand aus, den Freuds Dar-
legungen über das Seelenleben des Kindes gefunden haben und
infolge ihres befremdenden Charakters auch finden mussten. Zu-
nächst hat uns die instinktive Einfühlung, mit der wir die
psychischen Vorgänge, die ein Objekt in uns auslöst, in das Objekt
hineinverlegen, ein falsches Bild vom Kind gegeben. Diese zu-
nächst rein gedankliche Schwierigkeit wird aber sofort durch Kräfte
unseres Willenslebens verstärkt. Das Paradies der Kindzeit ist—
wie das der Menschheit— nichts als eine rückdatierte Wunsch-
füllung. — Der Erkenntnis der Rebellions- und Konkurrenzre-
gungen des Kindes steht der Elternegoismus und die Elternbestre-
bung gegenüber. Das ausschlaggebendste Moment, welches gerade
die Einsicht in den entscheidendsten Punkt, in das Sexuelleben
der Kinder verdunkelt, ist, dass auch die Beziehungen der
Eltern zu den Kindern sexuell gefärbt sind. Indem die Eltern
also die Sexualität der Kinder übersehen, weichen sie aus be-S.
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greiflichen Gründen einer Beurteilung dieser ihrer eigenen psy-
chischen Verfassung aus.Nachdem wir so gesehen haben, dass die theoretische Erkenntnis durch
Elemente des Willenslebens versperrt sind, können wir vermuten,
dass dieselben schädlichen Einflüsse sich auch in der Praxis der
Erziehung geltend machen werden. In die längst geübte Kritik
des herrschenden Erziehungssystems ist durch Freuds Untersuchun-
gen immer Zusammenhang und Vertiefung gekommen. Die
ganze Gefahr dieser Methode ist uns aber klar geworden, seit wir
wissen, dass es zwischen Rebellion und Unterwerfung noch einen
dritten Weg gibt: die Neurose. Diese Einsicht ist es vor allem, die
zu einem tiefen Skeptizismus in Erziehungsfragen hinarängt.
Und da uns zu einem hochgesteckten und sicher erreichbaren Erziehungs-
ziel die theoretischen Einsichten mangeln, so scheint wirklich alles
auf eine radikale Verwerfung der Erziehung hinzudrängen.Der Vortr. versucht nun im folgenden den Nachweis, dass dieser
Standpunkt praktisch unmöglich ist und dass es Wege gibt, die bisherige
Erziehungsmethode so zu modifizieren, dass ihre Schäden einiger-
massen vermieden werden. Versteht man unter Erziehung „be-
wusste und gewollte Einwirkung auf die Entwicklung des Individuums“
so fällt dabei die Zwangsanwendung zunächst weg. Die Zwecke der
Erziehung lassen sich in drei Gruppen sondern: es handelt sich
dabei entweder um das gegenwärtige Wohl des Kindes, oder um
die Interessen seiner Umgebung oder um das zukünftige Wohl
desKindesIndividuums. Der erste Punkt ist im Prinzip einer
Diskussion voll entrückt. Die Kritik, dass die Erzieher es sich zu
bequem machen wollen, scheint nach zwei Seiten unberechtigt.
Erstens ergeben sich die grossen Übel in der Regel dann, wenn die
Eltern es sich und den Kindern recht unbequem machen. Andrerseits
ist diese Rücksichtnahme auf die Erwachsenen etwas durchaus
Berechtigtes und Notwendiges. Weitaus am wichtigsten und schwierigs-S.
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ten sind die Probleme des dritten Erziehungszweckes, der Sorge für die
Zukunft. Wir wissen, dass das Kind in wenigen Jahren eine Entwicklung
zurücklegen muss, zu der die Menschheit als Ganzes Jahrtausende
gebraucht hat; dass zwischen den naturwidrigen Trieben des Indi-
viduums und den Anforderungen der Kultur eine Kluft sich dehnt,
die durch restlose psychische Arbeit des Kindes überbrückt werden
muss. Bei der Auslösung dieser Vorgänge spielt der Nachahmungs-
trieb eine grosse Rolle; aber nur dann, wenn er eine bestimmte
Richtung erhält, und das setzt voraus, dass Vorurteile an das Kind
herangebracht werden. Erweist sich bei dieser Übertragung der
Vorurteile die blosse Tatsache des sozialen Zusammenlebens heute
nicht mehr so wirksam wie früher, so tragen daran die gänzlich ver-
änderten Verhältnisse unseres Wirtschaftslebens die Schuld.
Früher lebte das Kind in der Gesellschaft, heute lebt es ausser und
neben derselben. Wie daher eine intellektuelle Vorbereitung auf das
Leben in der Gesellschaft durch den Unterricht notwendig geworden
ist, so eine allgemein psychische durch die Erziehung. Damit scheint
im Prinzip der neue Weg der Erziehung aufgezeigt. Sie muss das
natürliche Hineinwachsen in die Gesellschaft durch künstliche
Vorbereitung auf dieselbe ersetzen. Sie wird das am besten dadurch
tun, dass sie das Kind in Verhältnisse hineinversetzt, welche
die Gesellschaft in ihren allgemeinen Bedingungen in vereinfachter
Form widerspiegeln.Heute herrscht als das oberste Prinzip der Gehorsam; d. h. die
Unterwerfung unter den Individualwillen des Erziehers, wodurch
sich die ganze Erziehung in eine Ketteeinzelner gelösterAkte des
Gehorsams und Widerstandes auflöst. Dem gegenüber müssten
Kontinuität, Gleichmässigkeit, Unmerklichkeit die obersten
Merkmale der sicher gekennzeichneten Eingewöhnung in
das soziale Leben sein. Die Erziehung wird auf die Anwen-
dung brutaler Zwangsmittel von vornherein verzichten müssen,S.
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da sie ihre Gefahren erkannt hat. Allerdings heisst das nicht vor
jedem Widerstand des Kindes halt machen, was eine schlechte
Vorbereitung auf das an Beschränkungen so reiche gesell-
schaftliche Leben wäre. Es heisst nur direkten Zwang auf ein
Minimum zu beschränken und den unhaltbaren Zwang, der
den ein Lustgewinn von der Unterwerfung abhängig macht wegfallen.
In dieser Hinsicht hat Adler beachtenswerte Hinweise gegeben
wie sich das Zärtlichkeitsbedürfnis der Kinder pädagogisch
verwerten lässt.Für den pädagogischen Standpunkt wird die Milieugestaltung
von besonderer Wichtigkeit. Die Gefahren der übertriebenen Zärt-
lichkeitsowie zusowenig derselben, sind ja hinlänglich bekannt.
Ebenso das Verhältnis der Eltern zueinander und zum Kind. Mit
der Milieugestaltung stossen wir aber auf eine Frage des ganzen
Erziehungswerkes, denn das Milieu ist von so vielerlei Einflüssen
abhängig, dass wir ein ideales Milieu kaum werden herstellen können.
Vor allem unter da die Eltern Erziehung an sich selbst zu leisten haben.Schliesslich geht der Vortr. auf die sexuelle Erziehung näher ein.
Dazu fehlen uns vor allemnoch dievollkommene Kenntnisse auch der
dynamischen Vorgänge des Seelenlebens und wahrscheinlich dürfte dieser
persönlichste Teil der Menschen sich den Eingriffen des Erziehers entziehen.
Wo sich jedoch eine abnorme Entwicklung des Sexualtriebs zeigt,
wird nicht ohne weiters auf einen Eingriff zu verzichten sein; be-
sonders beim Verdrängungsprozess wird man mit gutem Erfolg
psychische Hilfen dem Kind an die Hand geben.In der Frage der sexuellen Aufklärung schliesst sich der Vortragende
dem Standpunkt Mollers an, das Kind nicht früher mit diesen Din-
gen bekannt zu machen als es wirklich ein ernstes Bedürfnis danach
hat. Adlers Begründung erscheine ihm jedoch nicht bewiesen,
dass man nämlich die Verschiebung des sexuellen Wissensbetriebes
auf andere Gebiete abwarten müsse um die intellektuelle Ent-
wicklung des Kindes nicht zu gefährden. Historisch betrachtet istS.
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der Fragetrieb im Menschen so früh aufgetreten, dass seine Herleitung
aus dem Sexualleben nicht statt haben kann. Trifft das zu, dann
gehört der Fragetrieb zu den angeborenen psychischen Fähigkeiten
des Menschen und er wird sich beim ersten geeigneten Anlass, der
meistens aus der Sexualsphäre kommt, entwickeln. Auch sei nicht
einzusehen wieso der sexuelle Fragetrieb durch die sexuelle Aufklä-
rung gehemmt werden sollte, die ja nie so weit gehen kann, dass
dem Kind ein restloser Einblick in alle Verhältnisse eröffnet
wird; es wird immer noch Probleme genug finden. Besonders da
es ja eine Reihe von unlösbaren Problemen gibt, mit denen sich
das Kind vorwiegend beschäftigt. Dabei ist vorläufig davon abzu-
sehen, ob diese fortwährenden Erleichterungen und Hilfen, die
dem Kind auf dem Weg geboten werden, nicht die Ausbildung
einer besonderen Initiative in manchen Fällen unterdrücken
könnte. Auf diesem Gebiete gilt es das für den Durchschnitt
förderlichste zu tun. Das Genie wird immer noch die „schlechteren“
Bedingungen vorfinden, deren es zu seiner Entdeckung und Ent-
wicklung zu bedürfen scheint.
Diskussion:
Tausk möchte gegen die Bemerkung protestieren, dass Freud
nur Zusammenhänge und Vertiefungen von Angstgeboten
gegeben habe. Er hat vielmehr wirkliche Motive und Quellen aufge-
zeigt, die bis jetzt nicht ausgeschöpft wurden. Die Frage der
Verdrängung, die Frage der Angst ist jede eine Erziehungsfrage
für sich; der ideale Erzieher hätte die Aufgabe diese Vorgänge
zu verfolgen und zu beobachten. — Dass wir durch unser Wissen
gehemmt werden ist sicherlich in praxi richtig; aber nur weil
wir nicht zuhören können, denn das Kind bringt auch immer die
Antworten. — Die Sozietät des Kindes ist weiter nichts als eine
Tatsache. Das Kind soll möglichst bald das Verhältnis zwischen
Recht und Pflicht erkennen lernen, es soll sich einordnenS.
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undsoll alle seine Reaktionen entwickeln. Das Prinzip der Kontinu-
ität und der Gewohnheit könne er nicht akzeptieren.— Man soll das
Kind vor dem Schuldgefühl bewahren, das man es warnt, gewisse
Dinge könnten ihm schädlich werden.Es sei auch die prinzipiell philosophische Frage gestellt worden ob
der Fragetrieb nicht ein selbstständiger Trieb sei: Es braucht dazu keine
Herleitung der Sexualität vorausgesetzt zu werden, sondern der
Fragetrieb stellt sich sekundär als ein Teil des Sexualtriebs selbst, des
Suchens nach dem Objekt, her. — Dass man dem Kinde durch die
Aufklärung keine Hemmung in seiner Initiation gebe, sei nicht.
Prof. Freud betont, dass es immer möglichst vermieden habeaus innerenErkenntnisse Schlüsse oder gar Vorschriften für die
Erziehung zu schöpfen. Darum könne er die Berechtigung des
Problems nicht bestreiten und würde sich freuen für die Sammlung
einen Aufsatz zu bekommen, der die Eindrücke eines Pädagogen
von seinem Zusammentreffen mit der Psychoanalyse widerspie-
gelt.An heutigen Vortrag konnte man erst eine psychoanalytische
Fassade bemerken, hinter der sehr liberale und hoffnungsvolle
Ansichten über die Erziehung stecken. Von einer Publikation
könnte man zweierlei erwarten: Zunächst vom psychoanalytischen
Standpunkt die Aufgaben der Erziehung neu zu definieren und
zu gruppieren. Dann wird unser heutiges Wissen einzelne
Detailfragen der Erziehung schon beeinflussen können.
Die Aufgabe selbst könnte man in drei Schichten einteilen, die
Pflege des Erziehers auf drei verschiedene Epochen des Kindes
verteilen. In der ersten Epoche könnte man die psychoanalytischen
Ergebnisse dazu verwenden um die in dieser Zeit vorgehenden
organisch bedingten und durch Heredität fixierten Verdrängun-
gen zu unterstützen; d. h. eine gewaltsame Unterstützung dieser
Vorgänge in Form von Abgewöhnung, Unterdrückung der sex. Libido &S.
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Im zweiten Stadium der Erziehung, wo das Kind schon sprechen kann
und sich als Individuum fühlt, käme es auf die Leitung der Ver-
drängungsvorgänge an. Da wird sich der Adler’sche Vorschlag be-
währen das Kind durch Liebe zu erziehen, ihm für Liebe ein Stück
seiner Eigenart abringen. Diese Periode könnte vielleicht
nur daran scheitern, wenn das Kind merkt, dass man es auf alle
Fälle gern hat. Im dritten Stadium, der Entwicklung der sozialen
Gefühle und Verpflichtungen, hätte die Erziehung die Aufgabe, die
notwendige Ablösung von den Eltern vorzubereiten und zu unter-
stützen. — Die beiden letzten Stadien lassen sich mit ähnlichem
in der Kur vergleichen, wo es sich auch zuerst um die Stützung
aller Regungen auf eine mächtige Übertragung handelt und
dann um die schwierige Aufgabe diese Übertragung wieder zu lösen,
den Pat. wieder selbstständig zu machen.Bei der Sorglosigkeit und Ingenuität mancher Eltern, das
Kind an allem Teilnehmen zu lassen, da es ja doch nichts ver-
stehe, darf man an die Tatsache des nachträglichen Erinnerns
und Verstehens nichts vergessen. Für Dinge, die es heute
vielleicht noch nicht versteht, kann ihm einige Jahre später
plötzlich das Verständnis aufleuchten.Als Ziel der Erziehung könne man im Sinne der Psychoanalyse die
Vermeidung von Verlust bezeichnen. Man muss das Kind durch den
Hinweis auf eine grosse Endlust zum Verzicht auf die jeweilige Vor-
lust bewegen. Diese versprochene Endlust rückt dann immer weiter
hinaus, um sich in das Wohl der Gesamtheit aufzulösen.Der Nachahmungstrieb kam uns etwas fremd in der Darstellung vor weil
sein Verhältnis zu den Motiven, die die Analyse aufgedeckt hat, nicht
gestreift wurde. Der Nachahmungstrieb ist nur eine Äusserung
des intensiven Kinderwunsches gross zu sein.Welch ungeheure Rolle die Erziehung zeigt uns das in der Neurose
so häufige Phänomen des nachträglichen Gehorsams. Die ver-
drängende Macht, die als Selbstbestrafung auftritt, markiert sichS.
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oft als nachträglicher Gehorsam: nun führt er das aus, was ihm früher
angedroht worden war. Die Krankheit ist oft nur die nachhallende
Stimme der Eltern und Erzieher (in anderen Fällen natürlich auch
immer eine Erfüllung der aktuellen Liebe). So kann alles, was
in der Erziehung scheinbar keine Folgen hat doch sehr bedeutsam
werden, wenn der Mensch neurotisch wird.In der Frage der sexuellen Erziehung und Aufklärung teile er
Molls negativistische Ansichten nicht. Was man aber tun soll und
wie das ist eine sehr heikle Sache. Im allgemeinen sei es besser mit
direkten Vorschlägen zu warten bis man mehr vom Kinde weiss.Adler meint, es sei nicht leicht in allgemeiner Weise von Erziehungs-
vorschriften zu sprechen, wo sich doch jeder anmasse, alle Probleme
lösen zu können. Es hänge das natürlich mit einer Eigenart der
menschlichen Psyche, dem Phänomen des Ineinanderlaufenden Gedanken
reihen zusammen, demzufolge ein und derselbe Herren in derselben
Sache zu verschiedenen Malen verschieden urteilen wird. Auch
könne er aus der Erfahrung bestätigen, dass Leute mit derselben
theoretischen Lösung in der Praxis doch anders verfahren werden; es
ist ja beobachten wie einem das eigene Temperament da zuweilen
ein Schnippchen schlägt. Auch mit solchen Schwierigkeiten muss
der Erzieher rechnen und man wird die Lösung leicht finden, wenn
man das Individuelle des Erziehers in Rechnung zieht.Es erscheine ein Hinweis nicht überflüssig darauf, wie notwendig
es sei das Vertrauen des Kindes zu gewinnen und wie schwer das oft ge-
linge. Vor allem nun man Kinder mit starken Triebanlagen dahin
zu bringen suchen, dass sie Beeinträchtigungen zu ertragen lernen.
Vielleicht liegt die Lösung dieser Aufgabe nur in der Kontinuität
der Erziehung. Es scheine kein Nachteil wenn das Kind merkt, dass man
es auf alle Fälle lieb habe; oft komme es ihm auf das gegenwärtige
Mass der Liebe an. Man könnte sogar die Forderung aufstellen, dass
das Kind dieses Bewusstsein immer haben müsse ebenso wie
das andere, dass man ihm die Wahrheit immer entgegenbringe.S.
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Das Missverständniss, dessen das Kind oft bes. durch die Sprache ausge-
setzt ist können Konsequenzen haben, die in der Analyse uns oft durch
Symbolismen kenntlich werden.Was den Fragetrieb betrifft, wolle er den Gesagten gern bis zu einem
gewissen Grade anerkennen. Der vor der „Sexualität“ schon auftretende
Fragetrieb scheine mit dem Schautrieb zusammenzuhängen. Es gehört
aber doch noch ein intensives Interesse dazu, um den Fragetrieb
auf das Kausalitätsprinzip zu aktivieren und für immer festzu-
setzen: und das ist die Bekanntschaft mit dem Sexualproblem.Rank meint, dass es zunächst vollauf genügen und reichlich gute
Früchte tragen werde, wenn man die Ergebnisse der Psychoanalyse
in negativer Weise in der Erziehung zur Anwendung bringe, d.h.
die Kinder vor all den Schäden zu bewahren sucht, die man bis
jetzt für nicht schädlich oder für unvermeidlich gehalten
hat. Inzwischen werde auch zu den nötigen positiven Reformen
die nötigen Erkenntnisse und die Zeit gewinnen. In diesem nega-
tiven Entwerfen sei aber eine Erziehung und theoretische Auf-
klärung der erwachsenen Generation nötig, wobei aber nicht
versäumt werden darf den Erwachsenen einzuschärfen, die
ihnen entsprechend den eingewurzelten Bürsten Vorurteilen mit Nach-
druck ausgepauktem Leben, nicht in derselben grobklotzigen
Weise an die Kinder weitergeben. —Federn hebt hervor, dass unser Urteil über die Fragen der Erziehung
notwendig getrübt werden müsse, da wir es mit Kranken zu tun
haben. Wir wissen heute auf eine Menge von Detailfragen keine Ant-
wort zu geben und können nur vermuten, dass sich die Erziehung
unter normalen Verhältnissen ausschliesslich mit der sexuellen
Erziehung begnügen wird. Die Frage ist: wie schütze ich das noch
nicht gefestigte Kind vor seinen eigenen Trieben, vornehmlich den
Partialtrieben. Sicher ist, dass die sexuelle Aufklärung jederzeit
auf eine direkte Frage offen antworten müsse. Es habe keinen
Sinn, dem Kinde die Erfahrung der Sexualität zu einem so schwerenS.
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Problem zu machen. - Die Schwierigkeit ist nur, dass die vorhei zugrunde
legten normalen Verhältnisse sehr selten sind. Die Furcht zur Kennt
nisse in zwei Bedingungen: 1) in etwas, was man Versteck nennen
könnte und 2. in der Möglichkeit, dass die Eltern in zwei Hinsichten
abnorm sind: a) haben sie entweder abnorm sublimiert oder b) sie
haben einzelne Perversionen, die sie nicht beherrschen konnten.
In diesen kommen hauptsächlich der Sadismus und die Analerotik in
Betracht. Solche Eltern können die Kinder nicht erziehen.Sadger möchte zunächst den vielangegriffenen Wittels in Schutz nehmen,
er sei auch der Ansicht, es wäre besser für die Kinder, wenn weniger
herumerzogen würde. Die beste Erziehung sei im allgemeinen, die
Kinder sich selbst zu überlassen und mit gutem Beispiel voranzu-
gehen. Am besten sind hier die geborenen Pädagogen, die instinktiv
handeln; die bewusst und theoretisch zu Werke gehen haben zumeist
schlecht erzogene Kinder. - Freud hat gelehrt, gewissen Gefahren
des Sexuallebens vorzubeugen und diesem Moment sollte erhöhte
Beachtung zugewandt werden. Aber die Bekämpfung einer auf
organischer Grundlage beruhenden, eingerissenen Masturbation
sei sehr schwierig. Die excessiv Masturbation habe übrigens fast immer
zwangsneurotischen Charakter. — Um die sexuelle Aufklärung pfleg
sich die Eltern meist herumzudrücken; die Furcht ein Kind vor-
zeitig mit den sexuellen Problemen bekannt zu machen ist gering.
Der Wissenstrieb bezieht sich zunächst nicht auf die Frage: woher
kommen die Kinder; sondern das Aussehen der Genitalien des andern
Geschlechts (der Eltern) reizen zunächst die Neugierde des Kindes.Hitschmann: Sosehr die Rücksichtnahme Furtmüllers auf die
Bemerkungen Wittels’ zu begrüssen sei weil sie zu dem heutigen
Vortrag geführt habe, so möchte er den Vortragenden doch bestimmen,
auf solche aphoristische Äusserungen keinen so grossen Wert zu legen.Das Nichterziehenwollen bleibt eine Utopie, die einfach un-
durchführbar ist. Es existieren Beispiel und Nachahmung, es gibt
einen Erziehungstrieb beim Erwachsenen und einen gegenteiligenS.
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Trieb beim Kind. - Zunächst müssen natürlich die Erzieher erzogen werden,
was das ganze Problem um eine Generation zurückverschiebt. Dazu gehören
aber Menschen mit gesunden Instinkten und grossem Wissen. Es ist nicht
nur das Kind aufzuklären sondern auch späterhin sexuelles Wissen
zu verbreiten. Verhütung ist die Hauptsache in der Erziehung wie bei der
Aufklärung. Interessant wäre auch zu sehen wie sich die immoralischen
Fälle entwickeln. Skeptisch gegen die Erziehung könnte die Tatsache machen,
dass oft zwei gleich erzogene Menschen doch ganz verschiedene Schicksale
haben und das theoretische Pädagogen gewöhnlich sehr schlecht erzogene
Kinder haben. Die Benutzung der infantilen Wünsche zur Erziehung
(z. B. das Grosswerdenwollen etc.) hat Förster auch vertreten. Nachahmung
verdient auch das amerikanische Erziehungsprinzip, dass man die
Kinder, indem sie selbst eine Gesellschaft bilden, zu ihren sozialen
Pflichten erzieht. - Ein Problem sei auch, was man macht, wenn die
Kinder zu wenig oder zu viel Ehrgeiz zeigen. - Der excessiven Masturbation
kann man noch am ehesten durch Zuwendung einer intensiven Liebe
(der Mutter etwa) beikommen.Friedjung möchte das Thema des heutigen Abends nicht als theoretische
Frage betrachten. Man könne die Tätigkeit des Kinderarztes von der
des Erziehers kaum mehr trennen. Mit dem Theoretisieren komme
man nicht weit, man müsse sich klar werden, was man mit der Er-
ziehung will. Es sei klar, dass diese Tätigkeit heute individualisiert
werden müsse. -- Die Liebe sei gewiss das wichtigste Vehikel der sexuellen
Beziehung. Es sei nicht die Frage, ob ein Kind aufgeklärt werden
soll oder nicht sondern man habe nur zu wählen, wer es tun solle:
ob der Vater, der Lehrer, der Arzt oder das Dienstmädchen und Kollegen.
Der Nachahmungstrieb sei nicht so einfach als Nachahmung der Grossen
aufzufassen; sondern es werden manchmal die Kleineren nachgeahmt
um dieselben Benefizien wie diese geniessen zu können.Stekel meint, die Sachen seien nicht so einfach. Wenn die Kinder
fragen, so wissen sie schon sehr viel und haben vor allem ein be-
stimmtes Motiv zum Fragen: sie wollen die Genitalien sehen.S.
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Die sexuelle Aufklärung durch Erwachsene ist ein schweres
TraumaTrauma,
die relativ beste Aufklärung sei noch die bisher übliche: durch
Dienstboten und Kameraden. Das wichtigste um die Kinder gesund
zu machen ist die Erziehung zur Selbständigkeit und die Erlösung
vom Schuldgefühl. Dieses Schuldbewusstsein tritt in zwei Formen
auf: als religiöses und ethisches. - Besonders das Religiöse spiele
eine grosse Rolle. So rührt der Aberglaube des Zwangsneurotikers da-
her, dass er eigentlich ein Gläubiger sei. - Das ethische Schuldbewusst-
sein entsteht wo das Kind in einer warmen Treibhausatmosphäre des
Elternhauses aufwächst, umgeben von der Liebe, die uns Adler als
Ideal vorgeführt hat. Die Kinder sind dann nicht imstande sich von
den Eltern abzuwenden. Die Dienstboten aber besorgen das. Die Haupt-
sache ist, dass die Kinder mit ihrer Sexualität nicht an den Eltern
haften bleiben. So kann Erziehung durch Liebe zum grossen Schaden
werden.Aus Empörung und Gehorsam, den beiden Reaktionen des Kindes
gegen die Eltern, entspringen alle grossen sozialen Bewegungen
unserer Welt.Die Abstellung der Masturbation sei eine schwere Sache. Bei schweren
Fällen wird man mit Zwangsmassregeln nicht viel ausrichten. Die
einzige Möglichkeit besteht in der Beschäftigung mit Dingen, die
das Kind interessieren und es nötigen, einen Teil seiner Energie auf
andere Gebiete zu übertragen.Furtmüller dankt zunächst, dass seiner Erwartung nach Vervollständi-
gungundAnregungen in so reichem Masse entsprochen wurde,
auf den Kern derselben könne er jedoch heute nicht näher ein-
gehen, sondern müsse sich mit der Besprechung von Einzelheiten
begnügen. So werde es bei der Erziehung durch Liebe vornehmlich
auf die Kunst des Erziehers ankommen. Dem Kinde zu zeigen, dass man
es nicht liebe sei gefährlich. Ebensowenig könne man die Erziehung
durch Lustprämien (bes. in der Form von Geld: Stekel) gut heissen; sie
dürfte die Charakterentwicklung schädigen.