Ein Vorschlag Siegmund Freuds zur „Winterhilfe” 1931-072/1931

Freud, Sigmund (1931-072/1931): Ein Vorschlag Siegmund Freuds zur „Winterhilfe”

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  • S.

    Ein Vorschlag S i e g m u n d  F r e u d s zur
    „W i n t e r h i l f e “.

    Professor S i g m u n d F r e u d hat an den Vorsitzenden der
    „W i n t e r h i l f e “, Stadtrat Universitätsprofessor Dr. T a n d l e r,
    folgenden Brief geschrieben und ihm das Recht gegeben, dieses
    Schreiben zu publizieren. Er lautet:
    „Ich stehe unter dem Eindruck Ihrer Aeußerung in der
    „N e u e n F r e i e n P r e s s e “, daß die einzig zweckmäßige Art der
    Organisation der „W i n t e r h i l f e “ die Zuwendung von Bei-
    trägen an eine Zentralstelle sei. Dies Ihr Urteil muß für uns
    maßgebend sein und Ihre Versicherung, diese Zentrale werde über-
    parteilich und überkonfessionell arbeiten, soll uns das Vertrauen
    einflößen, das eine solche Institution bedarf.
    Was nun die Technik der Sammlung für die „W i n t e r h i l f e “
    betrifft, so erlaube ich mir ein Verfahren vorzuschlagen, das man
    als **tägliche S e l b s t b e s t e u e r u n g** der Erwerbenden be-
    zeichnen kann. Ich verpflichte mich, zum Beispiel von dem
    Erwerb jeden Tages, also täglich, mit Ausnahme der Sonntage
    und etwaiger Krankheitszeiten, den Betrag von S. 20 für die
    Zwecke der „W i n t e r h i l f e “ abzugeben, solange diese Institution
    ihre Tätigkeit ausübt. Es würde vorteilhaft sein, die Summe, die
    so zustande kommt, allwöchentlich zu bestimmter Zeit vom Haus
    abholen zu lassen. Man erspart die Wiederholung der Ent-
    schließungen, die dem Geben nicht günstig ist.
    Natürlich kommt das, was ein Einzelner, nicht sehr ver-
    mögender Mitbürger leisten kann, nicht in Betracht. Aber wenn
    Ihnen mein Vorschlag brauchbar erscheint, dann bitte ich Sie, ihn
    zu Ihrem eigenen zu machen und ihn vor der Oeffentlichkeit zu
    vertreten. Ihr großer Einfluß wird hoffentlich zur Folge haben,
    daß viele andere die Anregung aufnehmen werden, sich in dieser
    Weise an der „W i n t e r h i l f e “ für unsere Stadt Wien zu beteiligen.
    Hoffentlich finden sich viele, die sich ihrer sozialen Pflichten
    in einem so hohen Maße bewußt werden, wie dieser internationale
    Wiener Gelehrte.“
     

  • S.

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    5 (8) Jenzztich gemad,

    Man kann fi nicht
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    an ihe — fo fchön ift fie, fo viele herrliche Farben
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    elaftifd), 8, Schiüing

    In Mobegefhäften mein gerz....!

    Sepanifhe Meldungen
    über Einftellung der
    Dffenfive,

    Zelegramme unjerer Rorrefpondenten.
    . London, 28. Ronember.

    Auf die energifche Stelhingnahme der Vereinigten
    Staaten wirb e3 zurüctgefüht, daß aus Tokio Heute eine
    amtliche Mitteilung vorliegt, berzufolge

    General Honjo geitern abend anoranete, die
    gegen Zichintichan vorrfitenden japanijchen
    Truppen hätten jo bald als möglich nach
    -Mukden zuridzufchren.

    Die Nüdikehe verzögere fh allerdings einigermaßen,
    tie 8 in Diejer Mitterlung heißt, weil die Bahnlinie an
    mehreren Numften gerftört je. Oleichgeitig wird aus
    Mukden gemeldet, dak vom japanifchen Oberkommando
    der Rüczug ber jnpanifhen Truppen welt:
    lihbesLianindiejüdmandfhurifheBahn-
    zone eingeleitet worden fe, Nur im nier
    ober fünf Blägen, Darunter in Tjitfikar, würden
    mad) ber Durchführung diefer Mafmahme noch japaniiche
    Streitäräfte in einem auf ein Mindeftmaß reduzierten Ber
    Stand verbleiben.

    Die Derhandlunnen wegen des
    60:Millionen-Kredits,
    Wien, X. November.

    Minifterialdirektor Dr. Jwch ift geftern abend zu ben
    Verjandlungen des öfterreihijchermänifchen gemifchten
    Ehiedägerichtes nach Paris adgereift. Cr wird den Aufe
    enthalt in Paris auch dazu benügen, mit ben mahgebenben
    Koeifen in der Angelegenheit bes bei ber Ichten
    Verwaltungsratsfigung ber &. 3. 8. in Balel vertagten
    Kredites von 60 Millionen Sdilling
    Fühlung zu nehmen.

    Reife Flaudins nad) Landen,

    Zelegramm unfered Rorreipondenten.
    Baris, 28, November.

    Einer _ überrafchenden NReije de3 Finanz
    minijters Jlandin nad London wird in fran-
    söftfchen Aielhaftskeeifen große Bedeutung ber
    gemeijen, obwohl man fie offiziell al3 rein privaten Weekend-
    uaflug Hinftelt, 0

    Kichtsbeftoweniger nimmt man hier mit Beftinmtheit
    an, daß die Reife in Zufammenhang mit den
    engliiden Boa lauhaöllen fteht und bah
    Slandin jich im London bemühen wird, Erleidte
    Tungen für ben frangöfijden Erport zuer
    jeien, Nach) neneften Veremungen treffen bie eng-
    iihen Zollerhöhungen Tranzöfiiae Ans
    fuhrmaren im Werte von 1200 Millionen
    Franc

    [Preis Wie 50 Groschen. |

    Neue

    Freie Presse.

    Morgenblatt.

    Wien, Sonntag, den 29. November

    Bien, 9. Novembe

    Eine große Gefahr ift abgewenbet. Ohne diefe
    gung mit den Gläubigen, e8 wäre ein Stadjel zurüc-
    geblieben, bie mächtigen Herren hätten uns fühlen. laffen,
    daf wir nicht brav gewejen find. Wäre die Einigung fo zu-
    Ttanbe gekommen, wie mande im Yuslande cs gewünicht
    haben, ein parlamentarijcher Drkon wäre Iosgebrochen, der
    die Negierung hätte wegfegen hönnen. Wir |preden nicht
    von den Spzialdemokraten allein, auch manche Regierum,
    parteien konnten e8 nicht erktagen, wenn man Bi
    bürfniffe nach, fogialer Schonung nicht erfüllt, wenn man
    den öfterreichiichen Grundcharakter nicht gewahrt hätte,
    wenn die Vertreter des Bundes majoriiert worden wären,
    verurteilt, als Figuranten ein läcerliches Spiel zu treiben.
    Zie Ausländer — man verzeihe die etwas zyniich klingende
    Rebensart — Können e& fi) leiften, wem in der kontrols
    bierenben Körperjchaft nur zwei von ifmen jißen neben brei
    Dejterreichern. Sie werden jelbjt dann nicht. zum Handkuß
    Bonimen, wenn ewa ein Deiterteicher Seneratßinehtor wirde
    oder ein Mann, der Defterreich näher fteht als ihnen. Der
    potentiele Einfluß der Gläubiger ift fo groß, bie ipremben
    Suben fo übermächtige Waffen, fte Können auf fo verichiedene
    tt ums mehehim, daß wahrhaftig eine Bejorgnis. ihrerjeits
    gänzlich unbegründet wäre. Nein, wir werden nicht aud-
    arten ; das. karge Stückchen Majorität, e3 wird von uns
    nicht mißbraucht werben. Da Geichäfte bekanntlich auf Ber-
    trauen gebaut jinb, jo war e3 gut und notwendig, daß die
    Vertreter des Auslandes an Diefem, dem enticeidenden
    Kunkte Nachgiebigheit, erwieen Anten, Rouffenu bat gejagt:
    &s ift jehr jdnmer, mobel zu fein, wenn man den Sampf um.
    das machte Leben führt. Num, diefen Kampf um das nadıte

    Junghans-Uhren
    das ht Woran

    1931.

    Der erfte Schritt zur
    Erneuerung.

    Die Berfiändigung mit den Glänbigervertretern über die
    Organifation der Gredit-Anfalt.

    Leben mußten wir führen, die Nphleffe tvar auf feiten der
    Partner.

    So ift denn, um das alte Zitat zu variieren, bie Credit-
    Anftall noch; in unferem Bejig. Es wird jebt an den Ent-
    Schliegungen der Wegierung liegen, mit üäußerfter Be-
    [leumigung die Fehler gutzumachen, den Gang der Gefchäfte
    zu erleichtern, ehrlich" die Politik auszuhalten und dem
    Veneraldirektor nicht, fo viel Prügel rücfichtätes _ por
    Die Füße zu vr wie Dies leider bei Dr. Spitmtüller jeitens
    der Yarteien.gefchehen ift. Der neue Mann wird jich, dag hören
    wir aus genau unterrichteten Seifen, höchftwahrfdenlich
    in irgendeiner noch zu wählenden Form ber Hilfe Dr. Epik-
    mödlers verficeen, ar wirb auf jeben Sail ein ganzer Kerl
    jein müffen, Hundertprogentig genijfenhaft, aber auch mit dem
    Willen, ji, martyrijieren zu lafjen, wern e3 gilt, das Wohl
    bes. Unternehmeng zu fördern ; wenn Eutfchlüfie durdizu>
    brücen wären, bie umpopulär find und Widerfpruch ermedten.
    Seine Vollmagit, dies erfahren wir aus der offiziellen Mit-
    teilmg, ift bedeutend, weniger nach bem Buchftaben bes
    Statuts als durch die Praris, die ganz von felbft aum Bar-
    fein kommt, wenn ein Geichäft monarhiih — man wir
    Diefen Ausdruck gewiß nicht mihverftchen — eingeftellt ift.
    De Monarch der Crebit-Unftalt, er wird befreit dom heit
    Felleln. des Rekonftruktionskomitees, e3 wird verfcuinden,
    und nur ein Torfo bleibt zurüich in Geitalt einer Rommiffton,
    webe die Schuld am Sriege — parbom, bie Schuld am Air
    fammenbrucdh der Bank zu eruieren hat. Der Generalbirktor
    ber Eredit-Anftelt ift zwar formell Organ deö bereits fagen-
    haft gewordenen Venvaltiungsrates, aber er wird gewählt im
    Einvernehmen mit bem Gläubigerkomitee, er bedarf der Be-
    ftäfigung Durch die Regierung, jeine Amtspeit dauert min-

    GEGRÜNDET 1856

    N

    CARL

    %
    G
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    7

    WIEN-L-KOH

    0220022200: 0RERERE00

    REDEEEEEEDEDIEEEEEEEIEEIERIEEIIEEGEEES

    TELEFON U-21-0-30

    RIEREGEIISEIEIDDEG

    ZZ, ;
    IESS 0°;
    el ee”,

    LMARKT 12

    BR Die närhfte Nummer der „Neuen Sreien Breffe”
    eriheint Montag nachmittags,

    Feuilleton.

    Binterhilfe
    Bon Felig Salten.

    Ob die Sorgen, mit benen wir ung Beute plagen,
    fwerer find als diejenigen, bie uns früher bedutickten ?
    Kein Zweifel! Das wird niemand beftreiten, noch weniger
    Kann irgendwer fich verjucht fühlen, Darüber zu biäkutieien.
    Eine einzige Laft ift von uns genommen, feit der Krieg fein
    Ende fand, ein ungeheurer Kummer: Daß nım nicht zieht
    täglich Taufende von Menfcen ermordet oder zu Krüppeln
    geichoffen werden. Freilich, freilich, man darf Seren froh jein,
    wenn nod) die Möglichkeit vorhanden wäre, Fröhlichkeit zu
    empfinden.

    Sachte ! Haben wir au
    LZarme, fo ijt e8 doch das
    wenn er jich ber Verzmeiflin,

    nur wenig Urfache zu guter
    ümmite, was ein Menfch tut,
    Hingibt. So arın an Gütern

    toir find, jo reich find wir an Erfahrungen. Das ift immerhin
    chen etwas, Darum : Sachte ! &3 bleibt richtig, die Sorgen

    während des Krieges und in den erften Jahren der Radı-
    Kriegägeit find drücken gewefen. Heute Dagegen find. fie
    peinigend und qualvoll. Eben deshalb md trodem: Mehr
    Haltung, mehr Gefaßtheit !

    BiS zu diefer jüngften ımb fclimmften Gegenwart
    unterfchieden wir zweierlei Sorten von Denen. Solde,
    denen e3 gut und folde, denen es fötedht g. Auch) während
    bes Krieges hat c8 viele Leute gegeben, Die gefichert, bie
    üppig, bie wunderbar [ebten, indejjen die anderen ihr Blut
    verftrömten. Ganz abgejehen davon, daf wir alle miteinander
    frifch, Kräflig und ahnungalos in ben dunklen Abgrund des
    Krieges ftürzten, daß wir aljo jähig waren, wir alle zu-
    jarnmen, einen tüchtigen Sturz und Stoß auszuhalten. 5
    haben wir gether nicht. alles ertragen‘! Wie ot mußte man
    fi) des Musipruches erinnern, den Goethe in feiner
    „Stalienifchen Reife" miederichtich: der Menich fei. dadı
    eine gutmütige, gedufdige Beitie! Doc daß er bei affedem
    eine, Beitie t ex gerade in umferen Tagen ebenfo oft
    Bemiefen, wie feine gutmütige Schafegehulb.

    A im Jahre achtzehn der Herbftjturn wehte und fo
    viele mitteleuropäiiche Gftnaftien von ihren ranfiken
    blies, Hat wohl mander Monarch dnsfelbe gedacht, was
    Hofmannsthal in feinem „Welttheater“ den König jagen
    läßt: „Macht ift Ohrmmacht, das feh’ ich min ein...”
    Aber, c3 gab Kriegägeminner, e3 gab die neuen Neichen, e&