S.
Ein Vorschlag S i e g m u n d F r e u d s zur
„W i n t e r h i l f e “.Professor S i g m u n d F r e u d hat an den Vorsitzenden der
„W i n t e r h i l f e “, Stadtrat Universitätsprofessor Dr. T a n d l e r,
folgenden Brief geschrieben und ihm das Recht gegeben, dieses
Schreiben zu publizieren. Er lautet:
„Ich stehe unter dem Eindruck Ihrer Aeußerung in der
„N e u e n F r e i e n P r e s s e “, daß die einzig zweckmäßige Art der
Organisation der „W i n t e r h i l f e “ die Zuwendung von Bei-
trägen an eine Zentralstelle sei. Dies Ihr Urteil muß für uns
maßgebend sein und Ihre Versicherung, diese Zentrale werde über-
parteilich und überkonfessionell arbeiten, soll uns das Vertrauen
einflößen, das eine solche Institution bedarf.
Was nun die Technik der Sammlung für die „W i n t e r h i l f e “
betrifft, so erlaube ich mir ein Verfahren vorzuschlagen, das man
als **tägliche S e l b s t b e s t e u e r u n g** der Erwerbenden be-
zeichnen kann. Ich verpflichte mich, zum Beispiel von dem
Erwerb jeden Tages, also täglich, mit Ausnahme der Sonntage
und etwaiger Krankheitszeiten, den Betrag von S. 20 für die
Zwecke der „W i n t e r h i l f e “ abzugeben, solange diese Institution
ihre Tätigkeit ausübt. Es würde vorteilhaft sein, die Summe, die
so zustande kommt, allwöchentlich zu bestimmter Zeit vom Haus
abholen zu lassen. Man erspart die Wiederholung der Ent-
schließungen, die dem Geben nicht günstig ist.
Natürlich kommt das, was ein Einzelner, nicht sehr ver-
mögender Mitbürger leisten kann, nicht in Betracht. Aber wenn
Ihnen mein Vorschlag brauchbar erscheint, dann bitte ich Sie, ihn
zu Ihrem eigenen zu machen und ihn vor der Oeffentlichkeit zu
vertreten. Ihr großer Einfluß wird hoffentlich zur Folge haben,
daß viele andere die Anregung aufnehmen werden, sich in dieser
Weise an der „W i n t e r h i l f e “ für unsere Stadt Wien zu beteiligen.
Hoffentlich finden sich viele, die sich ihrer sozialen Pflichten
in einem so hohen Maße bewußt werden, wie dieser internationale
Wiener Gelehrte.“
S.
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elaftifd), 8, SchiüingIn Mobegefhäften mein gerz....!
Sepanifhe Meldungen
über Einftellung der
Dffenfive,Zelegramme unjerer Rorrefpondenten.
. London, 28. Ronember.Auf die energifche Stelhingnahme der Vereinigten
Staaten wirb e3 zurüctgefüht, daß aus Tokio Heute eine
amtliche Mitteilung vorliegt, berzufolgeGeneral Honjo geitern abend anoranete, die
gegen Zichintichan vorrfitenden japanijchen
Truppen hätten jo bald als möglich nach
-Mukden zuridzufchren.Die Nüdikehe verzögere fh allerdings einigermaßen,
tie 8 in Diejer Mitterlung heißt, weil die Bahnlinie an
mehreren Numften gerftört je. Oleichgeitig wird aus
Mukden gemeldet, dak vom japanifchen Oberkommando
der Rüczug ber jnpanifhen Truppen welt:
lihbesLianindiejüdmandfhurifheBahn-
zone eingeleitet worden fe, Nur im nier
ober fünf Blägen, Darunter in Tjitfikar, würden
mad) ber Durchführung diefer Mafmahme noch japaniiche
Streitäräfte in einem auf ein Mindeftmaß reduzierten Ber
Stand verbleiben.Die Derhandlunnen wegen des
60:Millionen-Kredits,
Wien, X. November.Minifterialdirektor Dr. Jwch ift geftern abend zu ben
Verjandlungen des öfterreihijchermänifchen gemifchten
Ehiedägerichtes nach Paris adgereift. Cr wird den Aufe
enthalt in Paris auch dazu benügen, mit ben mahgebenben
Koeifen in der Angelegenheit bes bei ber Ichten
Verwaltungsratsfigung ber &. 3. 8. in Balel vertagten
Kredites von 60 Millionen Sdilling
Fühlung zu nehmen.Reife Flaudins nad) Landen,
Zelegramm unfered Rorreipondenten.
Baris, 28, November.Einer _ überrafchenden NReije de3 Finanz
minijters Jlandin nad London wird in fran-
söftfchen Aielhaftskeeifen große Bedeutung ber
gemeijen, obwohl man fie offiziell al3 rein privaten Weekend-
uaflug Hinftelt, 0Kichtsbeftoweniger nimmt man hier mit Beftinmtheit
an, daß die Reife in Zufammenhang mit den
engliiden Boa lauhaöllen fteht und bah
Slandin jich im London bemühen wird, Erleidte
Tungen für ben frangöfijden Erport zuer
jeien, Nach) neneften Veremungen treffen bie eng-
iihen Zollerhöhungen Tranzöfiiae Ans
fuhrmaren im Werte von 1200 Millionen
Franc[Preis Wie 50 Groschen. |
Neue
Freie Presse.
Morgenblatt.
Wien, Sonntag, den 29. November
Bien, 9. Novembe
Eine große Gefahr ift abgewenbet. Ohne diefe
gung mit den Gläubigen, e8 wäre ein Stadjel zurüc-
geblieben, bie mächtigen Herren hätten uns fühlen. laffen,
daf wir nicht brav gewejen find. Wäre die Einigung fo zu-
Ttanbe gekommen, wie mande im Yuslande cs gewünicht
haben, ein parlamentarijcher Drkon wäre Iosgebrochen, der
die Negierung hätte wegfegen hönnen. Wir |preden nicht
von den Spzialdemokraten allein, auch manche Regierum,
parteien konnten e8 nicht erktagen, wenn man Bi
bürfniffe nach, fogialer Schonung nicht erfüllt, wenn man
den öfterreichiichen Grundcharakter nicht gewahrt hätte,
wenn die Vertreter des Bundes majoriiert worden wären,
verurteilt, als Figuranten ein läcerliches Spiel zu treiben.
Zie Ausländer — man verzeihe die etwas zyniich klingende
Rebensart — Können e& fi) leiften, wem in der kontrols
bierenben Körperjchaft nur zwei von ifmen jißen neben brei
Dejterreichern. Sie werden jelbjt dann nicht. zum Handkuß
Bonimen, wenn ewa ein Deiterteicher Seneratßinehtor wirde
oder ein Mann, der Defterreich näher fteht als ihnen. Der
potentiele Einfluß der Gläubiger ift fo groß, bie ipremben
Suben fo übermächtige Waffen, fte Können auf fo verichiedene
tt ums mehehim, daß wahrhaftig eine Bejorgnis. ihrerjeits
gänzlich unbegründet wäre. Nein, wir werden nicht aud-
arten ; das. karge Stückchen Majorität, e3 wird von uns
nicht mißbraucht werben. Da Geichäfte bekanntlich auf Ber-
trauen gebaut jinb, jo war e3 gut und notwendig, daß die
Vertreter des Auslandes an Diefem, dem enticeidenden
Kunkte Nachgiebigheit, erwieen Anten, Rouffenu bat gejagt:
&s ift jehr jdnmer, mobel zu fein, wenn man den Sampf um.
das machte Leben führt. Num, diefen Kampf um das nadıteJunghans-Uhren
das ht Woran1931.
Der erfte Schritt zur
Erneuerung.Die Berfiändigung mit den Glänbigervertretern über die
Organifation der Gredit-Anfalt.Leben mußten wir führen, die Nphleffe tvar auf feiten der
Partner.So ift denn, um das alte Zitat zu variieren, bie Credit-
Anftall noch; in unferem Bejig. Es wird jebt an den Ent-
Schliegungen der Wegierung liegen, mit üäußerfter Be-
[leumigung die Fehler gutzumachen, den Gang der Gefchäfte
zu erleichtern, ehrlich" die Politik auszuhalten und dem
Veneraldirektor nicht, fo viel Prügel rücfichtätes _ por
Die Füße zu vr wie Dies leider bei Dr. Spitmtüller jeitens
der Yarteien.gefchehen ift. Der neue Mann wird jich, dag hören
wir aus genau unterrichteten Seifen, höchftwahrfdenlich
in irgendeiner noch zu wählenden Form ber Hilfe Dr. Epik-
mödlers verficeen, ar wirb auf jeben Sail ein ganzer Kerl
jein müffen, Hundertprogentig genijfenhaft, aber auch mit dem
Willen, ji, martyrijieren zu lafjen, wern e3 gilt, das Wohl
bes. Unternehmeng zu fördern ; wenn Eutfchlüfie durdizu>
brücen wären, bie umpopulär find und Widerfpruch ermedten.
Seine Vollmagit, dies erfahren wir aus der offiziellen Mit-
teilmg, ift bedeutend, weniger nach bem Buchftaben bes
Statuts als durch die Praris, die ganz von felbft aum Bar-
fein kommt, wenn ein Geichäft monarhiih — man wir
Diefen Ausdruck gewiß nicht mihverftchen — eingeftellt ift.
De Monarch der Crebit-Unftalt, er wird befreit dom heit
Felleln. des Rekonftruktionskomitees, e3 wird verfcuinden,
und nur ein Torfo bleibt zurüich in Geitalt einer Rommiffton,
webe die Schuld am Sriege — parbom, bie Schuld am Air
fammenbrucdh der Bank zu eruieren hat. Der Generalbirktor
ber Eredit-Anftelt ift zwar formell Organ deö bereits fagen-
haft gewordenen Venvaltiungsrates, aber er wird gewählt im
Einvernehmen mit bem Gläubigerkomitee, er bedarf der Be-
ftäfigung Durch die Regierung, jeine Amtspeit dauert min-GEGRÜNDET 1856
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CARL
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7WIEN-L-KOH
0220022200: 0RERERE00
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TELEFON U-21-0-30
RIEREGEIISEIEIDDEG
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IESS 0°;
el ee”,LMARKT 12
BR Die närhfte Nummer der „Neuen Sreien Breffe”
eriheint Montag nachmittags,Feuilleton.
Binterhilfe
Bon Felig Salten.Ob die Sorgen, mit benen wir ung Beute plagen,
fwerer find als diejenigen, bie uns früher bedutickten ?
Kein Zweifel! Das wird niemand beftreiten, noch weniger
Kann irgendwer fich verjucht fühlen, Darüber zu biäkutieien.
Eine einzige Laft ift von uns genommen, feit der Krieg fein
Ende fand, ein ungeheurer Kummer: Daß nım nicht zieht
täglich Taufende von Menfcen ermordet oder zu Krüppeln
geichoffen werden. Freilich, freilich, man darf Seren froh jein,
wenn nod) die Möglichkeit vorhanden wäre, Fröhlichkeit zu
empfinden.Sachte ! Haben wir au
LZarme, fo ijt e8 doch das
wenn er jich ber Verzmeiflin,nur wenig Urfache zu guter
ümmite, was ein Menfch tut,
Hingibt. So arın an Güterntoir find, jo reich find wir an Erfahrungen. Das ift immerhin
chen etwas, Darum : Sachte ! &3 bleibt richtig, die Sorgenwährend des Krieges und in den erften Jahren der Radı-
Kriegägeit find drücken gewefen. Heute Dagegen find. fie
peinigend und qualvoll. Eben deshalb md trodem: Mehr
Haltung, mehr Gefaßtheit !BiS zu diefer jüngften ımb fclimmften Gegenwart
unterfchieden wir zweierlei Sorten von Denen. Solde,
denen e3 gut und folde, denen es fötedht g. Auch) während
bes Krieges hat c8 viele Leute gegeben, Die gefichert, bie
üppig, bie wunderbar [ebten, indejjen die anderen ihr Blut
verftrömten. Ganz abgejehen davon, daf wir alle miteinander
frifch, Kräflig und ahnungalos in ben dunklen Abgrund des
Krieges ftürzten, daß wir aljo jähig waren, wir alle zu-
jarnmen, einen tüchtigen Sturz und Stoß auszuhalten. 5
haben wir gether nicht. alles ertragen‘! Wie ot mußte man
fi) des Musipruches erinnern, den Goethe in feiner
„Stalienifchen Reife" miederichtich: der Menich fei. dadı
eine gutmütige, gedufdige Beitie! Doc daß er bei affedem
eine, Beitie t ex gerade in umferen Tagen ebenfo oft
Bemiefen, wie feine gutmütige Schafegehulb.A im Jahre achtzehn der Herbftjturn wehte und fo
viele mitteleuropäiiche Gftnaftien von ihren ranfiken
blies, Hat wohl mander Monarch dnsfelbe gedacht, was
Hofmannsthal in feinem „Welttheater“ den König jagen
läßt: „Macht ift Ohrmmacht, das feh’ ich min ein...”
Aber, c3 gab Kriegägeminner, e3 gab die neuen Neichen, e&
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Ein Vorschlag Siegmund Freuds zur „Winterhilfe”
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