Fallgeschichte 1919-504/1919

Fokschaner, Walter (1919-504/1919): Fallgeschichte

Zurück zum Werk
  • S.

    Vortrag aus dem Paranoikerfalle
    Es handelt sich um einen 52 Jahre alten
    Patienten, Gymnasialprofessor.
    Der Betreffende hat den Wunsch ein Weib zu sein
    und Kinder zu besitzen, es wird nun zur
    Darstellung gebracht, wie er diesen Wunsch
    gegen die Realität durchzusetzen sucht.
        Diesem Wunsche setzt sich vor allem die
    Betrachtung des eigenen Körpers entgegen
    als Objekt entgegen, er muß sich ja sagen,
    ich bin ein Mann, denn ich besitze einen
    Phallus. Dagegen schützt er sich, indem er
    entsprechend der Symbolik der Anal-
    erotik mit Hilfe des Unbewußten erklärt:
    Das ist (der Phallus) ist mein Mann, das
    ist mein Kind, das ist mein Geld. Diese
    Identität kann er sich nur erzwingen,
    indem er den Schauplatz des normalen
    Bewußtseinssein vom Unbewußten, in dem
    diese Identität (Phallus-Kind-etc) besteht,
    ablösen läßt. Der Analysierende stellte
    sich also vor, das normale Bewußtsein

  • S.

    werde vom verdrängt, es sei quasi der
    Patient, d obwohl wach, in den Traumzustand
    versenkt, die Realfunktion der Organe habe
    aufgehört und an ihre Stelle sei die libidinöse
    Funktion der Organe getreten. Bei dieser
    Anschauung stiegen dem Analysierenden
    Bedenken auf, ob es denn überhaupt möglich
    sei mit der unbewußten Realfunktion der
    Organe sei bezüglich der freien Beweglichkeit
    und Orientierung im Raume sein Auslangen
    zu finden. Da erinnerte sich derselbe
    der Somnambulen die im Schlafzustand
    eine große Geschicklichkeit an den Tag legen,
    die auch im Schlafzustande auf unsere
    Fragen Antwort geben, sie also verstehen,
    erwacht aber weder von Ihrem Herumwandeln
    noch von dem im Traume zu Ihnen
        Gesprochenem eine Erinnerung bewahrt haben.
        ferner dürfen wir postulieren, daß dieselben
        im Schlafzustande befindlich die Traum-
        sprache beherrschen.
        Vergleichen wir mit einem solchen Somnam-
        bulen den Paranoiker, (wobei bemerkt sein
        soll), Auch er beherrscht die Sprache des
        Unbewußten, er versteht auch die
        normale Sprache, nur hat das

  • S.

    ihm Gesagte seine Besetzung verloren, in
    dem er erklärt über das ihm Erzählte erklärt,
    man habe ihm „soviel wie nichts erzählt.“
    Sein offizielles bewußtes Leben (identisch mit
    dem Unbewußten des normalen Menschen)
    nimmt also von dem ihm und gesagten
    ebensowenig Kenntnis, wie das Bewußte Leben
    des Somnambulen von dem zu ihm im Traume
    gesprochenen.   X Das Bewußte des Paranoikers
    unterscheidet sich also von dem des Normalen durch
    seinen Inhalt, der mit dem Unbewußten des Normalen
    identisch ist, beiden ist die Schätzung ihres Bewußten
    als reales gemeinsam. Der Paranoiker ermög erringt
    die Realität seines Bewußtseininhaltes durch Verdrängung
    der Traumzensur (der Moralitätszensur oder Gewissen und
    der Realitätszensur des normalen Bewußtseins). Auch
      der Größenwahn, findet mit seinen 4 Eigentümlichkeiten
    der der Leugnung a) psychischer Vorgänge, b) der Existenz der
      Gegenwart, c) des Conjunctivs d) (der Möglichkeit)
    d) der das Zusammenfallen von Absicht und Folge
      wird durch die endopsychische Wahrnehmung der
      Macht des im Traume allmächtig herrschenden
      Ichs, also vom bewußten Traumleben des Paranoikers
    aus erklärt. All Das Unbewußte (der Realität der Außen-
    welt identisch) las erzwingt sich gegen das narzißtisch
    anale Wahnsystem des Pat. seine Geltung in Form
    der Verfolgungsideen und x es scheint das Unbewußte
    ihre Angriffspunkte gegen die Punctus minoris
    Resistentiae im Wahnsystem des Pat. zu richten;

  • S.

    Es scheint sich um Beziehungen zur Außenwelt zu
    handeln, denen der Paranoiker eine gewisse Realitäts-
    besetzung (vorbewußte Besetzung) zuerkennen muß, ich
    meine das Hungergefühl und die len körperlichen
    Sensationen des männlichen Genitales (der Erektion,
    Pollut. etc). Es kann sich auch um ähnliche Dinge
    handeln x zum Beispiel um das in's Ohrstecken
    einer Kugel. Da diese Realitätsbesetzung der
    Abziehung seines Interesses gegenüber der Außen-
    welt entgegengesetzt ist, so verlangt diese Realitäts-
    besetzung eine erhöhte Gegenbesetzung. Diese
    Gegenbesetzung erreicht Pat.   bezüglich des Hungergefühls durch starke Sexu-
    alisierung sowohl der Nahrung, in dem er dieselbe die
    Form von männlichen Sexualsymbolen (welche wirk
    aber Wirklichkeitswert besitzen) annehmen läßt,
    als auch der die Nahrung aufnehmenden
    Organe, welche den Wert einer Vagina erhalten.
    Die erhöhte Gegenbesetzung zeigt sich aber der
    Realitätsbesetzung nicht ganz gewachsen, wie die
    Verfolgungsideen, welche den versuchten Durchbruch der
    Realität (ident. mit den den Vorschriften und
    Lehren der Eltern etc, darstellt vom Pat.
    endopsychisch wahrgenommen) darstellen,
    beweisen. Ein großer Teil der Verfolgungsideen
    hat in der Tat zum Inhalt: Man wolle den
    Patienten verhungern lassen.“ Der zweit Der zweite
    angeführte ein zweiter punctus minoris resistentiae der
    Pat. ist die Realitätsbesetzung der seiner

  • S.

    männlichen Genitalorganisation, welche, falls es ihr
    gelingen sollte, durchzubrechen, den Pat. zwingen
    würden, seine männliche Genitalorganisation anzuer-
    kennen, hiemit mit einer Vernichtung seines Wahnsystems
    gleichbedeutend wäre, dagegen müß ebenfalls eine erhöhte Gegenbesetzung
    geleistet werden, muß eine erhöhte Gegenbesetzung
    geleistet werden. Er identifiziert sein männliches
    Genitale mit Kind (Geld). Er will sämtliche
    Menschen zu Kindern (Penis, Mann) machen,
    sie an seine Brust drücken oder allgemeiner
    gesprochen, die Welt als Mann aufgefaßt in
    sich als als Weib aufnehmen. Diese Gegenbesetzung
    kann aber auch in diesem Falle der Realitätsbe-
    setzung nicht Herr werden, wie die Verfolgungs-
    ideen des Patienten in dieser Richtung beweisen:
      „Man raube ihm Geld, Gedanken, Kinder.“
        Die beiden Arten der angeführten Verfolgungs-
        ideen: 1) bezüglich des Verhungernlassens
              2) des Geld und Gedankenraubs
            können in die Formel zusammengefaßt
            werden, man raube ihm, dem Weibe,
            die Welt als Mann betrachtet.
            Zu diesen allgemeinen Ausführungen
            wurden spezielle Belege des Pat. aus den
            Äußerungen und Deutungen derselben
            gebracht.