Gedankenassoziation eines vierjährigen Kindes 1920-003/1920.01

Freud, Sigmund (1920-003/1920.01): Gedankenassoziation eines vierjährigen Kindes

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  • S.

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    Gedankenassoziation eines 4jährigen Kindes

    Aus dem Brief einer amerikanischen 
    Mutter: „Ich muß Dir erzählen, was die 
    Kleine gestern gesagt hat. Ich kann mich 
    noch gar nicht fassen darüber. Kousine 
    Emily sprach davon, daß sie sich eine 
    Wohnung nehmen wird. Da sagte das 
    Kind: Wenn Emily heiratet, wird sie 
    ein Baby bekommen. Ich war sehr über-
    rascht und fragte sie: Ja, woher weißt 
    Du denn das? Und sie darauf: Ja, wenn 
    jemand heiratet, dann kommt immer ein 
    Baby. Ich wiederholte: aber wie kannst 
    Du das wissen? Und die Kleine: Oh, ich 
    weiß noch sehr viel, ich weiß auch, daß 
    die Bäume in der Erde wachsen (in 
    the ground). Denk Dir die sonderbare 
    Gedankenverbindung! Das ist ja gerade 
    das, was ich ihr eines Tages zur Aufklär-
    ung sagen will. Und dann setzt sie 
    noch fort: Ich weiß auch, daß der 
    liebe Gott die Welt schafft (makes 
    the world). Wenn sie solche Reden führt, 
    kann ich mir’s kaum glauben, daß sie 
    noch nicht einmal vier Jahre alt ist.“

    Es scheint, daß die Mutter den Über-
    gang von der ersten Äußerung des 
    Kindes zur zweiten selbst verstanden 
    hat. Das Kind will sagen: ich weiß, daß 
    die Kinder in der Mutter wachsen, 
    und drückt dies Wissen nicht direkt 
    sondern symbolisch aus, indem es 
    die Erde Mutter durch die „Mutter 
    Erde“ ersetzt. Wir haben bereits 
    aus vielen unzweifelhaften Beob-
    achtungen erfahren, wie frühzeitig 
    sich die Kinder der Symbole 
    zu bedienen wissen. Aber auch die 
    dritte Äußerung der Kleinen 

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    verläßt den Zusam̄enhang nicht. Wir 
    können nur annehmen, daß das Kind 
    als ein weiteres Stück seines Wissens 
    über die Herkunft der Kinder mit-
    teilen wollte: Ich weiß auch, das ist 
    alles das Werk des Vaters. Aber 
    diesmal ersetzt sie den direkten Aus-
    druck Gedanken durch die dazugehörige Sub-
    limirung, daß der liebe Gott die 
    Welt schafft. 

    Freud