Sitzung vom 23. März 1919 1919-506/1919

Reik, Theodor (1919-506/1919): Sitzung vom 23. März 1919

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  • S.

     

    Sitzung am 23. März 1919.

    Anwesend: Professor Freud, Dr. Sadger, Dr. Friedjung,
    Dr. Tausk, Dr. Weiss, Dr. v. Winterstein, Dr. Kaplan, Dr. Nunberg, Frau
    Dr. Federn, M. Linsberg, Frau Dr. Deutsch, Dr. Fokschaner, Dr.
    Steiner, M. Fokschaner, Silberer, Dr. Federn, Dr. Hitschmann
                                    Dr. Reik, Dr. Stodolowsky Frau Dr.
    u. Dr. v. Winterstein                                   Stodolowsky
    Nächster Vortrag am 2. April 1919 Dr. v. Winterstein: „Die Entste-
    Dr. Federn hält seinen Vortrag: Die vaterlose    hung der Tra-
      Gesellschaft                                                   gödie.“

    Diskussion: Dr. Fokschaner glaubt, dass der Gesichtspunkt
    zu enge ist; er erklärt vor jede Revolution. Macht aufmerk-
    sam, dass die die rücksichtslosesten Völker (die Deutschen,
    Ungarn etc.) im Kriege am meisten zur Anarchie neigen.
    Vermutet einen Zusammenhang zwischen Narzißmus und
    Revolution.
    Dr. Tausk ist sich nicht über die Revolution im Klaren.
    Dr. Nunberg: Dr. Federn hat die realen Gesichtspunkte nicht genü-
    gend betont, namentlich das materielle Interesse. Viel-
    leicht wäre die Analyse eines Revolutionärs lehrreicher ge-
    wesen. Betont die stete Bereitschaft der Menschen zur Revo-
    lution. Es gibt die verschiedensten Motive z. B. die narzißt-
    ische Identifikation mit den Leidenden. Erzählt das Beispiel
    eines Wahnsinnigen, der ein Revolutionär und Heilandsphantast
    ist, und die Menschen aussöhnen will. Der Allmachtsge-
    danke spielt eine grosse Rolle z. B. bei den Agitatoren 

  • S.

    Wort besitzt bei ihnen eine magische Macht.
    Dr. Jekels: zweifelt, dass die pp psychoanalytische Betrachtungsweise
    auf die jetzige Revolution anwendbar sei, weil sie eine soziale
    politische Revolution. Glaubt eher, dass die marxistische Me-
    thode hier anwendbar sind.
    H. Fenichel glaubt dass neben dem sozialen auch ein ideoge-
    ner Faktor zu berücksichtigen ist. Vergleicht die Jugendbewegung
    mit der Revolution. Dort wurde die Ideologie des „Führers“
    geschaffen.
    Dr. Hitschmann glaubt hier sei mehr der Ort der Revolution der
    Psychologie als der der Psychologie der Revolution. Dr. Federn ver-
    gisst, dass nur Schichten des Volkes in der Revolution stehen
    Frage ist nicht zu lösen ohne Psychologie des Führers. Ohne Krieg
    war Revolution nicht möglich. Immer kommt ein neuer Vater
    zum Vater. Warnt vor Aufbau eines so grossen Geschehens von
    seiner Seite aus.
    Dr Jekels glaubt dass Dr Federn seinen Teil der Arbeit getan
    hat.
    Dr Tausk glaubt dass Geldwirtschaft die Ursache der Revolut. gew. sei
      dadurch genitale Sexualität eingeschränkt, eine allge-
    meine Lieblosigkeit herrschte Gegensatz zwischen Genitalität
    und Qualität. Die Revolution bringt die Genitalität wieder zum
    Durchbruch.
    Schlußwort Dr Federn glaubt dass in den Bauern eine starke
      revolutionäre Bewegung lebe.
    Prof. Freud wünscht die Psychologie der Revolution von vielen
      Gesichtspunkten aus zu betrachten.