Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon 1878-001/1878.2

Freud, Sigmund (1878-001/1878.2): Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon

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    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Von stud. med. Sigm. Freud.

    Aus dem physiologischen Institute der Wiener Universität.)

    Mit 4 Tafeln und 2 Holzschnitten.)

    (Vorgelegt in der Sitzung am 18. Juli 1878.)

    Aus dem LXXVIII. Bande der Sitzb. der k. Akad. d. Wissensch. III. Abth. Juli-
    Heft. Jahrg. 1878.

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    Spec. Coll.

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    Aus dem LXXVIII. Bande der Sitzb. der k. Akad. d. Wissensch. III. Abth. Juli-Heft. Jahrg. 1878.


    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Von stud. med. Sigm. Freud.

    (Aus dem physiologischen Institute der Wiener Universität.)

    (Mit 4 Tafeln und 2 Holzschnitten.)

    (Vorgelegt in der Sitzung am 18. Juli 1878.)

    I. Über die Literatur der Spinalganglien.

    Es erscheint mir zweckmässig, etwas von den bisherigen
    Mittheilungen über die Spinalganglien der Wirbelthiere zu sagen,
    bevor ich die Resultate meiner Untersuchungen über die Spinal-
    ganglien des Petromyzon darlege. Ich verfolge dabei die Ab-
    sicht zu prüfen, ob die Vermuthung eines gleichartigen Baues
    der Spinalganglien bei höheren und niederen Wirbelthieren
    durch die gemachten Beobachtungen bestätigt oder zurück-
    gewiesen wird.

    Die Mehrzahl der Autoren ist nicht geneigt, die Identität
    im Bau der Spinalganglien bei den Wirbelthieren anzuerkennen.
    Man beschreibt Verhältnisse in den Spinalganglien der Fische,
    die man bei den anderen Wirbelthieren nicht wiederfindet, und
    findet bei den letzteren Bildungen, welche den Fischen zu fehlen
    scheinen. Diese Differenzen gewinnen an Bedeutung, weil
    wenigstens über die Spinalganglien der Fische die Angaben der
    Autoren gut übereinstimmen, und man deren Bau erschöpfend zu
    kennen glaubt.

    Die Angaben der Autoren über die Spinalganglien der
    höheren Wirbelthiere lauten so wenig übereinstimmend, dass es
    nicht leicht möglich ist, sich aus denselben eine Vorstellung
    vom Bau der Spinalganglien zu bilden, wenn man keinen
    Grund hat, einen Theil der gemachten Beobachtungen zu ver-
    werfen. Die Widersprüche der Autoren erscheinen nicht wunder-
    bar, wenn man erwägt, dass die Methode der Untersuch-
    Schwierigkeiten des Objectes durchaus nicht gewachsen ist.
    Seitdem zuerst von Helmholtz, Robin, Bidder u. A. der

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    Freud.

    Zusammenhang der Nervenfasern mit den Nervenzellen entdeckt
    wurde, haben sich für die Spinalganglien Fragen ergeben, deren
    endgiltige Beantwortung noch heute aussteht: ob alle Nerven-
    fasern der hinteren Wurzel mit den Zellen des Spinalganglions
    zusammenhängen oder nur ein Theil, und in welcher Weise; ob
    im Spinalganglion eine Faservermehrung stattfindet, und ob Ver-
    bindungen zwischen den Zellen selbst bestehen. Diese Fragen
    sind zum Theil identisch mit denen nach der Anzahl und dem
    Verlaufe der Fortsätze der Spinalganglienzellen.

    Von der feineren Structur der Zelle und ihren Differenzirun-
    gen soll hier nicht die Rede sein.

    Die Spinalganglien der Wirbelthiere bestehen aus dicht zu-
    sammengedrängten Nervenzellen, aus Nervenfasern, welche
    unregelmässige Wege zwischen den Nervenzellen nehmen, aus
    Gefässen, bindegewebigen und endothelialen Bildungen. Alle
    diese Elemente sind im Spinalganglion zu einem Klumpen ver-
    einigt, dessen Aufhellung und Ansicht als Ganzes unter dem
    Mikroskop nichts Verlässliches lehrt, gewöhnlich überhaupt nicht
    ausführbar ist.

    Die gebräuchlichen Untersuchungsmethoden für Spinal-
    ganglien sind die mechanische Trennung der nervösen Elemente
    von einander und von den bindegewebigen, und die Anfertigung
    von feinen Durchschnitten. Erstere Methode kann nur einen
    kleinen Theil der nervösen Elemente unversehrt darstellen, lässt
    niemals mit Sicherheit entscheiden, inwieweit dies gelungen ist,
    und kann nichts über den Faserverlauf im Spinalganglion lehren.
    Die Durchschnitte der erhärteten Spinalganglien geben nur Seg-
    mente der Zellen, Bruchstücke ihrer Fortsätze und sind zur Ver-
    folgung von Fasern auf längere Strecken hier noch weniger als
    bei den nervösen Centralorganen geeignet.

    Eine befriedigende Einsicht in den Bau der Spinalganglien
    kann man nur auf zwei Wegen erlangen: entweder indem man
    eine Methode der Zerlegung übt, welche die nervösen Elemente
    aus den bindegewebigen löst, ohne die Continuität der Nerven-
    fasern und ihren Zusammenhang mit den Nervenzellen aufzu-
    heben, oder indem man ein Object zur Untersuchung wählt,
    welches vermöge der Anordnung seiner Elemente ohne Zuhilfe-
    nahme von Isolation und Durchschneidung seinen Bau in der

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    Flächenansicht erkennen lässt. Ich will gleich bemer-
    ken, dass letztere Bedingung bei den Spinalganglien von Petromyzon
    nahezu verwirklicht ist.

    Es ist nicht meine Absicht, hier die Literatur der Spinal-
    ganglien vollständig zu geben. Dies würde erfordern, auch die
    sympathischen und andere periphere Ganglien zu berücksichtigen,
    und ich sehe keine Nöthigung, meine Aufgabe so sehr zu
    erschweren. Ein vollständiges Literaturverzeichniss hätte auch
    gerade jetzt wenig Werth, wo die Untersuchungen über Spinal-
    ganglien sich rasch vermehren. Endlich ist dasselbe kein Bedürf-
    niss, weil in der Nervenlehre von Henle 1871 und den Studien
    in der Anatomie des Nervensystems und des Bindegewebes von
    Axel Key und G. Retzius, zweite Hälfte 1876, ziemlich voll-
    ständige Literaturangaben enthalten sind. Ich will bloss solche
    Angaben aus der Literatur herausheben, die sich auf die drei
    erwähnten Fragen beziehen: ob alle Fasern der hinteren Wurzel
    sich mit den Spinalganglienzellen verbinden, ob eine Faserver-
    mehrung stattfindet, wie viel Fortsätze und von welchem Verlaufe
    die Spinalganglienzellen haben.

    Es ist bekannt, dass 1847 Robin1), Bidder und R. Wag-
    ner unabhängig von einander fanden, dass in den Spinal-
    ganglien der Fische die Zellen bipolar und in die Fasern der
    hinteren Wurzel eingeschaltet sind.

    Über die Wurzelganglien des Trigeminus und Vagus vom
    Hecht, welche Spinalganglien gleichgestellt werden können, sagt
    Bidder:2)

    „Jedenfalls scheint jedoch nur ein kleiner Theil der in den
    hinteren Wurzeln enthaltenen Fasern diese Verbindungen mit
    den Kugeln „(Ganglienzellen), einzugehen.“


    1)Polaillon, Étude sur la texture des ganglions nerveux périphé-
    riques. Journal de l’Anatomie et de la Physiologie publié par Robin, III
    1866, nimmt die Priorität dieses Fundes für Robin in Anspruch. Ich kenne
    die Mittheilung von Robin (Procès-verbaux de la Société philomatique de
    Paris 1847) nur aus den Citaten der Autoren.

    2)Bidder, Zur Lehre von dem Verhältnisse der Ganglienköper zu
    den Nervenfasern 1847. p. 28.

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    Weit sicherer äußerte sich gleichzeitig Rud. Wagner1
    in entgegengesetztem Sinne:2

    „Was die Ganglien betrifft, so habe ich in allen Spinal-
    ganglien, in den Ganglien der Kiemenzweige des Vagus, im
    großen Wurzelganglion des Trigeminus im Wesentlichen ganz
    gleiche Verhältnisse gefunden. Überall nämlich, wo eine scharfe
    Beobachtung möglich ist, tritt jede Primitivfaser in der Nerven-
    wurzel aus den Centraltheilen (Hirn und Rückenmark) an eine
    Ganglienzelle, und ich halte es für sehr zweifelhaft, ob es über-
    haupt in den Ganglien einfache, blos durchstreichende Primitiv-
    fasern gibt, d. h. solche, die nicht eine Verbindung mit einer
    Ganglienzelle eingehen.“

    An anderer Stelle:3
    „Ein sichereres Ergebniss bei dem Versuche, die Spinal-
    ganglien und die ihnen verwandten Wurzelganglien des Vagus
    und Trigeminus vollständig in ihre Elementartheile aufzulösen,
    lässt sich annäherungsweise nur bei den Plagiostomen, unvoll-
    kommen bei einigen anderen Fischen erzielen. Hier überzeugt
    man sich, dass alle Primitivfasern der hinteren Rückenmarks-
    wurzeln ohne Ausnahme sich mit je einer Ganglienzelle combi-
    niren und dass weder apolare noch unipolare Ganglienzellen vor-
    kommen.“

    Joh. Müller, der sich für diese Frage lebhaft interessirte,
    nahm auf Grund eigener Untersuchungen für R. Wagner
    Partei. In den Neurologischen Untersuchungen4 ist ein Schreiben
    von J. Müller an Wagner mitgetheilt, in dem es heisst:

    „Ich bin hinsichtlich des Baues der Spinalganglien mit
    Ihnen einverstanden, d. h. ich weiss davon ungefähr so viel,
    als ich durch Ihre Entdeckungen gelernt habe. Ich habe
    sie bei Rochen wiederholt untersucht in Helsingör und Nizza
    und ich bin überzeugt, dass sie aus Ganglienkugeln bestehen,
    deren jede eine Faser vom Rückenmark empfängt und eine


    1 R. Wagner, Neurologische Untersuchungen 1854.

    2 ibid. Neue Untersuchungen über die Elemente der Nervensubstanz
    1847. p. 3. Die Beobachtungen Wagner’s beziehen sich auf Torpedo.

    3 ibid. Späterer Zusatz. p. 20.

    4 ibid. p. 48.

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    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    in den Nerven abgibt, und dass alle Fäden durch sie hin-
    durchgehen.“

    Die Untersucher der Spinalganglien höherer Wirbelthiere,
    welche meist die Spinalganglienzellen ausser Zusammenhang
    mit dem Centralorgan sein lassen, sind eben darum genöthigt,
    die vom Rückenmark kommenden Nervenfasern für durchziehende
    zu erklären. Da ich auf die Anschauungen dieser Autoren bei
    Gelegenheit der Faservermehrung und der unipolaren Zellen
    zurückkommen werde, citire ich hier nur Kölliker:1)

    „Der Bau der Spinalganglien ist bei Säugethieren schwer
    zu erforschen, doch glaube ich Folgendes mit Bestimmtheit über
    dieselben angeben zu können. Die sensibeln Wurzeln treten, so-
    viel ich bisher habe ermitteln können, in keinen Zusammen-
    hang mit den Ganglienkugeln in dem Ganglion, ziehen
    vielmehr als ein oder in grossen Ganglien mehrere, selbst viele
    und dann anatomisirende Bündel einfach durch dieselben hin-
    durch, um unterhalb des Knotens wieder zu einem Stamme sich
    zu sammeln, der dann gleich mit der motorischen Wurzel sich
    vermischt.“

    Auch gibt Kölliker an, dass er bei Säugethieren einzelne
    Fasern durch das ganze Ganglion verfolgt hat.2)

    „Die Fasern der Nervenwurzeln zeigen, indem sie durch die
    Ganglien hindurchsetzen, durchaus nichts Eigenthümliches,
    nämlich keine Veränderung im Durchmesser; auch Theilungen
    sah ich durchaus keine und glaube mit Bestimmtheit behaupten
    zu können, dass solche, wenn überhaupt vorhanden, auf jeden
    Fall sehr selten sind, da ich, obschon ich speciell nach ihnen
    forschte und bei Säugethieren viele Nervenfasern durch ganze
    Ganglien hindurch verfolgen konnte, doch nichts von ihnen
    bemerkte.“

    Die Frage nach der Faservermehrung in den Spinal-
    ganglien findet bei den Autoren diejenige Beantwortung, die
    mit ihren sonstigen Anschauungen über den Bau der Spinal-
    ganglien übereinstimmt. Die Untersucher der Spinalganglien der

    1)Kölliker, Handbuch der Gewebelehre 1859, p. 327. Fast ebenso:
    1867, p. 317.

    2)ibid. p. 328, ebenso 1867, p. 317.

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    Fische, welche die grosse Mehrzahl oder alle Ganglienzellen für
    bipolar halten, bestreiten die Faservermehrung, wobei es nicht
    in Betracht kommt, ob sie durchziehende Fasern anerkennen
    oder nicht. Dagegen ist für die Spinalganglien der Säugethiere
    eine Faservermehrung ziemlich allgemein angenommen, weil
    man unipolar-
    Zellen mit peripher verlaufendem Fortsatz für
    den wesentlichen Bestandtheil des Spinalganglions hält. So
    z. B. Schwalbe:1)

    „Die einzig natürliche und durch alle Beobachtungen ge-
    stützte Annahme ist die, dass man im Spinalganglion zwei völlig
    getrennte Fasersysteme zu unterscheiden hat: 1. das System der
    durchtretenden, sensibeln Fasern, 2. das System der aus den
    Spinalganglienzellen entspringenden Fasern, die ich nach dem
    Vorgange von Axmann als gangliospinale

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    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Faservermehrung, indem er beide Fortsätze der Zellen zur
    Peripherie verlaufen lässt:1)

    „Der Bau eines Spinalganglions würde sich danach aber
    etwa so machen, dass je nach seiner Grösse an ein oder mehrere
    Nervenfasernbündel, welche von der Peripherie in die hinteren
    Wurzeln streben, sich eine Masse von Ganglienkörpern anlagern,
    die bald zu Läppchen vereinigt, bald in Reihen gelagert oder
    auch einzeln, einer Menge gleichfalls von der Peripherie auf-
    strebender Fasern zum scheinbaren Ende beziehungsweise An-
    fange dienen. Dabei ist indessen nicht ausgeschlossen, dass da-
    neben nicht einzelne wenige solcher Ganglienkörper auch einmal
    in eine zu den hinteren Wurzeln selbst aufsteigende Faser ein-
    geschaltet sein sollten.“

    Ich hebe hervor, dass die meisten Autoren die Faser-
    vermehrung aus ihren Kenntnissen über die Zellen der Spinal-
    ganglien erschliessen. Vergleichende Zählungen der Fasermengen
    in der Wurzel vor und hinter dem Spinalganglion, die sich auf
    Nerven vom Frosch und von der Katze beziehen, hat in neuerer
    Zeit M. Holl2) angestellt.

    „Die vorstehenden Zahlen sprechen deutlich dafür, dass im
    Ganglion keine Vermehrung der Nervenfasern stattfindet, oder
    dass doch die Vermehrung im Vergleiche mit der Gesammt-
    summe eine ausserordentlich geringe ist; …“ Er zieht den
    Schluss, dass man „auch für die nackten Amphibien und die Säuge-
    thiere den Satz gelten lassen muss, dass das Wurzelganglion dadurch
    entsteht, dass die einzelnen Wurzelfasern in ihrem Verlaufe zu
    Ganglienkugein anschwellen, welche bipolar sind, das heisst,
    keine anderweitigen zur Wurzel oder zum Stamm verlaufenden
    Nervenfasern abgeben. Die Ansicht, dass in den Spinalganglien
    unipolare oder multipolare Ganglienzellen enthalten seien, welche
    Nervenfasern zur Peripherie schicken, ist dann als widerlegt an-
    zusehen“.3)


    1 Arndt, Untersuchungen über die Ganglienkö-
    ganglien. Max Schultze’s Archiv, Bd. XI, p. 143.

    2 Holl, Über den Bau der Spinalganglien. Diese Berichte LXXII B.
    1875. p. 6.

    3 ibid. p. 6 u. ff.

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    In welcher Weise sich die Angaben von Holl auch mit
    einer etwas modificirten Anschauung vom Bau der Spinalganglien
    vertragen, wird aus dem später Mitzutheilenden hervorgehen.

    Es ist im Spinalganglion noch eine andere Art der Faser-
    vermehrung denkbar, die nicht von den Zellen abhängt. Es kann
    eine Faservermehrung zu Stande kommen durch Theilungen von
    Nervenfasern, die nicht Fortsätze der Spinalganglienzellen sind.
    Die Möglichkeit dieses Ursprungs der Faservermehrung finde
    ich hervorgehoben bei Schramm:1)

    „Den Ursprung von Fasern in den Ganglien läugnete
    Valentin Anfangs, musste aber diese Ansicht nach den Unter-
    suchungen Kölliker’s, Bidder’s und Volkmann’s aufgeben.
    Haben letztere durch Zählungen auch nachgewiesen, dass
    die Summe der austretenden Fasern grösser ist, als die der ein-
    tretenden, so war doch hiemit kein Beweis gegeben, dass ein
    Theil der Fasern im Ganglion selbst ihren Ursprung nimmt, da
    ja die grössere Faseranzahl einfach durch im Inneren des Gang-
    lion erfolgte Theilungen veranlasst sein konnte.“

    Es ist schon mehrmals von Faser-
    theilungen in den Spinal-
    ganglien berichtet worden, ohne die Beziehung derselben zur
    Faservermehrung hervorzuheben. R. Wagner2) glaubt solche
    Theilungen innerhalb einzelner Ganglien gesehen zu haben.
    Kölliker3) fand sie nicht, wohl aber Remak:4)

    „Andererseits finde ich in den Spinalganglien der Säuge-
    thiere (des Rindes) nicht selten Theilungen dunkelrandiger
    Nervenfasern, die ich bei Plagiostomen vermisse.“
    Sig-
    m. Mayer:5)


    1)Schramm, Neue Untersuchungen über den Bau der Spinal-
    ganglien Würzburg 1864, p. 6.

    2)l. c.

    3)l. c.

    4)Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhandlungen
    der k. preussischen Akademie zu Berlin. Aus dem Jahre 1854. Remak,
    Über multipolare Ganglienzellen, p. 28.

    5)Sig-
    m. Mayer, Die periphere Nervenzelle und das sympathische
    Nervensystem. Archiv für Psychiatrie, Bd. 6, 1876, p. 433.

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    „Doch muss ich bemerken, dass ich aus den Spinalganglien
    von Rana solche Theilungen unzweifelhafter Weise an isolirten
    Nervenfasern, die mit Überosmiumsäure tingirt waren, beobachtet
    habe.“

    Die später zu erwähnenden Faser-
    theilungen, die mehrere
    Beobachter, darunter Ranvier, in den Spinalganglien auffanden,
    haben mit der Faservermehrung nichts zu thun.

    Worüber die Angaben der Untersucher am zahlreichsten
    sind und demnach die Widersprüche am häufigsten, das sind die
    Fortsätze der Zellen. Ich will, da gerade über diesen Punkt alle
    Arbeiten über Spinalganglien reichliche Citate führen, mich
    darauf beschränken, einige Punkte in gedrängter Kürze durch
    die Literatur zu verfolgen.

    Eine Gruppe von Autoren ist der Ansicht, dass auch in den
    Spinalganglien höherer Wirbelthiere die bipolaren Zellen die
    wesentlichen Bestandtheile sind, und sie läugnen entweder
    unipolare Zellen ganz oder legen doch keinen Werth auf ihr
    mögliches Vorkommen.

    So behauptet Beale:1

    „That there are no apolar cells and no unipolar cells in any
    part of any nervous system.“

    Diese Autoren haben natürlich durch Zerzupfung der Spinal-
    ganglien eine grosse Menge unipolarer Zellen dargestellt, aber
    sie halten dieselben sammt und sonders für verstümmelt und be-
    haupten, dass die vorsichtigste Isolation der Nervenzellen keine
    Sicherheit bietet, alle ihre Ausläufer zu erhalten. Dasselbe
    Raisonnement müssen sie aber auch auf die von ihnen dar-
    gestellten anscheinend bipolaren Zellen anwenden, und sie
    sagen daher, die Spinalganglien enthalten Zellen mit mindestens
    zwei, vielleicht aber mit mehr Fortsätzen. So Beale in den Con-
    clusions seiner auch auf Spinalganglien bezüglichen Abhandlung:2

    „That apolar and unipolar nerve-
    cells do not exist, but that
    all nerve-
    cells have at least two fibres in connexion with them.“


    1) On the structure and formation of the so-
    called apolar, unipolar
    and bipolar nerve-
    cells of the Frog. By Lionel Beale. Philosophical Trans-
    actions. 1863, p. 544.

    2) l. c. p. 568.

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    Arndt:1) „Nach meiner Meinung sind die spinalen Gan-
    glienkörper zum Wenigsten bipolar“.

    Ferner:2) „Die ausgesprochenste Bipolarität spinaler Gan-
    glienkörper, die für die Fische von Rudolph Wagner und
    Bidder schon längst erwiesen, halte ich somit für alle Thier-
    classen als ausgemacht. Ich halte es für beinahe ebenso un-
    zweifelhaft, dass auch etliche dieser Ganglienkörper multipolar
    sind; allein gibt es auch unipolare?“

    Polaillon,3) dessen Abhandlung zu viel vom Charakter
    einer Compilation hat, kommt zu ähnlichem Schlusse:

    „L’observation aidée des réactifs, surtout du suc gastrique
    me fait tendre de plus en plus à rejeter l’existence des cellules
    apolaires, et me donne la conviction, qu’elles ont toutes deux ou
    plusieurs pôles, quoique je ne sois pas en mesure, de nier d’une
    manière absolue les cellules unipolaires.“

    Wenn hier von multipolaren Zellen die Rede war, so ist es
    vielleicht nicht überflüssig aufmerksam zu machen, dass es sich
    um verhältnissmässig fortsatzarme Elemente handelt, deren Aus-
    läufer keine oder sehr geringe Neigung zur Verästelung zeigen.
    Eine solche Zelle hat z. B. Leydig4) unter den bipolaren Ele-
    menten im Ganglion Trigemini von Chimaera gefunden, eine
    andere Stannius5) abgebildet. Mit den multipolaren Zellen des
    Centralorgans, deren Schema Deiters fixirt hat, scheinen sie
    wenig gemein zu haben.

    Über den Verlauf der Fortsätze bipolarer Zellen sind die
    Autoren, welche für die Bipolarität eintreten, nicht einig. Für
    die Spinalganglien der Fische zwar war es den Autoren nicht
    zweifelhaft, dass beide Fortsätze entgegengesetzte Richtung
    verfolgen, denn sie lagen, der eine in der Verlängerung des
    anderen, und die Ganglienzelle erschien als Anschwellung der
    geradgestreckten Nervenfaser. Die viel selteneren Bilder, wo die

    1)l. c. p. 147.

    2)l. c. p. 148.

    3)l. c. p. 252.

    4)Leydig, Zur Anatomie und Histologie der Chimaera monstrosa.
    Müller’s Archiv 1851. p, 244. Abbildung Tafel X, Fig. 4.

    5)Stannius, Das periphere Nervensystem der Fische 1849, Taf. IV,
    Fig. 11.

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    So Axmann:1) „In der Regel entspringt von einer Ganglien-
    kugel nur eine Nervenprimitivröhre, doch gibt es auch Aus-
    nahmen, so dass bisweilen auch zwei Röhren mit einer Ganglien-
    kugel zusammenhängen.“

    Und über den Verlauf der Fortsätze:2) „Der kleinere Theil
    der in jedem Spinalganglion neu entstandenen Ganglienröhren-
    bündel tritt durch die Wurzeln der cerebrospinalen Nerven in
    das Rückenmark und das Gehirn.“

    Ferner:3) „Ein grosser Theil der in jedem Spinalganglion neu
    entstandenen Gangliennerven-
    Röhrenbündel tritt in peripherischer
    Richtung (in welcher die cerebrospinalen Nervenröhren verlaufen)
    aus dem Ganglion heraus. . . . . . .“

    Axmann anerkennt also auch unipolare Zellen mit central
    gerichtetem Fortsatz.

    Kölliker:4) „Die Ganglienkugeln selbst stehen, wie es
    scheint, die meisten mit Nervenfasern in Verbindung, entweder
    so, dass nur Eine Nervenfaser von ihnen abtritt oder indem sie
    zwei solchen oder sehr selten noch mehreren den Ursprung geben.
    Diese Fasern, die ich Ganglienfasern nenne, gehen in über-
    wiegender Mehrzahl, vielleicht alle peripherisch, schliessen sich
    an die durchtretenden Wurzelfasern an und verstärken dieselben,
    so dass mithin jedes Ganglion als Quelle neuer Nervenfasern
    anzusehen ist.“

    Von den bipolaren Zellen vermuthet Kölliker, dass sie
    später durch Theilung in unipolare übergehen.5)

    Courvoisier6) erklärt die Spinalganglienzellen für uni-
    polar.


    1) Axmann, Beiträge zur mikroskopischen Anatomie und Physio-
    logie des Gangliennervensystems. Berlin 1853 (in welcher Schrift die 1847
    erschienene Dissertation von Axmann De Gangliorum structura penitiori
    eiusque functionibus in Übersetzung enthalten ist), p. 33.

    2) l. c. p. 41.

    3) l. c. p. 42.

    4) l. c. p. 327.

    5) l. c. p. 330.

    6) Courvoisier, Über die Zellen der Spinalganglien, sowie des
    Sympathicus beim Frosch. Max Schultze’s Archiv. Bd. IV.

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    Schramm:1) „Im Allgemeinen kann ich behaupten, dass
    je vollständiger die Theile sich isolirt hatten, desto mehr die
    fortsatztragen-
    den Zellen die apolaren überwogen. Von ersteren
    waren wieder die unipolaren vorherrschend, während die
    bipolaren noch an Zahl von den apolaren übertroffen wurden.“
    Fräntzel2) sah nur unipolare Zellen.
    Nach Thanhoffer3) sind die Zellen uni- und multi-
    polar.

    Nach allen diesen Untersuchungen schien ein scharfer
    Unterschied zwischen den unipolaren und den bipolaren Zellen
    der Spinalganglien zu bestehen. Die Anzahl der verschiedenen
    Meinungen wurde noch vermehrt durch eine Entdeckung von
    Ranvier.

    Ranvier fand an Spinalganglien des Kaninchens, die er
    nach Injection von 2% Überosmiumsäure der Zerzupfung unter-
    worfen hatte, dass der Fortsatz einer unipolaren Zelle mit einer
    Nervenlaser der hinteren Wurzel verschmilzt, wie der Längs-
    balken eines T mit dessen Querbalken.4)

    „En effet, grâce à la méthode que j’ai indiquée tout
    d’abord, j’ai pu voir un tube nerveux mince, à l’une des ex-
    trémités duquel se trouvait une cellule nerveuse, se terminer par
    son autre extrémité à un des tubes de la racine sensitive. Ce
    dernier poursuit simplement son trajet rectiligne et il reçoit, au
    niveau d’un étranglement annulaire, la fibre venant de la cellule
    ganglionnaire. Dans cet étranglement, qui est commun à trois
    segments interannulaires, la soudure est complète entre les deux
    tubes nerveux qui présentent dans leurs rapports une disposition
    en T.“

    Da der Fortsatz der unipolaren Zelle in der Regel feiner
    gefunden wird, als die aus der Wurzel kommende Nervenfaser,


    1) H. c. p. 10.

    2) Fräntzel, Beiträge zur Kenntniss von der Structur der spinalen
    und sympathischen Ganglienzellen. Virchow’s Archiv, Bd. 38, 1867.

    3) Thanhoffer. Zur Structur der Ganglienzellen der Intervertebral-
    knoten. Sitzb. d. k. ungarischen Akad. d. Wissenschaften VII. B, 1876.

    4) Ranvier, Des tubes nerveux en T et de leurs relations avec les
    cellules ganglionnaires. Comptes rendus T. 81. 1875, p. 1274.

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    manchmal jedoch zwischen den drei Schenkeln der T-förmigen
    Bildung kein Unterschied der Dicke besteht, so nahm Ranvier
    an, dass die in den sensibeln Nerven einmündende Faser sich
    oft aus den Fortsätzen mehrerer Ganglienzellen zusammensetzt.

    Ranvier gibt ferner an, dass man bei der Zerzupfung eines
    Spinalganglions so viele T-Stellen findet, dass es wohl wahr-
    scheinlich wird, dass alle oder fast alle Ganglienzellen diese
    Verbindungen mit Fasern der hinteren Wurzeln eingehen.

    Key und Retzius,1 die stets nur unipolare Zellen aus den
    Spinalganglien der höheren Wirbelthiere und des Menschen
    isoliren konnten, bestätigen Ranvier’s Angaben, bilden eine
    Ranvier’sche Zelle aus dem Ganglion Gasseri des Kaninchens
    ab,2 finden sie aber nicht sehr häufig.3

    „Ob nun alle vom Gehirn-Rückenmark kommenden Nerven-
    fasern der sensorischen Wurzeln Ausläufer in dieser Weise auf
    nehmen, können wir ebenso wenig wie Ranvier angeben; uns
    scheint indessen die nicht sehr grosse Zahl von solchen T-Stellen
    dagegen zu sprechen“.4

    Ferner:4 „Hier sei indessen bemerkt, dass die Ein-
    mündungsstelle besonders oft nicht ganz ein T bildet, sondern
    zwei Arme desselben in den dritten einmünden, in der Weise wie
    die Fig. 12a angibt“.4

    Die Figur, auf die verwiesen wird, zeigt eine Nervenfaser,
    welche sich gabelig theilt. Auch die in Fig. 12 dargestellte
    Nervenzelle zeigt eine gabelige, keine T-förmige Theilung ihres
    Fortsatzes.

    Dass der Fortsatz einer unipolaren Zelle sich theilt, hat
    1851 Stannius beobachtet.5

    „In einem Spinalganglion eines 7monatlichen Fötus,
    das in einer Auflösung von chromsaurem Kali gelegen hatte,


    1 Axel Key und G. Retzius, Studien in der Anatomie des
    Nervensystems und des Bindegewebes. Zweite Hälfte. Stockholm 1876.

    2 Tafel 3, Fig. 12. ibid.

    3 ibid. p. 39.

    4 ibid. p. 39.

    5 Stannius, Neurologische Erfahrungen. Göttinger Nachrichten
    1851, Nr. 17, p. 235.

  • S.

    15

    erschienen die meisten Ganglienkörper unipolar, manche apolar.
    Es wurden drei bipolare Ganglienkörper beobachtet; ferner auch
    die Theilung des Fortsatzes eines unipolaren Körpers in zwei
    Schenkel1.

    Ferner:1 „In einem Spinalganglion eines fast ausgetragenen
    Kalbsfötus, das gleichfalls in einer Auflösung von chromsaurem
    Kali gelegen hatte, wurden, neben unipolaren und apolaren
    Ganglienkörpern, zahlreiche bipolare angetroffen. Die Pole traten
    nicht von zwei einander gegenüberliegenden Punkten der Gan-
    glienkugel, sondern ziemlich nahe aneinander gedrängt, von ihr
    ab. – An demselben Ganglion kamen drei Fälle vor von Theilung
    des Fortsatzes eines unipolaren Körpers in zwei Schenkel1.

    R. Wagner2 hat ähnliche Beobachtungen gemacht. Er fand
    übereinstimmend mit Remak im Ganglion Gasserí und in den
    Spinalganglien, niemals multipolare Ganglienzellen, wohl aber
    nicht selten einzelne, wo der eine Pol in einen kurzen einfachen
    Fortsatz auslief, der sich bald in zwei Äste (offenbar Faser-
    anfänge), einen dünneren und einen dickeren theilte.

    Remak3 hat diese Theilungen vermuthet und Leydig4
    auf diese Vermuthung Remak’s seine Darstellung des Baues
    der Spinalganglien gegründet.

    Remak: „Noch häufiger sieht man, wie Herr Kölliker
    hervorhebt, Zellen mit einem einfachen Fortsatze; wahrscheinlich
    theilt sich derselbe nach kurzem Verlauf in zwei Fasern. Minde-
    stens finde ich in den Spinalganglien der Säugethiere (des
    Rindes) nicht selten Theilungen dunkelrandiger Nervenfasern,
    die ich bei Plagiostomen vermisse“.

    Leydig: „Die wesentliche Substanz des Ganglions sind
    Ganglienzellen und Nervenfibrillen. Es zeigt sich nach den
    neueren Untersuchungen von Remak, dass die Ganglien in An-
    betracht der Beschaffenheit ihrer Nervenzellen von verschiedener


    1 ibid. p. 236.

    2 R. Wagner, Neurologische Untersuchungen. 1854, p. 184.

    3 Remak, Über multipolare Ganglienzellen. Berliner Berichte
    1854. p. 28.

    4 Leydig, Lehrbuch der Histologie des Menschen und der Thiere
    1857. p. 171.

  • S.

    16

    Natur sind, die einen nämlich, zu denen die Spinalganglien,
    sowie die Ganglien des Trigeminus und Vagus gehören, haben
    nurunipolare und bipolare Ganglienzellen, sie erscheinen
    unipolar dadurch, dass die beiden Fortsätze dicht nebeneinander
    entspringen, oder sich der eine Fortsatz nach kurzem Verlauf
    theilt.“

    Theilungen des Fortsatzes der unipolaren Zelle beschreibt
    als Regel Schramm:1)

    „Mit wenigen Ausnahmen theilten sich alle Fortsätze nach
    kürzerem oder längerem Verlauf. Der eine Ast übertraf bisweilen
    den anderen um das Doppelte an Breite. Der Fortsatz der uni-
    polaren Zellen ging fast nur dichotomisch. Theilungen ein, von
    beiden Theilungsästen verästelte sich der andere nochmals in
    derselben Weise.“

    Küttner2) fand, dass der Fortsatz der für unipolar
    gehaltenen Zellen des Sympathicus sich in der Regel theilt. Er
    lässt beide Theilungsäste nach derselben Richtung verlaufen:

    „Hic enim globulus lagenae ad instar unam partem versus
    extenuatus ramulum format, in quo ne minimum quidem fibrae
    sympathicae, qualis in ulteriore decursu deprehenditur, indicium
    offeratur. (vide tab. I, Fig. 5 et 6b.)
    … Decursu per brevius longiusve spatium continuato,
    ramus in duas partes diffinditur, qui ramuli demum fibrae sym-
    pathicae exsistunt, semper, quantum mihi persequi licebat, ad
    eandem directionem tendentes (vide tab. I, Fig. 5 et 6c). Haec
    ratio, ubicunque nobis contigerit, ut globulum gangliorum e
    majore globulorum multitudine sejungamus, luculentissime appa-
    ret, unde sequitur, re vera tum propter ramum illum unum, tum ob
    ramulorum duorum decursum, si quidem vocabulo poli directio-
    nem significaverimus, globulos unipolares esse.“

    Das Wesentliche aller dieser Beobachtungen scheint mir
    zu sein, dass die Kluft zwischen uni- und bipolaren Zellen nun
    ausgefüllt ist, indem Zellen nachgewiesen sind, welche nur einen
    Fortsatz entsenden, aber dennoch mit Peripherie und Centrum
    in Verbindung stehen, wie die bipolaren und weder eine Faser-


    1)l. c. p. 11.

    2)Küttner, De origine nervi sympathici ranarum. Diss. 1854, p. 13.

  • S.

    17

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    vermehrung bedingen, noch eine Sackgasse für die Nervenleitung darstellen. Da auch die unipolaren Zellen des Sympathicuszu bipolaren geworden sind, indem die sogenannte Spiralfaser,welche sich um die gerade Faser windet, von den meistenAutoren mit gutem Grund als nervöser Fortsatz anerkannt wird,scheint mir eigentlich den unipolaren Zellen im Sinne der altenHistologie der Boden entzogen zu sein.

    Über den Bau der Spinalganglien von Petromyzon, denenmeine Untersuchungen gelten, finde ich in der Literatur folgendeAngaben, die sich zumeist auf die leichter zu untersuchendenGanglien einiger Hirnnerven beziehen.

    Bei Stannius1 mehrere Angaben, dass die Spinalganglienzellen bipolar sind, ihr centraler Fortsatz schwächer als ihrperipherer ist.

    Ähnliche Angaben bei Kutschin2 in Stieda’s Referat:

    „Ferner betheiligen sich am Aufbau der obern Wurzel dieSpinalganglien, welche ziemlich nahe am Rückenmark liegenund aus Zellen bestehen, welche zwei Fortsätze haben und denZellen der Centralgruppe ähnlich sind.“

    Bei Langerhans3: „Behandelt man ein Neunauge in derangegebenen Weise mit Salpetersäure, so kann man leicht dieGanglien der Kopfnerven wie die der spinalen isoliren. DurchKlopfen mit Glasstab oder Finger zerfallen sie in ihre einzelnenZellen, am leichtesten das grosse Ganglion des Quintus; wenigerleicht die übrigen. Die Isolationen, welche man so erhält, sindvorzüglich. Die beiden Ausläufer der Ganglienzellen sind meisterhalten und zuweilen in einer Ausdehnung, die den Durchmesserder Zelle um mehr als das Zwanzigfache übertrifft. Die Zellensind von verschiedener Grösse: neben den grossen Elementenkommen bedeutend kleinere vor. Die Ausläufer entspringen meistgenau polar entgegengesetzt. Aber bei anderen Zellen, namentlich

    1 Stannius, Das periphere Nervensystem der Fische, 1849, p. 146u. ff. und Göttinger Nachrichten 1851, Nr. 17.2 In Stieda’s Referaten aus der russischen Literatur. MaxSchultze’s Archiv II. 1866, p. 529.3 Langerhans, Untersuchungen über Petromyzon Planeri. Freiburg 1873, p. 99 u. f.(Freud.)

    2

  • S.

    18

    denen, welche die von Auerbach sogenannte opponirte Stellung
    zeigten, rückten sie näher aneinander, so dass der Zellkörper
    dem einheitlichen Nerven gleichsam aufsitzt. In allen Fällen
    aber zeigen beide Fortsätze einen vollkommen durchgrei-
    fenden Unterschied: Der eine (Taf. IX, Fig. 4a) ist schmal,
    wenig gekörnt und scheint sich nur, so zu sagen, an den Leib
    der Zelle zu inseriren; der andere aber (Fig. 4b) ist bedeutend
    breiter, stärker gekörnt, er erscheint als directe Fortsetzung des
    Zellleibes. Dabei werden beide ebenso wie die Zelle selbst von
    der bekannten endothelialen Scheide gleichmässig überzogen.
    Von den Fortsätzen nun ist der schmale derjenige, welcher vom
    Centralnervensystem kommt. Der breite ist nach der Peripherie zu
    gerichtet. Eine Verästelung kommt in der Nähe der Zellen bei
    keinem von beiden Ausläufern vor.“

    „Dies Verhältniss gilt für sämmtliche an Hirn- und Rücken-
    marksnerven liegende Ganglienzellen. Es entspricht dem Ver-
    halten nervöser Zellen zwar nicht der Spinalnerven der höheren
    Vertebraten, sondern der äusseren Körner der retina und zwingt
    uns jedenfalls in der Ganglienzelle mehr zu suchen, als einen
    Knotenpunkt von Fibrillenbündeln.“

    Die Angabe, dass die centralen Fortsätze feiner sind als die
    peripheren, findet sich auch bei Key und Retzius.1) Diese Au-
    toren untersuchten das Ganglion trigemini.

    … und je mehr wir untersuchten, desto mehr überzeugten
    wir uns, dass die Zellen in der Regel wirklich bipolar seien,
    ohne ganz verneinen zu wollen, dass hier auch unipolare Zellen
    vorkommen können. Hierdurch ist man gleichwohl nicht be-
    rechtigt, Rückschlüsse auf die Verhältnisse bei anderen Fischen
    oder Thieren zu ziehen, da ja der Petromyzon und dessen Ver-
    wandte in vielen Beziehungen Eigenthümlichkeiten im Bau ihres
    Nervensystems zeigen. Wir erinnern in dieser Hinsicht nur an
    das Fehlen des Myelins in den Nerven, an die mangelhafte Ent-
    wicklung des sympathischen Nervensystems, in dessen Ganglien2)
    bei anderen Thieren die Zellen ja bi- oder multipolar sind u. s. w.2)


    1)l. c. p. 42.

    2)l. c. p. 44.

  • S.

    19

    II. Methode der Untersuchung.

    Die Spinalganglien des Petromyzon sind zu klein, um mit
    dem anatomischen Messer präparirt zu werden. Joh. Müller1)
    konnte ein Ganglion nur am vordersten Spinalnerven darstellen;
    spätere Untersucher, welche Querschnitte durch das ganze Thier
    der mikroskopischen Untersuchung unterzogen, gaben an, dass
    dieselben in keiner Gegend des Thieres fehlen.2)

    Da der Vortheil, den die Spinalganglien von Petromyzon
    der Untersuchung bieten, darin besteht, dass sie eine leicht zu
    übersehende Anzahl von Elementen in flächenhafter Anordnung
    enthalten, kommt Alles darauf an, sich diese Flächenansicht der
    Spinalganglien zu verschaffen. Man muss dabei die volle Sicher-
    heit haben, die Spinalganglien unversehrt zu erhalten. Endlich
    bedarf es einer guten Färbung, um die nervösen Elemente vor
    den anderen hervortreten zu lassen. Es wäre auch wünschens-
    werth, die letzteren zu zerstören, ohne die ersteren dabei zu
    beschädigen.

    Allen diesen Anforderungen genügt in hohem Grade die
    Methode, deren ich mich zur Untersuchung bedient habe. Sie
    besteht darin, ein frisches Stück des Thieres in Goldchlorid zu
    färben, in einer salzsäurehaltigen Mischung, die weder die Gold-
    färbung noch die Nervenelemente zerstört, zu maceriren, und
    dann durch Zerzupfung unter der Lupe die bindegewebigen
    Platten, auf denen die Spinalganglien liegen, zu isoliren.

    Ich kann nicht umhin, meine Methode in detaillirter Weise
    auseinander zu setzen, wenn ihre Mittheilung überhaupt einen
    Werth haben soll.

    Vorerst Etwas über das Material zur Untersuchung. Ich
    habe zur Goldfärbung bloss Ammocoetes und Petromyzon ver-
    wendet, welche entweder ganz frisch oder nicht länger als
    einige Stunden todt waren. Da Goldchlorid nicht in tiefe Schich-
    ten thierischen Gewebes eindringt, sondern seine weitere Ein-
    wirkung durch die bereits imprägnirten Schichten selbst gehin-
    dert wird, ist es nothwendig, keine zu dicken Stücke einzulegen.

    1)Joh. Müller, Vergleichende Neurologie der Myxinoiden. Ab
    handlungen der Berliner Akademie. 1838. p. 197.

    2)Vergl. Langerhans, l. c. p. 98.

  • S.

    20

    Es empfiehlt sich auch, die zur Untersuchung ausgewählten
    Stücke vorher zu enthäuten. Am günstigsten für diese Behandlung
    ist immer das Schwanzende des Thieres, welches, da es seitlich
    comprimirt ist und nur eine dünne Muskelschicht trägt, dem
    Reagens eine verhältnissmässig grosse Oberfläche bietet.

    Durch die dicken Muskellagen, welche den Leib des Petro-
    myzon in anderen Regionen bedecken, dringt das Goldchlorid
    gewöhnlich nicht durch und die das Skelet umgebenden Ge-
    websschichten, in denen die Spinalganglien liegen, bleiben
    gewöhnlich ungefärbt. Dies ist einer von den Gründen, weshalb
    sich meine Untersuchun-
    gen hauptsächlich auf die Spinalganglien
    des Schwanzes beziehen.

    Ich suchte diese Beschränkung auf verschiedenen Wegen
    zu überwinden, aber mit geringem Erfolg. Zuerst versuchte ich
    die Methode an sehr kleinen Thieren, bei denen die geringere
    Dicke der Leibeswandungen eine vollständigere Durchtränkung
    mit Goldchlorid zu begünstigen versprach. Aber ich fand, dass
    für diese Methode der histologischen Untersuchung, wie für jede
    andere, die kleinen und sehr jungen Ammocoetes ein ungünsti-
    geres Object sind als die grossen Ammocoetes und der Petro-
    myzon. Zellen und Fasern zeigten sich stark verändert bei der
    selben Behandlung, die mir von den Elementen grösserer Exem-
    plare anscheinend unveränderte Bilder lieferte.

    Ich versuchte auch bei grösseren Ammocoetes die Muscu-
    latur zu entfernen, bevor ich die Stücke in Goldchlorid einlegte.
    Es gelingt nicht schwer, wenn man einen queren Einschnitt in
    die Leibeswandung gemacht hat, die Muskeldecke vom Spalt an
    mit der Pincette in längeren Streifen zu entfernen und so das
    die Chorda umgebende Gewebe der Einwirkung des Reagens
    freizulegen. Aber bei diesem Abreissen der Muskeldecke gehen
    oft die Spinalganglien mit, und wenn sie zurückgeblieben sind,
    so ist die Wirkung der salzsäurehältigen Macerationsflüssigkeit
    auf das freiliegende Bindegewebe um die Chorda eine so starke,
    dass man die Spinalganglien nach der Maceration gewöhnlich
    nicht auffinden kann.

    Ich habe daran gedacht, die Umgebung der Spinalganglien
    von innen her freizulegen. Zu diesem Zweck schneidet man ein
    Thier median auf, entfernt die Eingeweide, macht irgendwo einen

  • S.

    21

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    quere-
    ren Schnitt durch die Chorda und kann nun die geschnittenen
    fassen und die beiden Stücke der Chorda mit der Pincette voll-
    ständig herausreissen. Die Hüllen des Rückenmarkes liegen
    dann frei und es sind die Spinalganglien für das Goldchlorid
    leicht zu erreichen. Doch treten bei dieser Behandlung andere
    Übelstände auf. Das Präparat, welches aus dem das Rücken-
    mark enthaltenden Mittelstück und den seitlichen Rumpfwan-
    dungen besteht, rollt sich in Goldchlorid derart zusammen,
    dass die Gegend der Spinalganglien ungefärbt bleibt. Man
    muss da entweder die seitlichen Rumpfwan-
    dungen gänzlich
    wegschneiden oder das Präparat auf eine Korkplatte aufstecken
    und durch Auftropfen von Goldchlorid vergolden.
    Es gibt noch ein anderes ernstliches Hinderniss für die
    Isolation der Spinalganglien des Rumpfes. Über dem Rückenmark
    bildet die fibröse Scheide, die das Rückenmark einschliesst,
    einen Kanal von dreieckigem Querschnitt, welcher mit sehr stark
    fettig infiltrirten Zellen gefüllt ist. Diese Zellenmasse (Fettzell-
    gewebe bei Joh. Müller1) wird beiderseits von der Rücken-
    musculatur bedeckt, die Spinalganglien und der Nervus lateralis
    liegen ihr enge an und lassen sich auch nicht durch Salzsäure-
    maceration von ihr trennen.

    Im Schwanz von Petromyzon ist diese Fettzellenmasse sehr
    reducirt und fehlt weiter unten gänzlich. Dies ist ein Umstand
    mehr, der die Untersuchung der Spinalganglien des Schwanzes
    erleichtert.

    Die Goldchloridlösung nahm ich ½% oder ¼% stark.
    In ½% Lösung blieb das Präparat ½–¾ Stunden, in 1%iger
    ¼–½ Stunde liegen. Die Anwendung von ¼% Lösung gab
    mir bessere Resultate. Aus Goldchlorid übertrug ich das Präparat
    in Reductionsflüssigkeit nach Pritchard, deren Zusammen-
    setzung 1 Ameisensäure, 1 Amylalkohol auf 100 Wasser ist,
    und liess es 24 Stunden am Licht darin. Diese Reductionsflüssig-
    keit that ihre Schuldigkeit auch an trüben Tagen. Nach 24 Stun-
    den war das Präparat gewöhnlich schon dunkelpurpurroth ge-
    färbt, die Flüssigkeit war himbeerfarben geworden. Wenn manch-


    1Joh. Müller, Vergleichende Anatomie der Myxinoiden, I. Theil.
    Abhandlungen der Berliner Akademie, 1834, p. 90.

  • S.

    22

    mal das Präparat nach 24 Stunden bloss ein wenig blauviolett
    geworden war, so reichten doch weitere 24 Stunden in derselben
    oder in frischer Reductionsflüssigkeit hin, eine gute Färbung zu
    Stande zu bringen.

    Die Maceration der vergoldeten Präparate geschah in der
    von Königstein1) zur Isolation der Hornhautnerven und Körper-
    chen angewendeten Mischung, die 1 Theil rauchender Salzsäure
    auf 1 Theil Wasser und Glycerin enthält. Der Zusatz von Glycerin
    ist nothwendig, um die Brüchigkeit nach Salzsäuremaceration zu
    verhüten. Ich bediente mich gewöhnlich einer Mischung im Ver-
    hältniss: Salzsäure 50, Wasser 35, Glycerin 15.

    Nach 24stündiger Maceration, durch die das Präparat
    dunkler geworden und sich stark verkleinert hat, überträgt man
    es vorsichtig in Glycerin, indem man es mit einem Löffel heraus-
    hebt oder einen Objectträger darunter schiebt. Erst nach 24-
    stündigem Liegen in reinem Glycerin ist es zur Untersuchung
    geeignet. Lässt man es länger in Glycerin, so wird es leicht zu
    weich. Bei der Maceration wird gewöhnlich die Schwanzspitze
    zu stark gelockert, so dass ihre Muskelplatten sich schon in der
    Macerationsflüssigkeit von einander lösen. Man thut darum gut,
    dieselbe vom übrigen Präparat zu trennen und für sich in einer
    geringeren Menge von Flüssigkeit zu maceriren.

    Von dem Präparate, das 24 Stunden in Glycerin gelegen
    hat, schneidet man Segmente ab und bringt sie zur Zerzupfung
    unter die Lupe.

    Zerzupfung ist übrigens nicht die richtige Bezeichnung für
    die Manipulation, die die Spinalganglien selbst nicht verletzen
    darf. Wenn man die Chorda nicht vor der Vergoldung aus dem
    Präparate entfernt hat, so braucht man nur mit zwei Nadeln eine
    der Muskelplatten nach der andern abzureissen, bis Rücken-
    mark und Chordascheide auf einer Seite freigelegt sind. Man
    zieht dann auf dieselbe Weise die Muskelplatten der andern
    Seite hervor und hat dann vom Präparat bloss Rückenmark und
    Chorda übrig. Die Masse der Chordazellen kann man leicht aus
    der Scheide hervorziehen und sieht dann die Spinalganglien

    1) Königstein, Das Verhältniss der Nerven zu den Hornhaut-
    körperchen. Diese Berichte LXXI. Bd. 1875.

  • S.

    23

    einerseits im Zusammenhang mit dem Rückenmark, anderseits
    mit dem ventralen Ast der hinteren Wurzel, welcher über die
    Chordascheide verläuft. Wenn es gelingt, die zusammengelegte
    Chordascheide an ihrem ventralen Rande zu zerreissen, kann
    man sie ausbreiten und dann auch die Spinalganglien der andern
    Seite freilegen. Auf diese Weise habe ich meine schönsten
    Präparate erhalten. Es ist daher zu empfehlen, die Chorda vor
    der Vergoldung nicht zu entfernen, wenn man aufeinanderfolgende
    oder symmetrische Spinalganglien oder den Verlauf des ventralen
    Astes der hinteren Wurzel und das denselben begleitende Gefäss
    verfolgen will. Figur 1 und 2, Tafel IV, stellen Präparate dar, die
    auf diese Weise erhalten wurden.

    Hat man aber vor der Vergoldung die Chorda entfernt, so
    bleiben die Spinalganglien sammt der vom Rückenmark abge-
    rissenen Wurzel und den Anfangsstücken ihrer beiden Äste an
    den Muskelplatten. Diese isoliren sich in grösseren Packeten,
    die an einem Ende frei sind, am anderen Ende eine binde-
    gewebige Platte, das Intermuscularligament, an das sich alle
    einzelnen Muskelplatten inseriren, tragen. Auf diesen binde-
    gewebigen Platten liegen die Spinalganglien; man muss eine
    Muskelplatte nach der andern vom Ligament abreissen, was
    nach 24stündigem Liegen in Glycerin keine Schwierigkeit hat,
    um das Spinalganglion freizulegen. Man erkennt die Spinal-
    ganglien als Anhäufungen von stark glänzenden rothen Körnchen
    schon unter der Lupe, entfernt vom Objectträger die isolirten
    Muskelplatten und andere Gewebsstücke und bringt die isolirten
    Spinalganglien unter das Mikroskop. Die Präparate, die man so
    erhält, sind für die Erkenntniss des Spinalganglions günstiger
    als die früher besprochenen, bei denen die Spinalganglien auf
    der Chordascheide liegen. Wurzel und Äste sind aber kurz ab-
    gerissen. Alle übrigen Spinalganglien, die ich abgebildet habe,
    waren auf Zwischenmuskelplatten isolirt.

    Es ist nicht leicht, sich eine Vorstellung von der Lage
    der Spinalganglien zu machen, wenn man mit den Ver-
    hältnissen der Musculatur des Petromyzon nicht genau bekannt
    ist. Ich verweise in Betreff der interessanten Anordnung der
    Muskelplatten auf die Darstellung bei J. Müller1) und Langer-


    1) J. Müller, Myologie der Myxinoiden, l. c. p. 243 u. ff.

  • S.

    24

    hans1) und will hier die Beschreibung, die Stannius2) von
    diesen Verhältnissen gibt, citiren;

    „Was die Muskelmasse des Rumpfes anbetrifft, so wird die
    selbe bekanntlich von schiefen Intermuscularbändern durchsetzt
    und in so viele Abtheilungen gesondert, als dergleichen Bänder
    vorhanden sind. Diese Ligamenta erstrecken sich durch die
    Muskelmasse, indem sie von deren äusserer Oberfläche sehr
    schräg nach innen d. h. nach der Wirbelsäule und nach der
    Begränzung der Bauchhöhle hin gerichtete Scheidewände bilden.
    Auf senkrechten Querduchschnitten des Rumpfes sieht man daher
    immer die Durchschnitte mehrerer in einander geschachtelter
    Ligamenta intermuscularia und sieht zugleich je zwei solcher Liga-
    menta durch zahlreiche von dem einen zum andern sich
    erstreckende dichte an einander gelegene Falten oder Fächer ver-
    einigt. In diesen anscheinenden Falten oder Scheidewänden
    erkennt man Bindegewebslamellen, welche, von zwei der gröberen
    schiefen Intermuscularbänder ausgehend, die Zwischenräume
    zwischen diesen in gerader Richtung durchsetzen und die eigent-
    lichen Muskelelemente wieder in so viele Abtheilungen sondern,
    als dergleichen Septa vorhanden sind.“

    Auch muss ich, um das Verständniss des über die Lage und
    Isolation Gesagten zu erleichtern, hervorheben, dass die hinteren
    Wurzeln in anderen Querschnittsebenen vom Rückenmark ent-
    springen als die vorderen,3) und dass die hintere Wurzel ihr
    Ganglion bildet und sich in einen dorsalen und ventralen Ast
    theilt, ohne eine Verbindung mit der vorderen Wurzel einzugehen.
    Ich werde mich später darüber auszusprechen haben, ob bei
    Petromyzon überhaupt gemischte Spinalnerven vorkommen.

    Das Rückenmark wird bei der beschriebenen Behandlung
    sehr dunkel und undurchsichtig. Versuche, es zu zerzupfen, zeigen
    keine Spaltbarkeit in der Richtung der Fasern und keine Mög-
    lichkeit, Zellen daraus zu isoliren. Bei schwächerer Färbung
    bei Petromyzon fluviatilis.


    1)Langerhans, l. c. p. 26.

    2)Stannius, Über den Bau der Muskeln bei Petromyzon fluviatilis.
    Göttinger Nachrichten 1851, Nr. 17, p. 233.

    3)Vergl. meine frühere Mittheilung: Über den Ursprung der hinteren
    Nervenwurzeln im Rückenmark von Ammocoetes. Diese Berichte LXXV.
    Band. 1877.

  • S.

    26

    von Löwit1 vergoldet, bei der die Durchtränkung des frischen
    Präparates mit Ameisensäure eine Rolle spielt, aber ohne
    wesentlichen Vortheil.

    Es ist auch durch Liegenlassen in 20% Salpetersäure mög-
    lich, die Spinalganglien zu isoliren, aber ich fand es schwierig,
    eine sichere Färbung mit diesem Verfahren zu combiniren.2 Ein
    Missglücken der Goldfärbung hatte ich fast niemals zu beklagen.
    Wenn Präparate unbrauchbar wurden, so war die zu weit oder
    zu wenig vorgeschrittene Maceration daran Schuld. In den Spinal-
    ganglien kleinerer Thiere fand ich oft bei gut gelungener Färbung
    die Elemente so sehr verändert, dass sie zur Untersuchung
    unbrauchbar waren. Die meisten meiner Präparate büssten ihre
    Schönheit nach einigen Monaten ein. Ich bedaure lebhaft, meine
    Präparate nicht sofort gezeichnet zu haben; ich habe durch diese
    Zögerung gerade die schönsten Bilder verloren.

    Einige Male habe ich durch meine Methode sehr feine Nerven-
    fasern in den Geweben des Potromyzon darstellen können. Ein Netz
    feiner Fasern in der Pia mater werde ich weiter unten beschreiben.

    III. Über das Wesentliche im Bau der Spinalganglien.

    Die hinteren Wurzeln der Spinalnerven bei Vertebraten
    zeigen kurz nach dem Austritt aus dem Rückenmarkscanal an
    Stellen, welche constante Beziehungen zum Skelete einhalten,
    Ganglienzellen. Die Ganglienzellen enthaltende Strecke son-
    dert sich plastisch als Spinalganglion; in dieses tritt die
    hintere Wurzel in einem oder mehreren Bündeln ein und in der
    selben Richtung tritt ein Nervenstamm aus demselben hervor,
    welcher sich mit der vorderen Wurzel vereinigt, um einen

    1 Löwit, Die Nerven der glatten Muskulatur. Diese Berichte
    LXXI B. 1875.

    2 Langerhans (l. c. p. 99) sagt bei Gelegenheit der Isolation der
    Spinalganglienzellen: „Leider aber beschränken sich die Dienste dieser
    Methode auf die marklosen Nerven der Cyclostomen, bei markhaltigen
    Nerven gelang es mir nicht, befriedigende Präparate zu gewinnen.“ Ich
    habe durch eine Modification der Reichert’schen Mischung eine Flüssig-
    keit erhalten, die sich sehr brauchbar zu gewissen Zwecken erwies; ich
    habe aber keine Veranlassung, hier auf diesen Gegenstand einzugehen,
    weil sie gerade für den Petromyzon nichts Besonderes geleistet hat.

  • S.

    28

    Freud.

    Die Verschiedenheiten in der Lagerung der Zellen zu den
    Fasern geben den einzelnen Spinalganglien ihre eigenthümliche
    Physiognomie. Die Zellen können deutlich in zwei Lager getrennt
    sein, von denen eines dem dorsalen, eines dem ventralen Aste
    angehört. Diese beiden Lager fliessen aber gewöhnlich zusammen.
    Eine Sonderung der Zellen in dorsale und ventrale ist mit Berück-
    sichtigung des Verlaufes ihrer Fortsätze in allen Fällen durch-
    zuführen; es zeigt sich als ein häufiges Vorkommen, dass die
    beiden Abtheilungen des Spinalganglions an Zahl und Grösse
    der Zellen Verschiedenheiten darbieten.

    Eine kleine Anzahl grösserer Zellen gehört dem ventralen,
    eine grössere Anzahl kleinerer Zellen dem dorsalen Aste an. Mit-
    unter ist dieses Verhältniss ungemein klar ausgeprägt, mitunter
    nur angedeutet, endlich kann es ganz verwischt sein und der
    dorsale Ast ebensoviel gleich grosse Zellen wie der ventrale Ast
    enthalten. Ob dieses Verhältniss sich auch umkehren kann, ist
    mir zweifelhaft geblieben.

    Der Unterschied in der Zellenzahl ist constanter als der in
    der Grösse der Zellen. Wenn Unterschiede der Zellengrösse vor-
    handen, sind die am weitesten in den ventralen Ast vor-
    gerückten Zellen die grössten, die äussersten Zellen des dor-
    salen Astes die kleinsten.

    Die Zellen können zerstreut oder gehäuft im Spinalganglion
    liegen, sie können unregelmässig von Fasern umgeben sein oder
    sich ober- und unterhalb der Fasern zu Reihen anordnen,
    zwischen denen die Fasern durchziehen, die einzelnen Zellen
    können im Inneren eines kleinen Bündels liegen oder randständig
    sein, so dass ihre Fortsätze zu den äussersten Fasern des Bündels
    werden. Alle diese für die Structur unwesentlichen Verhältnisse
    beeinflussen die Erscheinung des Spinalganglions. Man lernt bei
    längerer Beschäftigung gewisse Typen kennen, welche die
    Spinalganglien immer zeigen. Es scheint auch, dass diese Typen
    immer an denselben Stellen wiederkehren, dass also das Spinal-
    ganglion eines der Zahl nach bestimmten Segmentes bei allen
    Thieren dieselbe Physiognomie hat.

    Wesentliche Elemente der Spinalganglien sind nur zwei:
    Nervenzellen und Nervenfasern. Alle Fortsätze der Zellen sind
    Nervenfasern, aber nicht alle Nervenfasern, die in der hinteren

  • S.

    29

    Wurzel, im dorsalen oder ventralen Ast enthalten sind, sind
    Fortsätze der Spinalganglienzellen. Eine andere Verbindung
    zwischen Zelle und Faser, als dass die Faser ein Fortsatz der
    Zelle ist, gibt es aber nicht: Es steht also ein Theil der Nerven-
    fasern im Spinalganglion ausser Zusammenhang mit dessen
    Nervenzellen.

    Zuerst von den Nervenzellen.

    Die Zahl der Zellen im Spinalganglion variirt von 8, welches
    die kleinste, bis zu 23, welches die grösste Anzahl von Zellen ist,
    die ich in einem Spinalganglion fand. (Eine Ausnahme machen
    vielleicht die allerletzten Spinalganglien, in denen manchmal nur
    6–7 Zellen vorzukommen scheinen.)

    Die am häufigsten vorkommenden Zahlen sind 10–16. Es
    ist ungemein leicht, die Zellen im Spinalganglion zu zählen,
    selbst wenn sie gehäuft liegen sollten.

    Wenn man die aus der hinteren Wurzel hervorgegangenen
    Äste grössere Strecken weit verfolgen kann, bemerkt man, dass
    ihnen in variabler Anzahl an verschiedenen Stellen Nervenzellen
    eingelagert sind. Einige von diesen Elementen sind dem Spinal-
    ganglion sehr nahe, andere so weit entfernt, dass man sie
    wenigstens anatomisch nicht mehr zum Spinalganglion rechnen
    kann. Es ist sehr schwer, ihre Anzahl zu bestimmen, weil man
    nie den ganzen Verlauf eines Astes der Wurzel übersieht, doch
    ist sie im Allgemeinen eine geringe. In dem Stück des ventralen
    Nerven zwischen Spinalganglion und ventralem Rande der
    Chordascheide fand ich nie mehr als 1–3.

    Die Zellen sind von drei Grössenordnungen. Die grössten
    sind die schon erwähnten äussersten Zellen im ventralen Ast,
    wenn überhaupt die Zellen des Spinalganglions verschieden
    gross sind, was nicht immer der Fall ist. Die mittelgrossen Zellen
    sind die häufigsten, unter ihnen sind die äussersten Zellen
    im dorsalen Ast gewöhnlich die kleinsten. Die Zellen, die in den
    weiteren Verlauf der aus der hinteren Wurzel entstandenen
    Nerven eingelagert sind, können so gross sein, wie mittelgrosse
    Zellen des Spinalganglions. Je weiter sie vom Spinalganglion
    entfernt sind, desto kleiner werden sie oft. Zwischen den mittel-
    grossen und den kleinsten Zellen fehlt es an Übergängen. Die
    kleinsten Zellen sind ein sehr incon-
    stanter Bestandtheil des Spinal-

  • S.

    30

    Freud.

    ganglions. Am häufigsten ist noch eine sehr kleine Zelle zwischen
    den wenigen großen des ventralen Astes. Die kleinen Zellen
    färben sich ein wenig anders als die übrigen Elemente der
    Spinalganglien, sie haben viel Ähnlichkeit mit den später zu be-
    schreibenden Nervenzellen in der Nähe der Gefäße.

    Einige Beispiele für die Vertheilung der Zellen auf die
    beiden Äste:

    Ventral Dorsal
    Größte Kleine Mittelgroße Kleine Summe
    6 + 2 + 8 + 2 = 18
    3 + 1 + 5 = 9
    5 + 1 + 6 + 1 = 13
    6 + 5 + 1 = 12
    4 + 1 + 6 = 11

    Andere Beispiele ohne Rücksicht auf die Größenunterschiede
    der Zellen gewählt:

    Ventral + Dorsal = Summe
    5 + 7 = 12
    4 + 9 = 13
    5 + 9 = 14
    6 + 9 = 15
    6 + 10 = 16
    6 + 11 = 17

    Diese Spinalganglien stammen aus sehr benachbarten Ge-
    genden desselben Thieres.

    Die Spinalganglienzellen erscheinen nach der beschriebenen
    Vergoldung als kugelige oder ellipsoïdische Körper meist mit
    ganzrandigen Contouren. Sie haben der großen Mehrzahl nach
    zwei Fortsätze, seltener bloß Einen. Ich beginne mit der Be-
    schreibung der bipolaren Zellen, welche gewiss 1)/2 der Zellen
    im Spinalganglion ausmachen, und will das Vorkommen so-
    genannter unipolarer und multipolarer Zellen zunächst ganz
    vernachlässigen. Die beiden Fortsätze der bipolaren Zellen
    verlaufen immer, der eine zur Peripherie, der andere zum Cen-
    trum, und gehen keinerlei Verbindungen mit den Fortsätzen
    anderer Zellen ein. Man kann das direct sehen, wenn man ein

  • S.

    31

    gutes Präparat vor sich hat. Man kann aber auch mit Bestimmtheit
    sagen, dass diese bipolaren Zellen keinen dritten Fortsatz haben,
    wie B e a l e und A r n d t1) von den analogen Zellen aus den
    Spinalganglien anderer Thiere geglaubt haben.

    Man überzeugt sich auch, dass sämmtliche Zellen eines
    S p i n a l g a n g l i o n s bipolar sind, und wir werden später sehen,
    dass die sogenannten unipolaren Zellen davon keine Ausnahme
    begründen. Man isolirt nämlich S p i n a l g a n g l i e n, die von Natur
    so aufgefasert, so locker gebaut sind, dass man von jeder der
    10–12 Zellen den einen Fortsatz in die Wurzel, den andern in
    den dorsalen oder ventralen, oder Eingeweideast der Wurzel
    treten sieht. Man sieht den Fortsatz nicht bloss die Richtung zur
    Wurzel oder zu einem Ast nehmen – was wenig bedeuten
    würde – sondern man verfolgt ihn in die Wurzel hinein, bis sich
    deren Fasern zu einem compacten Bündel zusammengedrängt
    haben und in einen der erwähnten Äste, soweit dessen Verlauf
    am Präparat sichtbar ist. Dass man an solchen Präparaten, die
    eine einfache Schichte von Nervenelementen darstellen, keinen
    dritten Fortsatz von der Zelle kommen sieht, ist vollgiltiger Be-
    weis dafür, dass kein dritter Fortsatz vorhanden ist.

    Um die Bipolarität sämmtlicher Zellen zu constatiren, ist
    man aber nicht auf diese Gunst des Zufalls angewiesen. Man
    kann dieselbe an jedem Präparat, wo die Zellen nicht so gedrängt
    liegen, dass sich ihre Fortsätze umeinander schlingen, demon-
    striren. Ein S p i n a l g a n g l i o n von 12 Zellen zeigt gewöhnlich von
    6 Zellen sowohl den peripheren als den centralen Fortsatz, von
    5 Zellen entweder nur den peripheren oder nur den centralen
    und an einer Zelle kann man oft keinen Fortsatz sehen.
    Verträgt das Präparat die Untersuchung mit Hartnack X,
    so kann man auch die zweiten Fortsätze finden, die man früher
    nicht gesehen hatte, oder man kann wenigstens constatiren, dass
    die Kapsel der Zelle und diese selbst noch an einer zweiten
    Stelle spitz ausgezogen sind. Treibt man durch Druck auf das
    Deckglas die Zellen auseinander, was immer möglich ist, wenn
    das Präparat Glycerin genug enthält, so erweisen sich alle, selbst
    die scheinbar apolaren Zellen, als bipolar.


    1) Vergl. Abschnitt I.

  • S.

    32

    Bipolar sind gewöhnlich auch die in den peripheren Verlauf
    des dorsalen oder ventralen Astes eingeschalteten Zellen.

    Die beiden Fortsätze der bipolaren Zelle entspringen nicht
    immer von entgegengesetzten Polen der Zelle, wie das typische
    Bild der bipolaren Zelle bei R. Wagner, Bidder u. A. dar-
    gestellt ist. Man kann bei Petromyzon sehr schön beobachten,
    dass der Ursprung der beiden Fortsätze nach der Lage der
    Zelle modificirt ist. Die regelmässigsten bipolaren Zellen sind
    immer die äussersten Zellen, die weit im dorsalen oder ventralen
    Ast liegen, wo die Faservertheilung, die bei der Theilung der
    Wurzel stattfindet, schon vollzogen ist und die Fasern alle
    parallel verlaufen. Die unregelmässigsten Formen und den Ur-
    sprung beider Fortsätze von sehr naheliegenden Stellen zeigen
    stets die Zellen, die im Theilungswinkel der Wurzel selbst liegen,
    wo das Gedränge der Fasern am grössten ist. Diese Zellen er-
    scheinen auch manchmal fortsatzlos, weil von ihnen nur eine
    kleine Oberfläche zu Tage tritt, und ihre Fortsätze oft dort ent-
    springen, wo die Zelle von anderen Zellen oder Fasern be-
    deckt ist.

    Zellen, die zweizeilig angeordnet sind und die Nervenfasern
    zwischen ihren beiden Reihen durchtreten lassen, schicken ihre
    beiden Fortsätze im Bogen zu denselben herab.

    Die beiden Fortsätze der bipolaren Zelle können unmittelbar
    nebeneinander von der sonst in ihrer Form nicht veränderten
    Zelle entspringen; diese Stelle kann aber auch in eine Art Hals
    ausgezogen sein und sie kann endlich verlängert sein in einen
    Stiel, der beiden Fortsätzen den Ursprung gibt (Tafel I, Figur 3,
    Rz'.). Endlich kann sich diese Verlängerung der Zelle schärfer
    von ihr absetzen, nach Lichtbrechung und Färbung einer Nerven-
    faser gleichen und erst nach etwas längerem Verlauf sich in
    zwei Fortsätze theilen, die in entgegengesetzter Richtung aus-
    einandergehen (Tafel I, Fig. 1, 3, 4, Rz.).

    Wir haben dann eine Zelle mit einfachem Fortsatz, der sich
    später theilt, wie sie Stannius, R. Wagner, Schramm
    und Küttner bei Säugethieren und beim Frosch beschrieben, und
    Ranvier neuerdings als T-förmige Einpflanzung eines Zellfort-
    satzes in eine Nervenfaser dargestellt hat. Es ist unmöglich zu
    übersehen, dass diese Ranvier’schen Zellen bei Petromyzon

  • S.

    33

    bloss Modificationen der gewöhnlichen bipolaren sind, und am
    Bau der Spinalganglien nichts ändern. Dann ist es aber auch
    nothwendig, diese Auffassung auf die Ranvier'schen Zellen bei
    höheren Wirbelthieren zu übertragen, denn ein wesentlicher
    Unterschied dieser Zellen bei höheren Vertebraten und bei Petro-
    myzon geht aus der Beschreibung der Autoren nicht hervor.
    Zwar spricht Ranvier davon, dass die Nervenfaser, in die
    der Fortsatz der Nervenzelle einmündet, einen geradlinigen Ver-
    lauf hat, während die beiden Fasern, die durch Theilung des
    einen Zellfortsatzes bei Petromyzon entstehen, einen Winkel
    mit einander bilden. Aber fürs Erste wird man diesen Unterschied
    für ebenso unbedeutend halten müssen, wie die früher beschriebe-
    nen Unterschiede im Ursprung der beiden Fortsätze an der bipo-
    laren Zelle und endlich haben Axel Key und G. Retzius1) eine
    Zelle als Ranvier'sche aus dem Ganglion Gasser'schen des Kanin-
    chens beschrieben und abgebildet, deren Fortsätze mit einander
    den nämlichen Winkel bilden wie bei Petromyzon.

    Einmal habe ich auch bei Petromyzon eine T-förmige
    Theilung eines Zellfortsatzes gesehen; es steht also nichts im
    Wege, auch bei Petromyzon von einer T-förmigen Einpflanzung
    des Zellfortsatzes in die Faser der hinteren Wurzel zu reden, aber
    man verdeckt durch diese Bezeichnung die wirklichen
    Beziehungen dieser Zellen zu den bipolaren und zum
    Bau des Spinalganglions.

    Ranvier und Key und Retzius waren über die Verbreitung
    der besprochenen Elemente in den Spinalganglien der höheren
    Wirbelthiere in Zweifel. Bei Petromyzon sind diese Zellen in
    vielen Spinalganglien gar nicht vorhanden. Ich sage nicht –
    nicht aufzufinden, denn es geht aus meiner Beschreibung hervor,
    dass sie gewiss aufzufinden wären, wenn sie vorhanden wären.
    In anderen Spinalganglien findet man deren eine, selbst zwei
    (Tafel I, Fig. 3, Rz und Rz). Eine Regelmässigkeit des Auf-
    tretens dieser Zellen nach irgend einer Richtung konnte ich nicht
    erkennen.

    Ich habe mich bemüht, bei starken Vergrösserungen den
    einen Fortsatz, den Stiel der Ranvier'schen Zelle, zu prüfen, ob


    1)l. c. Tafel III, Fig. 12. Vergl. Abschnitt I.
    (Freud.)

  • S.

    34

    Freud.

    er eine Andeutung von Zusammensetzung aus zwei Fasern
    zeige. Das Ergebniss war indessen ein negatives.

    Viel seltener als diese scheinbar unipolaren Zellen habe ich
    in den Spinalganglien tripolare und zusammengesetzte Zellen an-
    getroffen. Ich muss mich über diese Elemente zurückhaltender
    äussern, weil ich sie so selten gesehen habe. Ich habe sie fast
    alle abgebildet, nicht nach den Präparaten selbst, sondern nach
    Bleistiftskizzen, die ich mir seiner Zeit von den Präparaten
    gemacht hatte. Die Zellform Tafel I, Fig. 4B habe ich öfter
    gesehen und halte mich daher für berechtigt zu sagen, dass der
    periphere Fortsatz der bipolaren Zelle nach kürzerem oder
    längerem Verlauf sich theilen und in zwei parallel neben einander
    verlaufende Fortsätze zerfallen kann. Es ist vorderhand gleich-
    giltig, ob man sich diese Zellform vorstellt als multipolar und mit
    einem ausgezogenen Ende versehen, oder ob man sich eine
    Theilungsstelle der peripher verlaufenden Faser nahe an die
    Ganglienzelle herangerückt denkt. Auf die Deutung der übrigen
    Zellformen werde ich noch weiter unten zu sprechen kommen.
    Am meisten bin ich bei der Zellform E zweifelhaft, ob ich es
    nicht bloss mit zwei scheinbar unipolaren Zellen zu thun hatte,
    deren Fortsätze nahe aneinandergedrängt und kurz abgerissen
    waren.

    Nach dem mir bis jetzt vorliegenden Untersuchungsmateriale
    muss ich also annehmen, dass eine ganz geringe Anzahl von
    Spinalganglienzellen mehr als einen Fortsatz zur Peripherie oder
    zum Centrum schickt und dass es eine Anzahl von irregulären
    Elementen im Spinalganglion gibt, deren Verhältniss zu den
    regulären zu erforschen bleibt.

    Auch sogenannte zusammengesetzte Zellen habe ich im
    Spinalganglion gesehen (Tafel I, Fig. 2, dpz). Ich verstehe dar-
    unter Zellen von der mehrfachen Grösse gewöhnlicher, mit
    einer entsprechend vermehrten Anzahl von Fortsätzen und mehr
    als einem Kern. An einigen solchen Zellen habe ich gefunden,
    dass sie ebenso viel Fasern zur Peripherie als zum Centrum
    schicken. Welches der Zusammenhang zwischen ihren Theil-
    stücken ist, ist mir nicht klar geworden.

    Was die Häufigkeit dieser Zellformen betrifft, so ist mir fol-
    gendes Verhältniss wahrscheinlich. Die gewöhnlichen bipolaren

  • S.

    35

    Zellen machen 11/12 der Gesammtheit aus, die Ranvier’schen 3/4
    vom Rest, das Übrige vertheilt sich auf die irregulären und zu-
    sammengesetzten Formen. Diese Behauptung mag für andere
    Regionen als für den Schwanz des Thieres nicht richtig sein,
    weil anderswo die Spinalganglienzellen gedrängter liegen können,
    also leichter unregelmässige Formen der Faserursprünge zeigen
    mögen.

    Die Fortsätze der Spinalganglienzellen begeben sich einer-
    seits in die Wurzel, andererseits in den ventralen oder dorsalen
    Ast. Wenn von der Mitte der Wurzeltheilung einige Fasern als
    sympathischer Ast abgehen, gesellt sich ihnen nicht selten ein
    Fortsatz einer bipolaren Zelle bei (Tafel IV, Fig. 2, zs). Es gibt
    also ausser dorsalen und ventralen Ganglienzellen auch solche,
    die dem dritten sympathischen Ast der Wurzel angehören.

    Die aus der Wurzel kommenden Nervenfasern werden theils
    zu Fortsätzen der Nervenzellen, theils treten sie ohne Verbindung
    mit den Nervenzellen durch das Spinalganglion hindurch. Das
    System der durchtretenden Fasern ist an jedem gut präparirten
    Spinalganglion von Petromyzon evident. Dieselben verlaufen
    einzeln oder in kleinen Bündeln, oder, wenn die Zellen zweizeilig
    angeordnet sind, in ganzer Masse zwischen den Zellen. Man darf
    es mit Bestimmtheit aussprechen, dass sie in keinem Zusam-
    menhang mit den Spinalganglienzellen stehen, weil jede einzelne
    Faser als solche aus der Wurzel in den Nerven verfolgt werden
    kann, und weil man sie an jeder Stelle ihres Verlaufes durch
    das Spinalganglion von den Zellfortsätzen zu unterscheiden im
    Stande ist. Es ist darum auch überflüssig, sich auf die Bruch-
    stücke von Spinalganglien zu berufen, die man isolirt, in denen
    einzelne durchziehende Fasern isolirt an der Wurzel hängen,
    während die unversehrten Zellen mit ihren langen Fortsätzen
    daneben liegen.

    Die durchtretenden Fasern sind von sehr verschiedener
    Stärke. In den meisten Wurzeln begegnet man 1–4 sehr breiten
    Fasern, welche ein besonders günstiges Object zur Demonstra-
    tion der durchtretenden Fasern geben und ihrer Breite wegen
    auch auf der Pia mater und im Rückenmark kenntlich bleiben.
    Sie sind weniger dick als breit, bandförmig, oft feingekörnt, mit
    zahlreichen kleinen randständigen Kernen besetzt und färben

  • S.

    37

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    schlingen Faserbündel oder die Wurzel selbst, bevor sie in diese
    eintreten.

    Ein geringer Faserantheil der hinteren Wurzel behält den
    transversalen Verlauf im Spinalganglion bei. Diese Fasern bilden
    einen dritten Ast, welcher nicht bis zur Haut verläuft, sondern
    seine Endausbreitung früher erreicht. Ich sah einige seiner
    Fasern in kleinen multipolaren Zellen enden, welche der Spinal-
    arterie auflagen. Aus diesen Gründen nenne ich ihn den sympa-
    thischen oder Eingeweideast der Wurzel Diese Benennung ist
    insoferne unpassend, als auch vom dorsalen und ventralen Ast
    Fasern zu den die Gefässe begleitenden Nerven abgehen.

    Der sympathische Ast kann in mehrfacher Anzahl vor-
    handen sein oder ganz fehlen; in letzterem Falle darf man an-
    nehmen, dass seine Elemente in einen der beiden Hauptäste
    getreten sind und sich später von ihm ablösen.

    Nicht alle Fasern, die in einem der drei Äste der Wurzel
    enthalten sind, stammen aus der Wurzel. Es gibt in jedem Spinal-
    ganglion —
    vielleicht mit Ausnahme der allerletzten —
    Fasern,
    die vom dorsalen Ast in den ventralen oder sympathischen über-
    treten, ohne in Verbindung mit der Wurzel dieser Äste zu stehen.
    Ich nenne diese Elemente angelehnte Fasern. Sie nehmen räum-
    lich an der Bildung des Spinalganglions Theil, indem sie den
    Winkel zwischen dem dorsalen und dem ventralen Ast ausfüllen
    helfen. Diese Fasern sind schuld daran, dass die Äste der
    Wurzel viel reicher an Fasern sind, als die Wurzel, durch deren
    Theilung sie entstanden. Würde man bei Petromyzon, wie es bei
    anderen Thieren geschehen ist, durch Zählung der Fasermenge
    vor und hinter dem Spinalganglion über eine Faservermehrung
    in dem Spinalganglion entscheiden wollen, so wären die ange-
    lehnten Fasern, besonders da sie in den Ästen doppelt gezählt
    würden, eine sehr beträchtliche Fehlerquelle. Doch fehlt dieses
    eigenthümliche System von Fasern bei anderen Thieren nicht.
    Ich finde darüber bei Henle1) folgende Citate:

    „Ein den äusseren Bogenfasern des Chiasma analoge
    Schlinge der Spinalnerven-
    beschreibt Volkmann (Müll.
    Arch. 1838. S. 291) mit folgenden Worten: „Bei dem Maul-
     


    1)Henle, Nervenlehre, 1873, p. 330.

  • S.

    38

    Freud.

    wurfe treten die Nn. thoracici als einfache Stämme aus den
    Spinalganglien, zerfallen aber unmittelbar nach dem Austritt in
    den vorderen und hinteren Ast. In dem offenen Winkel der Thei-
    lungsstelle fand ich schleifenförmige Fasern in der Art ange-
    bracht, dass die Beugung in den Winkel zu liegen kam, während
    die fortlaufenden Enden einerseits im vorderen Aste, andererseits
    im hinteren Aste nach der Peripherie gerichtet waren1). Gedachte
    Fasern waren also ausser Zusammenhang mit den Central-
    organen und müssten nach Volkmann’s Meinung vom Sym-
    pathicus abgeleitet werden. Nach Arnold (Lehrbuch der Physio-
    logie. 1851. S. 903) kommen auch beim Menschen zwischen den
    hinteren und vorderen Ästen der Spinalnerven, wo sich der
    gemeinschaftliche Stamm derselben gabelförmig spaltet, nach
    aussen offene Bogenfasern vor. Remak (Müll. Arch. 1841.
    S. 520) bemerkte an den hinteren Wurzeln der unteren Cervical-
    und verschiedener Dorsalnerven des Ochsen feine Verbindungs-
    fäden, deren Primitivfasern in den äussersten Wurzelsträngchen
    sowohl des oberen als des unteren Nerven in peripherischer Rich-
    tung verliefen, so dass der Verbindungsfaden eine bogenförmige
    Schlinge darstellte, deren Schenkel in den Nervenstämmen lagen.
    Endlich habe ich eine Angabe Luschka’s (der N. phrenicus des
    Menschen. 1853. S. 15) zu erwähnen, eine centralwärts convexe
    Schlinge eines Bündels betreffend, welches aus dem Stamme des
    N. phrenicus in einen Schulterhautzweig des vierten Cervical-
    nerven umbog.“

    Die angelehnten Fasern sind vorwiegend feine, doch finden sich
    unter ihnen auch mittelstarke und selbst breite bandförmige. Kleine
    bipolare Zellen sind oft in den Verlauf feiner angelehnter Fasern
    eingeschaltet. Über Ursprung und Verbreitung dieser Fasern
    habe ich nichts beobachtet. Aus ihrer Lage folgt durchaus nicht,
    dass sie ganz ausser Zusammenhang mit den Centralorganen
    sind. Es mögen sehr verschiedene Faserngattungen sein, welche
    die Bahn des hinteren Spinalnerven als Strasse benützend, sich
    an verschiedenen Stellen wieder von ihm abzweigen.

    Es ist nicht möglich, die Faseranzahl in der Wurzel und
    ihren Ästen genau zu bestimmen. In der Wurzel ist es haupt-
    sächlich die Anordnung, in den Ästen die Beschaffenheit der
    Fasern, welche dies verhindern.

  • S.

    39

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Bloss die breiten Fasern sind mit Sicherheit zu zählen, es
    sind ihrer wenige, höchstens 4 in der Wurzel und 1–2 unter
    den angelehnten. Die feinen Fasern sind nicht zu zählen, weil
    sie bald hier, bald dort auftauchen und sich zwischen den
    stärkeren verbergen. Auch die mittelstarken Fasern verlaufen
    selten so isolirt auf lange Strecken, um eine gute Zählung zu er-
    möglichen. Endlich machen die häufigen Faserheilungen in den
    Ästen den Werth jeder Faserzählung zweifelhaft.

    Man kann aber mit aller Sicherheit feststellen, dass die Zahl
    der durchziehenden Fasern die der Zellenfasern zum Mindesten
    erreicht, wahrscheinlich sie um ein Bedeutendes übertrifft. Ich
    habe oft Faserzählungen versucht und bin zu dem als untere
    Grenze für viele Ganglien annähernd richtigen Resultate ge-
    kommen, dass 30–45 Fasern aus den drei Ästen in die Wurzel
    gehen, dass ein Dritttheil davon auf die Zellfortsätze entfällt und
    zwei Dritttheile auf die durchziehenden Fasern; die angelehnten
    Fasern betragen 10–25 in einem Spinalganglion.

    Von dem dorsalen und ventralen Ast der Wurzel können sich
    an jeder Stelle ihres Verlaufes kleinere Nervenstämme abwei-
    gen. Die in diese Stämmchen eintretenden Fasern sind entweder
    Fortsetzungen von Fasern, die im Nerven verliefen oder Theilungs-
    äste solcher Fasern, deren anderer Ast im Nerven verbleibt, oder
    Fortsätze kleiner Nervenzellen, die in dieselben eingelagert sind.
    Nicht selten sind diese Zellen tripolar, zwei ihrer Fortsätze ver-
    laufen central und peripher im Nerven, der dritte geht in das
    sich abzweigende Stämmchen ein.

    Jede hintere Wurzel wird von einem Gefäss begleitet, der
    Arteria spinalis und intercostalis dieses Segmentes.1 Dieses
    Gefäss hat fast immer seine begleitenden Nerven. Zwei feinere
    Fasern nehmen das Gefäss zwischen sich und folgen seinen Ver-
    zweigungen, indem sie begleitende Fasern für jeden kleinen ab-
    gehenden Gefässast bilden. Diese Nervenfasern sind oft von
    kleinen, bi- oder tripolaren Nervenzellen unterbrochen. Mitunter
    sind zwei Zellen in den Verlauf einer Nervenfaser eingeschaltet,
    so dass man Grund hat, von einer Nervenzellenanastomose zu


    1 Joh. Müller, Vergl. Anatomie der Myxinoiden. Dritte Fortsetzung,
    über das Gefässsystem. Abhandlungen d. Berliner Akademie 1839, p. 184.

  • S.

    40

    reden. In der Nähe des Spinalganglions sind solche kleine multi-
    polare Nervenzellen in grösserer Anzahl vorhanden. Einigemale
    sah ich Fasern des sympathischen Astes der Wurzel in ihnen
    enden. Einigemale habe ich eine der gefässbegleitenden Fasern
    in einen der Äste der hinteren Wurzel verfolgt. Ob die gefäss-
    begleitenden Fasern die Muskelzellen des Gefässes innerviren,
    war nicht zu entscheiden, da der Bau der Gefässwand durch die
    Salzsäuremaceration undeutlich geworden war.

    Manche Präparate zeigen in der Nähe des Gefässes einen
    sehr grossen Reichthum an Nervenfasern, die dasselbe bald be-
    gleiten, bald es überkreuzen und sich in seiner Umgebung ver-
    ästeln, und an kleinen Nervenzellen mit langen Ausläufern.
    Ich bezeichne alle diese Elemente als sympathische, indem ich
    in ihrer topographischen und vielleicht functionellen Beziehung
    zu den Gefässen und in ihrer Sonderung von den spinalen Ner-
    ven analoge Verhältnisse zum Sympathicus der höheren Thiere
    sehe. Einen Grenzstrang habe ich so wenig wie andere Unter-
    sucher bei Petromyzon gefunden.

    IV. Details über den Bau der Spinalganglien des
    Petromyzon.

    Als Material für diese Untersuchungen standen mir Ammo-
    coetes von sehr verschiedener Grösse und einige Petromyzon zu
    Gebote. Ich weiss nicht, ob die Unterschiede zwischen Larve
    und Geschlechtsthier von Petromyzon sich überhaupt auf die
    Spinalganglien erstrecken. Bei meinen Untersuchungen, die sich
    auf das Wesentliche im Bau der Spinalganglien beziehen, bin ich
    ihnen nicht begegnet und habe daher die bei Ammocoetes und
    Petromyzon gewonnenen Resultate unter einen Titel gebracht.

    Die im vorigen Abschnitt dargelegten Resultate gelten für
    die Spinalganglien des Caudalmarkes, die ich allein einge-
    hend untersucht habe. Die Spinalganglien anderer Regionen habe ich
    der erwähnten ungünstigen Verhältnisse wegen vernachlässigt.
    Die Schwierigkeiten wären auch da nicht unüberwindlich
    gewesen, aber da ich mein Material frisch verarbeiten musste,
    war meine Zeit für die Untersuchung der Spinalganglien des
    Schwanzes hinreichend in Anspruch genommen.

  • S.

    42

    Man darf nicht erwarten, dass jedes einzelne Spinalganglion
    eine so vollständige und sichere Analyse gestatte, wie sie in
    meiner Beschreibung enthalten ist. Das eine wird die Verhält-
    nisse der Ganglienzellen, das andere die der durchziehenden
    Fasern mit besonderer Schönheit zeigen, und eine gute Menge
    wird überhaupt zu nichts als zur Zählung der Zellen zu ver-
    wenden sein. Aber bei Organen, welche so offenbar von der
    selben Art sind wie die Spinalganglien verschiedener Segmente
    desselben Thieres, ist es erlaubt, die aus den verständlichen
    Bildern gewonnene Kenntniss auf die dunkleren Bilder zu über-
    tragen und die Resultate als vermuthungsweise allgemein gil-
    tige hinzustellen. Endlich muss ich hervorheben, dass es dieser
    Erlaubniss für die Spinalganglien von Petromyzon nicht bedarf,
    indem man einzelne Spinalganglien antrifft, welche eine so voll-
    ständige Analyse zulassen, dass an ihnen überhaupt nichts mehr
    zu schematisiren bleibt.

    Einige der Umstände, welche das Aussehen der Spinal-
    ganglien beeinflussen, habe ich schon hervorgehoben; andere
    sollen nun erwähnt werden.

    Selten finden sich Spinalganglien mit doppelter Wurzel.
    Die beiden Wurzeln entspringen dann auch getrennt vom
    Rückenmark, wie später beschrieben werden soll, erweisen sich
    aber als die Theile einer einzigen Wurzel, weil sie zusammen-
    genommen erst die Faserstärke einer einzigen Wurzel haben, und
    weil sie einander viel näher sind als eine hintere Wurzel einer
    anderen hinteren oder vorderen. Aus den Fasern dieser beiden
    Wurzeln geht nur ein einziges Spinalganglion, ein dorsaler und
    ein ventraler Ast hervor.

    Die Erscheinung der Spinalganglien kann auch verändert
    werden durch die Bildung von mehr als 3 Ästen, die aus der
    einen Wurzel hervorgehen. Oft ist der sympathische Ast doppelt
    oder mehrfach vorhanden, manchmal der dorsale oder ventrale
    Ast von seinem Ursprung an in zwei Äste gespalten, die sich auf
    ihrem peripheren Verlauf noch vereinigen können. Es kommt
    auch vor, dass einer der beiden grossen Äste der Wurzel sich in
    seinem weiteren Verlaufe theilt; die beiden Äste aber sich später
    wieder vereinigen, so dass sie eine Insel bilden, in der z. B. das
    den Nerven begleitende Gefäss zu liegen kommt.

  • S.

    44

    Anzahl von Zellen enthält. Da meine beiden Merkmale zur
    Unterscheidung der Äste hier nicht coincidiren, sondern auf ver-
    schiedene Äste vertheilt sind, bin ich im Zweifel, ob ich über
    haupt eine allgemeine Unterscheidung beider Äste in Bezug auf
    Grösse und Zahl der Zellen annehmen soll.

    Die Zellen dritter Grössenordnung finden sich in beiden
    Ästen, im ventralen Ast unter den grössten Zellen sind sie am
    auffälligsten. Sie sind bipolar wie die grössten Zellen, ihre Fort-
    sätze sind feine Fasern und darum nicht weit zu verfolgen. Ich
    habe versucht zu entscheiden, ob diese kleinen Zellen den
    grösseren gleichzustellen oder als besondere Elemente anzusehen
    sind. Zu diesem Zwecke habe ich in Spinalganglien, die ich im
    Zusammenhang mit dem Rückenmark hinter einander liegend
    isoliren konnte, die Zellen gezählt und zu bestimmen gesucht, ob
    sich eine grössere Gleichmässigkeit der Zahlen ergäbe, wenn ich
    die kleinen Zellen als besondere oder als den anderen gleich-
    werthige Elemente in Rechnung brachte.

    Im Grosszellenstrang Kleinzellenstrang Summe
    (ventral) (dorsal)
    I. 5 + 5 = 10
    II. 6 + 7 + 1 kleine = 13 + 1 = 14
    III. 5 + 7 + 1 ” = 12 + 1 = 13
    IV. 6 + 2 kleine + 8 + 2 ” = 14 + 4 = 18
    V. 3 + 1 ” + 5 = 8 + 1 = 9
    VI. 5 + 1 ” + 6 + 1 kleine = 11 + 2 = 13
    VII. 6 + 5 + 1 ” = 11 + 1 = 12
    VIII. 4 + 1 kleine + 6 = 10 + 1 = 11
    IX. 6 + 5 + 1 kleine = 11 + 1 = 12

    Die vorstehende Reihe gibt indess keinen Aufschluss über
    das Verhältniss der kleineren Zellen zu den grösseren. Man be-
    merkt bloss, dass in dem reichsten Spinalganglion (IV.) auch die
    grösste Anzahl von kleinen Zellen vorkommt.

    Es ist interessant zu bemerken, dass die Anzahl der Zellen
    in den aufeinander folgenden Ganglien wenig wechselt: von
    10–14. Nur zwei Ganglien, IV. und V., machen eine Ausnahme.
    IV. überschreitet das mittlere Mass um so viel als V. dahinter
    zurückbleibt. Da die beiden Ganglien unmittelbar aufeinander

  • S.

    46

    Zellenzahl Vertheilung

    IV. 12, 5 + 1 kleine + 5 + 1 kleine

    12, 5 + 7

    14, 7 + 7

    12, 5 + 7

    13, 5 + 6 + 2 kleine.

    Einige Aufmerksamkeit muss ich den tripolaren und irre-
    gulären Zellen schenken, um zu prüfen, ob sie sich nicht an die
    bipolaren Zellen anreihen und als Modificationen derselben er-
    kennen lassen. Ich habe diese tripolaren Zellen nur sehr selten
    gesehen und bin daher nicht sicher, in ihrer Auffassung nicht
    Fehler begangen zu haben, die bei öfters wiederholter Unter-
    suchung vermieden worden wären.

    Ganz unzweifelhaft ist mir die Zellform Tafel I, Fig. 4B,
    die ich relativ am häufigsten gefunden habe. Diese Figur stellt
    eine bipolare Zelle dar, deren peripherer Fortsatz nach kurzem
    Verlauf sich theilt. Beide Theilungsäste verlaufen parallel mit
    einander zur Peripherie. Man kann sich denken, dass ein ander
    Mal die Theilungsstelle des Fortsatzes noch näher an die Zelle,
    endlich in die Zelle selbst gerückt ist. Man erhält dann eine
    Zelle, welche am peripheren Ende zwei, am centralen dagegen
    nur einen Fortsatz entsendet. Eine solche Zelle ist eine tripolare
    zu nennen; von ihr zur bipolaren gibt es aber eben so stetige
    Übergänge wie von der bipolaren zur Ranvier’schen. Eine
    solche Zelle ist die in derselben Figur mit C bezeichnete, aber
    mit dem Unterschiede, dass in C die beiden, nach unserer Vor-
    stellung einem getheilten Fortsatze gleichartigen Fasern am
    centralen Ende der Zelle entspringen, während der periphere
    Fortsatz einfach ist.

    Die Zellformen D und F derselben Figur sind als Ran-
    vier’sche Zellen aufzufassen, deren einer Fortsatz eine zweite
    Theilung eingeht, und dieselben sind den echten tripolaren
    Zellen wie C gleichzustellen. Die Unterschiede im Aussehen der
    beiden Zellen kommen daher, dass die zweite Theilung in dem
    einen Falle eine gabelige, im anderen eine T-förmige ist,
    und dass ihre Stelle der ersten Theilung mehr oder weniger genä-
    hert ist.

  • S.

    47

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Einen weiteren Beitrag zum Verständniss der tripolaren
    Zellen mit zwei centralen Fortsätzen wird die Beschreibung der
    Hinterzellen des Rückenmarks bringen.

    Theilungen finden sich nicht nur an Zellfortsätzen, sondern
    wie erwähnt, auch an durchziehenden und angelehnten Fasern.
    Es erübrigt hinzuzufügen, dass solche Theilungen auch im
    Rückenmarke noch zu beschreiben sind. Alle diese Theilungen
    sind meist gabelig, selten theilt sich eine Faser mehrmals hinter
    einander. An einer angelehnten Nervenfaser habe ich einmal eine
    T-förmige Theilung beobachtet. Die Faser zog vom dorsalen in den
    ventralen Ast hinüber und gab ungefähr in der Mitte des Spinal-
    ganglions einen Ast senkrecht auf ihre eigene Richtung ab.

    Die häufigen Theilungen in den Nerven von Petromyzon
    wurden von Stannius1) aufgefunden.

    „Ferner findet man ausserhalb der Centralorgane in den
    Wurzeln und in deren Nähe bisweilen, obschon selten, freie
    hüllenlose Axencylinder, welche sich theilen.“

    Nach Stannius2) sind Faserteilungen in den dorsalen
    und ventralen Ästen der Spinalnerven bei Fischen überhaupt
    sehr häufig.

    Im Sympathicus sind von mehreren Autoren sogenannte
    „zusammengesetzte“ Zellen beschrieben worden. Sigm. Mayer3)
    hat sie auch in den Spinalganglien gefunden. Man hat diesen
    Namen Zellen gegeben, welche die mehrfache Grösse anderer
    Zellen, eine grössere Anzahl von Fortsätzen und mehr als einen
    Kern besitzen und durch feine Linien in mehrere Stücke getheilt
    erscheinen, von denen jedes einen Kern einschliesst. Die Auffas-
    sung dieser Elemente hängt hauptsächlich davon ab, wie sich die
    Fortsätze zu den Abschnitten der „zusammengesetzten“ Zelle
    verhalten. Ich habe einige dieser Zellen einer genauen Unter-
    suchung unterworfen.


    1) Stannius in Rud. Wagner’s Neurologischen Untersuchungen,
    1854, p. 88.

    2) Stannius, Das periphere Nervensystem der Fische. 1849.

    3) Sigm. Mayer, Zur Lehre von der Structur der Spinalganglien und
    der peripheren Nerven. Vorläufige Mittheilung. Wiener akad. Anzeiger,
    1873, p. 54.

  • S.

    48

    In einem Fall, wo ich eine langgestreckte Zelle mit zwei
    weit von einander entfernten Kernen und zwei starken Fort-
    sätzen vor mir zu haben glaubte, wies die Untersuchung mit
    Hartnack X nach, dass es sich um eine enge Aneinanderlegung
    zweier ganz getrennter bipolarer Zellen handle. Jede Zelle hatte
    ein breites Ende, dass den Kern enthielt und einen starken Fort-
    satz entsandte, und ein verschmälertes. Ende, das sich in einen
    feinen Fortsatz auszog. Die Zellen lagen so neben einander, dass
    das schmale Ende der einen sich an das breite Ende der an-
    deren schmiegte, während die feinen Fortsätze kurz abgebrochen
    waren. Die Anlagerung war eine so enge, dass sie nicht zu
    erkennen war, bevor man nicht durch Druck auf’s Deckglas die
    Zellen von einander getrennt hatte. Dann waren bei starker
    Vergrösserung aber auch die feinen Fortsätze sichtbar.

    Ein Fall einer Doppelzelle ist in Tafel I, Fig. 2 dpz abgebildet.
    Die beiden Segmente der Zelle sind durch eine deutliche, homogene
    und schwach gefärbte Zwischenschichte getrennt. Vom vorderen
    Segmente entspringt ein centraler, vom hinteren zwei periphere
    Fortsätze. Nachdem die Zelle aus dem Spinalganglion isolirt und
    mit stärkeren Vergrösserungen betrachtet worden, zeigte sich
    noch ein vierter, centraler Fortsatz in der mit x bezeichneten
    Ecke des hinteren Segmentes. Diese Zelle entsprach also nach
    Grösse, Anzahl und Art ihrer Fortsätze zwei bipolaren; man
    konnte aber doch nicht behaupten, dass sie eine Zusammen-
    lagerung zweier gesonderter Zellen sei, weil man die beiden
    peripheren Fortsätze nur bis zum hinteren Segment verfolgen
    konnte, nicht aber den einen davon bis zum vorderen.

    Eine andere Zelle aus einem Spinalganglion war dreimal so
    gross als die umgebenden und zeigte in situ zwei centrale und
    drei periphere Fortsätze. Der mittelste periphere Fortsatz theilte
    sich nach kurzem Verlauf. Als die Zelle isolirt und etwas gedrückt
    war, zeigten sich an ihr Spalten als Andeutung einer Zusammen-
    setzung aus drei Theilstücken, von denen das mittlere das grösste
    war, und ein dritter centraler Fortsatz. Es war also wiederum eine
    Zelle mit ebensoviel peripheren als centralen Fortsätzen. Es lassen
    sich niemals durch Druck die einzelnen Segmente mit den ihnen
    zugehörigen Fortsätzen von einander trennen, daher es zweifel-
    haft bleibt, welcher Art die Verbindung der Zellabschnitte ist.

  • S.

    49

    Zusammengesetzte Zellen finden sich auch ausserhalb des
    Spinalganglions in der Nähe der Spinalarterie und im Zusammen-
    hang mit gefässbegleitenden Fasern. An einer solchen dreifachen
    Zelle sah ich einmal ganz deutlich, dass von jedem Segment
    zwei Fortsätze ausgingen, die mit den anderen Segmenten in
    keiner Verbindung standen.

    Die in den peripheren Verlauf des dorsalen oder ventralen
    Astes eingelagerten Zellen sind entweder so gross wie die Spinal-
    ganglienzellen und ihnen in jeder Beziehung ähnlich, oder sie sind
    kleiner und zeigen dann mancherlei Eigenthümlichkeiten. Manch-
    mal haben sie anstatt des Kernes 3–5 helle Flecke, die wohl
    Kerne sein könnten, da sich der Kern an vergoldeten Präpa-
    raten nur als heller Fleck markirt. Sie sind entweder bi- oder
    tripolar, das letztere gewöhnlich dort, wo der Nerv einen Ast
    abgibt.

    In feineren Nervenstämmen, besonders in den Flossennerven,
    finden sich zusammengesetzte Zellen, die, wie mir scheint, nicht
    durch Aneinanderlagerung von bipolaren entstanden sein können.
    Sie sehen so aus, als ob eine bipolare Zelle in der Mitte zer-
    schnitten und die Theilstücke wieder zusammengelegt wären.
    Jeder der Abschnitte hat seinen Kern und übergeht in einen
    Fortsatz, die Abschnitte berühren sich mit ebenen Flächen und
    sind durch eine schmale, homogene Zwischenschichte von ein-
    ander getrennt. An den Rändern stehen die beiden Abschnitte
    oft etwas von einander ab. Man begegnet daneben Zellen, die
    zwei Kerne und die Gestalt der zusammengesetzten haben,
    denen aber eine Trennungslinie fehlt; bei anderen ist sie eben
    angedeutet.

    Es ist Stannius1) aufgefallen, dass die Nervenwurzeln bei
    Petromyzon im Vergleich mit den Ästen dünn zu nennen sind.
    „Die Wurzeln der Nerven sind unverhältnissmässig fein und dünn
    im Vergleich zu den Nerven. Die Ursache dieses Missverhält-
    nisses habe ich soeben berührt.“ (Stannius gibt an, dass die
    Nervenwurzeln erst nach ihrem Austritt aus den Centralorganen
    eine Hülle empfangen.) „Eine zweite liegt darin, dass die in
    einen bipolaren Ganglienkörper eintretende Nervenfaser oft


    1)Neurologische Untersuchungen, I. c. p. 88.
    (Freud.)

  • S.

    50

    Freud.

    ausserordentlich fein ist, während die austretende Faser sehr
    viel breiter zu sein pflegt. Die austretende Faser ist bisweilen
    6–7mal breiter als die eintretende. Es findet eine Verbreiterung
    der Markmasse und Erweiterung der Hülle statt, ferner findet
    man ausserhalb der Centralorgane in den Wurzeln und in deren
    Nähe bisweilen, obschon selten freie, hüllenlose Axencylinder,
    welche sich theilen. Dass hiemit die Ursachen des Missverhält-
    nisses zwischen der Stärke der Wurzeln und der Nerven er-
    schöpft sind, glaube ich nicht.“

    Die hauptsächlichste Ursache dieses Missverhältnisses ist
    das Vorhandensein der angelehnten Fasern, welche die Äste der
    Spinalnerven verbinden, ohne in ihre Wurzel zu treten. Auf den
    anderen, von Stannius geltend gemachten Grund, dass die
    centralen Fortsätze schmäler seien als die peripheren, kann ich
    nicht so viel Gewicht legen, obwohl dieses Verhältniss von
    sämmtlichen Autoren über die Spinalganglien von Petromyzon
    behauptet wird. Ich vermuthe, dass es für die Hirnnerven-
    ganglien, besonders für das Ganglion Gasseri, auf das sich die
    Autoren oft beziehen, eher Regel ist. In den Spinalganglien des
    Schwanzes fand ich oft genug beide Fortsätze gleich stark, wie
    es auch meine Abbildungen zeigen.

    Man überzeugt sich leicht, dass der Durchmesser derselben
    Nervenfasern an verschiedenen Stellen ihres Verlaufes bei Petro-
    myzon ein sehr verschiedener sein kann. So sind die breiten,
    durchziehenden Nervenfasern in dem Spinalganglion bandförmig,
    auf der Pia mater aber drehrund und in Folge dessen viel
    schmäler. Oft erkennt man in einem Ast der Wurzel eine breite
    Faser, die in der dazu gehörigen Wurzel nicht aufzufinden ist.

    Eine sehr auffällige Veränderung in der Faserstärke fand
    ich nach Chromsäurehärtung an den vorderen Wurzelfasern von
    sehr kleinen Ammocoetes. Zieht man das vordere Blatt der Pia
    mater vom Rückenmark ab, so werden die vorderen Wurzeln aus
    dem Rückenmark herausgerissen und bleiben an der Pia mater
    haften. Die vorderen Wurzelfasern sind sehr stark, so lange sie
    auf der Pia bleiben, verschmälern sich aber plötzlich, wo sie aus
    dem Rückenmark herausgerissen sind. Das Verhältniss ist das
    des Stiels einer Peitsche zur Geissel. Wie viel von dieser Erschei-
    nung der Härtung zuzuschreiben ist, ist schwer zu sagen. Man

  • S.

    51

    muss daran denken, dass die Nervenfasern in der Pia mater in
    eigenen Scheiden, im Rückenmark frei durch die Stützsubstanz
    verlaufen.
    Eine andere auffällige Änderung im Durchmesser von Nerven-
    fasern findet sich im Endstück des Nervus lateralis. Dieser Nerv,
    der als Ast des vagus und facialis aus einem besonderen Ganglion
    entspringt,1) ist von Langerhans weit nach hinten verfolgt
    worden, während J. Müller nur sein vorderes Stück kannte.
    Wo dieser Nerv endet, ist nicht bekannt, er reicht aber nicht so
    weit als das Rückenmark. Ich habe mehrmals gefunden, dass in
    sein Endstück ein aus bipolaren und tripolaren Zellen beste-
    hendes Ganglion eingeschaltet ist. Kurz vor diesem Ganglion
    verbreitern sich einige Fasern plötzlich zu knotigen oder spindel-
    förmigen Anschwellungen, die sich stärker färben, die man für
    Nervenzellen erklären würde, wenn sie nicht kernlos wären.
    Bisher ist man nie in die Nothwendigkeit versetzt gewesen, eine
    kernlose Zelle für eine Nervenzelle zu erklären.

    Bildungen, die viel Ähnlichkeit mit den eben beschriebenen
    haben, finde ich bei Beale2 dargestellt. Es heisst darüber im Text:
    „A good example of the varying diameter of darkbordered
    fibres within a short distance is represented in fig. 39a und in
    der Figurenerklärung wird bemerkt: „Part of trunk of pneumo-
    gastric, where it passes through an opening in the base of the
    skull.“ Einige der Anschwellungen haben einen Kern, andere nicht
    Eine feine Faser nimmt kurz hinter einander zwei Anschwel-
    lungen auf.

    Eine andere Quelle der Variabilität im Faserdurchmesser
    wird aber durch die gebrauchten Methoden eingeführt. Ich gebe
    mich nicht der Täuschung hin, dass die Behandlung des frischen
    Präparates mit ½% Goldchloridlösung und die nachfolgende Ma-
    ceration in Salzsäure die Dimensionen der Fasern unverändert
    lassen. Die Veränderungen mögen selbst nicht immer dieselben
    sein. In einigen Spinalganglienzellen scheinen die Fortsätze der
    Ganglienzellen zu den feinen, in anderen zu den mittelstarken
    zu gehören. —


    1 Langerhans, l. c. p. 5.

    2 Beale, l. c. p. 560 und Plate XXXIX, Fig. 39.

  • S.

    52

    Dass die Spinal- oder Intercostalarterie nur von zwei Fa-
    sern begleitet wird, ist das einfachste Verhältniss. Manche Prä-
    parate zeigen einen viel grösseren Reichthum an Nervenfasern
    um die Gefässe, welche dieselben eine Strecke weit begleiten
    und dann andere Richtungen einschlagen. Die feinsten Ausläufer
    dieser Fasern sind varikös, liegen auf den Gefässen oder be-
    schreiben Spiraltouren um dieselben.

    Die meisten der kleinen Nervenzellen in der Nähe der Ge-
    fässe lassen keinen Zusammenhang mit der hinteren Wurzel
    erkennen; es folgt daraus nicht, dass sie ausser Zusammenhang
    mit dem Centralorgan sind. Kennen wir es doch als eine Eigen-
    thümlichkeit der sympathischen Fasern, dass sie, aus einem Ramus
    communicans kommend, an vielen anderen vorbeiziehen, bevor
    sie ihrer peripheren Endigung entgegengchen.

    Was den Zusammenhang der die Gefässe umlagernden und
    begleitenden nervösen Elemente mit den Wurzeln betrifft, so
    habe ich einige Beobachtungen mitzutheilen, die zu unvollständig
    sind, die Frage zu entscheiden. Ich werde aber vielleicht Gele-
    genheit haben, auf die Gefässnerven von Petromyzon zurück-
    zukommen.

    Einige Fasern des dritten, sogenannten sympathischen, Astes
    sah ich in Zellen enden, welche dem Spinalgefässe anlagen. Eine
    der gefässbegleitenden Fasern sah ich mitunter aus einem Ast
    der hinteren Wurzel kommen. In Tafel IV, Fig. 1, ist es der ven-
    trale Ast. In vielen Fällen kann man sich aber überzeugen, dass
    die gefässbegleitenden Fasern nicht aus der Wurzel desselben
    Segmentes stammen.

    Das Spinalgefäss begleitet immer die hintere Wurzel, wäh-
    rend die ein halbes Wurzelgebiet davon entfernte vordere Wurzel
    kein begleitendes Gefäss hat. Es mag das wohl davon kommen,
    dass die Zellen des Spinalganglions die unmittelbare Nähe des
    Gefässes benöthigen. Immer knüpft sich im Nervensystem bes-
    sere Vascularisirung eher an Anhäufung von Nervenzellen als
    von Nervenfasern.

    Dass die gefässbegleitenden Fasern, die zum Theil aus der
    hinteren Wurzel stammen, die Innervation der Gefässe besorgen,
    lässt sich nicht beweisen, weil die Muskelelemente des Gefässes
    durch die Maceration zu sehr leiden.

  • S.

    53

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Es gibt angelehnte Fasern, welche nicht vom dorsalen in
    den ventralen oder sympathischen Ast ziehen, sondern, nach-
    dem sie einem Ast einer Wurzel eine Strecke weit gefolgt sind, den-
    selben verlassen, ein Stück weit der Wurzel parallel laufen und
    dann irgend welche Wege einschlagen. Fig. 2, Tafel IV, zeigt
    solche Fasern, von denen sich eine als ein Theilungsast einer
    stärkeren, der Wurzel parallel laufenden Faser erweist. An
    einem Präparat, welches zwei aufeinander folgende Spinal-
    ganglien mit ihrer Wurzel und ihren Ästen enthielt, sah ich,
    dass eine Faser, die aus der oberen Wurzel kam und zwi-
    schen deren beiden Ästen als durchziehende Faser verlief, in
    den dorsalen Ast der unteren Wurzel als angelehnte Faser
    eintrat.

    V. Über die Beziehungen der Spinalganglien zum
    Rückenmark.

    Ich muss mich an dieser Stelle anklagen, dass ich mich mit
    Unrecht für den ersten gehalten habe, der den Ursprung hinterer
    Wurzelfasern aus Zellen bei Petromyzon nach directen und
    unzweifelhaften Beobachtungen beschrieben hat. Kurz nach
    Veröffentlichung meiner citirten Abhandlung fand ich in den Re-
    feraten aus der russischen Literatur von Stieda1 einen Auszug
    einer Abhandlung von Kutschin, welche wichtige Mittheilungen
    über den Ursprung der hinteren Wurzelfasern machte. Durch die
    Güte des Herrn Prof. Stieda in Dorpat, der mir auf Ansuchen
    die in russischer Sprache geschriebene Abhandlung einsandte,
    konnte ich die Abbildungen Kutschin’s prüfen und überzeugte
    mich, dass Kutschin den Ursprung hinterer Wurzelfasern aus
    Hinterzellen schon 1863 an beweisenden Präparaten gesehen
    hatte. Ich kann zu meiner Entschuldigung nur anführen, dass
    Kutschin’s Angaben – vielleicht weil seine Abbildungen den
    deutschen Histologen nicht zugänglich waren – allgemein ver-
    nachlässigt wurden.

    Kutschin hat seine Untersuchungen an Petromyzon fluvi-
    atilis gemacht. Er behauptet, dass obere (hintere) Wurzeln ent-
    springen aus den Hinterzellen, die er Zellen der Centralgruppe


    1Max Schultze’s Archiv, II. B. 1866.

  • S.

    54

    nennt, derselben und der gekreuzten Seite und aus den kleinen
    Zellen, die zwischen den grossen Vorderzellen und den Hinter-
    zellen liegen.1) Die letzteren Angaben will ich nicht in Zweifel
    ziehen, aber ich kann sie nicht bestätigen.

    „Kutschin verfolgte einen Fortsatz“ (einer kleinen
    Zelle) in die obere Commissur, einen andern zu der obern
    Wurzel.2) „Einmal konnte der Fortsatz einer kleinen Ner-
    venzelle in die obere Commissur hinein und durch dieselbe
    hindurch bis zum Abgang der obern Wurzel der andern Seite
    verfolgt werden.“

    „Die obere Wurzel bildet ein feines Bündel; die Fasern
    derselben laufen eine ansehnliche Strecke an der Oberfläche des
    Markes und treten näher zur Mittellinie in dasselbe ein, als die
    untere Wurzel. Gleich nach dem Eintritt ziehen die Fasern nach
    hinten und vorn, Bogen bildend, auseinander. Die Fasern kom-
    men zum Theil von den kleinen Nervenzellen der entsprechenden
    Hälfte, zum Theil von den kleinen Zellen der entgegengesetzten
    Hälfte (die Fasern der oberen Commissur) und zum Theil von
    den Zellen der Centralgruppe.2)“

    Einmal sah Kutschin von einer Hinterzelle zwei Fortsätze
    zur hinteren Wurzel gehen.

    (Ein anderer Auszug der Abhandlung von Kutschin
    findet sich in den „Mélanges biologiques tirés du Bulletin de
    l’Académie Impériale de St. Pétersbourg“, Tome IV.)3)

    Es ist Kutschin auch aufgefallen, dass die Zellen der
    Spinalganglien denen der Centralgruppe ähnlich sind. Diese
    Ähnlichkeit bezieht sich in der That sowohl auf ihre Form als
    auf ihre Beziehungen zur hinteren Wurzel.

    Die Hinterzellen sind meist bipolar, mit zwei an entgegen-
    gesetzten Polen entspringenden, nach oben und unten verlau-
    fenden Fortsätzen, von denen einer der Wurzelfortsatz ist. Diese


    1)Kutschin, Über den Bau des Rückenmarkes des Neunauges, p. 529.

    2)Vergl. auch Reissner, Beiträge zur Kenntniss vom Bau des
    Rückenmarkes von Petromyzon fluviatilis. Müller’s Archiv 1860, p. 560.

    3)Über die Inauguraldissertation des Herrn Dr. Kutschin das
    Rückenmark der Neunaugen betreffend, nebst einigen eigenen Beobach-
    tungen über das Rückenmark der Knochenfische und anderer Thiere“ von
    Ph. Ofsianikof.

  • S.

    55

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Form entspricht der gewöhnlichen Form der bipolaren Zelle im
    Spinalganglion.

    Es können aber auch genau wie im Spinalganglion die Fort-
    sätze der Hinterzellen an den verschiedensten Punkten der Zelle
    und einander sehr genähert entspringen. Ranvier’sche Zellen
    habe ich unter den Hinterzellen nicht gefunden, doch muss man
    bedenken, dass es viel schwerer ist die Hinterzellen als die
    Spinalganglienzellen isolirt zu beobachten.

    In meiner ersten Abhandlung1) habe ich von schiefen Fort-
    sätzen der Hinterzellen gesprochen und angegeben, dass ich
    nichts über deren Verlauf beobachtet habe. Ich habe seitdem
    Längsschnitte und ganze Längsansichten des Rückenmarks unter
    sucht und mich überzeugt, dass die schiefen Fortsätze zu Wurzel-
    fasern werden. Die schiefen Fortsätze sind keine von den Längs-
    fortsätzen verschiedene Art, so wenig wie die queren Fortsätze,
    die ich in Fig. 1 und 2 meiner ersten Abhandlung dargestellt
    habe, sondern es sind immer dieselben Wurzelfortsätze, welche
    einen verticalen oder queren oder jeden zwischen den beiden
    gelegenen Verlauf nehmen können, bevor sie in die Wurzel ein-
    treten. Quer sind diese Fortsätze dann, wenn die Hinterzelle im
    Niveau des Wurzeleintritts liegt; dieser Ursprung der hinteren
    Wurzelfasern ist dann auch auf dem Querschnitt des Rücken-
    marks zu sehen. Liegt die Zelle aber höher als die Wurzel, zu
    der sie eine Faser schickt, so steigt die letztere entweder im
    Bogen zur Wurzel herab, oder sie verläuft zuerst senkrecht
    nach abwärts und knickt dann rechtwinklig um, wenn sie das
    Niveau des Wurzeleintritts erreicht hat. Ähnlich, wenn die Zelle
    tiefer liegt als die Wurzel, der sie angehört. Es ist daher irr-
    thümlich, wenn die Autoren, Reissner und Kutschin, den
    Wurzelfortsatz als einen dritten von den beiden, leicht zu sehen-
    den Längsfortsätzen scheiden.

    Wie unter den Spinalganglienzellen, gibt es auch unter den
    Hinterzellen tripolare.

    Nach Stilling2) sind „auch die sogenannten bipolaren
    grossen Nervenzellen im Rückenmark von Petromyzon nur unge-


    1) l. c. p. 6.

    2) Stilling, Neue Untersuchungen über den Bau des Rückenmarks.
    1859, p. 993.

  • S.

    56

    nügend erkannte multipolare Zellen. Ich habe mit aller Evidenz
    von manchen dieser Zellen 3–4 Fortsätze nach verschiedenen
    Richtungen abgehen sehen. Die Längsschnitte zeigen freilich in
    den meisten Fällen nur zwei Pole, von welchen in entgegenge-
    setzter Richtung entspringende Fortsätze abgehen“.

    In dieser Allgemeinheit kann ich die Behauptung Stilling’s
    nicht als richtig anerkennen. Ich habe aus dem Rückenmark von
    P. marinus nach Goldbehandluug Hinterzellen isolirt, die bloss
    bipolar waren, von deren Fortsätzen einer nach längerem Verlauf
    rechtwinklig geknickt war zum Übergang in die Wurzel.
    Auch an den gleich zu erwähnenden oberflächlichen Hinter-
    zellen kann man sich von der überwiegenden Häufigkeit rein
    bipolarer Elemente überzeugen. In den Fällen, wo ich tripolare
    Zellen unter den Hinterzellen erkannte, waren die Fortsätze
    nur auf so kurze Strecken zu verfolgen, dass ich über ihren Ver-
    lauf nichts aussagen kann. Ob der über den Centralcanal gehende
    Fortsatz zum Wurzelfortsatz wird, wie Kutschin will, weiss
    ich nicht.

    Wie erwähnt, sah Kutschin einmal eine Hinterzelle mit
    zwei peripheren Fortsätzen. Diese kann nicht ohne centrale Ver-
    bindung gewesen sein. Im einfachsten Fall hatte sie noch einen
    centralen Fortsatz und ist dann den tripolaren Formen, die ich
    aus dem Spinalganglion beschrieben habe, an die Seite zu stellen.

    Die Grössenunterschiede der Spinalganglienzellen finden
    sich auch unter den Hinterzellen und zwar überwiegen hier die
    grösseren Elemente, wie im Spinalganglion die kleineren.

    Interessant ist, dass auch räumliche Übergänge zwischen
    den Spinalganglienzellen und den Hinterzellen bestehen. Es ist
    hier nöthig, den Verlauf einer hinteren Wurzel zu recapituliren.

    Der dorsale und ventrale Ast derselben verlaufen in einer
    sagittalen Ebene (wenn man sich das Thier aufgerichtet und
    nach dem Menschen orientirt denkt); wo sie zur Bildung der
    Wurzel zusammentreffen, nehmen sie Spinalganglienzellen in
    sich auf; die Wurzel verläuft dann in querer Richtung gegen die
    Medianebene, durchsetzt das die Chorda umgebende Gewebe,
    die Dura mater, den Arachnoidealraum, tritt dann in die Pia
    mater ein und behält noch in dieser den queren Verlauf bei.
    Nahe der Medianebene des Rückenmarks verlässt die Wurzel den

  • S.

    57

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    quere-
    ren Verlauf und geht in den senkrechten über, ein Theil der
    Fasern biegt nach oben und unten um und bleibt oberflächlich
    auf dem Rückenmark liegen, ein anderer senkt sich sofort ins
    Rückenmark ein. Sowohl von den oberflächlich verbleibenden,
    als von den in’s Rückenmark eindringenden Fasern, begibt sich
    ein Theil zu Hinterzellen, die in der Tiefe des Rückenmarkes
    liegen.

    Es finden sich aber vereinzelte, den Hinterzellen ganz ähnliche
    Elemente auch in der queren und in der verticalen Verlaufsstrecke
    der hinteren Wurzel. Die in den queren Verlauf eingelagerten
    Zellen sind seltener, man sieht sie mitunter auf Flächenschnitten
    der Pia und der umgebenden Gewebe (Fig. 1 und 2 qhz, Ta-
    fel III); sie sind bipolar und liegen mitunter in Kapseln wie die
    Spinalganglienzellen (Fig. 1, Tafel III, qhz). Viel häufiger findet
    man die in den verticalen Verlauf der Wurzelfasern eingestreuten
    oberflächlichen Hinterzellen auf.

    Ich fand diese Zellen sehr nahe dem Eintritt der Wurzel
    oder weiter nach oben und unten von ihr entfernt, stets aber in
    dem Gebiet derjenigen Wurzel, zu der sie ihre Faser schicken.
    In ihnen endet eine der oberflächlichen Fasern, sei es eine auf
    oder absteigende.

    Wenn man die Pia mater an Präparaten, die in Chromsäure
    oder in Pikrinsäure gehärtet worden, vom Rückenmark abzieht,
    bleiben diese Zellen mit den oberflächlichen Fasern an der Pia
    mater haften und geben das denkbar günstigste Object für die
    Demonstration der Einschaltung von Zellen in Fasern der hin-
    teren Wurzel. Auf diese Weise ist das Präparat Tafel II, Fig. 3,
    erhalten worden.

    Die Fig. 1 in Tafel III stellt einen Flächenschnitt oder trans-
    versalen Längsschnitt durch die Pia dar, welcher die oberfläch-
    lichen Fasern und Hinterzellen, die hier in reichlicher Anzahl
    vorhanden sind, vom Rückenmark getrennt hat.

    Die oberflächlichen Hinterzellen können die regelmässigsten
    schmalen oder breiten Spindeln darstellen und so den typischen
    Spinalganglien und Hinterzellen vollkommen gleichen. Gewöhn-
    lich sind sie jedoch länger, ihr peripheres Ende ist sehr lang
    ausgezogen, übergeht in den Wurzelfortsatz sehr allmählig, ihr
    centrales Ende ist keulenförmig angeschwollen und der feine

  • S.

    59

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    von Hensen1) und von Schenk2) entstehen die Spinalganglien
    als Verdickungen der Rückenmarksanlage und entfernen sich
    später von derselben, indem sich ihr Stiel, die hintere Wurzel,
    bildet und verlängert.

    Hensen3) „Von den hinteren Theilen des Markes treten
    Zellen in den Raum zwischen Mark und Urwirbel, um dort all-
    mälig eine compacte, zunächst dem Marke dicht anliegende und
    an den Seiten desselben sich bis etwa zur Mitte herabschiebende
    Zellenmasse zu bilden. Die Zellen trennen sich dabei nicht von
    den Zellen des Markes, sondern bleiben durch Fäden, die Nerven
    der hinteren Wurzel, mit ihnen verknüpft. Von den auf diese
    Weise ausgestülpten Zellen gehen auch periphere Fäden ab; es
    ist mir jedoch nicht geglückt, dieselben erheblich weit zu ver-
    folgen. Später entfernt sich das Ganglion unter dem Einfluss der
    fortschreitenden Bindegewebswucherung mehr vom Mark und es
    beginnt in der bereits bekannten Weise weiter bauchwärts zu
    rück-
    rücken.“

    Hensen fügt hinzu: „Eine besonders beachtenswerthe Be-
    stätigung meiner Angaben finde ich in Balfour’s4) Beschreibung
    der Ganglienentwicklung bei Haien, die, soweit man erkennen
    kann, ganz mit derjenigen von Säugethieren übereinstimmt“.

    Diese Thatsache der Entwicklungsgeschichte gibt eine gute
    Erklärung für das Vorkommen der oberflächlichen Zellen auf
    halbem Weg zwischen Spinalganglion und Hinterhorn. Wenn die
    Anlage des Spinalganglions dieselbe ist wie die des Hinterhorns,
    und die Spinalganglien sich durch Verlängerung ihres Stiels vom
    Rückenmark entfernt haben, darf es nicht Wunder nehmen, wenn
    bei einem Thier, das in vieler Hinsicht einen permanen-
    ten Embryo darstellt, sich zurückgebliebene Zellen vorfinden, die den Weg
    bezeichnen, den die Spinalganglienzellen einst gewandert sind.—


    1)Hensen, Beobachtungen über die Befruchtung und Entwicklung
    des Kaninchens und Meerschweinchens. Zeitschrift für Anatomie und Ent-
    wicklungsgeschichte. Bd. I. 1876.

    2)Schenk, Die Entwicklungsgeschichte der Ganglien und des Lobus
    electricus. Diese Berichte, LXXIV. Bd., 1876, p. 15.

    3)l. c. p. 377.

    4)Balfour, On the Development of the Spinal Nerves in Elasmo-
    branch Fishes. Phil. Trans. vol. 166.

  • S.

    60

    Sowie es im Spinalganglion Fasern gibt, welche mit Bezug
    auf die Nervenzellen daselbst als durchziehende zu bezeichnen
    sind, so gibt es in der hinteren Wurzel auch Fasern, welche sich
    nicht mit Hinterzellen verbinden. Ich habe dies schon in meiner
    ersten Abhandlung ausgesprochen, gestützt auf Zählungen, welche
    ergaben, dass die Zahl der Hinterzellen eines Stückes Rücken-
    mark zwischen zwei Wurzeln viel geringer ist als die der Fasern
    in der hinteren Wurzel. Aber ich sprach mich nicht mit voller
    Sicherheit aus. Meine neueren Erfahrungen lassen mich dasselbe
    jetzt mit Bestimmtheit aussagen.

    Ich habe an einem Stück Rückenmark aus den mittleren
    Regionen des Thieres auf einer Seite 43, auf der anderen 48 auf-
    einanderfolgende Wurzelgebiete durchgezählt.

    Es ergab sich auf der Seite der 43 Wurzelgebiete:

    2 Zellen — 1mal
    3 „ — 1mal
    5 „ — 6mal
    6 „ — 9mal
    7 „ — 9mal
    8 „ — 10mal
    9 „ — 4mal
    10 „ — 2mal
    11 „ — 1mal

    Summa: 299 : 43 = 6·95.

    Ein Mittel von 6·95 Zellen in einem Wurzelgebiet.

    Auf der anderen Seite:

    5 Zellen — 11mal
    6 „ — 6mal
    7 „ — 16mal
    8 „ — 8mal
    9 „ — 3mal
    10 „ — 2mal
    11 „ — 1mal
    12 „ — 1mal

    Summa 337 : 48 = 7·02.

    Aus der Zählung von 91 Wurzelgebieten ergibt sich also
    mit grosser Genauigkeit ein Mittel von 7 Zellen in einem Wurzel-
    gebiet.

  • S.

    61

    Das Minimum von 2 Zellen kam nur 1mal

    „ „ 3 „ „ 1mal

    Das Maximum von 11 „ „ „ 2mal

    „ „ 12 „ „ „ 1mal unter 91malen vor.

    Eine hintere Wurzel aus derselben Region erlaubt zwar
    nicht ihre Fasern genau zu zählen, aber man kann doch fest-
    stellen, dass über 30, wahrscheinlich gegen 50 Fasern in der
    hinteren Wurzel sind, wo sie in die Pia mater eintritt. Der grösste
    Theil davon sind feine Fasern. 30×91 = 2730 Fasern können
    aber nicht aus 299 + 337 = 566 Zellen entspringen. Im güns-
    tigsten Falle entspringt also ein Fünftel der Fasern der hinteren
    Wurzel aus den Hinterzellen des betreffenden Segments.

    Es gibt nun allerdings Fasern, welche in entferntere Wurzel-
    gebiete aufsteigen, aber es gibt auch im Halsmark nicht mehr
    als 7 Zellen im Wurzelgebiet. In der Medulla oblongata endlich
    hören die Hinterzellen auf. Es ist immer möglich, dass andere
    Zellen von anderem Aussehen dort in ähnliche Beziehungen zu
    aufsteigenden hinteren Wurzelfasern treten, aber mit Bezug auf
    die anatomisch gut charakterisirten Hinterzellen im Rückenmark
    muss man die grössere Zahl von Wurzelfasern für durchziehende
    Fasern erklären.

    Es kann nun die Frage aufgeworfen werden, ob die Fasern,
    welche sich im Spinalganglion nicht mit Zellen verbinden, auch
    im Hinterhorn die Verbindung mit Hinterzellen vermeiden, oder
    ob sich die Spinalganglien- und Hinterzellen derart ergänzen,
    dass die Fasern, welche im Spinalganglion durchziehende sind,
    im Rückenmark aus Hinterzellen entspringen und umgekehrt.
    In letzterem Falle könnte es sich so verhalten, dass alle
    Fasern der hinteren Wurzeln mit Zellen entweder im Spinal-
    ganglion oder im Hinterhorn zusammenhängen, oder es könnte
    noch ausserdem eine Anzahl von Fasern geben, die an beiderlei
    Zellen vorbeigehen.

    Die Entscheidung der zuerst aufgeworfenen Frage kann am
    besten durch directe Beobachtung einer Faser geschehen, welche
    von einer Hinterzelle kommt und im Spinalganglion eine durch-
    ziehende ist. Es wäre für unsere gegenwärtigen Methoden nicht
    gerade unmöglich, obwohl sehr schwierig, ein solches Bild zu

  • S.

    62

    erhalten. Aber ich war nicht so glücklich und der Mangel an
    frischem Material, der hier alljährlich zur Zeit des Hochwassers
    eintritt und durch den Sommer anhält, hat meine Versuche früh-
    zeitig aufgehalten. Ich kann daher keine befriedigende Antwort
    auf die aufgeworfenen Fragen geben und habe dieselben nur gestellt,
    weil ich doch Einiges mitzutheilen habe, was zum Anlass dienen
    kann, die eine Ansicht für die wahrscheinlichere zu erklären.

    Die Ähnlichkeit der Hinterzellen und Spinalganglienzellen,
    das Vorkommen von Zellen an verschiedenen Strecken zwischen
    Spinalganglion und Hinterhorn, endlich die der Entwicklungs-
    geschichte entnommene Thatsache, dass die Spinalganglienzellen
    bloss aus dem Rückenmark herausgerückte Elemente des Hinter-
    horns sind, lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass Spinal-
    ganglien-
    und Hinterzellen Elemente von gleicher Bedeutung
    sind, jede Zelle dazu bestimmt, eine Faser der hinteren Wurzeln
    in sich aufzunehmen. Spinalganglion und Hinterhorn würden
    zusammen eine Zellenmasse für den Ursprung der hinteren
    Wurzel bilden, die vergleichbar ist den Zellenmassen in den
    Vorderhörnern, aus denen die vorderen Wurzeln entstehen. Auch
    für die Vorderzellen liegt es ja näher, anzunehmen, dass jede
    Zelle eine Faser entsendet, als dass eine Faser durch zwei Zellen
    passirt, und andere leer ausgehen.

    Würde der Fortsatz einer Spinalganglienzelle im Rücken-
    mark noch durch eine Hinterzelle gehen, so würde ein Stück
    einer hinteren Wurzelfaser eine Commissur zwischen zwei bipo-
    laren Zellen darstellen. Bei Stannius1) finde ich eine solche
    Verbindung beschrieben und abgebildet:

    „Ich sah bei Spinax acanthias in der Ganglienmasse an der
    Basis vom Stamme des N. maxillaris superior einen Ganglien-
    körper, aus welchem zwei mittelbreite Primitivröhren hervor-
    gingen. Die eine Röhre erschien lang und einfach; die zweite
    setzte sich sehr bald wieder in einen Ganglienkörper fort und
    aus dem ihrer Eintrittsstelle gegenüber liegenden Punkte ging
    abermals eine Primitivröhre hervor. Der Weg, den jene Primitiv-
    röhre von ihrer Austrittsstelle aus dem einen Ganglienkörper bis


    1Stannius, Das periphere Nervensystem der Fische. 1849. p. 149.
    Tafel IV, Fig. 12.

  • S.

    63

    zu ihrem Eintritte in den zweiten zurücklegte, war äußerst kurz;
    er war um die Hälfte kürzer, als der Längendurchmesser eines
    Ganglienkörpers.— Diese Beobachtung war so rein und ungetrübt,
    wie nur immer möglich; . . .“

    Commissuren von Nervenzellen im Rückenmark und im
    Spinalganglion habe ich nicht gesehen; auch suchte ich in den
    Nervengeflechten der Flossen, welche zahlreiche bipolare und
    tripolare kleine Zellen enthalten, ohne Erfolg nach Fasern, welche
    zwei Zellen mit einander verbinden. Aber eine wirkliche Zellen-
    anastomose kann ich von den gefäßbegleitenden Nervenelemen-
    ten beschreiben und habe sie auf Tafel IV (Fig. 2C) abgebildet.

    Die eine der Zellen erschien spindelförmig und bipolar;
    der eine ihrer Fortsätze verästelte sich in der Nähe des Gefäßes,
    der andere lief zwischen dem ventralen Nerven und seinem Ge-
    fäße und wurde zum Fortsatz der zweiten Zelle. Diese stellte
    einen merkwürdigen Übergang zwischen einer einfachen und
    einer zusammengesetzten Zelle dar. An dem Ende, wo sie den
    Commissurfortsatz empfing, war sie einfach, an entgegenge-
    setzten spaltete sie sich in zwei weit von einander abstehende
    Zellleiber, von denen jeder seinen besonderen Kern und Fortsatz
    hatte. Die Anwendung stärkerer Vergrößerung ließ ein neues
    Detail erkennen, das ich nicht abgebildet habe. Es erschien
    nämlich auch die erste Zelle als Doppelzelle, indem sich neben
    ihr ein schwach gefärbter Zellleib mit deutlichem Kern zeigte.
    Für die Einfachheit der Commissurfasern kann ich demnach nicht
    einstehen, aber ich glaubte, mich zu überzeugen, dass die Com-
    missurfasern wirklich mit beiden Zellen in Verbindung steht und
    nicht etwa über die eine hinwegzieht.

    Man könnte einen anderen Weg einschlagen, um zur Klar-
    heit über das Verhältnis der Spinalganglienzellen zu den Hinter-
    zellen zu kommen. Man müsste an vielen aufeinanderfolgenden
    Wurzeln die Spinalganglienzellen und die Hinterzellen zählen,
    so dass man über die zusammengehörigen Zahlen nicht im
    Zweifel ist. Wenn Hinterzellen und Spinalganglienzellen durch
    Commissurfasern verbunden sind, so muss an jeder Wurzel die
    Anzahl der Hinterzellen gleich sein der der Spinalganglienzellen.
    Verbinden sich hingegen mit den Hinterzellen Fasern, die keine
    Verbindung mit den Spinalganglienzellen haben, so würde auch

  • S.

    64

    die Summe von beiderlei Elementen eine constante sein oder eine
    constante Beziehung zur Fasermenge der Wurzel darbieten.
    Dieser Plan war aber nicht ausführbar, weil ich keine Me-
    thode besass, das Rückenmark im Zusammenhang mit den
    Spinalganglien in solchem Zustand zu isoliren, dass man die
    Hinterzellen zählen kann. Es trifft sich auch sehr unglücklich,
    dass man Hinterzellen und Spinalganglienzellen nicht in der
    selben Region zählen kann, wenn man schon darauf verzichtet,
    sie an demselben Präparat zu zählen. Ich habe die Hinterzellen
    aus der Mitte des Thieres zählen können und, wie erwähnt, einen
    Durchschnitt von 7 Zellen gefunden; die Spinalganglienzellen
    konnte ich in der Schwanzgegend zählen und fand als die häuf-
    igsten Zahlen 10–14; aber die Spinalganglien anderer Regionen
    konnte ich aus schon angegebenen Gründen nicht untersuchen,
    und die Hinterzellen im Caudalmark sind nicht zu zählen, weil
    dieses alle Arten von Härtungen sehr schlecht erträgt und die
    Hinterzellen den Elementen des Vorderhorns so nahe liegen, dass
    man sie auf der Flächenansicht nicht gut von ihnen sondern kann.
    Im Caudalmark scheinen mir mehr als 7 Hinterzellen auf
    ein Wurzelgebiet zu kommen, doch beträgt die Vermehrung nicht
    so viel um die mittlere Anzahl der Spinalganglienzellen jener
    Gegend zu erreichen.

    Auf die wichtige Frage, ob es Fasern gibt, die weder mit den
    Spinalganglien-, noch mit den Hinterzellen in Verbindung stehen,
    kann ich eine etwas bestimmtere Antwort in bejahendem Sinne
    geben.

    Wollte man die Zahl der Zellen im Spinalganglion und im
    Hinterhorn summiren und mit der Fasersumme der hinteren
    Wurzel vergleichen, so würde diese Berechnung an allen vorher
    eingestandenen Mängeln der Ungenauigkeit leiden. Man hätte
    im Caudalmark etwa:

    Hinterzellen Spinalganglienzellen
    12 + 16 entsprechen 28 Zellenfasern,
    in den mittleren Regionen:
    Hinterzellen Spinalganglienzellen
    7 + 23 entsprechen 30 Zellenfasern.

    Es ist schon angegeben worden, dass die Anzahl der Fasern
    diese Zahlen überschreitet.

  • S.

    65

    Aber man kann sich auf directe Beobachtungen stützen, um die
    Existenz von Fasern wahrscheinlich zu machen, die weder mit
    Spinalganglienzellen, noch mit Hinterzellen zusammenhängen. Wir
    haben in den Spinalganglien sehr breite, durch ihre Theilungen
    ausgezeichnete Elemente als durchziehende Fasern kennen gelernt.
    Diese Fasern bleiben auch auf der Pia mater ihrer Stärke wegen
    kenntlich. Sie übergehen nicht in Hinterzellen ihres Wurzel-
    gebietes, sondern steigen auf der Pia mater oberflächlich auf oder
    in selteneren Fällen ab und sind auf langen Schnitten durch die
    Pia mater zu verfolgen. Man sieht sie oft an den drei nächsten
    Wurzeln vorbeigehen und erst im vierten Wurzelgebiete ver-
    schwinden. Eine Anzahl feinerer Fasern gesellt sich ihnen aus
    jedem Wurzelgebiete, das sie passiren, bei. Dieselben verschwin-
    den aber noch in demselben oder im nächsten Wurzelgebiete aus
    den oberflächlichen Fasern, indem sie sich ins Rückenmark ein-
    senken. Je stärker eine oberflächliche Faser ist, desto länger
    bleibt sie gewöhnlich oberflächlich.

    Solche Fasern sind in Fig. 1 und Fig. 3, Tafel III abge-
    bildet. Man erkennt dort, wie aus jeder der fünf hinteren Wurzeln
    Fasern oberflächlich verbleiben, die feineren sich bald verlieren,
    die stärkeren in die Höhe steigen und durch mehrere Wurzelge-
    biete hindurchziehen. Es sammelt sich aber keine Fasermasse aus
    diesen langen aufsteigenden Fasern, sondern sie verlieren sich
    allmälig und werden durch Fasern höherer Wurzeln ersetzt.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese starken, lange auf-
    steigenden Fasern nicht mit grossen Zellen zusammenhängen,
    denn sie sind im Spinalganglion durchziehende Fasern, im
    Rückenmarke bleiben sie auf der Oberfläche und oberflächliche
    Hinterzellen finden sich nicht in ihrem Verlaufe. Man könnte ein-
    wenden, dass sich diese Fasern mit Hinterzellen verbinden, nach-
    dem sie endlich ins Rückenmark eingedrungen sind. Man kann
    dies nicht ganz widerlegen, aber man überzeugt sich doch nur,
    dass die Fortsätze der Hinterzellen zu Wurzelfasern der nächst-
    höheren oder tieferen Wurzel werden, und ihre Anzahl ist eine so
    geringe, dass sie auch nur einen kleinen Theil der Fasern der
    nächsten Wurzel aufnehmen können.

    Was ich über das endliche Schicksal dieser Fasern gesehen
    habe, ist Folgendes: Einmal sah ich eine lange aufsteigende
    (Freud.)

  • S.

    68

    setzen, nicht dass die Nervenfaser dort, wo sie einfach scheint,
    zusammengesetzt ist. Es wäre offenbar für die Beurtheilung
    dieser Bilder viel gewonnen, wenn man wüsste, wie sich diese
    Fasern zu Zellen verhalten. Würden alle die feinen Fasern,
    nachdem sie sich mehrmals zusammengesetzt und wieder von
    einander gesondert haben, schliesslich doch als ein einziger
    Stamm oder selbst als getrennte Fasern in dieselbe Zelle ein
    gehen, so hätten wir es wiederum nur mit einer besonderen Art
    von Faser-
    theilung zu thun. Eine andere Bedeutung würde den
    Faserspaltungen zukommen, wenn jedes Fäserchen endlich sich
    in eine andere Zelle des Centralorgans begeben oder sich fein
    auflösen würde.

    Ich habe dazu nur eine einzige, nicht unzweideutige Beob-
    achtung mitzutheilen. Ich sah eine breitere Faser, welche, nach
    dem sie eine kurze Strecke aufgestiegen war, in eine oberfläch-
    liche Hinterzelle eintrat, kurz vor dem Eintritt in die Zelle ver-
    breitert und wie in zwei Fasern gespalten, die sich später wieder
    zusammenlegten. Es war genau das Aussehen wie von einer
    Spaltung aufsteigender, nicht in Zellen eingehender Fasern.
    Aber während sich an den letzteren Stellen fanden, wo die Fa-
    sern weit genug auseinander traten, um ein unzweifelhaftes Bild
    zu geben, lagen bei den Zellenfasern die beiden vermuthlichen
    Spaltungsäste einander so nahe, dass ich die Möglichkeit einer
    anderen Deutung zugeben muss. Es kann an dieser Stelle die
    Faser im Querschnitte biscuitförmig geworden sein. Ich kann daher
    dieses Bild nicht zur Deutung der Faserspaltungen verwerthen.

    Dies ist, was ich über den Bau der Spinalganglien und ihre
    Beziehungen zum Rückenmark zu sagen habe. Ich habe mir vor-
    gesetzt, die in Menge vorhandenen Lücken durch weitere Unter-
    suchungen auszufüllen, denn der Petromyzon hat sich mir als ein
    sehr günstiges Object erwiesen, dem ich weiter nichts vorwerfen
    kann, als dass es in Wien zu Zeiten so schwer zu beschaffen ist. Hätte
    ich endlich die Überzeugung, dass die hier zu erlangenden Resul-
    tate auch für das Verständniss des Nervensystems höherer Thiere
    nicht werthlos sind, nicht schon zur Untersuchung mitgebracht,
    so hätte ich sie aus den Ergebnissen derselben gewinnen müssen.

    Ich will jetzt die hauptsächlichen Eigenthümlichkeiten der
    Spinalganglien von Petromyzon nochmals hervorheben, um damit

  • S.

    69

    den Bau der Spinalganglien höherer Wirbelthiere, wie er aus den
    Angaben der Autoren hervorgeht, zu vergleichen. In den Spinal-
    ganglien von Petromyzon ist ein Theil der Fasern, 2/3 oder 3/5,
    ausser Zusammenhang mit den Ganglienzellen. Die Spinal-
    ganglienzellen sind bipolar; Ranvier’sche Zellen sind Modifi-
    cationen der bipolaren, welche denselben für den Bau der Spinal-
    ganglien gleichwerthig sind. Die tripolaren Zellen mit mehr als
    einem peripheren Fortsatz sind auf bipolare mit Theilung des
    einen peripheren Fortsatzes zurückzuführen. Die tripolaren
    Zellen mit mehr als einem centralen Fortsatz sind den analogen
    Zellen im Hinterhorn an die Seite zu stellen. Fasertheilungen
    finden sich überall sehr verbreitet und bedingen im Spinal-
    ganglion eine geringe Faservermehrung.

    Der Bau der Spinalganglien höherer Wirbelthiere ist nicht
    so genau bekannt, doch sind als unterscheidende Merkmale von
    den Spinalganglien der Fische durchziehende Fasern und schein-
    bar unipolare Zellen aufgestellt worden. Ich darf darauf hin-
    weisen, dass sich diese Elemente auch bei Petromyzon finden.
    Multipolare Zellen als seltenere Bestandtheile der Spinalganglien
    sind bei Fischen und Säugethieren nachgewiesen worden. Die
    Faservermehrung wurde von den meisten Autoren mehr er-
    schlossen als bewiesen. Holl hat sie, auf beweiskräftige Zäh-
    lungen gestützt, geleugnet. Die Spinalganglien von Petromyzon
    zeigen eine Faservermehrung, aber sie bedingt keinen wesent-
    lichen Unterschied, weil sie von den Fasertheilungen abhängt,
    die bei Petromyzon schon frühzeitig in den Stämmen vorkommen,
    bei höheren Wirbelthieren erst viel weiter peripher bekannt sind.
    Man ist demnach berechtigt zu behaupten, dass nach dem
    gegenwärtigen Stande der Untersuchungen ein wesentlicher Unter-
    schied zwischen den Spinalganglien des Petromyzon und der
    höheren Wirbelthiere nicht besteht.

    Wenn die bisher für Eigenthümlichkeiten höherer Organi-
    sation gehaltenen Bildungen wie die durchziehenden Fasern und
    die scheinbar unipolaren Zellen auch dem Petromyzon nicht
    fehlen, so kann man den Umstand, dass sie bis jetzt bei den
    höher stehenden Fischen nicht beobachtet wurden, nicht als
    Beweis anführen, dass sie hier nicht existiren. Sollten die schein-
    bar unipolaren Zellen hier aber wirklich fehlen, so wäre hiemit

  • S.

    70

    das Schema des Spinalganglions nur auf möglichst einfache und
    consequente Weise durchgeführt.

    Wenn sich gewisse andere, wesentlich erscheinende Ver-
    schiedenheiten im Bau der Spinalganglien bei irgend einer Thier-
    classe sollten nachweisen lassen, so wäre es noch möglich, dass
    diese Unterschiede durch entsprechende Unterschiede im Bau
    des Hinterhorns compensirt würden. Sollten z. B. irgendwo die
    durchziehenden Fasern sehr reducirt sein, so könnte das daher
    kommen, dass die Hinterzellen vollständiger als anderwärts ins
    Spinalganglion hinausgerückt sind. Man wird darum gut thun,
    auf Verschiedenheiten im Bau des Hinterhorns weniger Gewicht
    zu legen, so lange nicht die Spinalganglien zum Vergleiche her-
    beigezogen sind, und Spinalganglien und Hinterhorn in
    Bezug auf ihr Verhältniss zur hinteren Wurzel als ein
    Ganzes zu betrachten.

    Diese Anschauung, wiewohl durch die Untersuchung der
    Spinalganglien von Petromyzon wesentlich gefördert, stützt sich
    doch zumeist auf die aus der Entwicklungsgeschichte der Spinal-
    ganglien gegebenen Anhaltspunkte.

    Der Ansicht, dass die Spinalganglien Reflexapparate seien,
    fehlt jede Stütze. Es fehlen die zwei peripheren Fortsätze, deren
    einem man die centripetale, deren anderem man die centrifugale
    Leitung zumuthen könnte.

    VI. Bemerkungen über die Wurzelursprünge und das
    Rückenmark des Petromyzon.

    In meiner oft erwähnten früheren Mittheilung über den Ur-
    sprung der hinteren Wurzeln bei Petromyzon habe ich von einem
    eigenthümlichen Verhalten der Nervenwurzeln berichtet. Es ent-
    springt hier nicht wie bei anderen Wirbelthieren eine hintere
    Wurzel immer in gleicher Höhe mit einer vorderen Wurzel, mit
    welcher sie sich später zum gemischten Spinalnerven vereinigt;
    sondern die Ursprünge hinterer und vorderer Wurzeln alterniren
    am Rückenmark, so dass jederseits eine hintere Wurzel zwischen
    zwei vorderen entspringt. Ich habe auch angegeben, dass zum
    Unterschiede von Amphioxus, der sonst eine ähnliche Eigenthüm-
    lichkeit der Nervenursprünge zeigt, bei Petromyzon vollständige
    Symmetrie beider Hälften des Rückenmarks in Bezug auf die

  • S.

    71

    Wurzelursprünge herrscht, und dass im Endstücke des Rücken-
    marks die Wurzeln nicht mehr gegen einander verschoben sind.

    Nach meinen neueren Erfahrungen muss ich die letzten An-
    gaben modificiren. Symmetrie herrscht in den übrigen Regionen
    des Markes, aber im Caudalmark findet sich jede Art von Un-
    regelmässigkeit in den Wurzelursprüngen. Es sind dort die
    Wurzeldistanzen variabel, es können mehrere gleichnamige
    Wurzeln auf einer Seite aufeinander folgen, es kann sich
    endlich Assymmetrie der Wurzelursprünge dazu gesellen, so dass
    einer linken hinteren Wurzel rechts eine vordere oder ein
    Zwischenraum entspricht. Das regelmässige Alterniren findet
    sich auch im Endstücke des Rückenmarks, aber nicht als Regel,
    sondern als ein specieller Fall unter den dort vorkommenden
    Unregelmässigkeiten.

    Einige Beispiele mögen diese Behauptungen erläutern:

    I. Endstück des Rückenmarkes von einem 165 Mm. langen
    Thier. Die Distanzen der Wurzel sind in der Zeichnung 30mal
    vergrössert. Die hinteren Wurzeln sind mit H. Spg. und römi-
    schen, die vorderen mit V. und arabischen Ziffern bezeichnet.

    Fig. 1.

    I H Spg
    031mm H Spg I
    V
    027mm H Spg II
    V
    020 H Spg III
    V
    024 Rückenmark H Spg IV
    V
    013 H Spg V
    V
    024 H Spg VI
    V
    036 H Spg VII
    V
    020 H Spg VIII
    V
    018 H Spg IX
    V
    027 H Spg X
    V
    018 H Spg XI
    V

  • S.

    72

    II. Caudalmark etwas entfernt von Ende. Die Distanzen
    der Wurzeln 30mal vergrössert.

    Fig. 2.

    V
    0.65mm
    V
    0.31mm
    2
    H Spg
    0.25
    0.29
    V
    2
    I
    0.47
    0.20
    H Spg
    II
    Rückenmark
    3
    V
    0.70
    0.45
    V
    3
    0.20
    H Spg
    III
    4
    V
    0.45
    V
    4
    0.20
    H Spg
    IV

    Auf transversalen Durchschnitten durch die Hüllen des
    Rückenmarks trifft man in den mittleren Regionen stets eine vor-
    dere Wurzel zwischen zwei hinteren (Tafel III, Fig. 2), auf
    Schnitten durch die Pia mater allein entweder blos hintere oder
    blos vordere Wurzeln (Tafel III, Fig. 1). Blos im vordersten
    Kiemenmark kann man eine vordere und eine hintere Wurzel
    auf demselben Querschnitt treffen. Dort sind die Wurzeln also
    noch nicht gegen einander verschoben.

    Auch am Ursprunge der hinteren Wurzel fällt eine Eigenthüm-
    lichkeit auf. Es ist nicht so selten, dass zwischen zwei vorderen
    Wurzeln in den mittleren Regionen des Leibes nicht eine, sondern
    zwei hintere Wurzeln vom Rückenmark entspringen. Dass diese
    beiden Wurzeln zusammengenommen einer einzigen entsprechen,
    geht aus ihrer Fasermenge und aus ihren Distanzen hervor. Die
    eine der Wurzeln ist gewöhnlich die stärkere. Die stärkere ent-
    hält manchmal bloss aufsteigende, die schwächere bloss ab-
    steigende Fasern. Die Distanz beider Wurzeln ist in einigen
    Fällen nicht grösser als die Breite einer hinteren Wurzel, in an-
    dern

  • S.

    73

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    deren Fällen ist die eine halbe Wurzel von der anderen um die
    Hälfte des Zwischenraumes zwischen einer hinteren und der
    nächsten vorderen getrennt. Die eine halbe Wurzel kann auch
    im Niveau der nächsten vorderen entspringen, während die an
    dere halbe an der gewöhnlichen Stelle ein halbes Wurzelgebiet
    davon entfernt ist. In diesem Falle ist es die geringe Faserstärke
    der beiden Wurzeln, welche sie als halbe erkennen lässt. Die
    Fasern der hinteren Wurzel laufen parallel oder überkreuzen
    sich erst bei der Umbiegung. Einmal sah ich sie schon in der
    Wurzel sich kreuzen, so dass die unterste Faser die oberste Um-
    biegungsstelle erreichte.

    Aus den beschriebenen Eigenthümlichkeiten des Ursprungs
    erklärt sich, dass die Wurzeln sich nicht sofort zur Bildung ge-
    mischter Nerven vereinigen. Die Wurzeln des Endstückes vom
    Rückenmark treten überhaupt nicht zu gemischten Nerven zu-
    sammen. Man kann dies leicht sehen, denn sie isoliren sich auf
    lange Strecken am Rückenmark hängend. Die Nerven anderer
    Regionen isoliren sich nicht in grosser Ausdehnung bei Anwen-
    dung der beschriebenen Vergoldung und Maceration. Eine ana-
    tomische Präparation derselben ist beim Süsswasser-Petromyzon
    nicht möglich. Ich kann daher nicht sagen, ob sich bei Petro-
    myzon überhaupt gemischte Spinalnerven bilden. Die dorsalen
    Äste der hinteren Wurzeln kann man bis über den Nervus
    lateralis, die ventralen bis über die Chordascheide verfolgen.
    Auf dieser Strecke wenigstens, wo sie schon mehrere Äste ab-
    geben, gehen sie keine Verbindung mit den Ästen vorderer Wur-
    zeln ein.

    Die ventralen Äste verbinden sich am vorderen Rande der
    Chorda mit einander durch einen Längsstamm. An der Stelle, wo ein
    ventraler Ast diesen Längsstamm trifft, lösen sich seine Fasern von
    einander. Ein Theil setzt seine Richtung über den Längsstamm
    fort, ein anderer Theil übergeht in denselben nach oben und
    nach unten umbiegend. Fasern des Längsstammes, welche von
    früheren Wurzeln stammen, ziehen an der einmündenden Wurzel
    vorbei. In einige der Fasern der letzteren sind grosse tripolare
    Zellen eingelagert, sie liegen mit zwei Fortsätzen in der Con-
    tinuität des ventralen Astes und schicken den dritten in den
    Längsstamm.

  • S.

    74

    Solche Längsstämme, welche die aufeinanderfolgenden Spinal-
    nerven mit einander verbinden, sind nach Stannius1 bei Fischen
    nicht selten. Bei Gadoiden haben sowohl die dorsalen als die ven-
    tralen Äste der Spinalnerven ihre verbindenden Längsstämme.2

    „Die dorsalen Äste aller Spinalnerven und spinalartigen
    Hirnnerven, vom N. trigeminus an, pflegen häufig durch einen
    Längsstamm, in welchen Elemente eines jeden Astes eingehen,
    untereinander verbunden zu werden. Der gemeinsame Längsstamm,
    der dadurch entsteht, wird, weil er vom N. trigeminus ausgeht,
    als R. lateralis Trigemini bezeichnet.3“

    Der ventrale Längsstamm bei Petromyzon stellt eine Bahn
    dar, durch welche die angelehnten Fasern des einen Nerven in
    die Wurzel eines anderen übergehen könnten. Ich habe darum
    Bedenken getragen, die angelehnten Fasern mit Volkmann4 für
    sympathische Elemente, welche ausser Zusammenhang mit dem
    Centralorgan stehen, zu erklären.

    Bei Joh. Müller5 findet sich über die Vereinigung beider
    Wurzeln folgende Angabe: „An der fibrösen Scheide der Chorda
    angeheftet vereinigen sie sich erst nach unten, bedeckt von den
    Muskeln.“ Ich kann wenigstens von den letzten Wurzeln des
    Caudalmarks sagen, dass ihre Selbständigkeit so gross ist,
    dass man von vorderen und hinteren Spinalnerven anstatt von
    vorderen und hinteren Wurzeln reden könnte.

    Nach Langerhans6 gibt es bei Amphioxus keine gemisch-
    ten Nerven.

    „… es findet sich zwischen zwei aufeinanderfolgenden
    Spinalnerven nie ein verbindender Ast und nie ein Faseraustausch.
    Jeder Nerv verzweigt sich vollkommen selbstständig, ohne sich
    seinem Nachbar zu verbinden“.


    1Stannius, Das periphere Nervensystem der Fische. 1849, p. 119
    und ff.

    2ibid. p. 120, p. 150.

    3ibid. p. 151.

    4Volkmann, Über die Faserung des Rückenmarkes und des sym-
    pathischen Nerven in Rana esculenta. Müller’s Archiv 1838, p. 291.

    5Vergl. Neurologie der Myxinoiden, p. 197.

    6Langerhans, Zur Anatomie des Amphioxus lanceolatus. Archiv
    für mikroskopische Anatomie, Bd. XII, 1875. p. 295.

  • S.

    75

    Stieda1) hat die in ähnlicher Weise wie bei Petromyzon
    vom vorderen und hinteren Umfange des Rückenmarkes entsprin-
    genden Nerven des Amphioxus den vorderen und hinteren
    Wurzeln gleichgestellt und Spinalganglien an ihnen beschrieben.
    Nach Stieda’s Deutung wäre die Übereinstimmung des peripheren
    Nervensystems bei Amphioxus und Petromyzon eine sehr weit-
    gehende.

    Langerhans2) bestreitet indessen die Stieda’sche Deutung
    und läugnet das Vorhandensein von Spinalganglien bei Amphi-
    oxus.

    Vielleicht sind aber bei Petromyzon die Nervenwurzeln in
    einem anderen Sinne „gemischt“. Ich meine damit, dass man in
    den vorderen Wurzeln Elemente findet, die sonst nur den hinteren
    angehören und als charakteristisch für dieselben gelten.

    In einigen vorderen Wurzeln des Caudalmarkes fand ich
    nicht weit von der Theilung der Wurzel in den dorsalen und
    ventralen Ast blasse, kleine, aber vollkommen deutliche Ganglien-
    zellen eingelagert, nie mehr als eine in einer Wurzel, welche
    zwei oder in einem Falle drei Fortsätze hatten, die in feine
    Fasern übergingen. Die Beobachtung war eine ganz unzweifel-
    hafte, die Zellen konnten den Wurzeln auch nicht aufgelagert
    sein, denn man sah sie mitten zwischen den Fasern der vorderen
    Wurzel liegen (Tafel II, Fig. 4).

    Auch sehr feine Fasern sind in vorderen Wurzeln in grosser
    Menge vorhanden und an Goldpräparaten nachweisbar, wenn-
    gleich sie nicht in jeder Wurzel aufzufinden sind. Ich weiss
    nicht, ob sie einen constanten oder wie die kleinen, ihnen ein-
    gelagerten, Nervenzellen einen inconstanten Bestandtheil der
    vorderen Wurzel bilden.

    Auf der vorderen Fläche des Rückenmarkes befindet sich
    ein System von eigenthümlichen Fasern. Diese Fasern kommen
    aus der Tiefe der Vorderseitenstränge, liegen in der Mitte des
    Rückenmarkes vor dem Centralcanal ganz oberflächlich, und
    theilen sich daselbst gabelig. Ihre Theilungsäste senken sich
    dann wieder in die Vorderseitenstränge ein. Ich habe diese
    Fasern zuerst an mit Goldchlorid gefärbten Alkoholpräparaten

    1) Mémoires de l’Académie de St. Pétersbourg, T. XIX. 1873.

    2) l. c. p. 295 u. ff.

  • S.

    77

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.
    nachzuweisen. Die vorderen Wurzelfasern treten direct in die
    Tiefe des Rückenmarkes ein, ohne mit den in der nächsten Nähe
    ihres Eintrittes sich kreuzenden Fasern in Verbindung zu stehen.
    Die Fortsätze der Nervenzellen, welche Antheil an den vorderen
    Faserkreuzungen nehmen, verlaufen meist quer und weniger
    oberflächlich.

    Das beschriebene oberflächliche Fasersystem ist im Wesent-
    lichen eine Kreuzung eines Theils der Vorderseitenstränge mit
    der Eigenthümlichkeit, dass sich Fasern während ihres ober-
    flächlichen Verlaufes theilen, so dass für eine Faser, die von
    der einen Seite her in die Kreuzung tritt, zwei Fasern in die
    Längsfasern der anderen Seite eintreten. Auf dem Querschnitte
    des Rückenmarkes sind diese Fasern wegen ihres schiefen Ver-
    laufes und ihrer oberflächlichen Lage nicht nachzuweisen.

    Die Autoren beschreiben zwar vordere Faserkreuzungen,
    aber sie sagen so wenig von der ganz oberflächlichen Lage, dem
    charakteristischen Verlauf und den reichlichen Theilungen, dass
    sich ihre Beschreibungen eher auf die tiefer liegenden Fasern
    der vorderen Commissur zu beziehen scheinen.

    Stilling1) sagt in der Erklärung der Figuren 7 und 8 seiner
    Tafel XXIX, welche transversale Längsschnitte durch das Rücken-
    mark von Petromyzon darstellen,

    zu Figur 7:
    „Es sind dieses die mittleren Schichten der weissen
    Vorderstränge bildenden Nervenprimitivfasern. Dieselben werden
    in schiefen Winkeln vielfach durchkreuzt von quer-
    und schräg-
    laufenden Fasern, k, k', den Fasern der Commissura
    anterior.“

    Zu Figur 8:
    „Dicht neben der Mitte des Präparats, e, e, gewahrt man
    feinere und dickere Längsfasern, g, g', welche die vordersten
    Schichten der weissen Vorderstränge bilden. Bei k, k' werden
    dieselben durchkreuzt von Querfasern, weche die vordern Theile
    der Commissura anterior bilden“.


    1)Neue Untersuchungen über den Bau des Rückenmarkes 1859,
    p. CV.

  • S.

    78

    Reissner1) „Statt nun von den nach innen gehenden Fort-
    sätzen zu reden, will ich vorher bemerken, dass der ganze
    Zwischenraum zwischen den beiden seitlichen dunklen Streifen“
    (den Vorderhörnern) „von zahlreichen queren und verschiedenartig-
    schrägen, oft sich kreuzenden Axencylindern durchsetzt wird. –
    Einen Theil dieser Axencylinder kann man mit Leichtigkeit als
    Fortsätze der Nervenzellen in den dunklen Streifen nachweisen,
    von anderen gelingt es nicht. Letzteres wird nicht weiter auf-
    fallen, wenn man sich erinnert, wie sehr die Fasern der unteren
    Commissur von der Ebene abweichen können, in welcher die
    grossen äusseren Nervenzellen liegen. Dass die erwähnten
    Axencylinder aber wenigstens zum Theil der unteren Commis-
    sur an gehören, wird nach dem über die Beschaffenheit der
    Querschnitte Mitgetheilten, und daraus, dass sie entschieden
    unter den Müller’schen Fasern liegen, nicht bezweifelt werden
    können“.

    Kutschin2) „An horizontalen Längsschnitten, welche die
    untere Commissur getroffen hatten, sah Kutschin, dass der
    Raum, welcher zwischen den zu beiden Seiten des Centralcanals
    gelegenen Zellhaufen existirt, von zahlreichen Fasern durch-
    schnitten wird. Diese Fasern ziehen horizontal oder schräg, sich
    vielfach kreuzend, aus einer Hälfte des Markes in die andere.
    Kutschin fand, dass einige dieser Fasern, welche von den
    grossen Zellen der äusseren Gruppe entspringen, auf die andere
    Seite hinüberziehen und nachdem sie hier die äusserste Grenze
    des Zellhaufens erreicht hatten, sich hier an die Fasern
    schliessen, welche die untere Wurzel bilden. Andere Fasern,
    nachdem sie in die weisse Masse der anderen Seite eingedrungen,
    schlagen hier die Richtung nach vorn (Kopf) oder nach hinten
    (Schwanz) ein und laufen hier bis zur nächstliegenden Wurzel,
    in welche sie eintreten. Der grösste Theil der Fasern konnte
    nicht so weit verfolgt werden, es verloren sich dieselben zwischen
    den anderen“.

    1) Reissner, Beiträge zur Kenntniss vom Bau des Rückenmarkes
    vom Petromyzon fluviatilis. Müller’s Archiv 1860, p. 580.

    2) Referate aus der russischen Literatur von Stieda. Max Schultze’s
    Archiv, Bd. II, 1866. p. 527.

  • S.

    79

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Über das Stützgewebe des Rückenmarkes habe ich eine
    Mittheilung zu machen. Im Verlaufe meiner Bemühungen eine
    gute Erhärtung des Rückenmarkes zu bekommen, habe ich
    mehrere Male Ammocoetes 3–4 Tage in 0.2% Chromsäure
    liegen lassen und dann unmittelbar in starken Alkohol über-
    tragen. Die Härtung solcher Präparate ist keine gute, aber das
    Rückenmark selbst hat seine bandförmige Gestalt beibehalten
    und seine Elemente sind sehr schön erhalten, so dass es gut von
    der Fläche zu untersuchen ist.

    So behandeltes Rückenmark zeigt gewöhnlich eine auf-
    fällige Fleckung. Sowohl am gefärbten als ungefärbten Präparat
    sind hellere Stellen von ganz unregelmässiger Gestalt und An-
    ordnung vorhanden. Diese hellen Stellen sind immer gross,
    können vom Rande bis zum Centralcanal reichen, selbst auf die
    andere Seite übergreifen; die Veränderung, die an ihnen vor-
    gegangen, betrifft die ganze Dicke des Rückenmarkes. Die
    nervösen Elemente sind in diesen hellen Stellen gar nicht ver-
    ändert, weder dislocirt, noch anders gefärbt; sie sind im Gegen-
    theile dort besonders deutlich zu erkennen und mit grosser Schärfe
    zu verfolgen. Die nervösen Elemente können demnach an dem Zu-
    standekommen dieser hellen Flecke keinen Antheil haben. Sieht
    man näher zu, so bemerkt man auch, dass in den hellen Flecken
    die Kerne der gewöhnlich „bindegewebig“ genannten Zellen
    fehlen. Diese Kerne gehören zu sehr schmalen und blassen
    spindelförmigen Zellen mit langen Fortsätzen, deren Zellleib
    ohne Isolation der Zellen nicht zu sehen ist. Die grösste An-
    häufung dieser Zellen ist um den Centralcanal, ihre Zellkerne
    gleichen auch vollkommen den Kernen der Epitelzellen und ihre
    Fortsätze den vom Centralcanal abgewandten Fortsätzen den
    Epitelzellen. Sie sind aber auch in unregelmässiger Vertheilung
    in der grauen und in Längsreihen in der weissen Substanz vor-
    handen.

    Die hellen Flecke werden hervorgerufen durch das Fehlen
    dieser Zellen – und wahrscheinlich eines von ihnen ausgehenden
    Gerüstes – was am auffälligsten ist, wenn ein heller Fleck die
    Umgebung des Centralcanals betrifft. Da aber die hellen Flecke
    Artefacte sind, die man jederzeit durch die angegebene Be-
    handlung hervorbringen kann, ist man genöthigt anzunehmen,

  • S.

    80

    dass diese Behandlung zur Folge hat, dass das von den Zellen
    ausgehende Gerüst an manchen Stellen reisst und sich gegen
    den Centralcanal zurückzieht, wodurch Stellen entstehen, die von
    den Zellen und ihrem Gerüste ganz frei sind.

    Dagegen fehlt in den hellen Stellen nicht jene Art von nicht
    nervöser Zwischensubstanz, welche man als Neuroglia be-
    schreibt, sie ist dort vielmehr deutlicher als anderswo zu er-
    kennen. Man muss daher annehmen, dass im Rückenmark
    zweierlei nicht nervöse Bestandtheile vorkommen: die Neuroglia
    und das Gerüst unserer in Rede stehenden Zellen. Letztere muss
    man wegen der Analogie ihrer Kerne und Fortsätze mit denen
    der Epitelzellen in derselben Weise als „Stützgewebe“ be-zeichnen, wie man vom Stützgewebe im Innern des Rücken-markes höherer Wirbelthiere spricht. Weiss man ja, dass bei
    Batrachierembryonen die Fortsätze der Epitelialzellen das ganze
    Rückenmark durchsetzen und den Anfang alles Stützgewebes
    bilden. Wirklich bindegewebige Elemente habe ich bisher im
    Rückenmarke von Petromyzon vermisst. Es fehlen daselbst auch
    Gefässe, die ja immer von bindegewebigen Elementen begleitet
    werden. Dieselben treten erst in der Med. oblongata auf.

    Aus dem Vorstehenden geht hervor, dass ich nicht mit den
    Angaben von Langerhans1) über das Stützgewebe im Rücken-marke des Petromyzon übereinstimmen kann.

    „Alle nervösen Elemente des Rückenmarkes liegen in einem
    Bindegewebsgerüst, das in ähnlicher Weise wie die granulirten
    Schichten der Netzhaut gerade hier mit grosser Deutlichkeit
    sich analysiren lässt. Es besteht nämlich ganz ausschliesslich
    aus den Deiters’schen Bindegewebskörperchen, deren zahlreiche
    Fortsätze das streifige Gewebe darstellen, welches Reissner
    erwähnt.“

    VII. Über ein Nervennetz der Pia mater.

    Auf der inneren, dem Rückenmarke zugewendeten, Fläche der
    Pia mater habe ich mehrere Male mit der beschriebenen Ver-goldung und Maceration ein Netz von feinen varicösen Fasern

    1)l. c. p. 80 u. ff.

  • S.

    81

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    dargestellt. Dass diese feinen Fasern sich durch Goldchlorid
    darstellen lassen und die Salzsäuremaceration ertragen, ohne von
    ihrer Schärfe einzubüssen, ist der eine Beweis für ihre nervöse
    Natur; ein anderer Beweis ist, dass man breite, nicht varicöse
    Fasern, die aus den Nervenwurzeln kommen und ganz den
    anderen Wurzelfasern gleichen, sich in dieses Netz auflösen
    sieht. Weiter kann man den Beweis nicht führen, da den Nerven fasern von Petromyzon das Myelin abgeht, welches bei anderen
    Thieren die für Nervenfasern am meisten charakteristischen
    Bilder gibt. Doch gibt es bei Petromyzon kaum welche Elemente,
    die man mit Nervenfasern verwechseln könnte. Endlich ist das
    ganze Aussehen des Fasernetzes dem von anderen Nervennetzen
    sehr ähnlich, die man anderswo beschreibt und anerkennt.

    Dieses Nervennetz entsteht auf zweierlei Weise. Einerseits
    lösen sich einzelne Fasern durch Verdünnung und Abgabe von
    Ästen in dasselbe auf, andererseits gibt es Punkte in der Pia
    mater, von denen breitere und varicöse Fasern nach allen Rich tungen ausstrahlen. In Tafel IV, Fig. 3 ist A ein solcher Punkt.
    Diese Punkte scheinen Stellen zu entsprechen, wo sich sehr
    breite aber kurze Fasern plötzlich in ihre Verästelungen auf
    lösen, während die einzelnen Fasern streckenweise unverästelt
    verlaufen und sich allmälig in varicöse Fäden theilen.

    Die Fasern kommen zum Theil aus Wurzeln – leider er lauben meine Präparate nicht die Entscheidung, ob sie aus
    hinteren oder vorderen Wurzeln kommen – zum Theil ver laufen sie zwischen zwei Wurzeln. Es ist dann nicht leicht zu
    sagen, woher sie stammen. An den Präparaten, die ich erhielt,
    war das Rückenmark ganz schwarz geworden, die Pia mater um gab es als ein zu weiter Sack, und nur die Stücke der Pia mater,
    welche rechts und links über das Rückenmark hinausreichten,
    waren der Untersuchung zugänglich. An solchen Präparaten sieht
    man einzelne Fasern vom Rückenmark herkommen, kann aber
    nicht entscheiden, ob sie nicht blos über das Rückenmark weg ziehen. An einigen Präparaten gelang es mir, das dunkle Rücken mark aus der Pia mater herauszuziehen, so dass deren vorderes
    Blatt unmittelbar auf dem hinteren lag. An solchen Präparaten sah
    ich mehrmals, dass die sich auflösenden Fasern an der lateralen
    Umbiegung der Pia mater am breitesten sind. Sie scheinen daher
    (Freud.)
    6

  • S.

    83

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Ich sah einigemal, dass die Gefässe besondere begleitende
    Nerven haben.

    Die feinen Fasern des Nervennetzes scheinen auf der Pia
    mater zu verbleiben, wenigstens sah ich sie nie aus derselben
    heraustreten.

    Erklärung der Abbildungen.

    Tafel I.

    Fig. 1. Spinalganglion von Petromyzon, Goldpräparat, gezeichnet bei
    Hartnack Ocular 3, Objective 8 und X, Vergrösserung 520.

    Spinalganglion mit 15 Zellen; 5 grössere und 1 kleine im ventralen,
    8 mittelgrosse und 1 kleine im dorsalen Ast. Die Grössenunterschiede der
    dorsalen und ventralen Zellen sind hier nicht bedeutend. Von jeder der
    13 Zellen erster und zweiter Grössenordnung sind beide Fortsätze zu ver-
    folgen. Im dorsalen Ast eine Ranvier’sche Zelle RZ. Die letzten dorsalen
    Zellen etwas dislocirt.

    Der centrale Fortsatz der Zelle n dislocirt und abgerissen.

    Ein Zellkern ist nur in der Zelle c zu sehen, die übrigen Kerne
    durch die starke Färbung der Zellen unkenntlich.

    Im ventralen Ast zwei breite durchziehende Fasern dz. Mittelstarke
    durchziehende Fasern reichlich in beiden Ästen. Angelehnte Fasern deut-
    lich bei ang. Es sind zwei sympathische Äste vorhanden.
    HW = hintere Wurzel.
    v A = ventraler Ast.
    kz = Kleinzelle.
    d A = dorsaler Ast.
    gz = Grosszelle.
    zf = Zellenfasern.
    ang, ang’ = angelehnte Fasern.
    s A = sympathischer Ast.
    dz = breite durchziehende Faser.
    dz’ = mittelstarke durchziehende Faser.
    wf = um die Wurzel gewundene Faser.
    RZ = Ranvier’sche Zelle.

    Fig. 2. Spinalganglion von Ammocoetes, Goldpräparat, gezeichnet
    bei Hartnack 2/3, Obj. X konnte nicht angewendet werden, daher erschienen
    6*

  • S.

    85

    Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Th = Theilungen von Fasern.
    Th' = Theilung einer breiten Faser in zwei ungleich starke Äste.
    ang = angelehnte Faser.

    Fig. 2. Rückenmark von Petromyzon marinus. Ansicht von der
    vorderen Fläche. Alkohol-Karminpräparat. Vergrösserung 115.
    Vordere oberflächliche Faserkreuzung.
    C = Centralcanal.
    Mf = die Müller’schen (kolossalen) Fasern.
    Vhz = Vorderhornzellen.
    Cmf = Vordere Faserkreuzung.
    Th = Theilungen von Fasern.

    Fig. 3. Eine hintere Wurzel mit oberflächlicher Hinterzelle auf der
    Pia mater. Alkohol-Karminpräparat. Vergrösserung 220.
    h W = hintere Wurzel.
    zf = Zellenfaser.
    ohz = oberflächliche Hinterzelle.
    auf.f = aufsteigende Faser.

    Fig. 4. Vordere Wurzel, Goldpräparat. Vergrösserung 285.
    v W = vordere Wurzel.
    d = dorsaler Ast.
    v = ventraler Ast.
    kz = kleine, eingelagerte Zelle.

    Tafel III.

    Fig. 1. Flächenschnitt der Pia mater mit 5 hinteren Wurzeln und
    den oberflächlichen Fasern und Hinterzellen. Chromsäurepräparat mit Gold
    gefärbt. Vergrösserung 50. Bei hW², hW und hW' zwei halbe Wurzeln an
    Stelle einer einzigen.
    hw¹ – hw⁵ = hintere Wurzeln.
    ohz = oberflächliche Hinterzellen.
    auf. f = lange aufsteigende Fasern.
    qhz = in die Wurzel eingelagerte Hinterzelle.
    FZ = Faserzusammensetzungen im Verlaufe der aufsteigenden
    Fasern.

    Fig. 2. Flächenschnitt (Frontalschnitt) durch die Pia mater und die
    umgebenden Gewebe. Chromsäurepräparat mit Gold gefärbt. Vergrösse-
    rung 105.
    Zellen in den queren Verlauf der Wurzel eingelagert bei qhz
    und qhz'.
    sk G = sog. skeletbildendes Gewebe um den Rückenmarkskanal.
    D = Dura mater.
    Ar = Arachnoidealraum.
    Spg = Spinalganglion.
    G = Gefässdurchschnitt.

  • S.

    86

    M = Muskel.
    h W = hintere Wurzel.
    U = Umbiegung der hinteren Wurzelfasern im Rückenmark.
    v W = vordere Wurzel.
    Gf = Gefäss.
    qhz = querliegende, in die Wurzel eingelagerte Hinterzellen.

    Fig. 3. Hintere Wurzel mit aufsteigenden Fasern und oberfläch
    licher Hinterzelle aus einem Flächenschnitt der Pia mater. Chromsäure
    Goldpräparat. Vergrösserung 110.
    h W = hintere Wurzel.
    auf. f = aufsteigende Fasern aus einer früheren Wurzel.
    ohz = oberflächliche Hinterzelle.

    Fig. 4. Isolirte oberflächliche Hinterzelle auf der Pia mater. Chrom
    säure-Goldpräparat. Vergrösserung 110.
    ohz = oberflächliche Hinterzelle.
    zf = Wurzelfortsatz derselben.
    hw = Umbiegung desselben zur hinteren Wurzel,
    c = centraler Fortsatz.

    Tafel IV.

    Fig. 1. Ventraler Ast einer hinteren Wurzel und das ihn begleitende
    Gefäss. Eine der gefässbegleitenden Fasern gbf ist in den ventralen Ast
    der hinteren Wurzel zu verfolgen. Goldpräparat. Vergrösserung 225.
    spz = äusserste Spinalganglienzelle.
    v A = ventraler Ast.
    sz = sympathische Zelle.
    ez = in den ventralen Ast eingelagerte kleine Zelle.
    a A = von dem ventralen Ast abgehende Ästchen.
    gbf = gefässbegleitende Faser.
    z = Zweig der gefässbegleitenden Faser.
    ff = feine varicöse Fasern, in die sich die gefässbegleitende Faser
    auflöst.

    Fig. 2. Spinalganglion, ventraler Ast der hinteren Wurzel und
    das begleitende Gefäss. Der ventrale Ast vor der Einlagerung der ventralen
    Zellen gerissen. (*) Bei C eine Commissur zwischen zwei Nervenzellen.
    Goldpräparat. Vergrösserung 225.
    Sp G = Spinalgefäss.
    d = dorsaler.
    v = ventraler Ast.
    s = sympathischer Ast.
    ang = angelehnte Faser.
    dz' = durchziehende Faser in den sympathischen Ast.
    Th = Theilung einer den dorsalen Ast kreuzenden Faser.
    a A = Aste, die vom ventralen Ast abgehen.

  • S.

    87

    sz = sympathische Zelle.

    sdz = sympathische Doppelzelle.

    G A = Gefässäste.

    ff = feine Fasern, in die sich eine gefässbegleitende Faser auflöst.

    Gf = Gefäss.

    gbf = gefässbegleitende Faser.

    zs = Spinalganglienzelle, die ihren Fortsatz in den sympathischen
    Ast schickt.

    Fig. 3. Feines Netz varicöser Fasern auf der Pia mater. Gold-
    präparat. Vergrösserung 185.

    PM = Pia mater.

    Rmk = Rückenmark.

    Wz = Wurzel.

    G = Gefäss in der Pia mater.

    nf = Nervenfasern, die sich in das Netz var icöser Fasern auflösen

    A = ein Punkt, von welchem die sich auflösenden Nervenfasern und
    varicöse Fasern ausstrahlen.


    Aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien.

  • S.

    ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿

  • S.

    Fig. 1.

    sA

    dZ

    c

    kz

    dz’

    zf

    ang

    ang’

    wf

    kz

    v.A

    gz

    sA

    dz

    dz’

    n

    hw

    Rz

    a

    b

    c

    I

    R

    II

    p

    E

    F

    a

    b

    R

    II

    Fig. 4.

    Fig. 2.

    hw

    Rz

    ang

    gf

    sa

    dz’

    dpz

    k

    Fig. 3.

    hw

    Rz

    ang

    dz’

    gz

    az

    Rz’

    kza

    Gez. v. u. Vert. Lith. v. F. Schima.

    Druck v. J. Waagner, Wien.

  • S.

    Freud: Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon

    Taf. II

    Fig. 1.

    NW

    dz

    ang

    dz
    dz
    ang

    dz

    Th Th' zf

    Fig. 2.

    Cmf

    Th

    Vhz

    Mf C

    Cmf

    ohz

    auff

    af

    Fig. 3.

    hW

    vW

    Fig. 4.

    kz

    v

    d

    Gez. v. Verf. lith. v. F. Schima

    Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. Cl. LXXVIII. Bd. III. Abth. 1878.

    Druck v. J. Wagner, Wien

  • S.

    Taf. III

    Freud: Über Spinalganglien und Rückenmark des Petromyzon.

    Gez. v. Vert u. v. F. Schima.

    Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. Cl. LXXVIII. Bd. III. Abth. 1878.

    Druck v. J. Wagner Wien.

  • S.

    Taf. IV.

    Fig. 1.

    ff

    sz

    gbf

    z

    G

    vA

    aa

    gbf'

    z

    ff

    sdz

    Gf

    Fig. 2.

    Th

    hW

    SpG

    ang

    d

    ang

    dz'

    s

    zs

    ang

    s

    v

    G

    sz

    gbf

    GA

    aA

    nf

    Rmk

    Fig. 3.

    Wz

    P.M.

    nf

    G

    gbf

    Wz

    A

    nf

    Gez. v. Verf. lith. v. F. Schima.

    Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. Cl. LXXVIII. Bd. III. Abth. 1878.