S.
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24/5 1937 Wenn Moses ein Aegypter war...
von
Sigm. FreudIn einem früheren Beitrag zu dieser
Zeitschrift x) habe ich die Vermutung, dass
der Mann Moses, der Befreier und Gesetz=
geber des jüdischen Volkes kein Jude sondern
ein Aegypter war, durch ein neues Argument
zu bekräftigen versucht. Dass sein Name aus
dem aegyptischen Sprachschatz stammt, war
längst bemerkt wenn auch nicht ent=
sprechend gewürdigt worden; ich habe
hinzugefügt, dass die Deutung des an
Moses geknüpften Aussetzungsmythus
zum Schluss nötige, er sei ein Aegypter
gewesen, den das Bedürfnis eines Volkes
zum Juden machen wollte. Am Ende
meines Aufsatzes habe ich gesagt, dass sich
wichtige und weittragende Folgerungen
aus der Annahme ableiten, dass Moses
ein Aegypter gewesen sei; ich sei aber
nicht bereit, öffentlich für diese ein=
zutreten, denn sie ruhen nur auf psycho=
logischen Wahrscheinlichkeiten und ent=
behren eines objektiven Beweises. Je
bedeutsamer die so gewonnenen Einsichten
sind, desto stärker verspüre man die
Warnung sie nicht ohne sichere Be=
gründung dem kritischen Angriff der
Umweltgleichsam wie ein ehernes Bildauf tönernen Füssenauszusetzen.
Keine noch so verführerische Wahrscheinlichkeit
schütze vor Irrtum; selbst wenn alle Teile
eines Problems sich einzuordnen scheinen
wie die Stücke eines Zusammenleg=
spieles müsste man daran denken, dass
das Wahrscheinliche nicht notwendig das
Wahre sei und die Wahrheit nicht
immer wahrscheinlich. Und endlich sei
es nicht verlockend den Scholastikern
und Talmudisten angereiht zu werden
die es befriedigt ihren Scharfsinn spielen
zu lassen, gleichgültig dagegen, wie
fremd der Wirklichkeit ihre Behaup=
tung sein mag.x) Imago XXIII, Heft 1.
S.
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Ungeachtet dieser Bedenken die heute
so schwer wiegen wie damals, ist aus dem
Widerstreit meiner Motive der Entschluss
hervorgegangen auf jene erste Mitteilung
diese Fortsetzung folgen zu lassen.
Aber es ist wiederum nicht das Ganze
und nicht das wichtigste Stück des Ganzen.I.
Wenn also Moses ein Aegypter war –
so ist der erste Gewinn aus dieser
Annahme eine neue, schwer zu beant-
wortende Rätselfrage. Wenn ein Volk
oder ein Stamm x) sich zu einer grossen
Unternehmung anschickt so ist nichts anderes
zu erwarten, als dass einer von den
Volksgenossen sich zum Führer aufwirftRolleoder zu dieser Stellung durch Wahl
bestimmt wird. Aber was einen vor=
nehmen Aegypter – vielleicht Prinz,
Priester, hohen Beamten – bewegen sollte
sich an die Spitze eines Haufens von ein=
gewanderten, kulturell rückständigen
Fremdlingen zu stellen und mit ihnen
das Gastland zu verlassen, das ist
nicht leicht zu erraten. Die bekannte
Verachtung des Aegypters für ein ihm
fremdes Volkstum macht einen
solchen Vorgang besonders unwahr=
scheinlich. Ja ich möchte glauben gerade
darum haben selbst Historiker die den Namen
als aegyptischselbsterkannten und dem Mann
alle Weisheit Aegyptens zuschrieben
die nahe liegende Möglichkeit nicht auf=
nehmen wollen, dass Moses ein Aegypter
war.Zu dieser ersten Schwierigkeit kommt
bald eine zweite hinzu. Wir dürfen
nicht vergessen, dass Moses nicht nur
der politische Führer der in Aegypten
ansässigen Juden war, er war auch
ihr Gesetzgeber, Erzieher, und zwang sie
in den Dienst einer neuen Religion
die noch heute nach ihm die mosaische
genannt wird. Aber kommt einx) Wir haben keine Vorstellung davon um
welche Zahlen es sich beim Auszug aus
Aegypten handelt.S.
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einzelner Mensch so leicht dazu eine neue Religion
zu schaffen? Und wenn jemand die Religion
eines Anderen beeinflussen will, ist es
nicht das Natürlichste, dass er ihn zu seiner
eigenen Religion bekehrt? Das Judenvolk
in Aegypten war sicherlich nicht ohne irgend
eine Form von Religion, und wenn
Moses der ihm eine neue gegeben ein
Aegypter war, so ist die Vermutung nicht
abweisen, dass diese andere, neue Re=
ligion die aegyptische war.Dieser Möglichkeit steht etwas im Wege: die
Tatsache des schärfsten Gegensatzes zwischen
der auf Moses zurückgeführten jüdischen
Religion und der aegyptischen. Die erstere
ein grossartig starrer Monotheismus;
es giebt nur einen Gottund zwar, er
ist allmächtig, einzig, unnahbar, man
verträgt seinen Anblick nicht, darf
sich kein Bild von ihm machen, nicht
einmal seinen Namen aussprechen.
In der aegyptischen Religion eine kaum
übersehbare Schar von Gottheiten ver=
schiedener Würdigkeit und Herkunft
einige Personifikationen von grossen
Naturmächten wie Himmel und Erde,
Sonne und Mond,aucheinmalsogar
eine Abstraktion wie die Maat
(Wahrheit, Gerechtigkeit) oder eine
Fratze wie der zwerghafte Bes, die meisten
aber Lokalgötter aus der Zeit da das Land in
zahlreiche Gaue zerfallen war, thierge=
staltig, als hätten sie die Entwicklung
aus den alten Totemthieren noch
nicht überwunden, unscharf von ein=
ander unterschieden, kaum dass ein=
zelnen besondere Funktionen zuge=
wiesen sind. Die Hymnen zu Ehren
dieser Götter sagen ungefähr von
jedem das Nämliche aus, identificieren
sie mit einander ohne Bedenken in
einer Weise die uns hoffnungslos
verwirren würde. Götternamen
werden mit einander kombiniert so
dass der eine fast zum Beiwort des
anderen herabsinkt; so heisst in der
Blüthezeit des „Neuen Reiches“ der
Hauptgott der Stadt Theben Amon-Ra,S.
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in welchen Zusammensetzungen der erste Teil
den widderköpfigen Stadtgott bedeutet
während Ra der Name des sperberköpfi=
gen Sonnengottes von On ist. Magische
und Zeremonienhandlungen, Zaubersprüche
und Amulete beherrschten den Dienst
dieser Götter wie das tägliche Leben
des Aegypters.Manche dieser Verschiedenheiten mögen
sich leicht aus dem prinzipiellen Gegen=
satz eines strengen Monotheismus mit
einem uneingeschränkten Polytheismus
ableiten. Andere sind offenbar Folgen
des Unterschieds im geistigen Niveau,
da die eine Religion primitiven Phasen
sehr nahe steht, die andere sich zu den
Höhen sublimer Abstraktion aufge=
schwungen hat. Auf diese beiden Mo=
mente mag es zurückgehen, wenn
man gelegentlich den Eindruck empfängt
der Gegensatz zwischen der mosaischen
und der aegyptischen Religion sei
ein gewollter und absichtlich ver=
schärfter, z.B. wenn die eine jede
Art von Magie und Zauberwesen
aufs Strengste verdammt, die doch in
der anderen aufs Üppigste wuchern.
Oder wenn der unersättlichen Lust der
Aegypter ihre Götter in Thon, Stein
und Erz zu verkörpern, der heute
unsere Museen soviel verdanken,
das rauhe Verbot entgegengesetzt
wird, irgend ein lebendes oder ge=
dachtes Wesen in einem Bildnis dar=
zustellen. Aber es giebt noch einen
anderen Gegensatz zwischen beiden
Religionen durch den die von uns
versuchten Erklärungen nicht getroffen
werden. Kein anderes Volk des Altertums hat
soviel gethan, um den Tod zu ver=
leugnen, hat so peinlich vorgesorgt
eine Existenz im Jenseits zu
ermöglichen und dem Entsprechend
war der Totengott Osiris, der
Beherrscher dieser anderen Welt,
der populärste und unbestrittenste
aller ägyptischen Götter. Die altjüdische Re=
ligion hingegen hat auf die Un=
sterblichkeit voll verzichtet,S.
5
der Möglichkeit einer Fortsetzung der Existenz
nach dem Tode wird nirgends und
niemals Erwähnung gethan. Und dies ist
umso merkwürdiger als ja spätere Er=
fahrungen gezeigt haben, dass der Glaube
an ein jenseitiges Dasein mit einer
monotheistischen Religion sehr gut ver=
einbart werden kann.Wir hatten gehofft, die Annahme Moses sei
ein Aegypter gewesen, werde sich nach
verschiedenen Richtungen als fruchtbar
und aufklärend erweisen. Aber unsere
erste Folgerung aus dieser Annahme die
neue Religion die er den Juden gegeben
sei seine eigene, die aegyptische gewesen,
ist an der Einsicht in die Verschieden=
heit, ja Gegensätzlichkeit der beiden
Religionen gescheitert.II.
Eine merkwürdige Tatsache der aegypti=
schen Religionsgeschichte die erst spät er=
kannt und gewürdigt worden ist, eröff=
net uns doch eine Aussicht. Es bleibt
möglich, dass die Religion die Moses
seinem Judenvolk gab, doch seine eigene
war, eine aegyptische Religion, wenn
auch nicht die aegyptische.In der glorreichen 18ten Dynastie unter
der Aegypten zuerst ein Weltreich
wurde, kam um das Jahr 1375 v. Chr. ein
junger Pharao auf den Thron, der zuerst
Amenhotep (IV) hiess, wie sein Vater,
später aber seinen Namen änderte,
und nicht blos seinen Namen. Dieser
König unternahm es seinen Aegyptern
eine neue Religion aufzudrängen
die ihren jahrtausende alten Traditi=
onen und all ihren vertrauten
Lebensgewohnheiten zuwiderlief. Es war
ein strenger Monotheismus, der erste
Versuch dieser Art in der Weltgeschichte
soweit unsere Kenntnis reicht, und
mit dem Glauben an einen einzigen
Gott wurde wie unvermeidlich die
religiöse Intoleranz geboren die dem
Altertum vorher – und noch lange
nachher – fremd geblieben. Aber die
Regierung Amenhoteps dauerte nur
17 Jahre; sehr bald nach seinem 1358S.
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erfolgten Tode war die neue Religion
hinweggefegt, das Andenken des ketzerischen
Königs geächtet. Aus dem Trümmerfeld
der neuen Residenz, die er erbaut und
seinem Gott geweiht hatte, und aus den
Inschriften in den zu ihr gehörigen Fels=
gräbern rührt das Wenige her was wir
über ihn wissen. Alles was wir über
diese merkwürdige, ja einzigartige
Persönlichkeit erfahren können x)
ist des höchsten Interesses würdig.Alles Neue muss seine Vorbereit=
ungen und Vorbedingungen in
Früherem haben. Die Ursprünge des
aegyptischen Monotheismus lassen sich mit
einiger Sicherheit ein Stück weit zurück=
verfolgen. x) In der Priesterschule des Sonnen=
tempels zu On (Heliopolis) waren seit
längerer Zeit Tendenzen thätig, um die
Vorstellung eines universellen Gottes
zu entwickeln und die ethische Seite
seines Wesens zu betonen. Maat,
die Göttin der Wahrheit, Ordnung,
Gerechtigkeit war eine Tochter des
Sonnengottes Re. Schon unter Amen=
hotep III, dem Vater und Vorgänger des
Reformators, nahm die Verehrung des Sonnen=
gottes einen neuen Aufschwung, wahrscheinlich
in Gegnerschaft zum übermächtig ge=
wordenen Amon von Theben. Ein ur=
alter Name des Sonnengottes Aton
oder Atum wurde neu hervorgeholt
und in dieser Atonreligion fand
der junge König eine Bewegung vor,
die er nicht erst zu erwecken brauchte
der er sich anschliessen konnte.
Die politischen Verhältnisse Aegyp=
tens hatten um diese Zeit begonnen
die aegyptische Religion nachhaltig zu
beeinflussen. Durch die Waffenthatenx) "The first individual in human history"
nennt ihn Breasted.x) das Nachfolgende hauptsächlich nach den Dar=
stellungen von J. Breasted in seiner History of
Egypt 1906, The Dawn of
Conscience 1934 und den entsprechenden Ab=
schnitten in "The Cambridge Ancient History
Vol. II."S.
7
des grossen Eroberers Thotmes III war Ae=
gypten eine Weltmacht geworden, im
Süden war Nubien, im Norden Pal=
ästina, Syrien und ein Stück von Meso=
potamien zum Reich hinzugekommen.
Dieser Imperialismus spiegelte sich nun
in der Religion als Universalismus
und Monotheismus. Da die Fürsorge
des Pharao jetzt ausser
Aegypten auch Nubien und Syrien
umfasste, musste auch die Gottheit ihre
nationale Beschränkung aufgeben,
und wie der Pharao der einzige und
unumschränkte Herrscher der dem Ae=
gypter bekannten Welt war, so musste
wohl auch die neue Gottheit die der Aegypter
werden. Zudem war es natürlich, dass
mit der Erweiterung der Reichsgrenzen
Aegypten für ausländische Einflüsse zugäng=
licher wurde, manche der königlichen Frauen
waren asiatische Prinzessinnen und mög=
licherweise waren selbst direkte Anregungen
zum Monotheismus aus Syrien
eingedrungen.
Amenhotep hat seinen Anschluss an den
Sonnenkult von On niemals verleugnet.
In den zwei Hymnen an den Aton, die
uns durch die Inschriften in den Fels=
gräbern erhalten geblieben sind und
wahrscheinlich von ihm selbst gedichtet
wurden, preist er die Sonne als Schöpfer
und Erhalter alles Lebenden in und
ausserhalb Aegyptens mit einer Inbrunst,
wie sie erst viele Jahrhunderte später
in den Psalmen zu Ehren des jüdischen
Gottes Jahve wiederkehrt. Er begnügte sich
aber nicht mit dieser erstaunlichen
Vorwegnahme der wissenschaftlichen
Erkenntnis von der Wirkung der
Sonnenstrahlung. Es ist kein Zweifel, dass er
einen Schritt weiter gieng, dass er
die Sonne nicht als materielles Objekt
verehrte, sondern als Symbol eines göttlichen
Wesens, dessen Energie sich in ihren Strahlen
kund gab. x)x) Vielleicht selbst Amenhoteps geliebte Gemahlin
Nofertete.x) Breasted, History of Egypt, p 360: "But however evident
S.
8
the Heliopolitan origin of the new state religion
might be, it was not merely sun-worship; the
word Aton was employed in the place of the
old word for "god" (nuter) and the god
is clearly distinguished from the material
sun" – "It is evident that what the King was
deifying, was the force by which the Sun
made itself felt on earth" (Dawn of Con=
science, p 279) – ähnlich das Urteil über
eine Formel zu Ehren des Gottes bei
A. Erman (Die aegyptische Religion 1905): "es
sind . . Worte, die möglichst abstrakt aus=
drücken sollen, dass man nicht das Gestirn
selbst verehrt, sondern das Wesen, das
sich in ihm offenbart."Wir werden dem König aber nicht
gerecht, wenn wir ihn nur als den Anhänger
und Förderer einer schon vor ihm be=
stehenden Atonreligion betrachten. Seine
Thätigkeit war weit eingreifender. Er
brachte etwas Neues hinzu, wodurch die
Lehre vom universellen Gott erst zum
Monotheismus wurde, das Moment der
Ausschliesslichkeit. In einer seiner Hymnen
wird es direkt ausgesagt: "Oh Du einziger
Gott, neben dem kein Anderer ist." x) Und wir wollen nicht vergessen, dass
für die Würdigung der neuen Lehre
die Kenntnis ihres positiven Inhalts allein
nicht genügt; beinahe ebenso wichtig ist ihre
negative Seite, die Kenntnis dessen, was
sie verwirft. Es wäre auch irrtümlich an=
zunehmen, dass die neue Religion mit
einem Schlage fertig und voll gerüstet ins
Leben gerufen wurde wie Athene
aus dem Haupt des Zeus. Vielmehr spricht
alles dafür, dass sie während der Regier=
ung Amenhotep's allmälich erstarkte zu
immer grösserer Klarheit, Konsequenz,
Schroffheit und Unduldsamkeit. Wahr=
scheinlich vollzog sich diese Entwicklung
unter dem Einfluss der heftigen
Gegnerschaft, die sich unter den Priestern
des Amon gegen die Reform des
Königs erhob. Im 6ten Jahreseiner
der Regierung Amenhotep's war diex) l.c. History of Egypt, p 374.
S.
9
Verfeindung soweit gediehen, dass der König
seinen Namen änderte, von dem der nun
verpönte Gottesname Amon ein Teil war.
Er nannte sich anstatt Amenhotep jetzt Ikh=
nation x). Aber nicht nur aus seinem
Namen tilgte er den des verhassten Gottes
aus, sondern auch aus allen Inschriften
und selbst dort, wo er sich im Namen seines
Vaters Amenhotep III fand. Bald nach der
Namensänderung verliess Ikhnaton das
von Amon beherrschte Theben und erbaute
sich stromabwärts eine neue Residenz,
die er Akhetaton (Horizont des Aton) nannte. x)
Ihre Trümmerstätte heisst heute Tell-el-Amarna.
Die Verfolgung des Königs traf Amon am
härtesten, aber nicht ihn allein. Überall
im Reiche wurden die Tempel geschlossen,
der Gottesdienst untersagt, die Tempelgüter
beschlagnahmt. Ja der Eifer des Königs
gieng so weit, dass er die alten Denk=
mäler untersuchen liess, um das Wort
„Gott“ in ihnen auszumerzen, wenn
es in der Mehrzahl gebraucht war. x)
Es ist nicht zu verwundern, dass diese Mass=
nahmen Ikhnatons eine Stimmung fanati=
scher Rachsucht bei der unterdrückten Prie=
sterschaft und beim unbefriedig
ten Volk hervorriefen, die sich nach
des Königs Tode frei bethätigen konnte.
Die Atonreligion war nicht populär
geworden, war wahrscheinlich auf einen
kleinen Kreis um seine Person be=
schränkt geblieben. Der Ausgang Ikh=
naton's bleibt für uns in Dunkel
gehüllt. Wir hören von einigen kurz=
lebigen schattenhaften Nachfolgern
aus seiner Familie. Schon sein
Schwiegersohn Tutankhaton wurdex) Ich folge bei diesem Namen der englischen
Schreibart (sonst Akhenaton). Der
neue Name des Königs be=
deutet ungefähr dasselbe wie sein früherer:
Der Gott ist zufrieden. Vgl. unser Gotthold,
Gottfried.x) Dort wurde 1887 die für die Geschichts=
kenntnis so wichtige Korrespondenz der
aegyptischen Könige mit den Freunden
und Vasallen in Asien gefunden.x) l.c. History of Egypt, p 363.
S.
10
genötigt nach Theben zurückzukehren und
in seinem Namen den Gott Aton durch Amon zu ersetzen.
Dann folgte eine Zeit der Anarchie bis
es dem Feldherrn Haremhab (1350) gelang
die Ordnung wieder herzustellen. Die
glorreiche 18te Dynastie war erloschen,
gleichzeitig deren Eroberungen in
Nubien und Asien verloren gegangen.
In dieser trüben Zwischenzeit waren die
alten Religionen Aegyptens wieder
eingesetzt worden. Die Atonreligion
war abgethan, die Residenz Ikhnaton's
zerstört und geplündert, sein Andenken
als das eines Verbrechers geächtet.Es dient einer bestimmten Absicht,
wenn wir nun einige Punkte aus
der negativen Charakteristik der
Atonreligion herausheben. Zunächst
dass alles Mythische, Magische und Zauberi=
sche von ihr ausgeschlossen ist. x)
Sodann die Art der Darstellung des Sonnengottes, nicht
mehr wie in früherer Zeit durch eine
kleine Pyramide und einen Falken
sondern, was beinahe nüchtern zu nennen
ist, durch eine runde Scheibe von der
Strahlen ausgehen, die in menschlichen
Händen endigen. +) Endlich das völlige
Schweigen über den Totengott Osiris
und das Totenreich. Weder die Hymnen
noch die Grabinschriften wissen etwas
von dem, was dem Herzen des Aegypters vielleicht
am nächsten lag. Der Gegen=
satz zur Volksreligion kann nicht
deutlicher veranschaulicht werden. x)+) Trotz aller Kunstfreudigkeit der Amarna=
periode ist eine andere Darstellung
des Sonnengottes ein persönliches Bild des
Aton nicht gefunden worden und
man darf es zuversichtlich sagen es
wird nicht gefunden werden.x) Erman l.c. p 70: „vom Osiris und seinem Reich
sollte man nichts mehr hören.“ – Breasted
D. of C. p 291: „Osiris is completely ignored. He
is never mentioned in any record of Ikh=
naton or in any of the tombs at Amarna.“S.
11
III.
Wir möchten jetzt den Schluss wagen: wenn
Moses ein Aegypter war und wenn er
den Juden seine eigene Religion übermittelte
so war es die des Ikhnaton, die Atonreligion.Wir haben vorhin die jüdische Religion
mit der aegyptischen Volksreligion ver=
glichen und die Gegensätzlichkeit
zwischen beiden festgestellt. Nun sollen
wir einen Vergleich der jüdischen mit
der Atonreligion anstellen in der Er=
wartung die ursprüngliche Identität der
beiden zu erweisen. Wir wissen, dass
uns keine leichte Aufgabe gestellt ist. Von
der Atonreligion wissen wir dank der
Rachsucht der Amonpriester vielleicht zu
wenig. Die mosaische Religion kennen
wir nur in einer Endgestaltung wie
sie etwa 800 Jahre später in nachexil=
ischer Zeit von der jüdischen Priester=
schaft fixiert wurde. Sollten wir
trotz dieser Ungunst des Materials
einzelne Anzeichen finden, die
unserer Annahme günstig sind, so werden
wir sie hoch einschätzen dürfen.Es gäbe einen kurzen Weg zum
Erweis unserer These, dass die mosaische
Religion nichts anderes ist als die des
Aton, nämlich über ein Geständnis, eine
Proklamation. Aber ich fürchte, man
wird uns sagen, dass dieser Weg nicht gangbar ist.
Das jüdische Glaubensbekenntnis lautet
bekanntlich: Schema Jisroel Adonai
Elohenu Adonai Echod. Wenn der
Name des aegyptischen Aton (oder Atum)
nicht nur zufällig an das hebräische
Wort Adonai und den syrischen Gottesnamen
Adonis anklingt, sondern in Folge
urzeitlicher Sprach- und Sinngemein=
schaft, so könnte man jene jüdische
Formel übersetzen: Höre Israel
unser Gott Aton (Adonai) ist ein
einziger Gott. Ich bin leider völlig
inkompetent um diese Frage zu
beantworten, konnte auch
wenig darüber in der
Literatur finden, x) aber wahrscheinlich
darf man es sich nicht so leicht machen.S.
12
Übrigens werden wir auf die Probleme
des Gottesnamens noch einmal zurückkommen
müssen.Die Ähnlichkeiten wie die Verschiedenheiten
der beiden Religionen sind leicht ersichtlich
ohne uns viel Aufklärung zu bringen.
Beide sind Formen eines strengen Mono=
theismus, und man wird von vornherein
geneigt sein, was an ihnen Überein=
stimmung ist, auf diesen Grundcharakter
zurückzuführen. Der jüdische Monotheismus
benimmt sich in manchen Punkten noch
schroffer als der aegyptische, z.B. wenn
er bildliche Darstellungen überhaupt
verbietet. Der wesentlichste
Unterschied zeigt sich – vom Gottesnamen
abgesehen – darin, dass die jüdische Religion
völlig von der Sonnenverehrung abgeht,
an die sich die aegyptische noch angelehnt
hatte. Beim Vergleich mit der aegyptischen
Volksreligion hatten wir den Eindruck
empfangen, dass ausser dem prinzipiellen
Gegensatz ein Moment von absichtlichem
Widerspruch an der Verschiedenheit
der beiden Religionen beteiligt wäre.
Dieser Eindruck erscheint nun als berechtigt
wenn wir im Vergleich die jüdische
durch die Atonreligion ersetzen,
die Ikhnaton, wie wir wissen, in absicht=
licher Feindseligkeit gegen die Volks=
religion entwickelt hat. Wir hatten uns
mit Recht darüber verwundert, dass
die jüdische Religion vom Jenseits und
vom Leben nach dem Tode nichts wissen
will, denn eine solche Lehre wäre mit
dem strengsten Monotheismus verein=
bar. Diese Verwunderung schwindet
wenn wir von der jüdischen auf die
Atonreligion zurückgehen und annehmen
dass diese Ablehnung von dorther über=
nommen worden ist, denn für Ikh=
naton war sie eine Notwendigkeit
bei der Bekämpfung der Volksreligion
in der der Totengott Osiris eine
vielleicht größere Rolle spielte als
irgend ein Gott der Oberwelt. Die
Übereinstimmung der jüdischen mit der
Atonreligion in diesem wichtigen
Punkte ist das erste starke Argument
zu Gunsten unserer These. Wir
werden hören, dass es nicht das
einzige ist.S.
13
Moses hat den Juden nicht nur eine
neue Religion gegeben; man kann
auch mit gleicher Bestimmtheit behaupten
dass er die Sitte der Beschneidung bei
ihnen eingeführt hat. Diese Tatsache hat eine
entscheidende Bedeutung für unser Problem
und ist kaum je gewürdigt worden. Der
biblische Bericht widerspricht ihr zwar
mehrfach, er führt einerseits die Beschneidung in
die Urväterzeit zurück als Zeichen des
Bundes zwischen Gott und Abraham, an=
derseits erzählt er an einer ganz besonders
dunkeln Stelle dass Gott Moses zürnte
weil er den geheiligten Gebrauch ver=
nachlässigt hatte, dass er ihn darum töten
wollte und dass Moses’ Ehefrau, eine Midian=
iterin, den bedrohten Mann durch rasche
Ausführung der Operation vor Gottes
Zorn rettete. Aber dies sind Entstellungen
die uns nicht irre machen dürfen; wir
werden später Einsicht in ihre Motive
gewinnen. Es bleibt bestehen, dass es auf
die Frage woher kam die Sitte der Be=
schneidung zu den Juden nur eine
Antwort giebt: aus Aegypten. Herodot
der „Vater der Geschichte“ teilt uns mit,
dass die Sitte der Beschneidung in Aegyp=
ten seit Jahrtausenden heimisch war,
und seine Angaben sind durch die Befunde
an Mumien ja durch Darstellungen an
den Wänden von Gräbern bestätigt worden.
Kein anderes Volk des östlichen Mittelmeeres hat soviel
wir wissen diese Sitte geübt, von den
Semiten, Babyloniern Sumerern ist
es sicher anzunehmen dass sie unbe=
schnitten waren. Von den Einwohnern
Kanaans sagt es die biblische Geschichte
selbst, es ist die Voraussetzung für
den Ausgang des Abenteuers der Tochter
Jakobs mit dem Prinzen von Sichem. x)x) Wenn wir mit der biblischen Tradition so
selbstherrlich und willkürlich verfahren,
sie zur Bestätigung heranziehen wo sie
uns taugt, und sie unbedenklich verwer=
fen wo sie uns widerspricht, so wissen
wir sehr wol, dass wir uns dadurch
ernster methodischer Kritik aussetzen
und die Beweiskraft unserer Aus=
führungen abschwächen. Aber es ist die
einzige Art wie man ein MaterialS.
14
behandeln kann von dem man mit Bestimmt=
heit weiss dass seine Zuverlässigkeit durch
den Einfluss entstellender Tendenzen
schwer geschädigt worden ist. Eine gewisse
Rechtfertigung hofft man später zu
erwerben wenn man jenen geheimen
Motiven auf die Spur kommt. Sicherheit
ist ja überhaupt nicht zu erreichen
und übrigens dürfen wir sagen, dass alle
anderen Autoren ebenso vorgegangen sind.Die Möglichkeit dass die in Aegypten wei=
lenden Juden die Sitte der Beschneidung
auf anderem Wege angenommen als
im Zusammenhang mit der Religions=
stiftung Moses’ dürfen wir als völlig
haltlos abweisen. Nun halten wir fest
dass die Beschneidung als allgemeine
Volkssitte in Aegypten geübt wurde
und nehmen für einen Augenblick
die gebräuchliche Annahme hinzu, dass
Moses ein Jude war der seine Volks=
genossen von aegyptischem Frondienst
befreien sie zur Entwicklung einer
selbständigen und selbstbewussten
nationalen Existenz ausser Landes
führen wollte, wie es ja wirklich
geschah – welchen Sinn konnte es haben
dass er ihnen zur gleichen Zeit eine
beschwerliche Sitte aufdrängte, die sie
gewissermassen selbst zu Aegyptern
machte die ihre Erinnerung an Aegypten
immer wach halten musste, während
sein Streben doch nur aufs Gegenteil
gerichtet sein konnte, dass sein Volk
sich dem Lande der Knechtschaft ent=
fremden und die Sehnsucht nach den
„Fleischtöpfen Aegyptens“ überwinden
sollte? Nein die Thatsache, von der wir
ausgegangen und die Annahme die wir
an sie anfügten sind so unvereinbar
mit einander, dass man den Mut
zu einer Schlussfolge findet. Wenn
Moses den Juden nicht nur eine
neue Religion, sondern auch das Gebot
der Beschneidung gab, so war er
kein Jude, sondern ein Aegypter,
und dann war die mosaische Religion
wahrscheinlich eine aegyptische und zwar
wegen des Gegensatzes zur Volksreligion
die Religion des Aton, mit der die
spätere jüdische Religion auch in einigen
bemerkenswerten Punkten überein=
stimmt.S.
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Wir haben bemerkt, dass unsere An=
nahme, Moses sei kein Jude sondern
ein Aegypter ein neues Rätsel schafft.
Die Handlungsweise die beim Juden leicht
verständlich schien, wird beim Aegypter
unbegreiflich. Wenn wir aber Moses in
die Zeit des Ikhnaton versetzen und in
Beziehung zu diesem Pharao bringen
dann schwindet dieses Rätsel und es
enthüllt sich die Möglichkeit einer
Motivierung die alle unsere Fragen
beantwortet. Gehen wir von der Voraus=
setzung aus, dass Moses ein vornehmer
und hochstehender Mann war, vielleicht
wirklich ein Mitglied des königlichen
Hauses wie die Sage von ihm behauptet.
Er war gewiss seiner großen Fähigkeiten
bewusst ehrgeizig und thatkräftig, viel=
leicht schwebte ihm selbst das Ziel vor
eines Tages das Volk zu leiten, das Reich
zu beherrschen. Dem Pharao nahe, war
er ein überzeugter Anhänger der neuen
Religion, deren Grundgedanken er sich
zu eigen gemacht hatte. Mit dem Tod des
Königs und dem Einsetzen der Reaktion
sah er all seine Hoffnungen und Aussichten
zerstört; wenn er seine ihm theuren
Überzeugungen nicht abschwören wollte
hatte ihm Aegypten nichts mehr zu bieten,
er hatte sein Vaterland verloren. In
dieser Nothlage fand er einen ungewöhn=
lichen Ausweg. Der Träumer Ikhnaton
hatte sich seinem Volk entfremdet und
hatte sein Weltreich zerbröckeln lassen.
Moses’ energischer Natur entsprach der Plan
ein neues Reich zu gründen, ein neues
Volk zu finden, dem er die von
Aegypten verschmähte Religion zur
Verehrung schenken wollte. Es war wie
man erkennt ein heldenhafter Versuch
das Schicksal zu bestreiten sich nach zwei
Richtungen zu entschädigen für die
Verluste die ihm die Katastrophe
Ikhnaton’s gebracht hatte. Vielleicht war
er zur Zeit Statthalter jener Grenz=
provinz (Gosen), in der sich (noch zur Zeit
der Hyksos?) gewisse semitische Stämme
niedergelassen hatten. Diese wählte er
aus, dass sie sein neues Volk sein
sollten. Eine weltgeschichtliche Ent=
scheidung! x)S.
16
Er setzte sich mit ihnen in's Einvernehmen,
stellte sich an ihre Spitze, besorgte ihre Ab=
wanderung "mit starker Hand". In vollem
Gegensatz zur biblischen Tradition sollte
man annehmen, dass sich dieser Auszug fried=
lich und ohne Verfolgung vollzog. Die Autori=
tät Moses' ermöglichte ihn und eine Central=
gewalt, die ihn hätte verhindern wollen,
war damals nicht vorhanden.
Zufolge dieser unserer Konstruktion
würde der Auszug aus Aegypten in
die Zeit zwischen 1358 und 1350 fallen,
d.h. nach dem Tode Ikhnaton's und vor
der Herstellung der staatlichen Autorität
durch Haremhab. x) Das Ziel der Wanderung
konnte nur das Land Kanaan sein. Dort waren
nach dem Zusammenbruch der aegyptischen
Herrschaft Schaaren von kriegerischen
Aramäern eingebrochen erobernd und
plündernd und hatten so gezeigt, wo ein
tüchtiges Volk sich neuen Landbesitz
holen konnte. Wir kennen diese Krieger
aus den Briefen die 1887 im Archiv der
Ruinenstadt Amarna gefunden wurden.
Sie werden dort Habiru genannt und
der Name ist man weiss nicht wie, auf
die später kommenden jüdischen Eindring=
linge – Hebräer – übergegangen, die
in den Amarnabriefen nicht gemeint
sein können. Südlich von Palaestina
– in Kanaan – wohnten auch jene Stämme
die die nächsten Verwandten der
jetzt aus Aegypten ausziehenden Juden
waren.
Die Motivierung die wir für das Ganze des
Auszugs erraten haben, deckt auch die
Einsetzung der Beschneidung. Man weiss
in welcher Weise sich die Menschen,
Völker wie Einzelne, zu diesem
uralten kaum mehr verstandenen
Gebrauch verhalten. Denjenigen, die ihn
nicht üben erscheint er sehr befremd=
lich und sie grausen sich ein wenig
davor – die anderen aber die die Beschneid=
ung angenommen haben, sind stolz darauf.Note x) Das wäre etwa ein Jahrhundert früher als
die meisten Historiker annehmen die ihn
in die 19te Dynastie unter Merneptah ver=
legen.S.
17
Sie fühlen sich durch sie erhöht wie ge=
adelt und schauen verächtlich auf die anderen
herab die ihnen als unrein gelten. Noch
heute beschimpft der Türke den Christen
als "unbeschnittenen Hund". Es ist glaublich
dass Moses der als Aegypter selbst beschnitten
war diese Einstellung theilte. Die Juden
mit denen er das Vaterland verliess
sollten ihm ein besserer Ersatz sein für die
Aegypter sein die er im Lande zurück=
liess. Auf keinen Fall durften sie
hinter diesen zurück stehen. "Ein geheiligtes
Volk" wollte er aus ihnen machen wie
noch ausdrücklich im biblischen Text gesagt
wird und als Zeichen solcher Weihe führte
er auch bei ihnen die Sitte ein die sie
den Aegyptern mindestens gleichstellte.
Auch konnte es ihm nur willkommen sein
wenn sie durch ein solches Zeichen isoliert
und von der Vermischung mit den
Fremdvölkern abgehalten wurden zu
denen ihre Wanderung sie führen sollte,
ähnlich wie die Aegypter selbst sich von
allen Fremden abgesondert hatten. x)
Aber die jüdische Tradition benahm sich später
als wäre sie durch die Schlussfolge bedrückt,
die wir vorhin entwickelt haben. Wenn
man zugestand, dass die Beschneidung eine
aegyptische Sitte war die Moses eingeführt
hatte, so war das beinahe so viel wie eine
Anerkennung, dass die Religion die Moses
ihnen überliefert, auch eine aegyptische gewesen
war. Aber man hatte gute Gründe diese
Thatsache zu verleugnen; folglich musste
man auch dem Sachverhalt in Betreff der
Beschneidung widersprechen.Note x) Herodot, der Aegypten um 450 v. Chr. besuchte,
giebt in seinem Reisebericht eine Char=
akteristik des aegyptischen Volkes die eine
erstaunliche Ähnlichkeit mit bekannten
Zügen des späteren Judentums aufzeigt:
"Sie sind überhaupt in allen Punkten
frömmer als die übrigen Menschen, von
denen sie sich auch schon durch manche
ihrer Sitten trennen. So durch die Beschneid=
ung, die sie zuerst und zwar aus Reinlichkeits=
gründen eingeführt haben; des weiteren
durch ihren Abscheu vor den Schweinen,
der gewiss damit zusammenhängt, dass Set
als ein schwarzes Schwein den Horus
verwundet hatte, und endlich und am meisten
durch ihre Ehrfurcht vor den Kühen,S.
18
die sie nie opfern oder essen würden weil
sie damit die kuhhörnige Isis beleidigen
würden. Deshalb würde kein Aegypter und
keine Aegypterin je einen Griechen
küssen oder sein Messer, seinen Brat=
spiess oder seinen Kessel gebrauchen
oder von dem Fleisch eines (sonst) reinen
Ochsen essen, das mit einem griechischen
Messer geschnitten wäre . . .inhochmütiger Beschränktheit sahen
sie auf die anderen Völker herab die
unrein waren und den Göttern nicht
so nahe standen wie sie." (Nach Erman,
die aegyptische Religion p 181 u ff).
Wir wollen natürlich Parallelen hierzu
aus dem Leben des indischen Volkes
nicht vergessen. Wer hat es übrigens
dem jüdischen Dichter H. Heine im 19 Jahrhundert
n. Chr. eingegeben seine Religion zu be=
klagen als "die aus dem Niltal mitgeschleppte
Plage, den altägyptisch ungesunden Glauben"?IV.
An dieser Stelle erwarte ich den Vorwurf,
dass ich meine Konstruktion, die Moses
den Aegypter in die Zeit von Ikhnaton
versetzt seinen Entschluss sich des Juden=
volkes anzunehmen aus den derzeitigen
politischen Zuständen im Lande ableitet die
Religion die er seinen Schützlingen
schenkt oder auferlegt als die des Aton
erkennt die eben in Aegypten selbst
zusammengebrochen war, dass ich diesen
Aufbau von Mutmassungen also mit
allzugrosser, im Material nicht begrün=
deter Bestimmtheit vorgetragen habe.
Ich meine, der Vorwurf ist unberechtigt.
Ich habe das Moment des Zweifels bereits
in der Einleitung betont, es gleichsam
vor die Klammer gesetzt, und durfte es
mir dann ersparen, es bei jedem
Posten innerhalb der Klammer zu wieder=
holen.
Einige meiner eigenen kritischen Bemerk=
ungen dürfen die Erörterung fortsetzen.
Das Kernstück unserer Aufstellung, die Ab=
hängigkeit des jüdischen Monotheismus
von der monotheistischen Episode in der
Geschichte Aegyptens ist von verschiedenen
Autoren geahnt und angedeutet
worden. Ich erspare mir, diese Stimmen
hier wiederzugeben, da keine vonS.
19
ihnen anzugeben weiss, auf welchem Weg sich
diese Beeinflussung vollzogen haben kann.
Bleibt sie für uns an die Person des Moses
geknüpft, so sind auch dann andere Mög=
lichkeiten als die von uns bevorzugte
zu erwägen. Es ist nicht anzunehmen, dass
der Sturz der offiziellen Atonreligion die
monotheistische Strömung in Aegypten völlig zu
Ende gebracht hat. Die Priesterschule in On,
von der sie ausgegangen war, überstand
die Katastrophe und mochte noch Generationen
nach Ikhnaton in den Bann ihrer Gedanken=
gänge ziehen. Somit ist die That des Moses
denkbar auch wenn er nicht zur Zeit Ikhnatons
lebte und nicht dessen persönlichen Ein=
fluss erfahren hatte, wenn er nur Anhänger
oder gar "Mitglied" der Schule von On war.
Diese Annahme würde den Zeitpunkt des
Auszugs verschieben und näher an das gewöhn=
lich angenommene Datum (im 13ten Jahrhundert)
heranrücken. Sie hat aber sonst nichts, was
sie empfiehlt. Die Einsicht in die Motive
Moses gienge verloren und die Erleichter=
ung durch die (während des Auszugs) im Lande herr=
schende Anarchie fiele weg. Die nächsten
Könige der 19ten Dynastie haben ein starkes
Regiment geführt. Alle für den Auszug
günstigen Bedingungen treffen
nur in der Zeit unmittelbar
nach dem Tode des Ketzerkönigs zusammen.
Die Juden besitzen eine reichhaltige
ausserbiblische Literatur, in der man
die Sagen und Mythen findet, die sich
im Verlauf der Jahrhunderte um die
grossartige Figur des ersten Führers
und Religionsstifters gebildet, sie ver=
klärt und verdunkelt haben. In diesem
Material mögen Stücke guter Tradition
versprengt sein, die in den fünf Büchern
keinen Raum gefunden haben. Eine solche
Sage schildert in ansprechender Weise, wie
sich der Ehrgeiz des Mannes schon in
seiner Kindheit geäussert. Als ihn der
Pharao einmal in die Arme nahm und im
Spiele hoch hob, riss ihm das dreijährige
Knäblein die Krone vom Haupt und setzte
sie auf sein eigenes auf. Der König
erschrak über dies Vorzeichen und ver=
säumte nicht seine Weisen darüber
zu befragen. Ein andermal wirdS.
20
von siegreichen Kriegsthaten erzählt die er
als aegyptischer Feldherr in Aethiopien
vollführte und daran geknüpft, dass er aus Aegypten
floh weil er den Neid einer Partei
am Hofe oder des Pharao selbst zu fürchten
hatte. Die biblische Darstellung selbst legt
Moses einige Züge bei, denen man Glaub=
würdigkeit zusprechen möchte. Sie beschreibt
ihn als zornmütig, leicht aufbrausend, wie
er in der Entrüstung den brutalen
Aufseher erschlägt, der einen jüdischen Ar=
beiter misshandelt wie er in der Erbitterung
über den Abfall des Volkes die Gesetz-
tafeln zerschmettert die er vom Berge
Gottes geholt, ja Gott selbst straft ihn am
Ende wegen einer That der Ungeduld;
es wird nicht gesagt, was sie war. Da eine
solche Eigenschaft nicht der Verherrlichung
dient, könnte sie historischer Wahrheit
entsprechen. Man kann auch die Möglich=
keit nicht abweisen, dass manche Char=
akterzüge, die die Juden in die frühe Vor=
stellung ihres Gottes eintrugen, in=
dem sie ihn eifervoll, streng und unerbitt=
lich hiessen, im Grunde von der Er=
innerung an Moses hergenommen waren,
denn in Wirklichkeit hatte nicht ein
unsichtbarer Gott hatte der Mann Moses
sie aus Aegypten herausgeführt.
Ein anderer ihm zugeschriebener Zug hat
besonderen Anspruch auf unser Interesse.
Moses soll "schwer von Sprache" gewesen sein,
also eine Sprachhemmung oder einen
Sprachfehler besessen haben, so dass er bei
den angeblichen Unterhandlungen mit
dem Pharao der Unterstützung des Aaron
bedurfte, der sein Bruder genannt
wird. Das mag wiederum historische Wahrheit
sein und wäre ein erwünschter Beitrag
zur Belebung der Physiognomie des grossen
Mannes. Es kann aber auch eine andere und
wichtigere Bedeutung haben. Der Bericht
mag in leichter Entstellung der Tatsache
gedenken, dass Moses ein Anderssprachiger
war der mit seinen semitischen Neu-
Aegyptern nicht ohne Dolmetsch verkehren
konnte, wenigstens zu Anfang nicht ihrer
Beziehungen. Also eine neue Be=
stätigung der These: Moses war ein
Aegypter.S.
21
Nun aber, scheint es, ist unsere Arbeit
zu einem vorläufigen Ende gekommen. Aus
unserer Annahme, dass Moses ein Aegypter
war, sei sie erwiesen oder nicht, können
wir zunächst nichts weiter ableiten. Den
biblischen Bericht über Moses und den
Auszug kann kein Historiker für anderes
halten als für fromme Dichtung, die eine
entlegene Tradition im Dienste ihrer eigenen
Tendenzen umgearbeitet hat. Wie die Tradition
ursprünglich gelautet, ist uns unbekannt
welches die entstellenden Tendenzen waren
möchten wir gern erraten, werden aber durch
die Unkenntnis der historischen Vorgänge
im Dunkel erhalten. Dass unsere Rekon=
struktion für so manche Prunkstücke der
biblischen Erzählung wie die zehn Plagen
den Durchzug durchs Schilfmeer, die
feierliche Gesetzgebung am Berge Sinai
keinen Raum hat, dieser unheilbare Gegen=
satz kann uns nicht beirren. Aber es
kann uns nicht gleichgiltig lassen, wenn
wir finden, dass wir in Widerspruch
mit den Ergebnissen der Geschichts=
forschung unserer Tage geraten sind.Auch diese neueren Historiker, als
deren Vertreter wir Ed. Meyer x) an=x) Ed. Meyer, Die Israeliten und ihre
Nachbarstämme 1906erkennen mögen, schliessen sich dem
biblischen Bericht in einem entscheiden=
dem Punkte an. Auch sie meinen, dass
die jüdischen Stämme, aus denen später
das Volk Israel hervorging, zu einem
gewissen Zeitpunkt eine neue Religion
angenommen haben. Aber dies Ereignis
vollzog sich nicht in Aegypten, auch nicht
am Fusse eines Berges auf der Sinai=
halbinsel, sondern in einer Örtlichkeit
die Meribat-Qadeš genannt wird, einer
durch ihren Reichtum an Quellen und
Brunnen ausgezeichneten Oase in dem
Landstrich südlich von Palaestina zwischen
dem östlichen Ausgang der Sinaihalb=
insel und dem Westrand von Arabien.
Sie übernahmen dort die Verehrung
eines Gottes Jahve, wahrscheinlich von
dem arabischen Stamm der nahebei wohnen=
den Midianiter. Vermutlich waren
auch andere Nachbarstämme Anhänger
dieses Gottes.S.
22
Jahve war sicherlich ein Vulkangott.
Nun ist Aegypten bekanntlich frei von
Vulkanen und auch die Berge der Sinaihalbinsel sind nie vulkan=
isch gewesen; dagegen finden sich
Vulkane, die noch bis in späte Zeiten
thätig gewesen sein mögen längs des
Westrand Arabiens. Einer dieser Berge
muss also der Sinai-Horeb gewesen sein,
den man sich als den Wohnsitz Jahve's
dachte. x) Trotz aller Umarbeitungen, diex) an einigen Stellen des biblischen Textes
ist noch stehen geblieben, dass Jahve vom
Sinai herab nach Meribat-Qadeš kam.der biblische Bericht erlitten hat, lässt
sich nach Ed. Meyer das ursprüngliche
Charakterbild des Gottes rekonstruieren:
Er ist ein unheimlicher, blutgieriger
Dämon, der bei Nacht umgeht und
das Tageslicht scheut. x)x) l.c. p 38. § 8.
Der Mittler zwischen Gott und Volk
bei dieser Religionsstiftung wird Moses
genannt. Er ist Schwiegersohn des midianitischen
Priesters Jethro, hütet dessen Herden
als er die göttliche Berufung erfährt. Er
empfängt auch in Qadeš den Besuch
Jethros der ihm Unterweisungen giebt.
Ed. Meyer sagt zwar, es sei ihm nie
zweifelhaft gewesen dass die Geschichte
vom Aufenthalt in Aegypten und
von der Katastrophe der Aegypter
irgend einen historischen Kern enthält, x)x) l.c. p 49
aber er weiss offenbar nicht, wie er
die von ihm anerkannte Tatsache unter=
bringen und verwerten soll. Nur die
Sitte der Beschneidung ist er bereit von
Aegypten abzuleiten. Er bereichert
unsere frühere Argumentation durch
zwei wichtige Hinweise. Erstens dass Josua
das Volk zur Beschneidung auffordert
"um das Höhnen der Aegypter von
sich abzuwälzen" sodann durch das
Zitat aus Herodot, dass die Phöniker (wol
die Juden) und die Syrer in PalästinaS.
23
selbst zugeben, die Beschneidung von den
Aegyptern gelernt zu haben. x) Aber fürx) l.c. p 449
einen aegyptischen Moses hat er wenig
übrig. "Der Moses, den wir kennen, ist der
Ahnherr der Priester von Qadeš, also eine
mit dem Kultus in Beziehung stehende
Gestalt der genealogischen Sage, nicht eine
geschichtliche Persönlichkeit. Es hat denn
auch (abgesehen von denen, die die Tra=
dition in Bausch und Bogen als geschicht=
liche Wahrheit hinnehmen) noch Niemand
von denen, die ihn als eine geschichtliche
Gestalt behandeln, ihn mit irgend einem
Inhalt zu erfüllen, ihn als concrete
Individualität darzustellen oder
etwas anzugeben gewusst, was
er geschaffen hätte und was sein ge=
schichtliches Werk wäre." x) Dagegen wirdx) l.c. p 451
er nicht müde, die Beziehung Moses' zu Qadeš
und Midian zu betonen. "Die Gestalt
des Moses, die mit Midian und den Kultus=
stätten in der Wüste eng verwachsen ist," x) "Diesex) l.c. p 49
Gestalt des Mose ist nun mit Qadeš (Massa
und Merîba) untrennbar verwachsen, die
Verschwägerung mit dem midianit=
ischen Priester bildet die Ergänzung dazu.
Die Verbindung mit dem Exodus dagegen
und vollends die Jugendgeschichte sind
durchaus secundär und lediglich die Folge
der Einfügung Mose in eine zusammen=
hangend fortlaufende Sagengeschichte." x) Erx) l.c. p 72
verweist auch darauf dass die in der Jugend=
geschichte des Moses enthaltenen Motive
später sämtlich fallen gelassen werden.
"Mose in Midian ist nicht mehr ein
Aegypter und Enkel des Pharao, sondern
ein Hirt dem Jahwe sich offenbart. In
den Erzählungen von den Plagen ist
von seinen alten Beziehungen nicht
mehr die Rede so leicht sie sich effekt=
voll hätten verwerten lassen und
der Befehl die israelitischen Knaben zu
töten, ist vollkommen vergessen.
Bei dem Auszug und dem UntergangS.
24
der Aegypter spielt Mose überhaupt keine
Rolle er wird nicht einmal genannt. Der
Heldencharakter den die Kindheitssage voraus=
setzt fehlt dem späteren Mose gänzlich, er
ist nur noch der Gottesmann ein von
Jahve mit übernatürlichen Kräften aus=
gestatteter Wundertäter . . . " x)x) l.c. p 47
Wir können den Eindruck nicht bestreiten
dieser Moses von Qades und Midian
dem die Tradition selbst die Aufricht=
ung einer ehernen Schlange als Heilgott
zuschreiben durfte ist ein ganz anderer
als der von uns erschlossene grossherr=
liche Aegypter der dem Volk eine
Religion eröffnete in der alle Magie
und Zauberei aufs Strengste verpönt
war. Unser aegyptischer Moses ist von dem
midianitischen Moses vielleicht nicht
weniger verschieden als der universelle
Gott Aton von dem auf dem Götter=
berg hausenden Dämon Jahve. Und
wenn wir den Ermittlungen der neue=
ren Historiker irgend ein Mass
von Glauben schenken, müssen wir
uns eingestehen, dass der Faden den
wir von der Annahme her spinnen
wollten Moses sei ein Aegypter
gewesen nun zum zweiten Mal
abgerissen ist. Diesmal, wie es scheint,
ohne Hoffnung auf Wiederanknüpfung.V
Unerwarteter Weise findet sich auch hier
ein Ausweg. Die Bemühungen, in Moses
eine Gestalt zu erkennen, die über den
Priester von Qades hinausreicht, und
die Grossartigkeit zu bestätigen, welche
die Tradition an ihm rühmt, sind auch
nach Ed. Meyer nicht zur Ruhe gekommen.
(Gressmann u.A.). Im Jahre 1922 hat dann
Ed. Sellin eine Entdeckung gemacht,
die unser Problem entscheidend beein=
flusst. x) Er fand beim Propheten Hoseax) Ed. Sellin Mose und seine Bedeutung
für die israelitisch-jüdische Religions=
geschichte 1922.(zweite Hälfte des 8ten Jahrhunderts)
die unverkennbaren Anzeichen einer
Tradition die zum Inhalt hat, dass derS.
25
Religionsstifter Moses in einem Aufstand
seines widerspenstigen und halsstarrigen
Volkes ein gewaltsames Ende fand. Gleich=
zeitig wurde die von ihm eingesetzte
Religion abgeworfen. Diese Tradition
ist aber nicht auf Hosea beschränkt, sie
kehrt bei den meisten späteren Pro=
pheten wieder ja sie ist nach Sellin die
Grundlage aller späteren messianischen
Erwartungen geworden. Am Ausgang
des babylonischen Exils entwickelte sich
im jüdischen Volke die Hoffnung, der
so schmählich Gemordete werde von den
Toten wiederkommen und sein reuiges
Volk, vielleicht dieses nicht allein, in
das Reich einer dauernden Seligkeit
führen. Die nahe liegenden Beziehungen zum
Schicksal eines späteren Religions=
stifters liegen nicht auf unserem
Weg.Ich bin natürlich wiederum nicht
in der Lage zu entscheiden, ob Sellin die propheti=
schen Stellen richtig gedeutet hat. Aber
wenn er Recht hat, so darf man der von
ihm erkannten Tradition historische
Glaubwürdigkeit zusprechen, denn solche
Dinge erdichtet man nicht leicht, es fehlt
an einem greifbaren Motiv dafür; haben
sie sich aber wirklich ereignet, so ver=
steht sich leicht, dass man sie vergessen
will. Wir brauchen nicht alle Einzelheiten
der Tradition anzunehmen. Sellin meint
dass Schittim im Ostjordanland als der
Schauplatz der Gewalttat an Moses be=
zeichnet wird. Wir werden bald er=
kennen, dass eine solche Lokalität für
unsere Überlegungen unannehmbar ist.Wir entlehnen von Sellin die
Annahme, dass der aegyptische Moses
von den Juden erschlagen die von ihm
eingeführte Religion aufgegeben wurde.
Sie gestattet uns unsere Fäden weiter
zu spinnen ohne glaubwürdigen Er=
gebnissen der historischen Forschung zu wider=
sprechen. Aber wir wagen es, uns sonst
unabhängig von den Autoren zu
halten, selbständig „einherzutreten auf
der eigenen Spur“. Der Auszug aus
Aegypten bleibt unser
Ausgangspunkt. Es muss eine beträchtlicheS.
26
Anzahl von Personen gewesen sein, die mit Moses
das Land verliess; ein kleiner Haufe hätte
dem ehrgeizigen auf Grosses abzielenden
Mann nicht der Mühe gelohnt. Wahr=
scheinlich hatten die Einwanderer lange
genug im Lande geweilt um sich zu
einer ansehnlichen Volkszahl zu entwickeln.
Aber wir werden gewiss nicht irren wenn
wir mit der Mehrzahl der Autoren an=
nehmen, dass nur ein Bruchteil des
späteren Judenvolkes die Schicksale in
Aegypten erfahren hat. Mit anderen Worten
der aus Aegypten zurückgekehrte Stamm
vereinigte sich später im Landstrich
zwischen Aegypten und Kanaan mit
anderen verwandten Stämmen die
dort seit längerer Zeit ansässig gewesen
waren. Ausdruck dieser Vereinigung
aus der das Volk Israel hervorging, war
die Annahme einer neuen, allen Stämmen
gemeinsamen Religion, der des
Jahve, welches Ereignis sich nach Ed.
Meyer unter midianitischem Einfluss
in Qadeš vollzog. Darauf fühlte sich
das Volk stark genug seinen Einbruch
in das Land Kanaan zu unternehmen.
Mit diesem Hergang verträgt es sich nicht
dass die Katastrophe des Moses und
seiner Religion im Ostjordanland
vorfiel; sie muss lange vor der Ver=
einigung geschehen sein.Es ist gewiss dass recht verschiedene Ele=
mente zum Aufbau des jüdischen Volkes
zusammengetreten sind, aber den größten
Unterschied unter diesen Stämmen muss
es gemacht haben, ob sie den Aufenthalt
in Aegypten und was darauf folgte miter=
lebt hatten oder nicht. Mit Rücksicht
auf diesen Punkt kann man sagen
die Nation sei aus der Vereinigung
von zwei Bestandteilen hervorgegangen
und dieser Tatsache entsprach es dass sie
auch nach einer kurzen Periode politischer
Einheit in zwei Stücke, das Reich Israel
und das Reich Juda, auseinanderbrach.
Die Geschichte liebt solche Wiederherstell=
ungen, in denen spätere Verschmelz=
ungen rückgängig gemacht werden und
frühere Trennungen wieder hervor=
treten. Das eindruckvollste Beispiel
dieser Art schuf bekanntlich die ReformationS.
27
als sie die Grenzlinie zwischen dem einst
römisch gewesenen und dem unabhängig
gebliebenen Germanien nach einem
Intervall von mehr als einem Jahrtausend
wieder zum Vorschein brachte. Für den
Fall des jüdischen Volkes könnten wir
eine so getreue Reproduktion des alten
Tatbestandes nicht erweisen; unsere
Kenntnis dieser Zeiten ist zu
unsicher, um die Behauptung zu
gestatten im Nordreich hätten sich die
von jeher Ansässigen, im Südreich die aus
Aegypten Zurückgekehrten wieder zu=
sammengefunden, aber der spätere Zerfall
kann auch hier nicht ohne Zusammen=
hang mit der früheren Verlötung
gewesen sein. Die einstigen Aegypter
waren wahrscheinlich in ihrer Volkszahl
geringer als die Anderen, aber sie er=
wiesen sich als die kulturell Stärkeren
sie übten einen mächtigeren Einfluss auf
die weitere Entwicklung des Volkes
weil sie eine Tradition mitbrachten
die den Anderen fehlte.Vielleicht noch etwas Anderes, was greif=
barer war als eine Tradition. Zu den
grössten Rätseln der jüdischen Vorzeit ge=
hört die Herkunft der Leviten. Sie wer=
den von einem der zwölf Stämme
Israels abgeleitet, vom Stamme Levi, aber
keine Tradition hat anzugeben gewagt
wo dieser Stamm ursprünglich sass, oder
welches Stück des eroberten Landes
Kanaan ihm zugewiesen war. Sie besetzen
die wichtigsten Priesterposten, aber sie
werden doch von den Priestern unter=
schieden, ein Levit ist nicht notwendig ein
Priester; es ist nicht der Name einer
Kaste. Unsere Voraussetzung über die
Person des Moses legt uns eine Erklä=
rung nahe. Es ist nicht glaubhaft, dass ein
grosser Herr wie der Aegypter Moses
sich unbegleitet zu dem ihm fremden
Volk begab. Er brachte gewiss sein Gefolge
mit, seine nächsten Anhänger, seine
Schreiber, sein Gesinde. Das waren ur=
sprünglich die Leviten. Die Behauptung
der Tradition, Moses war ein Levit,
scheint eine durchsichtige Entstellung
des Sachverhalts: Die Leviten waren die
Leute des Moses. Diese Lösung wird
durch die bereits in meinem früheren
Aufsatz erwähnte Tatsache gestützt, dassS.
28
einzig unter den Leviten später noch aegyptische
Namen auftauchen. Es ist anzunehmen
dass eine gute Anzahl dieser Mosesleute
der Katastrophe entging, die ihn selbst und
seine Religionsstiftung traf. Sie vermehrten
sich in den nächsten Generationen, ver=
schmolzen mit dem Volk, in dem sie
lebten, aber sie blieben ihrem Herrn
treu, bewahrten das Andenken an ihn
und pflegten die Tradition seiner Lehren.
Zur Zeit der Vereinigung mit den Jahve=
gläubigen bildeten sie eine einflussreiche
den Anderen kulturell überlegene
Minorität.Ich stelle es vorläufig als Annahme hin dass
zwischen dem Untergang des Moses
und der Religionsstiftung in Qades zwei
Generationen, vielleicht selbst ein
Jahrhundert verlief. Ich sehe keinen Weg
um zu entscheiden, ob die Neo-Aegypter,
wie ich sie hier zur Unterscheidung
nennen möchte die Rückkehrer also mit
ihren Stammverwandten zusammentrafen
nachdem diese bereits die Jahvereligion
angenommen hatten oder schon vorher. Man
mag das Letztere für wahrscheinlicher
halten. Für das Endergebnis macht es
keinen Unterschied. Was in Qades vor=
gieng, war ein Compromiss an dem
der Anteil der Mosesstämme unverkennbar
ist.Wir dürfen uns hier wiederum auf das
Zeugnis der Beschneidung berufen, die
uns wiederholt, als Leitfossil sozusagen
die wichtigsten Dienste geleistet hat. Diese
Sitte wurde auch in der Jahvereligion
Gebot, und da sie unlöslich mit Aegypten
verknüpft ist, kann ihre Annahme nur
eine Konzession an die Moses Leute
gewesen sein, die – oder die Leviten unter
ihnen – auf dies Zeichen ihrer Heiligung
nicht verzichten wollten. Soviel woll=
ten sie von ihrer alten Religion retten
und dafür waren sie bereit die neue
Gottheit anzunehmen und was die
Midianpriester von ihr erzählten.
Es ist möglich dass sie noch andere Konzessi=
onen durchsetzten. Wir haben bereits
erwähnt dass das jüdische Ritual gewisse
Einschränkungen im Gebrauch des Gottes=
namens vorschrieb. Anstatt Jahve musste
Adonai gesprochen werden. Es liegt nahe
diese Vorschrift in unseren Zusammen=
hang zu bringen, aber es ist eine
Vermutung ohne weiteren Anhalt.S.
29
Das Verbot des Gottesnamens ist bekanntlich
ein uraltes Tabu. Warum es gerade in der
jüdischen Gesetzgebung aufgefrischt wurde ver=
steht man nicht, es ist nicht ausgeschlossen
dass dies unter dem Einfluss eines neuen
Motivs geschah. Man braucht nicht anzunehmen
dass das Verbot konsequent durchgeführt
wurde; für die Bildung theophorer Personen=
namen, also für Zusammensetzungen, blieb
der Name des Gottes Jahve frei (Jochanan
Jehu Josua). Aber es hatte doch mit diesem
Namen eine besondere Bewandtnis. Es ist
bekannt dass die kritische Bibelforschung zwei
Quellenschriften des Hexateuchs annimmt.
Sie werden als J und als E bezeichnet, weil
die eine den Gottesnamen Jahve, die
andere den Elohim gebraucht. Elohim zwar
nicht Adonai, aber man mag der Bemer=
kung eines unserer Autoren gedenken:
"Die verschiedenen Namen sind das
deutliche Kennzeichen ursprünglich ver=
schiedener Götter." x)x) Gressmann l.c. p 54.
Wir liessen die Beibehaltung der Be=
schneidung als Beweis dafür gelten dass
bei der Religionsstiftung in Qades ein
Kompromiss stattgefunden hat. Den Inhalt
desselben ersehen wir aus den überein=
stimmenden Berichten von J und
E die also hierin auf eine gemeinsame
Quelle (Niederschrift oder mündliche
Tradition) zurückgehen. Die leitende
Tendenz war Grösse und Macht des neuen
Gottes Jahve zu erweisen. Da die Moses=
leute so hohen Wert auf ihr Erlebnis
des Auszugs aus Aegypten legten,
musste diese Befreiungsthat Jahve verdankt
werden, und dies Ereignis wurde mit
Ausschmückungen versehen, die die schreck=
hafte Grossartigkeit des Vulkangottes
bekundeten, wie die Rauchsäule die
sich nachts in eine Feuersäule wandelte
der Sturm der das Meer für eine Weile
trocken legte, so dass die Verfolger von
den rückkehrenden Wassermassen er=
tränkt wurden. Dabei wurden der
Auszug und die Religionsstiftung nahe
an einander gerückt, das lange Inter=
vall zwischen beiden verleugnet, auch
die Gesetzgebung vollzog sich nicht in Qades
sondern am Fuss des Gottesberges unter
den Anzeichen eines vulkanischen Aus=S.
30
bruches. Aber diese Darstellung begieng ein schweres
Unrecht gegen das Andenken des Mannes
Moses; er war es ja, nicht der Vulkangott
der das Volk aus Aegypten befreit hatte.
Somit war man ihm eine Entschädigung
schuldig und fand sie darin, dass man Moses
hinüber nahm nach Qades oder an den Sinai
Horeb und ihn an die Stelle der midian=
itischen Priester setzte. Dass man durch
diese Lösung eine zweite, unabweisbar
dringende Tendenz befriedigte, werden
wir später erörtern. Auf solche Weise
hatte man gleichsam einen Ausgleich ge=
schaffen; man liess Jahve nach Aegypten
übergreifen, der auf einem Berg in
Midian hauste, und Moses Existenz und
Thätigkeit dafür nach Qades und bis in's
Ostjordanland. Er wurde so mit der Person
des späteren Religionsstifters, dem Schwieger=
sohn des Midianiters Jethro verschmolzen
dem er seinen Namen Moses lieh. Aber
von diesem anderen Moses wissen wir
nichts (auszusagen, Persönliches), er wird
durch den anderen, den aegyptischen
Moses so völlig verdunkelt. Es sei denn
dass man die Widersprüche in der Cha=
rakteristik Moses’ aufgreift, die sich
im biblischen Bericht finden. Er wird
uns oft genug als herrisch, jähzornig, ja gewalt=
thätig geschildert, und doch wird auch
von ihm gesagt, er sei der sanftmüthigste
und geduldigste aller Menschen gewesen.
Es ist klar, diese letzteren Eigenschaften
hätten dem aegyptischen Moses, der mit seinem
Volk so Grosses und Schweres vorhatte
wenig getaugt; vielleicht gehörten sie
dem Anderen, dem Midianiter, an. Ich
glaube, man ist berechtigt die beiden
Personen wieder von einander
zu scheiden und anzunehmen
dass der aegyptische Moses nie in
Qades war und den Namen
Jahve nie gehört hatte und dass der
midianitische Moses Aegypten nie
betreten hatte und von Aton nichts
wusste. Zum Zwecke der Verlötung
der beiden Personen fiel der Tradi=
tion oder der Sagenbildung die
Aufgabe zu, den aegyptischen Moses
nach Midian zu bringen und wir
haben gehört, dass mehr als eine
Erklärung hiefür im Umlauf war.S.
31
VI einschieben!
Wir sind darauf vorbereitet, den Tadel zu hören
dass wir unsere Rekonstruktion der Ur=
geschichte des Volkes Israel mit allzugrosser
mit unberechtigter Sicherheit vorgetragen
haben. Diese Kritik wird uns nicht schwer
treffen da sie in unserem eigenen
Urteil einen Widerhall findet. Wir
wissen selbst, unser Aufbau hat seine
schwachen Stellen, aber er hat auch seine
starken Seiten. Im Ganzen überwiegt
der Eindruck, dass es der Mühe lohnt das
Werk in der eingeschlagenen Richtung
fortzusetzen. Der uns vorliegende biblische
Bericht enthält wertvolle, ja unschätz=
bare historische Angaben, die aber
durch den Einfluss mächtiger Tendenzen
entstellt und mit den Produktionen
dichterischer Erfindung ausgeschmückt worden
sind. Während unserer bisherigen Bemüh=
ungen haben wir eine dieser entstel=
lenden Tendenzen erraten können. Dieser
Fund zeigt uns den weiteren Weg. Wir
sollen andere solcher Tendenzen auf=
decken. Haben wir Anhaltspunkte, um
die durch sie erzeugten Entstellungen
zu erkennen, so werden wir hinter
ihnen neue Stücke des wahren Sachverhalts
blosslegen, zum Vorschein bringen.
Lassen wir uns zunächst von der kritischen
Bibelforschung erzählen was sie über die
Entstehungsgeschichte des Hexateuchs (der fünf
Bücher Moses’ und des Buches Josua, die
uns hier allein interessieren) zu sagen
weiss. x) Als älteste Quellenschrift gilt J, derx) Encyclopedia Britannica, XI. Auflage 1910.
Artikel: Bible.Jahvist, den man in der neuesten Zeit
als den Priester Ebjatar, einen Zeitge=
nossen des Königs David, erkennen will x)x) Siehe Auerbach, Wüste und Gelobtes Land, 1932.
Etwas später, man weiss man nicht um
wieviel, setzt man den sogenannten Elohisten
an, der dem Nordreich angehört x). Nach demx) Jahvist und Elohist wurden erst 1753 von
Astruc unterschieden.Untergang des Nordreiches 722 hat ein
jüdischer Priester Stücke von J und E mit
einander vereinigt und eigene BeiträgeS.
32
dazugegeben. Seine Compilation wird als
JE bezeichnet. Im 7ten Jahrhundert kommt
das Deuteronomium, das fünfte Buch hinzu
angeblich im Tempel als Ganzes neu gefun=
den. In die Zeit nach der Zerstörung des
Tempels (586) während des Exils und nach der
Rückkehr wird die Umarbeitung versetzt
die man den "Priestercodex" nennt; im
5ten Jahrhundert erfährt das Werk seine
endgiltige Redaktion und ist seither nicht
wesentlich verändert worden. +)
Die Geschichte des Königs David und seiner
Zeit ist höchst wahrscheinlich das Werk
eines Zeitgenossen. Es ist richtige Geschichts=
schreibung fünfhundert Jahre vor
Herodot, dem "Vater der Geschichte". Man
nähert sich dem Verständnis dieser
Leistung wenn man im Sinne unserer
Annahme an aegyptischen Einfluss denkt.
Es ist selbst die Vermutung aufgetaucht, dass
die Israeliten jener Urzeit – also die Schreiber
des Moses – nicht unbeteiligt an der Er=
findung des ersten Alphabets gewesen
sind. x) xx)x) Wenn sie unter dem Druck des Bilderver=
bots standen, hatten sie sogar ein Motiv,
die hieroglyphische Bilderschrift zu verlassen
während sie ihre Schriftzeichen für den
Ausdruck einer neuen Sprache zurichteten.xx) J. Auerbach, l.c. p 142.
Inwieweit die Berichte über
frühere Zeiten auf frühe Aufzeichnungen
oder auf mündliche Traditionen zurück=
gehen und welche Zeitintervalle in den
einzelnen Fällen zwischen Ereignis
und Fixirung liegen entzieht sich natür=
lich unserer Kenntnis. Der Text aber, wie
er uns heute vorliegt, erzählt uns genug
auch über seine eigenen Schicksale. Zwei
einander entgegengesetzte Behandlungen
haben ihre Spuren an ihm zurückgelassen.
Einerseits haben sich Bearbeitungen seiner
bemächtigt, die ihn im Sinne ihrer geheimen
Absichten verfälscht, verstümmelt und er=
weitert, bis in sein Gegenteil verkehrt
haben, anderseits hat eine schonungs=
volle Pietät über ihm gewaltet, die alles
erhalten wollte, wie sie es vorfand, gleich=
giltig, ob es zusammenstimmte oder sich selbst
aufhob. So sind fast in allen Teilen
auffällige Lücken, störende Wiederholungen,S.
33
greifbare Widersprüche zu Stande gekommen,
Anzeichen die uns Dinge verrathen deren
Mitteilung nicht beabsichtigt war. Es ist bei der
Entstellung eines Textes ähnlich wie bei einem
Mord, die Schwierigkeit liegt nicht in der
Ausführung der That sondern in der Beseitig=
ung ihrer Spuren. Man möchte dem Worte
"Entstellung" den Doppelsinn verleihen auf
den es Anspruch hat, obwol es heute keinen Gebrauch
davon macht. Es sollte nicht nur
bedeuten: in seiner Erscheinung verändern,
sondern auch: an eine andere Stelle bringen,
anderswohin verschieben. Somit dürfen wir
in vielen Fällen von Textentstellung
darauf rechnen das Unterdrückte und Ver=
läugnete doch irgendwo versteckt zu finden
wenn auch abgeändert und aus dem Zusammen=
hang gerissen. Es wird nur nicht immer
leicht sein es zu erkennen.
Die entstellenden Tendenzen, deren wir
habhaft werden wollen, müssen bereits
auf die Traditionen vor allen Nieder=
schriften eingewirkt haben. Die eine
derselben, vielleicht die stärkste von allen,
haben wir bereits entdeckt. Wir sagten,
mit der Einsetzung des neuen Gottes Jahve
in Qades ergab sich die Nötigung, etwas für
seine Verherrlichung zu thun. Es ist richtiger
zu sagen: man musste ihn installieren,
Raum für ihn schaffen, die Spuren früherer
Religionen verwischen. Das scheint für
die Religion der ansässigen Stämme restlos gelungen
zu sein, wir hören nichts mehr von ihr.
Mit den Rückkehrern hatte man es nicht
so leicht, sie liessen sich den Auszug aus Ae=
gypten, den Mann Moses und die Beschneidung
nicht rauben. Sie waren also in Aegypten
gewesen, aber sie hatten es wieder ver=
lassen und von nun an sollte jede Spur
des aegyptischen Einflusses verleugnet
werden. Den Mann Moses erledigte
man indem man ihn nach Midian und Qades
versetzte und ihn mit dem Jahvepriester
der Religionsstiftung verschmelzen liess. Die
Beschneidung, das gravierendste Anzeichen der
Abhängigkeit von Aegypten musste man bei=
behalten, aber man versäumte die Versuche
nicht, diese Sitte aller Evidenz zum Trotz
von Aegypten abzulösen. Nur als absicht=
lichen Widerspruch gegen den verräther=
ischen Sachverhalt kann man die räthselhafte
unverständlich stilisierte Stelle in Exodus
auffassen, dass Jahve einst dem MosesS.
34
gezürnt, weil er die Beschneidung vernachlässigt
hatte, und dass sein midianitisches Weib durch
schleunige Ausführung der Operation sein Leben
gerettet! Wir werden alsbald von einer
anderen Erfindung hören um das unbequeme
Beweisstück unschädlich zu machen.
Man kann es kaum als das Auftreten
einer neuen Tendenz bezeichnen, es ist
vielmehr nur die Fortführung der früheren,
wenn sich Bemühungen zeigen, die direct
in Abrede stellen, dass Jahve ein neuer, für
die Juden fremder Gott gewesen sei.
In dieser Absicht werden die Sagen von
den Urvätern des Volkes Abraham, Isaac
und Jakob herangezogen. Jahve versichert
dass er schon der Gott dieser Väter
gewesen sei; freilich, muss er selbst zuge=
stehen, hätten sie ihn nicht unter diesem
seinen Namen verehrt. +) Er fügt nicht
hinzu unter welchem Anderen. Und hier
findet sich der Anlass zu einem ent=
scheidenden Streich gegen die aegyptische
Herkunft der Beschneidungssitte. Jahve
hat sie bereits von Abraham verlangt,
hat sie als Zeichen des Bundes zwischen
sich und Abrahams Nachkommen eingesetzt.
Aber das war eine besonders ungeschickte Er=
findung. Als Abzeichen, das einen von Anderen
absondern und vor anderen bevorzugen
soll wählt man etwas, was bei den Anderen
nicht vorzufinden ist und nicht etwas was
Millionen Anderer in gleicher Weise auf=
zeigen können. Ein Israelit, nach Aegypten
versetzt hätte ja alle Aegypter als Bundes=
brüder als Brüder in Jahve, anerkennen
müssen. Die Thatsache, dass die Beschneidung
in Aegypten heimisch war, konnte den Israeliten
die den Text der Bibel schufen unmöglich
unbekannt sein. Die bei Ed. Meyer erwähnte
Stelle aus Josua giebt es selbst unbedenklich
zu, aber sie sollte eben um jeden Preis
verleugnet werden.
An religiöse Mythenbildungen wird man
nicht den Anspruch stellen dürfen, dass
sie auf logischen Zusammenhang grosse
Rücksicht nehmen. Sonst hätte das
Volksempfinden berechtigten Anstoss
an dem Verhalten einer Gottheit
finden können, die mit den Ahn=
herrn einen Vertrag mit gegenseitigen
Verpflichtungen schließt, sich dannS.
35
Jahrhunderte lang um die menschlichen Partner
nicht kümmert bis es ihr plötzlich einfällt sich
den Nachkommen von Neuem zu offenbaren.
Noch mehr befremdend wirkt die Vorstellung
dass ein Gott sich mit einem Male ein Volk
„auswählt“, es zu seinem Volk und sich zu
seinem Gott erklärt. Ich glaube, es ist der
einzige solche Fall in der Geschichte der
menschlichen Religionen. Sonst gehören
Gott und Volk untrennbar zusammen, sie
sind von allem Anfang an Eins; man
hört wol manchmal davon, dass ein Volk
einen anderen Gott annimmt, aber nie, dass
ein Gott sich ein anderes Volk aussucht.
Vielleicht nähern wir uns dem Verständnis
dieses einmaligen Vorgangs, wenn wir
der Beziehungen zwischen Moses und dem
Judenvolk gedenken. Moses hatte sich zu
den Juden herabgelassen, sie zu seinem
Volk gemacht, sie waren sein auser=
wähltes Volk.“ x)
Die Einbeziehung der Urväter diente auch
noch einer anderen Absicht. Sie hatten
in Kanaan gelebt, ihr Andenken war an
bestimmte Örtlichkeiten des Landes ge=
knüpft. Möglicherweise waren sie selbst
ursprünglich kanaanäische Heroen oder Götter=
gestalten die dann von den eingewanderten
Israeliten für ihre Vorgeschichte mit Be=
schlag belegt wurden. Wenn man
sich auf sie berief, behauptete man
gleichsam seine Bodenständigkeit und
verwahrte sich gegen das Odium, das an
dem landfremden Eroberer haftete.
Es war eine geschickte Wendung, dass der
Gott Jahve ihnen nur wiedergab was
ihre Vorfahren einmal besessen hatten.x) Jahve war unzweifelhaft ein Vulkangott. Für
Einwohner Aegyptens bestand kein Anlass,
ihn zu verehren. Ich bin gewiss nicht der
Erste, der von dem Gleichklang des Namens
Jahve mit der Wurzel des anderen Götter=
namens Ju-piter (Jovis) betroffen wird. Der
mit der Abkürzung des hebräischen Jahve
zusammengesetzte Name Jo-chanan (etwa: Gott=
hold punisches Aequivalent: Hannibal) ist
in den Formen Johann John Jean Juan
der beliebteste Vorname der europäischen
Christenheit geworden. Wenn die Italiener
ihn als Giovanni wiedergeben und dann
einen Tag der Woche Giovedi heissen, soS.
36
bringen sie eine Aehnlichkeit wieder ans Licht
die vielleicht nichts, vielleicht sehr
viel bedeutet. Es eröffnen sich hier weit=
reichende aber auch sehr unsichere Per=
spektiven. Es scheint, dass die Länder um
das östliche Becken des Mittelmeers in
jenen dunkeln der Geschichtsforschung kaum
eröffneten Jahrhunderten der Schauplatz
häufiger und heftiger vulkanischer Aus=
brüche waren die den Umwohnern den
stärksten Eindruck machen mussten. Evans
nimmt an, dass auch die endgiltige Zerstörung
des Minospalastes in Knossos die Folge
eines Erdbebens war. Auf Creta wurde
damals, wie wahrscheinlich allgemein
in der aegaeischen Welt, die grosse
Muttergottheit verehrt. Die Wahrnehmung,
dass sie nicht im Stande war, ihr Haus
gegen die Angriffe einer stärkeren
Macht zu schützen mag dazu beigetragen
haben, dass sie einer männlichen Gottheit
den Platz räumen musste und dann hatte
der Vulkangott das erste Anrecht darauf
sie zu ersetzen. Zeus ist ja immer noch
der „Erderschütterer“. Es ist wenig zweifel=
haft, dass sich in jenen dunklen Zeiten
die Ablösung der Muttergottheiten
durch männliche Götter (die vielleicht
ursprünglich Söhne waren?) vollzog.
Besonders eindrucksvoll ist das Schicksal
der Pallas Athene, die gewiss die lokale
Form der Muttergottheit war, durch den
religiösen Umsturz zur Tochter herabge=
setzt, ihrer eigenen Mutter beraubt
und durch die ihr auferlegte Jung=
fräulichkeit dauernd von der Mutter=
schaft ausgeschlossen wurde.
In den späteren Beiträgen zum biblischen
Text setzte sich die Absicht durch, die Er=
wähnung von Qades zu vermeiden. Die
Stätte der Religionsstiftung wurde end=
giltig der Gottesberg Sinai-Horeb. Das
Motiv hiefür ist nicht klar ersichtlich, viel=
leicht wollte man nicht an den Einfluss
von Midian gemahnt werden. Aber alle
späteren Entstellungen, insbesondere der
Zeit des sogenannten Priesterkodex
dienen einer anderen Absicht. Man brauchte
nicht mehr Berichte über Begebenheiten
in dem gewünschten Sinne abzuändern, denn
das war längst geschehen. Sondern man
bemühte sich, Gebote und Institutionen derS.
37
Gegenwart in frühe Zeiten zurück zu versetzen,
in der Regel sie auf mosaische Gesetzgebung
zu begründen um daher ihren Anspruch auf
Heiligkeit und Verbindlichkeit abzuleiten.
So sehr man auf solche Weise das Bild der Ver=
gangenheit verfälschen mochte, dies Verfahren
entbehrt nicht einer bestimmten psychologi=
schen Berechtigung. Es spiegelte die Thatsache
wieder, dass im Laufe der langen Zeiten
– vom Auszug aus Aegypten bis zur Fixierung
des Bibeltextes unter Ezra und Nehemia
verflossen etwa 800 Jahre – die Jahvereligion
sich zurückgebildet hatte zur Überein=
stimmung, vielleicht bis zur Identität mit
der ursprünglichen Religion des Moses.
Und dies ist das wesentliche Ergebnis,
der schicksalsschwere Inhalt der jüdischen
Religionsgeschichte.VII
Unter all den Begebenheiten der Vorzeit
die die späteren Dichter, Priester und Geschichts=
schreiber zu bearbeiten unternahmen,
hob sich eine heraus, deren Unterdrückung
durch die nächstliegenden und besten mensch=
lichen Motive geboten war. Es war diese
Ermordung des grossen Führers und Befrei=
ers Moses die Sellin aus Andeutungen
bei den Propheten erraten hat. Man
kann die Aufstellung Sellin’s nicht phan=
tastisch heissen, sie ist wahrscheinlich genug.
Moses aus der Schule Ikhnaton’s stammend, be=
diente sich auch keiner anderen Methoden
als der König, er befahl, drängte dem
Volke seinen Glauben auf. x) Vielleicht
war die Lehre des Moses noch schroffer
als die seines Meisters, er brauchte die
Anlehnung an den Sonnengott nicht festzu=
halten die Schule von On hatte für sein
Fremdvolk keine Bedeutung. x) In jenen
Zeiten war eine andere Art der Beein=
flussung auch kaum möglich. Moses wie
Ikhnaton fanden dasselbe Schicksal das
aller aufgeklärten Despoten wartet. Das
Judenvolk des Moses war ebensowenig
im Stande eine so hoch vergeistigte Reli=
gion zu ertragen in ihren Darbietungen
eine Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu
finden, wie die Aegypter der 18ten
Dynastie. In beiden Fällen geschah dasselbe,
die Bevormundeten und Verkürzten
erhoben sich und warfen die Last der ihnen
auferlegten Religion ab. Aber währendS.
38
die zahmen Aegypter damit warteten bis das
Schicksal die geheiligte Person des Pharao
beseitigt hatte, nahmen die wilden Se=
miten das Schicksal in ihre Hand und räum=
ten den Tyrannen aus dem Wege. x) Auchx) Es ist wirklich bemerkenswert wie wenig
man in der Jahrtausende langen aegyp=
tischen Geschichte von gewaltsamer Beseitigung
oder Ermordung eines Pharao hört.
Ein Vergleich zB mit der assyrischen Ge=
schichte muss diese Verwunderung steigern.
Natürlich kann dies daher kommen, dass die
Geschichtsschreibung bei den Aegyptern
ausschliesslich offiziellen Absichten diente.kann man nicht behaupten dass der
erhaltene Bibeltext uns nicht auf einen
solchen Ausgang Moses’ vorbereitet.
Der Bericht über die "Wüstenwanderung" –
die für die Zeit der Herrschaft Moses'
stehen mag – schildert eine Kette von ernsthaften
Empörungen gegen seine Autorität, die
auch – nach Jahve's Gebot – durch blutige
Züchtigung unterdrückt werden. Man
kann sich leicht vorstellen dass einmal
ein solcher Aufstand ein anderes Ende
nahm, als der Text es haben will. Auch der
Abfall des Volkes von der neuen Reli=
gion wird im Text erzählt, als Episode
freilich. Es ist die Geschichte vom goldenen
Kalb in der mit geschickter Wendung das
symbolisch zu verstehende Zerbrechen
der Gesetzestafeln ("er hat das Gesetz ge=
brochen") Moses selbst zugeschoben und
durch seine zornige Entrüstung moti=
virt wird.Es kam eine Zeit da man den Mord an
Moses bedauerte und zu vergessen suchte.
Sicherlich war es so zur Zeit des Zusammen=
tretens in Qades. Aber wenn man den Auszug
näher heranrückte an die Religionsstiftung
in der Oase und Moses an Stelle des
Anderen an ihr mitwirken liess, so hatte
man nicht nur den Anspruch der Moses=
leute befriedigt sondern auch die
peinliche Thatsache seiner gewaltsamen
Beseitigung erfolgreich verläugnet.
In Wirklichkeit ist es sehr unwahrschein=
lich, dass Moses an den Vorgängen in
Qades hätte theilnehmen können, auch
wenn sein Leben nicht verkürzt
worden wäre.S.
39
Wir müssen hier den Versuch machen die
zeitlichen Verhältnisse dieser Begebenheiten
aufzuklären. Wir haben den Auszug aus
Aegypten in die Zeit nach dem Verlöschen
der 18ten Dynastie versetzt (1350). Er mag
damals oder eine Weile später erfolgt
sein denn die aegyptischen Chronisten
haben die darauffolgenden Jahre der
Anarchie in die Regierungszeit Haremhab's
der ihr ein Ende machte und bis 1315 herrschte
eingerechnet. Der nächste, aber auch der einzige
Anhalt für die Chronologie ist durch
die Stele Merneptah's gegeben (1225-1215)
die sich des Sieges über Isiraal (Israel) und
der Verwüstung ihrer Saaten (?) rühmt.
Die Verwertung dieser Inschrift ist leider
zweifelhaft, man lässt sie als Beweis dafür
gelten, dass israelitische Stämme damals schon
in Kanaan ansässig waren. x) Ed. Meyerx) Ed. Meyer l.c. p 222.
schliesst aus dieser Stele mit Recht, dass Mer=
neptah nicht der Pharao des Auszugs ge=
wesen sein kann, wie man vorher
gern angenommen hat. Der Auszug muss
einer früheren Zeit angehören. Die
Frage nach dem Pharao des Auszugs er=
scheint uns überhaupt müssig. Es gab keinen
Pharao des Auszugs da dieser in ein
Interregnum fiel. Aber auf das mögliche
Datum der Vereinigung und Religions=
annahme in Qades fällt auch durch die
Entdeckung der Merneptahstele kein
Licht. Irgendwann zwischen 1350 und 1215 ist
alles, was wir mit Sicherheit sagen können.
Innerhalb dieses Jahrhunderts vermuten
wir, kommt der Auszug dem Eingangsdatum
sehr nahe ist der Vorgang in Qades vom
Enddatum nicht zu weit entfernt. Den
grösseren Teil des Zeitraumes
möchten wir für das Intervall zwischen
beiden Ereignissen in Anspruch nehmen.
Wir brauchen nämlich eine längere Zeit
bis sich nach der Ermordung Moses' die
Leidenschaften bei den Rückkehrern
(beruhigt haben) und der Einfluss der Mosesleute,
der Leviten, so gross geworden ist wie
das Kompromiss in Qades es voraussetzt. Zwei
Generationen 60 Jahre würden hiefür
etwa ausreichen aber es geht nur knapp
zusammen. Die Folgerung aus der Mer=
neptah-Stele kommt uns zu früh und
da wir erkennen, dass in unserem Aufbau
hier eine Annahme nur auf einer AnderenS.
40
begründet ist gestehen wir zu, dass diese
Diskussion eine schwache Seite unserer
Konstruktion aufdeckt. Leider ist alles
was mit der Niederlassung des jüdischen
Volkes (in Kanaan) zusammenhängt so ungeklärt und
verworren. Es bleibt uns etwa die
Auskunft dass der Name auf der Israelstele
sich nicht auf die Stämme bezieht, deren Schick=
sale wir zu verfolgen bemüht sind und die
zum späteren Volk Israel zusammen=
getreten sind. Ist doch auch der Name der
Habiru = Hebräer aus der Amarnazeit auf
dies Volk übergegangen.
Wann immer die Vereinigung der
Stämme zur Nation durch die Annahme
einer gemeinsamen Religion, vor sich
gieng es hätte leicht ein für die Welt=
geschichte recht gleichgiltiger Akt werden
können Die neue Religion wäre vom
Strome der Ereignisse weggeschwemmt worden
Jahve hätte seinen Platz einnehmen dürfen
in der Procession gewesener Götter, die
der Dichter Flaubert gesehen hat und
von seinem Volk wären alle zwölf
Stämme „verloren“ gegangen nicht nur
die zehn die von den Angelsachsen so
lange gesucht worden sind. Der Gott Jahve
dem der midianitische Moses damals ein
neues Volk zuführte war wahrscheinlich
in keiner Hinsicht ein hervorragendes
Wesen. Ein roher, engherziger Lokalgott
gewaltthätig und blutdürstig; er hatte seinen
Anhängern versprochen, ihnen das Land
zu geben, in dem „Milch und Honig fliesst“,
und forderte sie auf, dessen gegenwärtige
Einwohner auszurotten „mit der Schärfe
des Schwertes“. Man darf sich verwundern
dass trotz aller Umarbeitungen in den
biblischen Berichten so viel stehen gelassen
wurde, um sein ursprüngliches Wesen
zu erkennen. Es ist nicht einmal
sicher dass seine Religion ein wirklicher
Monotheismus war, dass sie den Gottheiten
anderer Völker die Gottesnatur be=
stritt. Es reichte wahrscheinlich hin, dass der
eigene Gott mächtiger war, als allealle andernfremden Götter. Wenn
dann in der Folge alles anders ver=
lief, als solche Ansätze erwarten liessen,
so können wir die Ursache hiefür nur
in einer einzigen Tatsache finden. Einem Theil
des Volkes hatte der aegyptische MosesS.
41
eine andere, höher vergeistigte Gottesvorstellung
gegeben, die Idee einer einzigen, die ganze
Welt umfassenden Gottheit, die nicht minder
allliebend war als allmächtig, die allem
Ceremoniell und Zauber abhold den Menschen
ein Leben in Wahrheit und Gerechtigkeit
zum höchsten Ziel setzte. Denn so unvoll=
kommen unsere Berichte über die ethische
Seite der Atonreligion sein mögen, es
kann nicht bedeutungslos sein, dass Ikhnaton
sich in seinen Inschriften regelmässig
bezeichnete als „lebend in Maat“ (Wahrheit,
Gerechtigkeit)x). Auf die Dauer machte es
x) Seine Hymnen betonen nicht nur die Univer=
salität und Einzigkeit Gottes sondern auch
dessen liebevolle Fürsorge für alle Geschöpfe
fordern zur Freude an der Natur und
zum Genuss ihrer Schönheit auf. Vgl. Breasted,
Dawn of Conscience.
nichts aus, dass das Volk wahrscheinlich nach
kurzer Zeit, die Lehre des Moses ver=
warf und ihn selbst beseitigte. Es blieb die
Tradition davon, und ihr Einfluss erreichte
allerdings allmählich im Laufe der Jahrhun=
derte, was Moses selbst versagt geblieben
war. Gott Jahve war zu unverdienten
Ehren gekommen, als man von Qadeš an
die Befreiungsthat des Moses auf seine Rech=
nung schrieb, aber er hatte für diese Usur=
pation schwer zu büssen. Der Schatten des
Gottes, dessen Stelle er eingenommen, wurde
stärker als er; am Ende der Entwicklung
war hinter seinem Wesen das des ver=
gessenen mosaischen Gottes zum Vorschein
gekommen. Niemand zweifelt daran, dass
nur die Idee dieses anderen Gottes, das
Volk Israel alle Schicksalsschläge überstehen
liess und es bis in unsere Zeiten am Leben
erhielt.
Beim Endsieg des mosaischen Gottes über Jahve
kann man den Antheil der Leviten
nicht mehr feststellen. Diese hatten sich seiner=
zeit für Moses eingesetzt
als das Compromiss in Qadeš geschlossen
wurde, in noch lebendiger Erinnerung
an den Herrn dessen Gefolge und Lands=
genossen sie waren. In den Jahrhunderten
seither waren sie mit dem Volk ver=
schmolzen oder mit der Priesterschaft
und es war die Hauptleistung der Priester
geworden, das Ritual zu entwickeln und
S.
42
zu überwachen überdies die heiligen Nieder=
schriften zu behüten und nach ihren Absichten
zu bearbeiten Aber war nicht alles Opfer=
dienst und alles Zeremoniell im Grunde
nur Magie und Zauberwesen wie es
die alte Lehre Moses’ bedingungslos ver=
worfen hatte? Da erhoben sich aus der
Mitte des Volkes in einer nicht mehr
abreissenden Reihe Männer nicht mehr
durch ihre Herkunft mit Moses verbunden
aber von der grossen und mächtigen (und)
Tradition erfasst, die allmählich
im Dunkeln angewachsen war, und diese
Männer, die Propheten, waren es die
unermüdlich die alte mosaische Lehre ver=
kündeten, die Gottheit verschmähe Opfer
und Zeremoniell, sie fordere nur Glauben
und ein Leben in Wahrheit und Gerechtig=
keit („Maat“). Die Bemühungen der Propheten
hatten dauernden Erfolg, die Lehren mit
denen sie den alten Glauben wiederher=
stellten wurden zum bleibenden Inhalt
der jüdischen Religion. Es ist Ehre genug
für das jüdische Volk, dass es eine solche
Tradition erhalten und Männer her=
vorbringen konnte, die ihr eine Stimme
liehen, auch wenn die Anregung dazu
von Aussen, von einem grossen, fremden
Manne gekommen war.
Ich würde mich mit dieser Darstellung
nicht sicher fühlen, wenn ich mich nicht
auf das Urtheil anderer sachkundiger
Forscher berufen könnte, die die
Bedeutung Moses’ für die jüdische
Religionsgeschichte im nämlichen Lichte
sehen, auch wenn sie seine ägyptische
Herkunft nicht anerkennen. So sagt
z.B. Sellinx). „Mithin haben wir uns die ei=
x) l. c. p 52.
gentliche Religion des Mose, den Glauben
an den einen sittlichen Gott, den er
verkündet,seitdemvon vornherein
als das Besitztum eines kleinen Kreises
im Volke vorzustellen. Von vornherein
dürfen wir nicht erwarten jenen in
dem officiellen Kulte, in der Religion
der Priester in dem Glauben des Volkes
anzutreffen. Wir können von vornherein
nur damit rechnen, dass bald hie bald da
einmal ein Funke wieder auftaucht
von dem Geistesbrand, den er einst
entzündet hat, dass seine Ideen nicht
ausgestorben sind, sondern hie
und da in aller Stille auf Glaube und
S.
43
hätte eingewirkt haben bis sie etwa früher oder
später unter der Einwirkung besonderer Er=
lebnisse oder von seinem Geist besonders
erfasster Persönlichkeiten einmal wieder
stärker hervorbrachen und Einfluss gewannen
auf breitere Volksmassen. Unter diesem
Gesichtswinkel ist von vornherein die
altisraelitische Religionsgeschichte zu betrachten.
Wer nach der Religion, wie sie uns nach
den Geschichtsurkunden im Volksleben
der ersten 5 Jahrhunderte in Kanaan ent=
gegentritt etwa die mosaische Religion
konstruiren wollte, der würde den
schwersten methodischen Fehler begehen.“
Und deutlicher noch Volz x). Er meint, „dass Moses’
x) Paul Volz, Mose. Tübingen 1907. (p. 64)
himmelhohes Werk zunächst nur ganz schwach
und spärlich verstanden und durchgeführt
wurde bis es im Lauf der Jahrhunderte
mehr und mehr eindrang und endlich in
den grossen Propheten gleichgeartete
Geister fand, die das Werk des Einsamen
fortsetzten.“
Hiemit wäre ich zum Abschluss meiner
Arbeitdie ja nur der einzigen Absichtdienen sollte die Gestalt eines ägyp=tischen Moses in den Zusammenhang derjüdischen Geschichte einzufügen. Um
unser Ergebnis in der kürzesten Formel
auszudrücken: Zu den bekannten Zweiheiten
dieser Geschichte – zwei Volksmassen die
zur Bildung der Nation zusammentreten
zwei Reiche in die diese Nation zerfällt,
zwei Gottesnamen in den Quellenschriften
der Bibel – fügen wir zwei neue hinzu:
Zwei Religionsstiftungen, die erste
durch die andere verdrängt und
später doch siegreich hinter ihr zum Vor=
schein gekommen; zwei Religionsstifter
die beide mit dem gleichen Namen
Moses benannt werden und deren
Persönlichkeiten wir von einander
zu sondern haben. Und alle diese
Zweiheiten sind nothwendige Folgen
der Ersten, der Thatsache dass der eine
Bestandtheil des Volkes ein traumatisch
zu wertendes Erlebnis gehabt hatte, das
dem Anderen fern geblieben war.
S.
44
Darüber hinaus gäbe es noch sehr viel zu erör=
tern, zu erklären und zu behaupten.
Erst dann liesse sich eigentlich das Interesse
an unserer rein historischen Studie recht=
fertigen. Worin die eigentliche Natur
einer Tradition besteht und worauf ihre
besondere Macht beruht wie unmöglich es
ist, den persönlichen Einfluss einzelner
grosser Männer auf die Weltgeschichte
zu leugnen welchen Frevel an der
grossartigen Mannigfaltigkeit des Menschen=
lebens man begeht, wenn man nur
Motive aus materiellen Bedürfnissen
anerkennen will aus welchen Quellen
manche, besonders die religiösen, Ideen
die (unwiderstehliche) Kraft schöpfen mit der sie
Menschen wie Völker unterjochen –
all dies am Spezialfall der jüdischen
Geschichte zu studiren wäre eine ver=
lockende Aufgabe. Allein ich weiss
dass „meine“ Kräfte nicht mehr ausreichen
um sie in dieser mir und Andern einzig be=
kannten Weise zu bewältigen (um sie zu leisten. Nur eine einzige)
Bemerkung will ich aus ihr hieherholen, was
eine Fortsetzung meiner Arbeit bringen
sollte: Es ist das jüdische Volk dem der grosse
Mann Moses vor ihm die Lehre von
einem einzigen Gott aufdrängte, holte sich eine
Rache d[af]ür theils vor seiner frei=
willigenThätigkeitReligionsübung über=ausnahms=weisewendete sich im Bann dieser
Eingebung ein für allemal dem von ihm
ab das was wir den Monotheismus nen[nen]
hauptsächlich ihren Einfluss zu machen. Wer
sich an das Erscheinen der Menschenwelt
will, was ich vor 25 Jahren in „Totem
und Tabu“ niedergelegt habe wird diese
Aufstellung nicht bedauern (befremden)
können.
Eine solche Fortsetzung meiner Arbeit
würde den Anschluss finden an
Ausführungen die ich vor 25 Jahren
in „Totem und Tabu“ niedergelegt
habe. Aber ich traue mir nicht
mehr die Kraft zu, dies zu leisten.
S.
45
Anmerkungen.
p10. 1) A. Weigall, The life and times of Ikhnaton, 1923.
„Akhnaton did not permit any graven image
to be made of the Aton. The true God had
no form; and he held to this
opinion throughout his life.“ (p 103)
p 11. 2) Nach einigen Stellen bei Weigall (l.c.): „der
Gott Atum... der ja als der untergehende
Sonne bezeichnet war vielleicht gleichen
Ursprungs wie der in Nordsyrien allge=
mein verehrte Aton und ein ausländischer
Königin gehörte die Gefahr mag sich dar[in]
dort zu Heliopolis hingezogen gefühlt
haben als zu Theben“. (p. 12 und p. 19)
p10. 3) Weigall (l.c p121) sagt „Akhnaton w[eihte]
nichts von einer Tolleranz gegen daran
schritten man sich durch ungezählte Jahr[hun]=
derte flüchten wollte. Akhnaton flung
all these formulae into the fire. Djins bogies
spirits, monsters, demigods and Osiris himself
with all his court, were swept into the blaze
and reduced to ashes.“
p 14, 4 Und übrigens dürfen wir sagen,
dass alle anderen Autoren ebenso
verfahren sind.
p 15, 5 Wenn Moses ein hoher Beamter war, so
erleichtert dies unsere Verständniss für die
Führerrolle, die er bei den Juden übernahm,
offenbar sogleich von dem Tag an in dem
als Religionsstifter aufgetreten. In diesem
Falle war er in die Entbehrung seines
bisherigen Berufs gezwungen. Ein Prinz
des königlichen Hauses konnte leichtin die seineStatthalter an der Front vonJudea einSyrienistFlavius Josephus (J.
Antiq. Jud) der die Auffassung pflegen
wollte oder anders traditionell als
die biblische zu kennen scheint, hat Moses
als ägyptischen Feldherrn einen sieg=
reichen Feldzug in Aethiopien durch=
geführt.
p 19 6 Dieselbe Anekdote in leichter Abänderung
bei Josephus.
to 32. 7 Es ist historisch gesichert, dass die endgültige
Fixierung des jüdischen Typus der Erfolg
der Reform von Esra und Nehemia in
5ten Jahrhundert vor Christi Geburt war,
S.
46
also nachexilisch, unter der den Juden wohlwollenden
Perserherrschaft. Nach unserer Rechnung waren
damals etwas 900 Jahre seit dem Auftreten
Moses’ vergangen. In dieser Reform wurde
mit den Bestimmungen Ernst gemacht, welche
die Heiligung des gesammten Volkes be=
zweckten, wurde die Absonderung von den
Umlebenden durch das Verbot der Mischehen
durchgesetzt, der Pentateuch, das eigentliche
Gesetzbuch, in seine definitive Form gebracht,
jene Umarbeitung abgeschlossen, die als
Priesterkodex bekannt ist. Es scheint aber
gesichert, dass die Reform keine neuen
Tendenzen einführte, sondern frühere
Anregungen aufnahm und befestigte.
p 34 8 Die Einschränkungen im Gebrauch
dieses neuen Namens werden dadurch
nicht verständlicher, wohl aber suspekter.
S.
Noten 1.
4) X p 10. u Möglicherweise war sie ein Theil landfremd.
Die letzten Pharaonen der XVIII Dynastie hatten
asiatische Prinzessinnen unter ihre Frauen
aufgenommen und die Mutter Amenhoteps III.
scheint selbst eine Ausländerin gewesen zu
sein. Mit diesen Frauen kam gewiss viel
fremder Einfluss nach Aegypten.
X p 13 Wir können ein literarisches Zeugnis dafür
beibringen dass unsere Auffassung, wie
Moses zu den Juden gekommen ist nichts
Unerhörtes behauptet. In der Geschichte von
Sinuhe, einem Roman des mittleren Reiches
der in Aegypten ungemein populär war,
wird erzählt dass der Held nach dem Tode des
(um 2000) Königs Amenemhat I politische Motive hatte
aus dem Lande zu flüchten. Er begab sich
über den Wall zu einem semitischen Stamme
wo er so lange Jahre verweilte.
Dieser Roman, der in Palaestina
spielt, bekundet vor Hyksos, überdies
interessante Parallelen zu den Schicksalen
Moses in Midian und zum Goliathkampf.
p 19 Text Hingegen würden wir den Bund mit
8) Gott überhaupt, worauf ein Zeichen die Be=
schneidung, in die Wüstenzeit zurück=
verlegt, für besonders ungeschickte Ausflüchte
erklären, sollte man meinen, denn die Be=
schneidung gehört nicht zu den Sitten, die
von einem Volk aufgegeben werden
wenn sie einmal eingeführt worden sind
und es giebt kein anderes Beispiel für
einen solchen Vorgang.
10) p 21 Text Man könnte gerade sagen, das Namens=
verbot entspringe denselben Anforderungen
des stricten Monotheismus, der einem einzigen
und einzigartigen Gott beizulegen Grund hat.
Ein solches Merkmal, dessen Bestimmung
doch nur wäre ihn von anderen gleich=
artigen Wesen zu unterscheiden. Ein
Argument ist diess, ein Umstand dagegen
dass er vom Volk bewusst doch nicht gebraucht
werden durfte, erklärt sich dadurch von selbst
dass auf die Zeit verwiesen, in welcher
er (nicht mehr) als der einzige anerkannt
war. So ist es richtig, dass in anderen
monotheistischen Religionen ein solches
S.
2
Hier zitiere ich auf eine Bemerkung von Gressmann
(l. c. p. 54) „Die verschiedenen Namen sind das deutliche
Kennzeichen ursprünglich verschiedener Götter.“
Zu einem ähnlichen Schlusse wie Sellin
gelangt auch Volz (l.c. p 64) „Er meint dass
Moses himmelhohes Werk zunächst nur ganz
schwach und spärlich verstanden und durchge=
führt wurde bis es im Laufe der Jahrhunderte
mehr und mehr eindrang und endlich in
den grossen Propheten gleichgeartete
Geister fand, die das Werk des Einsamen
fortsetzten.“
Es hat es übrigens beliebt den Mann Moses als
den „sanftmüthigsten“ aller Menschen hinzustellen.
Ein solcher Charakter hätte ihm in seiner
Wirksamkeit wenig getaugt.
S.
Namenmasse vermischt wird. Auf der andren
Seite darf daran erinnert werden, dass Gott
Jahve seinen Namen wieder verlor als
er durch die paulinische Reform des Juden=
tums von soviel anderen Völkern an=
erkannt wurde. Immerhin bleibt es dieses
Hinaus und giebt auch Raum für den Ver=
dacht, l 210
11) p 21 In diesen Zusammenhang und wir zur
Verstärkung unseres Verdachts sei er=
wähnt, dass die Bibelkritik heute den
Pentateuch auf zwei verschiedene Quellen=
schriften zurückführt die sich von allem
dadurch von einander unterscheiden dass
sie gebräuchig in der einen Jahve den
Schöpfer werfen als der Jahvist und der
Elohist angerufen werden In das
10 te und 9te Jahrhundert verlegt. Wenn
es einen älteren Gottesnamen als Jahve
gab, so war er um diese Zeit bereits ver=
gessen. Doch mag dem Aussetzen im Ge=
brauch des Gottesnamens noch die Bedeutung
eines Syndroms zukommen.
1) p 4X) Nach meines Deutung der Mosesstatue von
Michelangelo hat der Künstler grade diesen
Zug des grossen Mannes in genialer
Einsicht corrigirt. Er zeigt uns wie über
den Zorndruck des Moses Erzügnten
wie der sich durch die Rücksicht auf die Ge=
setzestafeln die in Gefahr gerathenmusstendas bindende Gesetzschliesslich versehen er seine
Leidenschaft bändigen anstrenge und
davor Überwinnt Michelangelo
hat sich dabei in Gegensatz zur Tradition
nicht geschämt Seine statua Auffassung
Wenn es ein solcher Fremder war so resultirt
p 11X) dies unsere Verständnis für die Führer=
rolle, die er bei den Juden übernahm,
wozu ihn der Priester dem lag es ihm nahe
als Religionsstifter aufzutreten obwär im
keine Entbehrung der Fortsetzung seines
bisherigen Berufs gewesen. Ein Prinz
des königlichen Hauses konnte leicht
beides sein, Statthalter und Priester in
der Vorstellung des Flavius Josephus (Antiq.
Jud) der die jüdische Ausdehnungssage nimmt,
oder andere Traditionen zu kennen scheint,
hat Moses als aegyptischer Feldherr einen sieg=
reichen Kriegszug nach Aethiopien durchge=
führt.
S.
Noten 3
p 12 X) Dieselbe Anekdote vom Benehmen des
Kindes Moses gegen den Pharao und seine
Krone in leichter Abänderung bei Flavius
Josephus.
15) p 27 x Text Ich kann nicht umhin, unsere Ergebnisse
so darzustellen als ob wir ihrer Richtigkeit
sicher wären. Dabei wird sich leicht übersehen
lassen, worin sie von der ja der hligeren
Schrift fixirten Tradition abweichen. Wir
meinen also: Mose war ein Aegypter.
Er brachte dem jüdischen Stamm, den er in die
Freiheit führte mit einer Erneuerung seiner
alten Religion, diese ist unbekannt, auch nicht
die Verehrung des Gottes Jahve. Jahve war eine
lokale Gottheit, die irgendwo in dem Land
zwischen Aegypten Arabien und Palaestina zu
Hause war, wahrscheinlich in Midian genannten Land=
strich. Die Religion des Moses war die von
Ikhnaton eingesetzte hochvergeistigte Verehrung
des Aton. Das Volk war nicht im Stande diese
Religion zu ertragen, es schüttelte sie in
einem Aufruhr ab, bei dem Moses wahrschein=
lich seinen Tod fand. Auf seiner fortgesetzten
Wanderung kam der jüdische Stamm in eine
Gegend, wo er sich anderen verwandten
Stämmen anschliessen und mit ihnen die dort
heimische Jahvereligion annehmen konnte. Von
verlassenen der Mosesreligion her hielt sich eine Tradition a[n]
ein stark genug war im Laufe der Jahrhun=
derte die Jahvereligion im Sinne der frühern
von Moses eingesetzten zu verwandeln.
genug eine Nothzeit Ausgang, das Intervall
zwischen dem Auftreten Mosis und der Be=
sitznahme von Kanaan das in der Bibel durch
eine 40 jährige Wüstenwanderung gegeben wird, muss
auf mehrere Jahrhunderte erstreckt werden
Es ist die Zeit aus der am wenigsten Nachrichten
vorliegen die von der Tradition am unbrauch=
barsten erfunden war. Man nimmt allgemein
an, dass die Niederlassung des jüdischen Volkes
in Palaestina sich viel langsamer und
in ganz anderer Weise vollzogen hat, als
in der Bibel, erzählt wird.
V (In der Geschichte Bileams haben wir wenigstens eine
Tradition von einem Anbeter Jahves der nicht Jude
sondern den Juden feindlich war).
S.
5
p 39 x) Dies darf man wol an die höhere Geistigkeit
der jüdischen erinnern und an die Neigung
der Sage, Dichter und Seher blindheit anzu=
dichten.
2) p 8 X) In diesen Zusammenhang gehört wahrscheinlich
die von der jüdischen Tradition behauptete
Untergang des Pharao bei der Verfolgung
der Flüchtigen.
7 p 12 X) Die Briefe der Amarnazeit gestatten uns einen
Einblick in die damaligen Palaestina-Syrien
herrschenden Unruhe, als Vorgängerische
Orte (Prophet den) Horden Araber und
die „Habiru“ (Hebraeer?) in’s Land einfielen.
Diese Vorgänge können die Richtung
der Züge bestimmt haben, die Moses mit
seinen Juden einschlug.
p 62 x) Wenn E. Sellin Recht hat mit der Ver=
muthung dass die Juden ihren grossen Führer
im Aufruhr getödtet hatten und dann
vom Schuldgefühl diess von der Tradition
wiederhölten Verbrechens verfolgt wurden
so läge hier eine Fortsetzung der Phäno=
menlehre vor, das an der Entstehung des
jüdischen Schuldbewusstseins aus der Vater=
ambivalenz starken Antheil hatte.
16) p 31 Es ist sein Ehrgeiz, der sich in dem Hochmuth
dieses Volkes spiegelt.
p 62 xx) Hier mag ein Vergleich mit der Religions=
stiftung Mohammed’s am Platze sein der in
vieler Hinsichten eine Neuauflage der That
des Moses ist. Auch Mohammed brachte seinem
Volk die Einsicht eines einzigen Gottes, und
einen Fortschritt in der Geistigkeit, die Folge
war wiederum ein Rausch von Selbstverdräng=
ung und ein Aufschwung des nationalen
Selbstgefühls. Aber der historische Verlauf
war anders. Gott Allah erwies sich dank=
bar an seinen Anerkennern durch
stete Eroberungen hienieden. Seinem Volke
... Somit konnte die Entwicklung des
Schuldgefühls ausbleiben die Religion
erstarrte in der Befriedigung über
das Erreichte.
S.
p 31 O (forts) Note)
Es ist historisch gesichert dass die endgiltige 4.
Fixierung des jüdischen Typus der Erfolg der
Reform von Esra und Nehemia im 5. Jahrhundert
v. Chr war, also nachexilisch, unter der den Juden
wohlwollenden Perserherrschaft. Nach unserer
Rechnung waren damals seit dem Auftreten
Mosis etwa 900 Jahre vergangen. Damals wurd[e]
mit den Bestimmungen Ernst gemacht, welche
die Heiligung des gesammten Volkes bezweck=
ten, die Absonderung von den Umlebenden
durch das Verbot der Mischehen durchgesetzt
der Pentateuch, das eigentliche Gesetzbuch, in
seiner definitiven Form gebracht, und jene
Umarbeitung der priesterlichen Tradition vor=
genommen, die als Priesterredaktion be=
kannt ist. Es scheint ebenso gewiss, dass diese
Reform keine neuen Tendenzen einführte
sondern alte Anregungen aufnahm und
befestigte.
11) p 21 vorher Im Bibeltext (Exodus 6) eröffnet
Gott dem Mosis er sei wol der Gott der Ur=
väter, aber unter seinem Namen Jahve
hätten sie ihn nicht gekannt. Es wird dann um
so unberechtigter dass der neu geoffen=
barte Name nicht gebraucht werden
dürfte.
12) Jethro der Schwiegervater Mosis
im Lande Midian wird direkt als Priester
Jahve’s bezeichnet.
17 XX E. Sellin 1922, der von anderen Gesichtspunkten
als wir ausgeht und sich auf ein verschiedenes
artiges Material stützt, gelangt doch auf seinem
Weg zu einem Urtheil über den Einfluss
der Mosesreligion, das dem unserigen
recht nahe kommt. „Mithin haben wir uns
die eigentliche Religion des Mose, den Glauben
an den einen sittlichen Gott, den er ver=
kündet,seitdemvon vornherein als das
Besitztum eines kleinen Kreises im
Volke vorzustellen. Von vornherein
dürfen wir nicht erwarten, jenen in
dem officiellen Kulte, in der
Religion der Priester in dem Glauben
des Volkes anzutreffen. Wir können
von vornherein nur damit rechnen
dass bald hie bald da einmal ein Funke
wieder auftaucht von dem Geistesbrand,
S.
die er einst entzündet hat, dass seine Ideen
nicht ganz ausgestorben sind sondern hie und
da in aller Stille auf Glaube und Sitte
eingewirkt haben, bis sie etwa früher oder
später unter der Einwirkung besonderer
Erlebnisse oder von seinem Geist besonders
erfasster Persönlichkeiten einmal wieder
stärker hervorbrachen und Einfluss gewannen
auf breitere Volksmassen. Unter diesem
Gesichtswinkel ist von vornherein die
altisraelitische Religionsgeschichte zu betrachten
(p 52).Sellin zieht die aegyptische Herkunft Moses
und seines Lehre nicht in Betracht. Er ver=
setzt ihn in’s 13te Jahrhundert nicht wie
wir in’s 14te. Er nimmt an, dass der Priester
über die Empörung in Schittim (Num. 25)
die Gelegenheit andeutet bei welcher
Moses getödtet und seine Religion von
den Abtrünnigen abgeworfen wurde. Die
40 Jahre, welche die Tradition für die
Wüstenwanderung ansetzt, könnten dann
ungefähr den Zeitraum seines Wirk=
samkeit und der Herrschaft seiner
Religion umfassen.(mehr)
163 x) Nach der Annahme Sellin’s rückte der Tod
Mosis bei Hinzutreten der
Auffassung eines Sühnopfers für Versündigung
des Volkes. Ein solches Schuldgefühl ob jenes
Hervorrufens bemächtigte sich der Sekte und
schuf die Erwartung dass der als Wundertä=
teter Gemordete dereinst wiederkommen
werde um das sein Volk seinem
jeder aber nicht jenen allein das endgültige
Heil zu bringen. Diese Massenhoffnung bezog
sich nun auf einen Grossen aus dem
Hause Davids aber Wenn das so ist, so entfiel
der Moses tradition auch den Vorläufer und
das Vorbild der Erlösungsidee des Paulus.
Es ist keine gleichgiltige Bestätigung unserer
Ableitung des Schuldgefühls von der grossen
Vatertödtung, wenn es im diesen Falle auch
auf die Tödtung des grossen, gottähnlichen
Führers bezog.
3) p 10 X) Es ist sehr wahrscheinlich dass die Idee der
Wahrheit (aegypt: Maat) und der Gerechtigkeit
in der Atonreligion eine hervorragende
Rolle gespielt haben. Ikhnaton nannteS.
3a
6) X p 12) Wenn Moses den Juden wirklich seinen Gott
den Namen Aton aufdrängte so wurde das
jüdische Gebot leichter verständlich, jedesmal Adonai zu
sprechen, wenn sie in der Vorlesung den
Gottesnamen Jahve fanden. Von welchem Gebrauch
rührt ja bekanntlich die irrige Vokalisation
des Gottesnamens als Jehovah.
3) p 10 X) fort sich in seinen Inschriften „lebend in
Maat (Wahrheit, Gerechtigkeit)“ zu nennen.
Seine Religion betonte nicht nur die Univer=
salität und Einzigkeit Gottes sondern auch
dessen liebevolle Fürsorge für alle Ge=
schöpfe, sie forderte auf zur Freude an
der Natur und zum Genuss ihrer Schönhei[t].
Während der Regierungszeit Ikhnatons ver=
lor Aegypten wie die Amarnabriefe zeigen
alle seine Besitzungen in Syrien und
Palaestina; der König schickte seinen von
Feinden bedrängten Statthaltern in Asien
keine Hilfe trotz wiederholter flehent=
licher Bitten. Die Historiker urtheilen
ihm Kriegführen und Blutvergiessen
seinen pazifistischen Grundsätzen wider=
strebte. Es ist unzweifelhaft geblieben, wie weit
Ikhnaton in der Vergeistigung des Aton ge=
gangen ist, ob seine Verehrung der sichtbaren
Sonnenscheibe galt oder vielmehr der in ihr
geistigen Macht hinter ihr, die sich durch
die Sonne äussert.
S.
Noten 5
4) p10 Text Andrerseits betonen die Historiker
dass in On (Heliopolis), von welcher Stätte die Ver=
ehrung des Sonnengottes Rê ausgegangen war,
schon zur Zeit des Grossvaters und Vaters
Ikhnatons (Thothmes IV und Amenhotep III) eine
monotheistische Strömung aufkommen
war, die sich in Gegensatz zum Ammon von
Theben gestellt und den alten Namen des
Sonnengottes Atum oder Aton in den Vor=
dergrund gedrängt hätte. In diese Richtung
reihte sich der Kurfürst Ikhnaton unter dem
Einfluss seines M[..]9) X) Der Name Atum wird (Weigall l.c. p 12 u 19)
vielleicht mit dem Adon der Syrer und
Aphrodite, des Adonis der Griechen in Beziehung
gebracht. „der Gott Atum, der Rê als
die untergehende Sonne bezeichnete war
vielleicht gleichen Ursprungs wie der in
Nordsyrien allgemein verehrte Aton und
eine ausländische Königin (Tij, Gemahlin
Amenhotep III) mag sich darum eher zu Heliopolis hin=“
gezogen gefühlt haben als zu Theben.13) p 24 X) „Akhnaton did not permit any graven
image to be made of the Aton. The true God
said the King had no form; and he held
to this opinion throughout his life.“ (Weigall
l.c. p. 103).14) p 26 X) Nach Breasted bestand eine alte Gegen=
satz zwischen dem Sonnengott von On
und Osiris. Weigall (l.c. p121) sagt Ikhnaton
wollte nichts von einer Tolleranz wissen
gegen daran schritten man sich durch un=
gezählte Jahrhunderte flüchten wollte.
„Akhnaton flung all these formulae into
the fire. Djins bogies spirits monsters
demigods demons and Osiris himself with
all his court were swept into the blaze
and reduced to ashes.“ In den Grabinschriften
von Amarna findet sich keine Erwähnung
des Osiris. Der Glaube an ein Jenseits nach
dem Tode für die Tugendhaften und
die Sorge für die Erhaltung des Leibes
wurde zwar aufrecht erhalten aber es
ist nicht unwahrscheinlich dass die Lehre
Ikhnatons später noch Radikaler wurde.S.
1
III Die Analogie
Einzige Analogie zu merkwürd. Vorgang, den
wir in jüd Religionsgesch. konstatirt, findet
sich auf einem scheinbar weit abgelegenen
Gebiet, aber sie ist so vollständig, sie kommt
Identität nah. Dort finden wir das Phänomen
der Latenz wieder ausnahmslos das
Auftauchen unverständlicher, Erklärungs heischender
Phänomene u die Bedingung d. frühzeitig[en]
Vergessen[en]. Und ebenso der Charakter
des Zwanges der sich mit Überwältigung des logischen
Denkens der Psyche aufdrängt, ein Zug der
z.B. bei Genese des Epos nicht in
Betracht kam.
Diese Analogie trifft sich in Psychopathologie
bei Genese der Neurosen des Menschen, also
auf einem Gebiet das der Einzelpsychologie angehört,
während die Religion zur Massenpsychologie
zu rechnen ist. [?] Massenpsychologen
wird es nicht überraschen,
dass Analogie sich hier findet, so dass als in
[?] Postulat bleibt. [?] ob d.
Aetiologie der Neurosenüberhauptals eine
traumatische angesehen werden darf. Einwand
liegt nahe, dass ein solches Trauma nicht in allen
Fällen evident ist. Oft muss man begnügen
zu sagen, es liege nichts anderes vor als
ungewöhnliche, abnorme Reaktionen auf Erleb--
nisse u Anforderungen, die alle Indivi[duen] treffen
u von ihnen in anderer normal genannter
Weise erledigt u verarbeitet werden.
Wo zur [Erklärung?] [?] nichts zur Verfügung
steht als hereditäre u constit. [Disposition?] so ist
ja dass man sagen versuchs[?] Neurose sei eher
nicht erworben sondern entwickelt. Aber
zwei Punkte heben sich hervor. Erstens dass
Genese d. Neurose überall u jedesmal auf
sehr frühe Kindheit zurückgeht. So dass
es unsinnig ist Psychoanalyse zu betreiben
wenn man diese Urzeiten von Erforschg.
u Berücksichtigg ausschliesst wie es von
manchen Seiten geschieht. Zweitens, es ist
richtig, dass es evidente Fälle giebt, die man
als traumatische auszeichnet weil die
Wirkungen unverkennbar auf einen
oder mehrere starke Eindrücke dieser
Frühzeit zurückgehen, die sich normaler
Erledigg entzogen haben so dass man
urtheilen dass Wirkungen Traumen
ja dass man sagen könne die Neurose
nicht vorgekommen wäre [?] [?]
sich [?] [?] So reichte nun
für unsere Absichten hin wenn wir
die gesuchte Analogie nur auf diese
traumatischen Fälle beschränkten
müssten. Aber Kluft zwischen beiden
S.
2
Gruppen scheint nicht absolut. sehr gut möglich beides.
Bedingungen in einer Auffassg zu vereinigen
Es kommt darauf an, was man als Trauma definirt.
Wenn dieses Erlebnis den traumat. Charakter
nur infolge eines quantitativen Faktors
erwirbt dass also in allen Fällen die Schuld
an einem Zuviel an Anspruch liegt wenn das
ungewöhnliche pathol. Reaktionen hervor-
ruft so kann man leicht sagen dass einer
Konstitut. wird etwas als Trauma wirken
was bei Anderer nicht solche Wirkg hätte
ja [?] ergiebt sich die Vorstellung einer
gleitenden sog. Ergänzungsreihe wo zwei
Momente zur ätiol. Erfüllg zusammentreten,
ein Minder des einen durch ein Mehr des an-
deren ausgeglichen wird im Allgemeinen
ein Zusammenwirken stattfindet u nur an
beiden Enden d. Reihe praktish[?] rein einseitige
Motivirg der Rede sein kann. Nach diesen
Erwägg kann man Unterscheid zwischen
traumat u nicht traumat. Aetiologie
als unwesentlich für gesuchte Analogie
verwerfen[?].
Welche Tatsachen enthalten diese Analogie?
Sie sind wohl bedeutungsvoll für [?] Folgends
Es hat sich herausgestellt dass, was wir die Symptome
Phänomene der Neurose (Traumen) heissen
die wir von gewissen Ereignissen sind,
die wir deren aetiolog. Faktoren heissen.
Wir zwei Aufgaben: Gemeinsamkeiten dieser
Ereignisse sind aufzu[suchen] u 2) [?] neurot. Phänom.
aufzusuchen (Gewisse Verallgemeinerg
Schematisierung nicht zu vermeiden der Nothw[endigkeit])
Ad 1) a) Traumen der frühen
Kindheit bis etwa 5 Jahre. Wichtigkeit der ersten
Jahre auf d. Zeit beginnend Sprachfähigkeit
oder kurz vor 2-4 Jahre als höchste
als Geburt lässt sich natürlich nicht feststellen
Zeit 2-4 wichtigste b) sie sind alle vergessen
Erinnerg nicht zugänglich fallen in Zeit
Periode der infantilen Amnesie die
durch einzelne Reste, sog. Deckerinnergn.
unterbrochen ist. c) sie beziehen sich auf
Eindrücke sexuell u agress. (gewaltsamer)
Natur. vll. auch Schädigung d. Ichs
wegen des [?] dazu bemerken dass
Kinder zwischen sexuellen u rein gewalts.
nicht [?] unterscheiden wie später
(sadist Missverständnis d. Coitus)-
S.
3
In welchem Ausmaass Schädigungen des grossen Ichs
muss [?] zu sagen. Abnormitäten der Constell
natürl. sehr auffällig u. verlangt nach theor.
Würdigung.
Diese drei Punkte gesondert zusammen: Frühzeit
bis 5j, Vergessenheit, sexuell. aggress. Inhalt.
die Traumen theils Erfahrungen an Körper
am eigenen Leib oder Sinneswahrnehmg.
meist Gesehenes u Gehörtes. also Erlebnisse
oder Eindrücke. Zusammenhang der drei
Punkte hergestellt durch eine Theorie
ein Ergebnis der analyt. Arbeit die
allein die Kenntnis vermittelt greller
gesagt obwohl inkorrekter sie in Erinnerung
zurückbringen kann. Theorie lautet dass im
Gegensatz zur populären Meinung das Ge-
schlechtsleben d. Menschen oder was ihm später
entspricht, Frühblüthe hat die
mit 5 j. zu Ende ist worauf sog. Latenz-
zeit folgt in der keine weitere Ent-
wicklg stattfindet, u das Erreichte theils rück-
gängig gemacht wird. Solche
Lehre wird durch anatom. Untersuchung
des Wachsthums d. inneren Genitalien bestätigt.
Sie führt zur Vermuthung dass d. Mensch
von einer Thierart abstammt die mit 5 j.
geschlechtsreif wurde u. dass Aufschub u zwei-
zeitige Ansatz des Sexuallebens innigst mit der Menschwerdg.
zusammenhängt. Mensch scheint einzige
Thierwesen mit solcher Latenz u. Verspätg.
[?] [?] an Primaten fehlen u wäre für
Beweis unentbehrlich. Psycholog kann nicht
gleichgiltig sein, dass Periode der infant.
Amnesie mit dieser Frühzeit zusam-
fällt. Vielleicht [?] dieser Sachverhalt
die wirkliche Bedingung für Möglichkeit der
Neurose, die Vorrecht des Thieres[?],
sodass Neurose als Überbleibsel d. Vorgeschichte
wäre zum Vergl. mit Rudim. in Anatomie
uns Körpers. Das sind [?] gesichert
aber Beides davon unzweifelhaft
[?] f Anthropologie sehr wichtig.
S.
4
Ad II). Eigenschaft d. neurot. Phänomene.
2 Punkte. a) es sind entweder positive oder negat.
Wirkungen des Traumas d.h. Bemühungen das
alte vergessene Erlebnis wieder real zu machen
so dass Realität anstatt Erinnerung dabei spricht
man von Fixierung u Wiederholungszwang der
Abwehrreaktionen. damit nicht erinnert noch
wiederholt werden soll. Symptome im engsten
Sinne sind Kompromissbildungen von
beiden Strebungen. Man sieht so dass durch
diesen Gegensatz d. Reaktionen ein Konflikt
hergestellt wird der kein Ende finden
kann. b) Alle diese Phänomene, die Symptome
wie die stabilen Charakterveränderungen
haben Zwangscharakter, d.h. bei grosser psych.
Intensität zeigen sie eine weitgehende
Unabhängigkeit von den logischen Gesetzen der
anderen s. Vorgänge die der realen Aussenwelt
Forderungen d real Aussenwelt angepasst
sind werden durch sie nicht beeinflusst u
kümmern sich auch nicht um sie so dass sie
in aktiv. Widerspruch mit ihr gerathen
sind gleichsam, ein Staat im Staat einer
unzugänglichen Partei, der es aber gelingen
kann das Andere, das Normale, zu über-
wältigen in ihren Dienst zu zwingen
damit ist Herrschaft einer psychischen Realität über
die reale Aussenwelt hergestellt, der Weg zur
Psychose eröffnet. Auch wo es nicht soweit kommt
Lebenshemmung (Lebensunfähigkeit) der von
Neurosen behafteten Personen ein in der
menschlichen Gesellschaft sehr grosser Vorgang[?]
in dem man direkt Fixierung an
Stück früher Vergangenh.
erkennen muss.
Wie steht es mit Latenz? Auf Trauma
kann unmittelbar eine neurot.
Erkrankg folgen. Kinderneurose erfüllt
von Konflikt um Bemächtigung d. Triebes
unter Bildg von Symptomen. Diese Neurose
kann als latente Neurose Zeit lang anhalten
oder auch latent verlaufen, übersehen
werden. Meist behält Abwehr die Ober-
hand auf jeden Fall bleiben Veränd-
erungen im Ich wie Narbenbildg zurück.
In Regel folgt [?] Zeit
anscheinend ungestörter Entwick-
lung. [?] unterbricht oder ermöglicht
durch Eintritt d. Latenzzeit, bis durch
Eintritt der Pubertät der pubertäre
oder nachher wichtige endgültige
Neurose als Wirkung manifest
das Trauma sich enthüllt. Im erstere[n]
S.
5
Fall wenn theils in Latenzzeit die ent-
wickelten Theile sich weigern dem
Kampf eines unbewussten Triebes im
zweiten Fall weil die bei der ersten Abwehr
hergestellten Ichveränderungen erweisen
sich nun als hinderlich gegen
die Realität nöthigen Lebensaufgaben
Das Phänomen
einer Latenz der Neurose bis z. späteren
Ausbruch ist typisch zu nennen. diese
Erkrankung als eine Art Heilungsversuch der
Abspaltung des Ichs [?] Antrieb aufzuheben
will diese Abspaltung [?] [?] der
[?] Ichs [?] ist ein Versuch
der [?] endet meist unglücklich
[?] es oft genug mit völliger
Vernichtung des Ichs oder Überwältigg
durch den abgespaltenen Theil endet.
Um die Richtigkeit d. Überzeugung des
Lesers davon ist unmöglich ohne die
Weitläufigkeit u Erörterung der Evidenz
die Charakter dieser Abhandlg völlig
aufheben u wieder den Arzt in Neurosen-
lehre umwandeln. Vorbehaltl. weigere[?] zu
gewährleisten wird darum den Leser bitten
dass er Vorstehenden abgekürzt
zusammengefassten Behauptungen Glauben
schenkt womit das Zugeständnis verbunden
ist dass er die Folgerungen zur Annahme
braucht unter Bedingung dass diese Lehren
als Voraussetzungen richtig sind. Hierzu
Versuch gemacht einiges an einzelnem
Beispiel zu beweisen.
Ein Knäblein das Schlafzimmer d. Eltern
theilt, hat wiederholt ja regelmässig
Gelegenheit im Alter von kaum
erreichter Sprachfähigkeit die sexuellen Vor-
gänge zwischen Eltern zu beobachten
zu sehen u noch mehr zu hören.
In seiner späteren Neurose die sofort nach ersten
Pollution i Pubertät ausbricht ist Schlaflosigkeit
frühzeitig u auffälligstes Symptom. Er ist ausser-
ordentl empfindlich gegen
nächtl Geräusche u. kann Schlaf nicht
wieder finden, was ich als ein richtiges
Kompromisssymptom werth[?] einerseits Ausdruck seiner
Abwehr gegen Wiederholung [?] an-
dererseits Wachhalten um diese
Situation Wachen wiederherzustellen
in der er sie beobachten musste.
S.
6
durch diese Beobachtung frühzeitig zu aggressiver
Männlichkeit geweckt, begann er frühzeitig
seinen kleinen Penis mit Hand zu erregen
u verschiedene Angriffe auf Mutter zu
machen bis er sich von ihr dieses Verbot, das
Glied zu berühren u Castrationsdrohung
von Seiten des Vaters holt. diese Drohung
wirkt als gewaltiges Trauma u. ändert
auf allefrüherenspäteren Zeiten Charak-
ter, trauriges, da sie das Aufgeben
in der Folge der infantilen Thätigkeit wird
sind theils weil die sexuelle Thätigkeit
Symptome [?]
die Identificierung d. Abbild des Vaters. P[?]
erwachen in [Sextrieben?] in [?][?] [?]
ungewissenhaft. die Latenzzeit erstreckte sich nach
Pubertät, die Unbeeinflussbarkeit d[urch] äussere
[?] der Vater drohenden Kastrat. [Krankheit?] Symptom
sogar sexuall. d.h. Glied als der Thätigkeit wider-
setzt [?] ungetraut. [?] hat sich das unser Vater
als da[?] die Identificierung psychische Onanie. die
Affekte der Drohung tritt ihn in patholog[?]
[?] dem der passiven Aktivität in
Liebe der Mutter ein. Da der
[?] sich an Mutter damit
[?] er Liebe z. Schutz gegen Vater[?] [?]
die [?] Modifik. d. Oedipuskomplex. Nach Entbehr[?]
äusserte sich die sexuelle Thätigkeit in path[?]
[?] als er später doch eine Frau fand
in Identif mit Vater dessen grausamen
Wütherich [Eigenschaften?] wachrufen er kopierte
In Analyse pflegte er Hass an Vater halten.
[?] [?] Identif mit in voller Mütter-
mord[?] die im Gefühle von Vater-
verehrung unterdrückt worden war. Symptome
zeigen sie sind auch theilw in Wiederholg.
Dies unzweifelhaft [?] [?] .
Es mag dieser Fall theilweise hierhin dienen als
Theil der gesuchten Analogie Heranziehung möchte
hier noch hinzufügen dass die späte
Krankheit des unerfreulichen Charakters aus dem
aggressiven Vater identificiert wobei
Züge des Überichs v. Aggression
überwiegten Im Ganzen mag sich dieser
Krankheitsfall mit seinen besonderen
Aetiologie von der Analogie zur
Religionsgesch. die wir suchen weit entfern[en].
S.
7
IV Anwendung u Schwierigkeiten
Frühes Trauma - Abwehr - Latenz - Ausbruch
d. Neurose - theilweise Wiederkehr d. Verdrängten.
Dies war die Formel die wir für Entwicklg. einer
Neurose aufgestellt haben. Der Leser
wird nun eingeladen den Schritt zu
machen u anzunehmen dass im Leben des
Menschengeschlechts ähnliches vorgefallen ist wie
in dem des Individ. also dass es auch
hier Vorgänge grosser sex. aggress. Inhalte
[?] gegeben die Folgen hinterliessen
aber zumeist abgewehrt, vergessen wurden
nach langer Latenzzeit Wirkung bekom-
men u ähnliches wie die Symptome in Aufbau
u Tendenz geschaffen haben. Wir glauben
diese Vorgänge errathen zu können u dass
Folgen derselben die Symptome der Religionen
sind. Da sich seit dem Auftauchen [der]
Evolutionsidee nicht mehr bezweifeln
lässt dass das Menschengeschlecht eine
Vorgeschichte hat und da diese unbekannt, das
heisst vergessen ist, hat ein solcher Schluss
beinahe das Gewicht eines Postulats.
Wenn wir erfahren dass die wirksamen u.
vergessenen Traumen sich hier wie dort
auf das Leben in der menschlichen Familie
beziehen, werden wir diess als
hocherwünschte [,] nicht vorhergesehene,
von bisherig. Erörterungen nicht
geforderte Zugabe begrüssen.
Habe ich vor 25 J. in Totem u Tabu aus-
geführt u habe dies hier zu wiederholen.
Die Konstruktion geht von einer Vermuthung
Darwin aus u bezieht eine Vermuthung von
Atkinson in sich. besagt dass in Urzeiten
der Urmensch in kleinen Horden lebte unter
der Herrschaft eines starken
Männchens. Zeit ist nicht angebbar Anschluss
an geolog. Epochen nicht zu errathen ebens
wesentlich aber die Annahme, dass die zu beschreibenden
Schicksale alle Menschen, alle unsere Ahnen betroffen.
wird in grossartiger Verdichtung erzählt als ob
sich einmalig zugetragen, was sich in Wirklichkeit
über Jahrtausende wiederholt worden
ist. das starke Männchen war Herr u Vater der ganz
Horde unbeschränkt alle [Frauen] u [Töchter] waren
sein Eigentum die Frauen der eignen [?]
[?] die von anderen Horden geraubten
Schicksal der Söhne war hart, wenn sie die Eifersucht
d. Vaters erregten, wurden sie erschlagen
oder vertrieben. Darauf angewiesen sich
in Gemeinschaften zusammen zu leben und sich dann
[?] [?] [?] [?] [?]
Position wie Vater emporzuarbeiten.
Eine gewisse Ausnahmestellg ergab sich für die
jüngsten Söhne, die durch Mütter geschützt
S.
8
von Altern des Vaters profitirt. von der Bevor-
zugung der älteren Söhne als Bevor-
zugung der jüngsten glaubt man Nachklänge in
Märchen der Sagen zu [erkennen].
Nächster entscheidender Schritt d. Änderg. dieser erst.
socialen Einrichtg soll gewesen sein dass die
vertriebenen in Gemeinschaft lebenden
Brüder sich zusammenthaten, den Vater
überwältigten u ihn nach Sitte jener Zeiten
roh verzehrten. An dem Kannibalismus braucht
man keinen Anstoss nehmen, er ragt weit
in spätere Zeiten hinein. Wesentlich dass
wir den Urmenschen diese Gefühls einstellg
zuschreiben die sie zeigen wie
sie bei Primitiven u Kindern der Gegen-
wart herrschen, nicht nur gehasst u gefürchtet
sondern auch geliebt u. als Vorbild
verehrt u. dass jeder in Wirklichkeit
an seine Stelle treten wollte. der
kannib. Akt wird verständl. als Versuch
sich durch Einverleibg. eines Stückes von
ihm der Identificirung zu versichern.
Es ist anzunehmen dass nach der Vatertödtung
eine längere Zeit folgte in der die
Brüder mit einander um das Erbe stritten
da jeder für sich allein d[ie] Herrschaft haben wollte.
Nach Einsicht in die Gefahren u.
die Erfolglosigkeit dieser Kämpfe, d[ie]
Erinnerg. an d. gemeinsam vollbrachte Be-
freiungsthat u die Gefühlsbindungen an-
einander die in Zeiten der
Vertreibung entstanden waren (führten)
zu Einigung unter ihnen, Form
von Gesellschaftsvertrag. Also
erste soziale Organisation mit Triebverzicht
Anerkennung von Verpflichtungen. Einsetzg.
als bindend anerk. Moral u Recht. Jeder
verzichtete auf Erwerb der Vaterstellung
auf Besitz Mutter u Schwestern. Also
Gebot der Exogamie. [Ein] Theil der Macht
ging auf Frauen über Matriarchat
Periode von [?] d. Erinnerung an
Vater [lebte] [?] Vatermord
durch die Reue in der Totem=Mahl-
zeit als theilweise Triumph und [Opfer]
Gedenkfest der verbündeten Brüder.
[?] des Vaters aber wurde
ein starkes u. gefürchtetes Thier eingesetzt
[als] Ersatz der Vaterreligion [?]?
S.
9
als erste Religionsform Totemism. Totem=Vaterer-
satz in Verehrung dess. u Totemmahlzeit die
dessen Ambivalenz erhalten, beständig
wiederholt. Dann Fortschritt (ver)menschlichte
Götter(Muttergottheiten. deren Söhne)
schonalsVater nach Mittelperiode
d. Matriarchats u. Mutterrechts, Väter, während
männliche Götter theils als Söhne neben
Mutter, theils als Vatergestalten
EndlichEinzigerüber (unbeschränkte) Götter (durch irgend was beschränkte)
die Eigenschaften der Urzeit. und
dann Erhebung vor dem wir stehen Wieder-
kehr des Urvaters, des einen, einzigen unbe-
schränkten Vatergottes.
Ganze mag phantastisch scheinen gemäss Lücken-
haft und viel blinde Vermuthung. Aber doch
haltbar. ist natürlich in erster Rich-
tung aufgebaut worden von Thümmern[Trümmern]
von Vorgänger. theils davon haben noch
in Gegenwart einen Niederschlag
Totemismus Männerbünde von anderen
sind die Repliken so Totemmahlzeit
in Christlichem Ritus andere in Märchen
Mythen d. Märchen, fast unübersehbar. So die
Thierphobien der Knaben von Vater gefor[mt]
die Gefahr der Kastration. Mord u. dgl.
auch diese Reminiszenzen aus alter
Zeit [?] Mythen. Und was
Ganze also dass religiöse Lehren
Riten theils Überbleibsel (Fixierung)
an alte Familiengeschichte theils
als Wiederherstellungen des Vergangenen
nach langen Intervallen. Letzteres ist der
Antheil der am längsten übersehen
wurde, was verkannt wird am wenigstens
einzelnen Beispiel erweisen
werden dann
hervorgetreten dass Stücke aus Vergangenheit
wiederkehrend d[ie] Eigenschaft einer
Macht durchsetzen, den unwiderstehlichen
Einfluss auf die Massen ausüben, aller
logischen Kritik unzugänglich den
Anspruch auf Wahrheit erhebt,
S.
10
gegen den logischen Einspruch machtlos ist
wie dascredo quia absurdum. Dieser merk-
würdige Charakter l.Zeugen[?]sicherklärt sich
nur nach Muster des Irrwahns der
Psychotiker. Längst verstanden dass in der
Wahnideeein Stück von [?] WahrheiteinStückvergessener Wahrheit steckt das sich bei seiner
Wiederkehr Entstellungen u Missverständnissen
gefallen lassen muss, u dass die zwanghafte
Überzeugung die sich für den Wahn her-
stellt, von diesem Wahrheitskern aus-
geht und sich auf die umhüllenden
Irrthümer ausbreitet. Einen solchen Ge-
halt an historisch zu nennender Wahr-
heit müssen wir auch den Glaubens-
sätzen der Religionen zugestehen, die
zwar den Charakter psychotischer Symptome
an sich tragen, aber als Massen-
phänomen dem Fluch der Isolierung
entzogen sind.
Kein anderes Stück Religionsgeschichte ist
uns so durchsichtig geworden wie die
Einsetzung des Monotheismus im
Judentum u dessen Fortsetzung durch
die christl. Religion. Beinahe so durchsichtig
wie die Entwicklg vom thierischen zum
Menschgott in den Stadien wo der Gott
das Thierals Begleitthierdann als Begleittier und
Lieblingsthier mit sich führt (Noch der
christliche Evangelist!) Lassen wir
vorläufig die pharaonische Weltherrschaft
als Anlass zum Auftauchen der Monoth
Idee gelten, so sehen wir dass diese
Idee von ihrem Boden losgelöst
auf ein anderes Volk übertragen
von diesem nach langer Latenz Besitz
ergreift, als kostbarster Besitz gehütet
wird u ihrerseits dieses Volk am
Leben erhält, ihm den Stolz d. Auserwähl-
heit schenkt. Es ist die Religion des
Urvaters an die sich Hoffnung auf Be-
lohnung, Auszeichnung, Weltherrschaft
knüpft. Letztere noch in Phantasie
von Feinden (Weisen von
Zion) festgehalten. Charakter u-
S.
11
Geschichte d. jüd. Volkes. Besitz d. Wahrheit Hochachtung
Intellekt ethische Sublimierung Übertonung des
intellektuellen Überwindung Magie u Mystik
Fortschritt in Geistigkeit. Hochschätzung der Ethik
Ethische Religion Lebenswandel in Wahrheit
u Gerechtigkeit.
Wiedereinsetzung des Urvaters ein grosser
Gewinn. Aber konnte dabei nicht bleiben. Aus
Urzeit drängten andere Theile, vordringlich[?]
Schuldgef. der Mörder zur Befriedigung[?]
Bemächtigt es sich d. Volkes als Vorläufer zur
Wiederkehr desAton- Urvaters. Bis Einer aus
diesem Volk in der Justifizierung eines politisch-
religiösen Agitators den Anlass fand, mit
dem eine neue, die christl. Religion sich vom Juden-
thum ablöste. Paulus, ein röm Jude
aus Tarsus, fasste das Schuldgefühl des
Menschen auf u fasste das Verbrechen als Wahr--
heit auf, nannte es Erbsünde. Sünde an Gott
der ein Menschenmord durch Blut des Erlö--
sers gesühnt. Also Erbsünde in das
Christus der [?] Mörder des Urvaters Sühne
der Vater muss Mörder des Vaters gethan
Phantasie. Mancherlei Sühnung hat
Mysterien d. Religion d. Griechen d. Messias
wol Paulus eigener Gedanke. Moses
direkt von Volk oder ChristDzeigt sich darin, dass Sohn Gott
Christus unschuldig tödten liess u die Schuld
der Mörder auf sich nahm. Ein Sohn musste
es sein, denn es war ja ein Mord an
Vater gewesen. Ein Mensch erlöste aus Tod der Vaters
einmal an das Kreuz, an das das
ward [?] durch ihn Erlöser [?] Sohn
hob Religion auf. Judenthum, Mutter
Religion der Väter. Vielgötterei,
Gottes Sohn, der wieder vorhersagte, Polytheism
wiederaufleben von Magie u Mystik.
Darum allgemein Abneigung gegen Christenthum
des Jüdischen. Rache des Paulus. Rache
Dabei haben wir wichtig Zusatz
Begründung des Antisemit. a) Vorwurf
dass sie Gott getödtet b) Glaube der Rache
c) Neid auf Erwähltsein d. Juden
d) Rache für Aufdrängen d Christentums.
als zeitlich letztes Motiv.
Christentum entspricht einem Rückschritt
in der Vergeistigung. (Aberglaube)
S.
12
So möglich sein wird Entstehg der monoth
Idee im Judenvolk aufzuklären
Vielleicht ein bischen. Kann unvergleichlich
sein, dass die Juden, die in Kadesch die
Katastr. d. Vatertödtung an d Moses
wiederholt haben, diese That in Erwarten
eines Sühne opfers [?] haben. die
in Ausleg. der [?] als Verleugnung des Opfers
und so Anhaltspkte für Christenthum
geben. Soll nicht eine [?] [?] [?]
[?] der Welt Phantasie den Menschen
Erlöser den Messias als Erlöser bringen
sollte [?] im Sinne des Moses [?] [?] [?]
Vorgänger von Christus ist der gewiss jener
grossen Thats. als der er hingewies
Sühne aufgesprochen hat. Paulus brauchte
dann nicht alleinerlassene Juden auf--
zufassen u ihre künftigen den Mord an
Moses schon Thatsache, daran fand er
die Reue stützte das Schuldbew. u die Erlösung.
Diese neue That ist Wahrheit am Christentg.
wie nicht Volk d. Messias ist
wirklich gekommen, Er ist ja getödtet worden
[?] wie sie selbst gesprochen und
nämlich darauf baute Paulus seine jüd--
Tradition auch das erwies sich der theilweis.
Erlöser wichtig religös Trieb der die
verdrängt Ehrfurcht d. Moses waren
bei ihm Antheil zu irgend Ort von Be--
[?] ausgedrungen. Es ist eigentliche
indem Menschg Judenthums durch die Prophet.
vorwiegend Judenthum die jüd Religions[stiftung]
auf die des ägypt. Moses Bezug hat
der jüd Vergeistigkeit aus d eigentl
Aegypten Judenthum von d. Kaste
war von Sellin entdeckte Mord an Moses
wichtigste Stück der Beweisung. Paulus
hat Weg gefund., indem er diesen
Mord als Realität ansetzte u. Sühne
[?] Anerkenng Christi an die Stelle
ihrer des theilw. Moses. Hinter ihm
wiederverstandene Moses Hinter dem
der wiedergegebene Urvater
er stand verkleidet, u gleichzeitig als
Sohn an seiner Stelle.
S.
13
So wäre es vielleicht geglückt die Analogie
zwischen neurot. Vorgängen u den religiösen
Geschehnissen durchzuführen u damit auf
den unvermutheten Ursprung d. letzteren hin--
zuweisen. Bei solcher Übertragg auf psychol
[d] Massenpsych. stellen sich hauptsächlich
zwei Schwierigk. heraus. denen wir uns
jetzt zuwenden. Erste, dass wir eigentlich
nur einen Fall aus Phänomenologie
d. Religionen behandelt u sehr wenig
kein Licht geworfen auf die anderen. Mit
Bedauern eingestehen dass der Autor nur
mehr als diese eine Probe geben kann
nicht über Fachwissenerlaubtreicht des Autors
lässt ihn bescheiden zurücktreten. Er kann noch
ferner, Mahomed. Religion es scheint
wie abgekürzte Wiederholg d. jüdischen
Religionsstiftung wie Nachahmung d.
Wiedergewinnung des einen grossen Urvaters
worauf ausserord. Hebung d. Selbstbew.
erfolgte, die sich in weltlichen Erfolgen
erschöpfte. während innere Entwicklung der
neuen R[eligion] theils an der Vertiefg die bei
Juden durch den Mord an Religionsstifter
u. Moses derun-Vater verursacht wurde.
Die anscheinend rationalist. Religionen
des Ostens sind im Wirklichen Ahnen--
kult machen also auch Halt [?] einem [?]
der Reconstruction d. Vergangenen
Halt. Wenn es richtig ist dass bei pri--
mitiven Religions[völkern] der Glaube an einen
einzigen, höchst. Wesens gefunden wird
wird so kann man das nicht als Vorüber--
gehenden in Religionsentwicklung ansehen
wie der Analogie in den ungezählten
Fällen der rudimentären Religionen auf
jenem anderen Gebiet. Warum es
hier u. dort nicht weiter gegangen ist
Dafür fehlt uns das Verständnis. Müssen
wir auf Begabung der Indiv. zurück
oder der Völker für diese religiöse Begabg.
Richtung ihrer Thätigkeit.
S.
14
Zweite Schwierigkeit, die sich bei dieser Über--
trag[ung] auf Massenpsych. ergiebt ist weit schwer-
wiegender von prinzipieller Natur u. wirft die
Frage: wie Traditionwirdin welcher Form
vorhanden ist. Gehn wir auf unser erstes Beisp.
zurück. Wir haben das Compromiss in Qadeš
auf Fortbestand Tradition der Rückkehrer zurück--
geführt. Dies ist Fall der kein Problem
aufwirft. Nach unser Annahme handelt es sich
um Tradition (bew. Erinnerg) an Mittheilungen
von Seiten d. Augenzeugen, nur 2 Generation.
von ihnen entfernt. Aber in folgenden Jahrhun--
dert wie dasselbe glauben, dass Tradition
immer ein auf normale Weise mitgetheiltes
Wissen zur Grundlage hatte, vom Ahn auf
Enkel übergeht. Welches die Personen
sind die dies Wissen bewahren u mündlich
fortpflanzen lässt sich kaum mehr wie im
früheren Fall aufzeigen. So ist zwar nach
Sellin Tradit. vom Mord an Moses in
Priesterkreis. vorh. u. findet auch
endlich schriftl. Ausdruck durch den er Sellin
sie nicht errathen könne. Aber sie
kann nur Wenigen bekannt gewesen
sein, war kein Volksgut. Dieser Einwurf
in d Tradit an diesen Ausspruch Sellin’s
anknüpfend, so giebt es dann kein Problem
aber. Reicht das aus? Und kann man nun
solche Wissen Weniger Einflüsse der
Masse zuschreiben die Massen ergreift, wenn
es zu ihrer Kenntnis kommt? Es sieht doch auch
als müsste auch in der unwissenden Masse etwas
vorhanden sein was dem Wissen der
Wenigen irgendwie verwandt ist u. ihm
entgegenkommt wenn sie geäussert wird.
Noch schwieriger wird Beurtheilg wenn
wir zum analog Vorgang Situation in d
Urzeit wenden von dem Uebergang einen
Urvater in Land der Gewohnheit gewiss
[?] vergessen worden. Keine mündl Tradit.
wie im Falle Moses kann angenomm.
werden. In welchem Form ist sie
geblieben, war sie besonders psych.
Zustand eigentlich den man ohne[?] [?]
Glaube das Individuum hat er immer gewusst wie man
eben um Verdrängtes weiss. Wir
haben uns ja gebildet durch die endlos
ja aus Analysen vervollständigten Vorstellg.
S.
15
gebildet wie etwas vergessen u wie es nach
Weile wieder z. Vorschein kommen kann.
Das Vergessene ist nicht ausgelöscht und ver--
drängt. Erinnerungen sind vorhanden durch Gegen--
besetzg isolirt. Können nicht in Verkehr mit
anderen intellekt. Vorgängen treten sind
ubw dem Bw nicht zugänglich. Aber es
sind gewisse Antheile des Verdrängten doch
erhalten bleiben u wenn auch isolirt bw
Erinnerg zugänglich. ob es das so sein aber
es braucht nicht. Verdräng. kann auch vollständig
sein. Das Verdrängte behält Auftrieb
Streben bis zum bw vorzudringen, kann
es erreichen unter drei Bedingungen
1) wenn die Stärke der Gegenbesetzung herabgesetzt
wird. 2) wenn die am Verdrängten haftenden
Triebantheile eine besondere Verstärkung
erfahren 3) wenn im rezenten Erleben
Eindrücke, Erlebnisse auftreten, die dem Ver-
drängten so ähnlich sind, dass sie es zu er-
wecken vermögen.
In beiden Fällen
kommt es nicht glatt z. Bw: immer Verdräng
mit Entstellung die Einfluss der Wider--
stände der Gegenbesetzg zeigen oder den
des modifizierenden rezenten Eindrucks in
[?] beider. Man kann behaupten, Vorgang
des ubw in bw gemacht werden. mit Hilfe
der Vorstellgn die dem bw gehören. Wir
haben als Kennzeichen u Orientierg
Tatsache das Vdrgt ubw u nun
wäre es so einfach wenn wir überzeugt
hätten Differenz bw. u ubw decken
sich mit ich [?] u was das ubw.
Tatsache dass es in Seele solches Isolirt Ubw
giebt wäre wichtig genug. Leider
ist es complizirter. richtig, dass alles Verdrg.
ubw ist aber nicht dass alles vom Ich bw.
ist. Bw ist flüchtige Qualität vorüber--
gehend, muss „bw“ ersetzen durch
bw-fähig „vbw“. Ich ist auch vbw nicht
ubw.
Müssen andere Unterscheidung ein--
führen, die nicht mehr qual. sondern
topisch u. was Vorzüge theilt genetisch
Nennen unser eigentliches bw sein davon trennen
wir das Verdrängte hat sich in einem
gewissen Zustand befunden u Es
da wird aber genetisch in d. R.
geworden haben, zweites heisst die virtell[e]
Bw thut gen.[?] d.[?] also theil[?] [?]
müssen wir [?] u theils davon
gesondert Es. Hierüber was l[ange] ist dann
S.
16
dem Bewusstsein aber doch erfahrene unter--
scheidet als das historisch dunkle ErinnergDEntweder Antheil des unbewussten Es von
eigentlich. Ich ein Theil des Ubw sich des
(IIchs ubw [?]) Pro[zess?] [?] sich wie Es darum
zwei Geschichtspunkte unterscheiden sie von einander
der Qualit. (bw oder ubw) den genetischen (Ich oder
Es) dem sicher. (oder oft oder nicht. Complizir[t]
mich unsere Auffass. Alles leichter zu
verstehen, wenn wir die beiden psychisch
Antheile trennen, das das vbw (Ich) und das
Es (mit Vdg) unterscheiden. Müssen diese Form
Ich Organisation von die über=
heb. sich dem um[?] in werden ge=
hörig. [?]rIch [?]u. [?]
werden. Unbew. V[?] d.[?] den[?] [?]
Vorgängeder psychd[er] Th[eile] im ubw (Ich)
die auf das Ersch. in Gestaltig[en] halten
sich Vorgänge sichvhd. unbewussteG
Dynamik Organisation theils durch
Vergleich zu erlaütern?
UnbewussteCharakter von dem wir ausge=
gangen wird allmälig unwichtig ob Qualit.
bw oder ubw. Nothwendiges dass vbw
in alleng[?] G[ebieten?] ein Wahrnehmung hängt
durch die den Geruchs- Gehörs- Gesichtsempfindg
[?] Alle Denkvorgänge u was ihnen
im Es analog ist, bleiben insich ubw. verlang.
zur dem des Bewusstwerd nur Einzig
sind theils durch die aus Verbundg
mit Gehörseindrücken Gehör- Gesicht- [?]
zu bw geschafft. Wenn die
Schwierigen Uebergänge aber, wegen
Sprache vereinfacht schwer in
Kindheitserinnerg Errinnerung drängen nicht
in Vbw vor oder bald in Es Zustand
zurückversetzt (verdrängt) Ihr Reste
wird dann unbew Es u. handelt sich
immer um Selbsterlebtes. Von da an
Plas[?] [?] [?] [?] an
dass wir glauben haben
schon in Individ. nicht erlebte
sondern mitgebracht Dinge vorhanden
Stücke archaischer Erbschaft. Neue Frage,
worin besteht u. was enthält sie
was sind ihre Beweise?
S.
17
erste nächste sicherste Antwort: in bestimm[ten]
Dispositionen, wie bei allen Organismen
besteht, Fähigkt Neigung, bestimte Ent--
wicklgrichtung einzuschlagen u auf gewisse
Erregungen Reize, Eindrücke, in bestimmter
Weise zu reagiren. Da Erfahrung zeigt
dass sich hier von Anfang Differenz[en] er--
geben, erfasst arch Erbschaft in diese
Differenz, schliesst diese ein. Da aber
Mensch[?] wenig z Zeit dasselbe erleben
reagiren sich in gleichem Theil, als ob diese
Reakt auf diese Erlebnisse mit ihren
Variationen zur arch Erbschaft gehören.
Nun ein Eindruck bis aufDifferenzen
keine Auskunft über Inhalt arch. Erbschaft.
Nun Analyse einige Ergebnisse geliefert
die zu denken geben: Erstens etwas wie
Allgemeinheit der Sprachsymbolik allen
Kindern geläufig. Erlernen un= undweitbaroder selbst möglich. arch Erbschaft
auch Sprachausdrücken zu Beweis d.
Ausfall d[?] sich im [?] weisen
Jedes Kinder[?] den[?] Überreste
kann nicht mehr sich[?] der un[?]
Individuell überlebt [?] auch nun
Anschluss ausgedehnt Disponiren
[?] bei d. Einfl. u. Positivirung
aber was was darüber hinausgeht. Wir
wie diese Reaktionen auf jene frühen Traumen
studiren d[ie] oft aus[?] den für sich
ganz Erlebt entfernt
darüber hinaus in phyl[o]g[enet.] Weise hinausgeh[en]
sind was[?] wie sehr wirkl. aber
unbegr. so dass es darum, das lieb[t]
als was sie nicht reelles Leben
bedingt, sondern folg. Vorbild d. das
nur dies phylogenet früherer Geschlechter
gewesen war. kann als ph[?] =gnphylogenet. begreifen. Ganz Die Diomen[?]
das Verhältnis zu Eltern, im Oedip[us]
u Kastrations[komplex] voll von solchen
indiv. ungerechtfertig[ten] Reaktionen.
[?] wie [?] bei all[en]
Zweifeln beweis dass Reste an arch.
blos Erlebtes vorhanden sind, thate [that sächliche]
das Erleben aus d. Generationen
S.
18
damit Umfang d. archaisch. Erbschaft in ent--
scheidend[er] Weise erweitert u nun ist
nicht abzusehen was sie alles umfassen
kann.
Bei näherer Besinnung müssen wir sagen, wir
haben uns immer so benommen als ob Ein--
wirkung von Erfahrungen abgesehen von Er--
ziehung Mittheilg. u Beispiel also Tradi--
tion unbedenklich existirt, in der Erbschaft
wir annehmen dass von einer Tradition
in einem Volke Volkscharakter u dgl.
gesprochen haben wir diese vererbte
Tradit gemeint, nicht die durch Mittheilg fort--
gepflanzte. Wirklich ohne uns klar machen
was für inkompatible theor. Schwierigkeiten
diese in biolog. Wissenschaft die von Ver--
erbg erworbener Eigenschaften auf Nach--
kommen nichts wissen will. Gestehen
wir uns dass wir trotzdem diese
biolog Entwicklung auf keinen Anwegen
Faktor in biolog. Entwicklg nicht entbehren
können. Es ist nicht ganz dasselbe
handelt sich nicht um erworbene Eigenschaften
sondern eine Erwerb an Form die wir
aussern[?] etwas im Grund muss man sich
kaum das eine ohne andere nicht vorstellen
können. Eigenschaften sind schwer zu fassen
Erinnerungen sind etwas Bestimmt Greifbares
Wenn wir die das Vorhandensein
von solchen Erinnerung in arch Erbschaft an--
nehmen haben wir Kluft zwischen Einzel--
u Massenpsychol überbrückt. Können vom
Volk handeln wie vom Neurotiker
handeln laut der analyt. Einsichten u.
wo phylogen Erbschaft wies, zur Klärung
fehlt. ein [?] giebt es Nichts.
Sachverhalt muss sich Form abweisen aber
scheint dass wir ohne sie in Massen
Psychologie nicht erklären können. Wir
müssen diebisher in arch. ErbschaftInstinkte
der Thiere in unvermeidliche Kühnheit
einbeziehen u Totem u Tabu ist darauf auf--
gebaut. War die Formel in jener wir
einfach Form dass [gewisse?] M[?] haben
jene Einzelnen dass dieser Vater den gr
Menschh. dass sie Urvater besessen
und ihn erschlagen haben
S.
19
So handelt es sich jetzt um zwei Punkte 1)
unter welchen Bedingg. eine solch Er- in die
arch. Erbschaft eintritt 2) unter welchen sie
aktiv werden u aus ubw zu bw wer--
denkanndarf man wol fordern dass das
Ereigniss bedeutsam u eindrucksvoll
genug war u sich oft genug wiederholt
hat. Beide sind im Fall d. Vatertödtg
erfüllt. Zu 2) Eine[?] zur[?] [?] von
Einflüssen die nicht alle bekannt sein
brauchen. Vielleicht spontaner Ablauf
möglich, wie manchmal bei Neurose d[a]s
scheint gewiss, Erweckung durch reale
Wiederholung entscheidend. aus alten
Analogie weil Mord an Moses u. somit
stärker d. dieser in Vordergrund der
Ursache des jüd Monoth (als ob ohne
ihn der ganze Vorgang sich nicht hätte
abspielen können. Unterschied vom
Mahomet's Fall. Zusatz: Eine Tradition
Noch ein wichtigerAu[s]dr[uck]wär,
es wardera[u]ch Zwangschara[k]ter eigen
den man an religiösen Phänomenen
findet. Wurde angehört beurtheilt
eventuell verworfen worden wie
jede andere Nachricht von aussen. Sie
muss erst verdrängt worden ge[wesen]
sein, einh[e] sie so wieder[ke]hre, darum
ist dies abweichend inBWege
ist das abschliess. Urtheil Beglaubigung
wichtiger Beweis für den Vorgang.
Ueber dieses psycholog. [?] mit
dazu unsere Th[eori]e von Natur der relig.
P[hänomene] u[nd] n[u]r Werthhaftigk[ei]t verdankt
Er[k]enntn[is] des Monoth. Speciell das
Judenthum auf[?] Plant.
„Was unsterblich im Gesang soll leben
Muss im Leben untergehen“
Nachträge d[er] grosse M[ann] - Bedeutung des
[A]rchaismus u d[as] Garantiemässigen--
problem d. U[n]wirklich[e] der Religiosität
[E]t[h]ik d. Rolle d. Trieb[re]n[u]g d.[?]
Einfluss der culturell Sublimation
als Aufforderung z. Regression.
S.
20.
Charakter d. Heiligkeit. Sociale Nothwendigk.
UrsprungderM[oralitä]tI. Zwangcharakter
Bedürfnis nach Illusion I. Willensfreiheit
Nachträge
In all u jedem [?] [?] [?] um
zu Glauben, dass d[as] Problem d. Religion
voll gelöst sei. Wahr[?] dass hiemit anders
dieser psycholog. Beitrag Nur Erkenntnis
also ist dass Religionswiss aus [?] des
Un[bewussten] Familie [?] [?] [?]
Erklären in die klärende [?]
was wir von uns haben, ist ein Stück Phar--
macologie Die Geschichte Ja ist prominent sich
gewiss vielfache aetiolog Momente, der
zu sondern interessantes Detail. Nächste Auf--
gabe wäre sondern von Nothwendigk u Zu--
fälligem. Die psychologische Thatsache Ange--
borene Constitution psycholog. Besitze sind
Nothwendigk dass die Bilder[?] frü[h] K[in]d--
heit mit psych. so[?] fassen. Von Traumen
einige ubw [?] [?] meist von aussen
Schicksale die Person, Familie früh[er] Traum
Masse der Menschh, das einzelne Leben
erfahrt Bedeutendes. Ganz ähnlich muss
die Erbschaft der Menschheit sein. Psych.
Erbschaft müssen deshalb sein [u] Nothwe--
[ndigkeit] hat sich Nothwendigkeit, theil[s] des
Antriebs werden. Einer Periode [g]egeben
Menschengesch. Völkern[?] die g[en]eration So dass
Alte gehalten die Betrachtung, sei[n] wir pha--
ntast. Bemühung sich Bilder[?] [?]
äusserem Erlebnis im prominirenden
Bedingg ausgeordnet u an der Ver[?]--
neinung[?] ausser Einflüssen sind. bedeu--
tend die Ueberwältigung der Phantasie
haben in grosser [Periode] die Menschheit
Das aller Psychoanalyt. Sexual Motiv
x Aetiologie aus dem der Rolle d[er] Bedingung
die Bereitsch. d Libido alles ganz Unbe--
kannt. Einsicht langsam wie bei von
die da Theorie d. Monotheismus abweichen
Die Mitperson die Urvaters fängt gehorch[?]
Nur sie Durch neue Mannes Offenbar--
ung das Nothwendigk an gewisse
Offenbarungsreligion [?]
[W]ert festlegte. Ob diese psychologische
sicher lehrt ob es am Ende religiös d[arauf]
Ich bestehe d[en] l[e]tzten M[in]uten psych.
S.
21
von denen jeder Vater übereinstimmen aber
sich auf die Concurrenz d Brüder be--
schränken will. ist nicht zu sagen, wahrscheinl.
nur Haltung der Verdrängung
gegen dies[?] d. d. Gemeinschaft dies bei
Überwältigung d Vaters nothwendig erweist.
vor der That was Menschheit noch in
tragischen Fall behalt. Individ.[?] Grund
giebt mehr als Ausrede daran Theil haben
Mord an Moses die einzig Thatsache wäre
die Beweiskraft dieses E[inzel]falls. der grosse
Mann an den sich diese E[rin]ner[ung]
wird zu Führer[s]chaft u Vorbild copirt
wie Moses d[er] Erwähnte s[i]e
bereit waren oder auch fremde
Personen (Mohammed[?]) d[er] grosse Mann wird
nicht als Herrscher u [?]
Rollen d Vaters auf dem die Motive des
Einzellebens u auf den Er [sich] vereinigt
u[nd] in d[er] a[ufw]eist. die That sind er--
weckt sich nach d[er] That Tyrannen auf
[B]eschreibung d[ie] Phantasie Rolle des
[M]it[b]ringers oder Führers Moses, Moh--
ammed vom Vater von Christus
oder [Pau]lus von Zweiten
auch dass dies Reich auch Thatsache bei ganz
ungläub.[?] Leuten ist als B[eispie]l angeführt
möglich. Volks[?] [?] [?]
[?] Anlass b[e]w[e]gt so durchau[s]
gegen mächtigen Wahrnehmungen müsste
Moments und das im Sinne ihrer Bedeut[un]g
zu erstreiten. dem Treiben verwand--
test[?] unbefriedigt Wirklichkeit Platz erhaltend
unser haben Erinnerung an den Vater
der Aufstand über dessen Recht Entscheidun[g]
auf psych. Verhältniss wendet wirkt [?]
erscheint um den Perzent in bereit
Reich d. Natur. durch Vision Erlebnis [?]
das [einzige] Individuum. in Process
In d[en] r[e]i[nen?] allen Religion den Trieb--
Trieb[e] v[e]rt[r]ä[g]t un[?] T[hema?] Trieb
Rebellion lässt durch Philosoph auf Charakter
Natur u[n]d Religion wird hi[e]r
Vielleicht z[u]r Ergänzung d[e]s Restes d[er] Sonne
[verlobene] Eros: Tod=Destruktion
[g]leichsam Physiolog. Gruppirung: Erhaltung--
[f]ortpflanzung Identificirung in Gesell--
schaft
S.
22
mosaisch - sexuelle sociale Triebe Vergleich mit Bünde[n]
die furchterregende[n] Alexander[?] -
den Trieb [?] un[s] [?]
unser Rechtfertig. Religionen.
Verneinung die es nicht Notwendig thut Gottes[?]
Wiederkehrung des Vaters aller That
wieher[um][?] d. wä[h]r[e]nd Versehen Nachlass
Relig derE[i]n des That[sa]che des
Thotschlages verdrängt[?] macht d[a]ss G[ott]
die Erfolgt werde i[h]m Namen des geboten
von diesen das Gewissen das Erb das--
selbe Verdrängen hat
Anlass d ersten [B]eschneid. Moral = Entscheidg[?]
was man thun, u. was man nicht
thun darf. – Ursprünglich Wille, Willkür des
Urvaters Vater [Klang] d[e]sEr [?][?]d. Nach--
seiner besiegten Übermensch v[on] der Be--
schneidungen die ihren Willen Exogamie
u Totemismus im d. Anfang der Moral
schliesst sie den Vater oder Process Alle
solche [Regulirgn?] gleichsam in [Ehren]
des Vaters in Gottheiten seines Willens
ein Einbleibt in [Leben] Exogamie [?]
u alleNützlichNoth d[e]s auf Sinne
Mitleid [?] [?] s[i]nd s[?] [?]?
Rechtfertigkeit anders Theil s[i]nd der Allen[?]?
Vorschriften auch Cultur Nothwendigkeit
hatte der Natur beschuldigt mit
Gesellschaft konnte nicht bestehen in der
Trieben Rivalität [aufg]eht [?][Wille]
des Vaters Wille war eine Rache
Motive dies Volkes d[er] Sozial Not--
w[e]ndigkeit das es scheint ein gewisser
Sinn d. seine[?] z[u] verlegen weil
diese Triebe die versch[ie]d[e]nen Reste d Vaters
die sonst weil ein E[r]geb[n]i[ss]
der Ueberschneid[un]g bei seinem Unwillen
der Moralischen Einigkeit aus Grund
das s[einer] des D[es]p[o]t[e]n im w[ü]sth[?]
Hintergrund die Ethik Ethik Recht
sich als Analogie zu unserer Maassregel
Macht [?] wegen seinen Trieben
das Charakter zu verdrängen
S.
23
Rolle Analogie wie Epikur oder s[i]ch [?]
womöglich eine Culturschöpfung [?]?
zu entringen. Religiös[er] Wahns[inn]dafür
Vielleicht bringt sie auf diese unrichtigen
Wege was angelangt. Rolle d. [Inkubation]--
scheints Wahrheit [?] der Vergeistigung d[er] Erbschaft
Moralität. Fortschritt der [Intellekt.] Ver[?]
bedinge d. Einrückung d. Über=Ich[s]
[?] Entw[icklung] d[er] Sexualität auf dies. Wege
[?] der [?] Trieb[?] d. d
M[?] Übergang[?] in den Formen d.
Sexualleben d. der theil[?] ungleichmässig ist
möglich [?] dass es gelingen sollte
alle d. Culturwelt[?] uns[er]erWeiteG[?]
die essieh[t]d[e]r d.[?] thut fürs [Halbe] weis[?]
social[?]wie d. d. Gewissen[?]
[?] dasselbe u d. thun sie sich im
Ganzen d. theils ind[ividual?]tbeio--
logisch. [?]sich diedies. Natur[?]
[?] Volkes wie das hat nach Bestande[?]
Lebens [?]g[eht]Möglichkt der
u Aufrecht[erhaltg.] der Verwandlung d[?]
Menschengeschlechtes den [Weg] [?]
zur Einschränk[g.] der Cultur gefährdt[?]
hadernden Juden falls man versprochen ht[?]
Gelegenheit d[ie]s [?] greifbar ists die [?]
der des festenAlsoCultur[?] in Rela=
tive [d] Religion!! Nicht d[en] P[s]ycho--
Analytikern[?] verbleibt u so wird Motiv
derReligiös[ität]Cultur[?]d.[?]
die so[g.] Forderungen des Ueber=Ichs werden
das thut[?] andere. In Geschichte Ab=
sicht[?] [die] Realität. In d[er] [?]
Erinn[er]ung d. Oscillet g[r][öss]t[en][?] s[o]lch[er] [?] zuweit. d un[ser]eMnichtan
beobachten. Die Möglichkeit solcher
Erwartung dieserPha[n]k[a]nn z[u]r d[er]
E[r]w[eiterung?] Erörterungen [w]erden[?]
S.
24
Verwunderung wie solche Unsinnigkeiten
zwischen d. Trieben herrschen Realität ext.
stehen können da Verstand sich infolge äusserer
Realität entwickelt erworben ist. äussere
Realität ist voraussichtlich heute wie dies
schon das auch d. Instinkte geschaffen hat.
Triebe sind wie alles organischKörper
weder [?] auf der äusseren Realität
eingestellt. die Triebe sind also Ausdruck
dieses unerschlossenen Inneren [?]
durchaus Vergangenhteit besser als Wandel
Psych[e] erlebte das Ein tiefes in ein aus
Schichten der Seele geordnetes Aggregat
vererbt wird.Wiederherstellungdaselbst
Kraft hier seinen Aberkennung Theil an
seiner Vergangenheit wie Form[?] g[e]blieben[?]
Konflikt mit historischen Th[eil] d[e]r Tradition
Kompromisse über Triebwünsche. beginn
nicht derart [z. B. also?] [?]
Jener wird als ein aetiolog. Moment.
Konflikt Ein vergesse[nes] ihm innewo[hnendes]
Theil mit Unverständnis der Art.
S.
Noten 4
Verzeichniss der Werke aus denen ich haupt=
sächlich geschöpft habe:
Encyclopedia Britannica 11th edition
The Cambridge Ancient History vol I-III. 1924-5.
Jüdisches Lexikon von Herlitz und Kirschner
Bd I-V. 1930.
Eduard Meyer Die Israeliten und ihre Nachbar=
stämme. 1906.
Paul Volz, Mose, Tübingen 1907
Hugo Gressmann Mose und seine Zeit 1913.
Ernst Sellin Mose und seine Bedeutung für
die israelitisch-jüdische Religionsgeschichte 1922
Flavius Josephus Jüdische Alterthümer, übersetzt
von H. Clementz. 1923
W. Robertson Smith The old testament in the Jewish
Church 1881.
Baentsch altorientalischer und israelitischer
Monotheismus, 1906In der Schreibweise aegyptischer Namenbin ich der Cambridge Ancient Historygefolgt.
Stade Geschichte des Volkes Israel 1887
Die Werke Philos von Alexandria übersetzt von
Leopold Cohn 1909 I. Teil, über das Leben
Mosis (übersetzt von Badt)
J. H. Breasted. The Dawn of Conscience 1934
Artur Weigall The life and times of Akhnaton 1923
James Baikie The Amarna Age 1926.
S.
Schlüssel zu den Noten
1) auf Seite 4. – Noten 2 Mitte
2) nach S. 8 – Noten 3a
3) auf S 10 oben – Noten 4a u forts a
4) auf S 10 unten – Noten 1 u Noten 5 forts.
5) auf S 12 oben. – Noten 3/4
6) " S 12 Mitte. – Noten 5a
7) " S 12 unten – Noten 3a
8) S 19 – Text forts – Noten 1
9) S 21 – oben – Noten 5
10) S 21 – Mitte. Text. Noten 1
11) S 21 Mitte " Noten 2
12) S 21 unten – Noten 4
13) S 24 – Noten 5
14) S 26 – Text – Noten 6
15) S 27 – Noten 3
16) Seite 31 – Noten 4 fortsetzg
usw.
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Wenn Moses ein Ägypter war ...
1939-001/1937.02
1939-001/1937.02