27. Vortragsabend am 25. Mai 1910. Diskussion über die Schädlichkeit der Masturbation 1910-518/1910.01

Rank, Otto (1910-518/1910.01): 27. Vortragsabend am 25. Mai 1910. Diskussion über die Schädlichkeit der Masturbation

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    27. Vortragsabend

    am 18. Mai 1910.








     

    Diskussion über die Schädlichkeiten der Masturbation.

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    / Prof. Freud macht als unnachfaßlicher Vorsitzender darauf aufmerk-
    sam, dass die Redakteure des Zentralblattes beabsichtigen aus
    den Besprechungen über den Schaden der Onanie ein Heft der
    "Wiener Diskussionen" zu machen und geht dann daran, mit einem
    Satz die Aufmerksamkeit als erstes auf den manifesten Punkt
    des Problems zu lenken. Es ist dies der Gegensatz zwischen der von den
    Patienten angenommenen leidenschaftlich verteidigten unvordenk-
    lichen Schädlichkeit der Onanie und der von der Mehrzahl der
    Ärzte für wahrscheinlich geachteten Unschädlichkeit derselben.
    Wie es nun die Onanie in einigen Fällen so schädlich zu sein scheint,
    in anderen Fällen so glänzend vertragen wird, ob es auf sie selbst
    ankommt oder auf das, was dahinter steckt, das sind eben die
    Fragen, die zu beantworten wären.     /

    Hitschmann geht davon aus, dass der Zweifel an der Schädlichkeit der
    Onanie nur ein Widerstand gegen die freudsche Lehre sei, insofern
    es oft gegen die sexuelle Ätiologie der Neurosen eingewendet
    werde, den doch die Onanie so vielen Leuten nicht geschadet habe.
    Und es gibt tatsächlich eine Anzahl von Leuten, denen auch die täglich
    geübte Onanie nicht schadet, wie Ref. kürzlich an einem jungen
    Kollegen sehen konnte. Dem gegenüber stehen zahlreiche andere Per-
    sonen, die gesund sind bis zu der Zeit, wo sie die Onanie unterbrochen
    haben.

        Die Folgen der Masturbation möchte L. einteilen in psychische
    und organische Veränderungen nach derselben.
        ad. 1. ist der Einwand für diese Leute ein Unrecht, ein Geheimnis ge-
    worden und die Sexualität ist für immer befleckt. Dann sind hervor-
    zuheben die unter dem Namen "psychosexueller Parallelismus" zu-samme-
    fassenden Störungen; dass sie kein Selbstvertrauen haben, nicht
    über die nötige soziale Aggression verfügen etc. In krassen
    Fällen entspringen direkt neurotische Symptome aus der Mas-
    turbation, wobei die Vorstellung, dass man es einem ansieht, eine

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    besondere Rolle spielt, was vielleicht bei den psychogenen Augen-
    störungen zu berücksichtigen wäre. Überhaupt sind gewisse Eigenheiten
    der Kranken, wie gewisse Arten in den Spiegel zu sehen (Horn hatte in
    seinem neueninnern Buchseines Buches einen Spiegel) ziemlich verdächtig.

        Indirekte psychische Schädigungen der Onanie beruhen auf den
    Phantasien, die sie begleiten und die Richtung des Genitallebens be-
    stimmen. – Schwere psychische Veränderungen beruhen darauf, dass die
    Betreffenden Pollutionisten werden. Es erhebt sich die Frage, wie hängt
    die Pollution mit der Neurose zusammen und wieso gibt es sog. excessive
    Onanisten, die nie im Leben eine Pollution haben und so viele andere,
    die bei relativ mäßiger Onanie an gehäuften Pollutionen leiden.
    Man möchte meinen, dass die Betreffenden an dieser Stelle eine erogene
    Zone haben; es sind oft Leute, die als Kinder an Enuresis (Träume) gelitten
    haben. Die Leute bekommen dann große Pollutionsangst und kommen zu
    dem Gedanken der Saftsparung (Masturbatio et coitus interruptus).
    Die psychische Veränderung zur Zeit der gehäuften Pollutionen ist eine
    neurotische Hypochondrie.

        Zu den organischen Veränderungen, welche die gehäufte Onanie
    hervorruft, gehört vor allem die Aktual-Neurose der Neurasthenie.
    Leider wieder hinzuweisen ist auf den noch ungeklärten Punkt, ob
    diese Tat irgend einen organischen Defekt in der Uretra posterior
    haben.

        Bei der Frage der Onanie muss man vor allem unterscheiden zwischen
    den verschiedenen Lebensaltern. Ob die Automatik überhaupt zu
    verbieten ist, ob beim Kind nur die excessive Onanie zu bekämpfen
    ist, darüber wäre viel zu sagen. Dass die excessive PubertätisonanieOnanie
    abgestellt werden muss, darüber kann kein Zweifel herrschen. Alles
    dings ist zu berücksichtigen wie schwer die Onanie von den Eltern ent-
    deckt wird; besonders im Kindesalter, wo ja die Masturbation an den
    andern erogenen Zonen hinzukommt. – Die Abstellung wird man,
    abgesehen von excessiven Fällen durch liebevolle und ruhige Be-
    handlung zu erreichen suchen. Nach dem Aufgeben der Onanie stellt
    sich nicht selten Pollakiurie ein.

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    Zu erwähnen sind schließlich noch die Folgen des Koitus extra usus,
    da sich nach einer Äußerung Freuds unter den psychisch Impotenten
    mehr als die Hälfte nicht masturbiert haben, das würde bedeuten, dass
    viel mehr nicht Masturbierende erkranken.

       / Prof. Freud möchte für dieses Thema einen gemischten Typus der
    Diskussion vorschlagen, so zwar, dass nach jedem Hauptreferaten eine
    kleine Diskussion ermöglicht wäre, in der direkte kritische Ein-
    wände, Fragen um Aufklärung, Widersprüche et. vorgebracht
    werden könnte.     /

    In diesem Sinne möchte er an H. die Frage richten, wie es dem jungen
    Kollegen, der täglich onanierte, in der Ehe ergangen ist; denn da
    man das nicht wisse, könne man nichts über den Fall sagen (er
    ist noch ledig).

    Federn hat im Gegensatz zu H. nur einen einzigen Fall gesehen,
    wo die Onanie nicht schadete: ein 42jähriger Mann, der vom 17 bis z.
    34 Lebensjahr regelmäßig onanierte. Er bekam dann unwill-
    kürlichen Samenabgang beim Stuhl, was vergeblich behandelt
    wurde, zeigte aber sonst keinerlei psychische Schädigungen
    und erwies sich in einem späteren Verhältnis vollkommen
    potent.

    Oppenheim hat den Eindruck, dass H. den physischen Schaden
    der Onanie als erwiesen annimmt und möchte die Frage
    aufwerfen, wie sich diese Annahme zur Problemstellung
    Prof. Freuds verhalte.

    Hitschmann meint darauf, dass es sich vielleicht um den
    Missbrauch eines Organs handle; um einen gesteigerten Stoffwechsel
    Manche Pat. überhitzten jenseits die Onanie, die unter Umständen
    in geläuften Maße ohne Schädigungen bleiben kann. In anderen
    Fällen sei die Neurasthenie mit einem psychischen Überbau,
    manchmal auch organische Schädigung der Uretra posterior ergeben.

    Adler möchte bezüglich dieser empfindlichen Punkte betonen,

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    den man sowohl bei Masturbanten wie auch bei Pollutionisten beide
    Extreme find: die große Empfindlichkeit aber auch gänzliche Unempfind-
    lichkeit. Die Heilung durch Sonden sei ein komplizierter Vorgang, der
    durchaus nicht primär aufgefasst werden dürfe.

    Reitler möchte bei der Beurteilung der Schädlichkeit der Onanie das
    Thema nach gewissen Prinzipien einteilen; man sollte in Betracht
    ziehen: 1. ob es sich um ein normales od. neurotisches Individuum
    handelt, 2. in welche Zeitperiode die Onanie fällt und 3. ob sie das
    Genitale oder eine andere erogene Zone betrifft.

        Die Onanie ist die Folge eines autoerotischen Sexualreizes in den an
    sich zunächst davon handelt, wenn auf sie die sexuellen Erregungen
    in den verschiedenen Perioden der menschlichen Entwicklung zustande
    kommen. Bei den Neurotikern sind wir darüber durch die Analyse
    gut informiert. Bezüglich der normalen Sexualität sind wir noch
    sehr im Unklaren.

        Dass es Säuglinge gibt, die schon Erektionen haben, ist sichergestellt / auch
    kommt Milchsekretion ("Hexenmilch" Ref.). Diese langdauernde sexuelle
    Erregung des Säuglings möchte Ref. auf gewisse chemische Produkte zu-
    rückführen, die er von mütterlichen Körper mitbekommt. Sind diese aufge-
    zehrt so tritt die Periode (scheinbarer) Latenz ein (Freud), die bis zur Pu-
    bertät dauert, wo das Individuum imstande ist, diese chem. Stoffe selbst
    zu erzeugen.

        Ref. kommt nun auf seine schon mehrfach ausgesprochene Anscha-
    ung, dass die Genitalonanie vor der Pubertät nicht das Normale darstelle
    sondern Symptom einer neurotischen Disposition sei. Die Äußerung
    von anderen erogenen Zonen sei dagegen vor der Pubertät das Normale,
    weil sie ja nur eine "Lustprämie" für andere Funktionen darstelle. Für die
    Genitalonanie habe bis jedoch kein Sinn und eine solche sei auch nor-
    malerweise vor der Pubertät noch keinem Beobachter aufgefallen.

        Beispiel eines 5 3/4 jährig. Knaben mit ausgeprägtem Analcharakter, der
    sich aus der intensiven Verdrängung der Analerotik (zu gute Erziehung

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    durch die Mutter) entwickelte. Durch diesen Verzicht auf „perverse“ Lust
    kam der Knabe zu vorzeitig zur Genitalonanie.

        Seit der Pubertät dagegen setzist die Onanie als die normale biologische Ersatz-
    funktion aufzufassen sowohl für den Normalen wie für den Neurotiker. Der
    normale Kind wird darauf event. mit einer Angstneurose reagieren, der Belastete
    mit einer psychogenen Neurose. – Den Onanisten muss man zu dieser
    Zeit möglichst bald zum Weib bringen, bei den Mädchen bleibt nichts
    anderes übrig als sie onanieren zu lassen, sie müssen es nur gut ver-
    tragen. Ref. möchte es direkt als Kriterium der Heilung von Neurosen
    ansehen, ob die Onanie vertragen wird oder nicht.

       / Prof. Freud wendet ein, dass die prinzipielle Unterscheidung zwischen
    Normalen und Neurotikern "etwas prinzipiell anfechtbar" erscheine, da
    diese Entscheidung ja erst hinter dem uns beschäftigenden Probleme
    liege. Auch glaube er nicht, dass die Latenzperiode schon mit den
    ersten Säuglingswochen beginne. Zwischen dem 3.–5 Lebensjahre
    findet eine exquisite Steigerung der sexuellen Tätigkeit statt, mit
    Erektionen und Masturbation auch bei ganz Normalen.     /

        Stekel meint, man dürfe es nicht darauf brauchen, dass kein Beob-
    achten der Genitalonanie des Kindes berichtet; vielleicht weil es selbstver-
    ständlich sei.

        Hitschmann sieht in Reitlers Argumentation einen Missbrauch der
    Teleologie (weil die Genitalonanie unzweckmäßig wäre, könne sie
    nicht existieren). – Die Genitalonanie wird wohl ebenso bekannt
    wie das Lutschen, aber ebenso wenig wie dieses sexuell aufgefasst.

        Friedjung möchte der Anschauung entgegentreten, dass die
    Kinder nach der Geburt eine besondere exquisitesexuelle Sexualität zeigen.

        Tausk erwähnt ein jüngst erschienenes Buch über das Leben der
    Südsee-Insulaner, wo von der normalen Masturbation der kleinen
    Kinder die Rede ist.

    Sadger sammelt schon seit einiger Zeit Beobachtungen auf diesem
    Gebiete, das trotz der vorhandenen Spezialarbeiten (Rohleder etc.) noch
    recht ungeklärt ist, sowohl in bezug auf die Symptomatik, wie auch

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    auf Sätzen des Schadens. Ref. möchte sich heute auf diesen letzteren
    Punkt beschränken, über den nach Freuds Bemerkung zwei gegensätzliche
    Anschauungen herrschen. Die der Ärzte von der relativen Unschädlichkeit
    beruht auf den bekannten physiologischen Erwägungen von Überflussig-
    keit des Eiweissverlustes; dann erinnern sich die meisten an ihre eigene Ona-
    nie, die ihnen so wenig geschadet hat und endlich daran, dass sie über-
    haupt eine so verbreitete Gewohnheit ist, dass bei ihrer Schädlichkeit alle
    Menschen krank werden müssten. – Die Neurotiker dagegen überschätzen die
    pathogene Wirkung der Onanie und was besonders auffälligcharakteristisch ist, sie schämen
    sich ihrer und fürchten sie, dass man ihnen die Onanie ausreden könnte.

        Bei den Analysen der Neurotiker kommt man jedesmal von der bewusst
    erinnerten Onanie der Pubertäts- oder event. noch der Knabenzeit auf
    die verdrängte Säuglingsmasturbation, welche die Pflegeperson (meist
    die Mutter) benutzt hat. Diese Masturbation hat große Bedeutung und sie
    ist es auch, die der Hartnäckigkeit der Masturbation zugrunde liegt.
    es ist immer nur eine Rückkehr zur geliebten Mutter und alle andern
    ist nur Surrogat dafür. Denn wo die Onanie loswerden kommt es?
    daher weil es ihnen gelungen ist, für die Mutter einen vollwertigen Ersatz
    in einem anderen Weib zu finden; gelingt das nicht (sind noch masochi-
    sche, fetischistische u. a. Phantasien dabei), so erlebt man es, dass noch
    Eheleute nach dem Koitus masturbieren müssen.

        Am besten kann man beim Beischlaf die Masturbation bei
    den Homosexuellen lernen; der Homosexueller spielt dabei die Mutter, die
    den andern masturbiert; bei der wechselseitigen spielt er (zugleich)
    das Kind und lässt sich vom andern masturbieren.

        Tritt die Onanie bei schon Pubertäten stärker auf, dann ist sie eine
    Form der Zwangsneurose u. zw. kann sie das einzige Symptom derselben
    sein ebenso wie die psychische Impotenz das einzige Symptom einer
    Hysterie darstellen kann.

        Für den Jungen in der Pubertät ist die Onanie überhaupt der
    einzige Ausweg; wer in der Pubertät nicht onaniert ist ein Neuro-
    tiker. Die einzigen Patienten, die nachweisbar in der Pubertät nicht

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    onanieren, sind die schweren Zwangsneurotiker.

        Ref. belegt seine Ausführungen an 2 Fällen, wo es ihm gelang, durch
    Aufklärung eines Teils der Sexualphantasien einen Teil der Schädlich-
    keit der Onanie zu beseitigen.

        Der eben von Hitschmann erwähnte Zusammenhang mit den Pollutionen
    sowie die frühzeitigen Erektionen gehören zur Urneurotik, die der Anal-
    erotik entspricht und sie diese auf seinen konstitutionellen Verstärkun-
    gen beruht. Diese psychopathischen Kinder bekommen dann bei der Harn-
    zurückhaltung Erektionen. Diese Urneurotiker sind fast immer schwere
    und hartnäckige Masturbanten.

        Hitschmann findet manches noch nicht recht bewiesen und
    beweisend; insbes. die Angaben über die Mutter und die Amme.
    Zu erwähnen ist, dass es auch Onanie ohne Phantasien, bloß als
    lokales Vergnügen gibt. –
    die bedeutsamsten Folgen für die Ehe sind, dass der Koitus so rasch
    vorüber ist, wodurch die Onanie indirekt zur Ursache der neuroti-
    schen Ehe und damit auch der nervösen Kinder wird. Ebenso sind
    die Unfähigkeit zum Ertragen des Koitus interruptus, der Abstinenz
    und der Einsamen Erregung Folgen der Onanie, die so gemeinsam
    als Ursache der Angstneurose gelten muss.

        Unter den psychischen Folgen wäre noch nachzutragen, was Adler
    bei seiner Beschäftigung mit den Eitrieben gefunden hat, das
    nämlich Trotz, Kleinmut etc. auch in Zusammenhang mit der
    Onanie stehen.

    Tausk meint, wir hätten bisher über die physischen Schäden der
    Onanie nichts gehört und er wisse darüber auch nichts anzugeben.
    Von den psychischen Dingen habe er einiges erfahren, was er glaube
    formulieren zu dürfen.

        Er berichtet den Fall eines hypochondrischen jungen Mannes, der
    sich den Koitus als Überwindung eines großen Widerstandes vorstellte
    und nach einer sonderbaren Form der Onanie (wobei er den Penis
    durch ein Zeitungsblatt stieß) zum Jungfernjäger wurde; er fand

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    so den Anschluss an das Weib nicht, sondern nur an das Hymmen. Ein zweiter
    homosexuell veranlagter Mensch kostierte ohne Genitalvorstellung. Keine
    homosexuelle Anlage scheint durch die Onanie fixiert worden zu sein.
    Die wichtigste Schädigung durch die Onanie ist, dass der Onanist den
    Zusammenhang mit der Welt überhaupt verliert, weil er den Zusam-
    menhang mit dem Weib nicht findet. Die Folge davon ist, dass das
    Ich psychisch verarmt, das ist gleichbedeutend mit Verlust der Lebensfreude,
    mit Hypochondrie. –

        Die Onanie als Surrogat der Mutter, haben in einem Falle vermutet.
    Federn weist auf Hitschmanns Schilderung der psychischen Onaniefolgen
    hin. – Die Onanie hindert die Sublimierung der Autoerotik.

        Stekel erwähnt, dass die Heilung in der Symbolik (bes. d. Onanisten)
    eine große Rolle spiele. Er sei wie Hitschmann ausführte, der Ersatz des
    Vaters, habe die Absicht überhaupt Beziehungen zur Mutter; auch
    die Anekdote, dass alles darin stehe", spielt mit.

    Furtmüller erwähnt, dass auch diejenigen, welche die Schädlichkeit
    der Onanie nicht gelten lassen wollen, doch von dem Schuldgefühl
    der Masturbanten sprechen. Dieses Schuldbewusstsein aber erst durch die Er-
    krankung eines in der Kindheit vorgefallenen Depravierung mit
    der Masturbation zustande zu kommen.

        Die rein intellektualistische Auffassung der katholischen Kirche,
    dass die Onanie verwerflich sei, weil sie eine Vergeudung des für
    Fortpflanzung bestimmten Samens darstelle, scheint nach einigen
    Anekdoten der Anthropophyteria auf ein "innerliches Erleben" beim
    Onanieakt selbst zurückzugehen.

        Wir dürfen nicht sagen: führt die Onanie zur Neurose? Die
    Neurose ist ja nur die Abwehrerscheinung gegen zu hoch gespannte
    Kulturforderungen. Auch wenn jemand bei seiner Onanie nicht
    neurotisch geworden ist, so wird er doch eine kulturell nicht
    förderliche Aggressionshemmung etc. aufweisen. Die Onanie wird immer
    dann schädlich sein, wenn sie ein dauernder Zustand bleibt und
    nicht als vorübergehendes Auskunftsmittel gedacht wird. –

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    Tausk meint, der Überwinder der Onanie könne auch Zyniker werden.
    Oppenheim erwähnt, daß die Kyniker tatsächlich die Onanie höher
        stellten als den normalen Geschlechtsakt.

    Adler liest im Anschluß an die von Furtmüller aufgeworfene Frage
        auszugsweise 2 Briefe von Mädchen vor, die unter den Folgen der
        Onanie leiden. Man müsse jedoch vorsichtig sein von Folgen der
        Onanie zu sprechen, wenn derartige Fälle sich so häufig finden
        die Vorstellungen dieser Pat. lassen sich ja nicht als Folgen der
        Onanie auffassen die Onanie wird später weder in der Neurose
        noch in der Psychologie des Normalen etwas Selbständiges, sondern
        sie findet dann nur eine Verwendung, von der wir trennen müssen,
        was wir schädliche Folgen nennen.

    Friedjung gibt in der kurzen Schilderung eines jungen Mannes einen
        Beitrag zum schädigenden Einfluß der Onanie auf die Charakter-
        entwicklung.

    Rank möchte ausdrücklich betonen davor warnen, die akzidentellen
        Einflüsse (z. B. das "aufklärende" Buch) zu überschätzen. Das seien
        nur Mittel und Vorwände, deren sich die psychische Entwicklung
        bediene.

    Hitschmann erwähnt die weibliche Anästhesie als Folge der Masturb.
        und führt Brückners HaushälterinGreisen-Masturbation an.

    Graf berichtet über Brückners bis zum Lebensende fortgesetzte Onanie,
        sowie über einige seiner Zwangserscheinungen.

    Rank erinnert an einen Versuch, den pathologisch lügenhaften
        Charakter aus einer ganz bestimmten Verdrängungsform der
        Masturbation abzuleiten, deren günstigere Verdrängung wieder
        den gegenteiligen und sozial hochwertigen Charakter des Wahr-
        heitsfanatikers zustande bringe. Angesichts dieser beiden so gegen-
        sätzlichen Folgen der Onanie werde man mit Rücksicht auf
        die heutige Problemstellung sagen müssen: Nutzen oder Schaden
        sowie der Grad derselben bei der Masturbation wird abhängen

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    davon ob sie unterdrückt wird, zu welcher Zeit dies geschieht und vor
    allem in welcher Art die Verdrängung glückt oder mißlingt. Dies aber
    wird wieder von all den sonstigen Bedingungen der Verdrängung abhängen.

            Stekel möchte heute nur einen Abwesenden sprechen lassen und
        aus dem Buche des russischen Arztes Dr. Gutzeit, der in gewissem
        Sinne ein Vorläufer Freuds sei, die Ausführungen vorlesen, die sich
        auf die Masturbation beziehen.

            Ref. hebt schließlich hervor, daß das Thema nicht ganz der
    Problemstellung Freuds entsprechend behandelt worden sei.
    Die Fragestellung, von der aus Freud zu dem Problem gedrängt wurde,
    beziehe sich auf eine Revision der Masturb. Neurasthenie; es
    sei die Frage, ob die Onanie schädlich sei und ob sie die Neurast-
    henie erzeuge. Auf diesen Punkt wäre nächstens das Haupt-
    gewicht zu legen.

    Prof. Freud mahnt daran, neben den Schäden der Onanie in der
        Diskussion auch deren Nutzen nicht zu vernachlässigen.
        Ferner, daß es für viele schwankende Punkte im Verständnis
        der männlichen Onanie recht zweckmäßig wäre, auf die weib-
        liche, die ja eine gewisse Vereinfachung darstellt, zu rekurrieren.

        Der Vorsitzende schließt die Sitzung indem er seinen Eindruck Worte
        gibt: daß so verständig, mannigfaltig und inhaltsreich die
        einzelnen Ausführungen auch gewesen seien, sie doch die
        Darstellung in einer Broschüre nicht lohnen würden. Die
        Diskussion hätte einen höheren Aufschwung und größere Ver-
        tiefung anzustreben.

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