Rank, Otto (1910-519/1910.01): 28. Vortragsabend am 1. Juni 1910. Fortsetzung der Diskussion über die Schädlichkeit der Masturbation
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Der Obmann mahnt zur beschleunigten Ausarbeitung der Selbstmord-
diskussion.Da bis jetzt eine Verständigung bezügl. des „Internationalen Vereins“ nicht
eingelangt ist, wird beschlossen in Zürich anzufragen, ob der Termin der
Vereinsgründung bekanntgegeben werden kann. Sollte die Verzögerung
auf längere Zeit hinaus gedacht sein, so würde die Wiener Gruppe zu-
nächst als selbständiger Verein ins Leben treten, und sich dann der „Ith.
P. V.“ als Zweigverein anschließen.Der Bibliothekar zeigt den Büchereinlauf an.
Stekel verliest einige Antwortschreiben auf die Einladung zur Mitar-
beiterschaft und bittet um Beiträge für die Zeitschrift.
Der wissenschaftliche Vorsitzende (Federn) hebt hervor, dass die Diskussion
bisher ziemlich diffus verlaufen sei und weist darauf hin, dass Freud
selbst z. T. daran schuld trage, indem er in früheren Diskussionen schon
vieles von dem Thema vorweggenommen habe und diesmal das Thema auch
zu eng gesteckt habe. Er habe diesen Mangel allerdings wieder verbessert
durch die Aufforderung, auch den Nutzen der Onanie und die Masturba-
tion beim Weibe zu besprechen. – Redn. selbst möchte die Bitte hinzu-
fügen sich in der Diskussion nicht allzuweit zu verlieren.Stekel knüpft an ein aktuelles Erlebnis an. Von zwei Brüdern, die er
kürzlich sah erwies sich der eine frisch und blühend aussehende
als Onanist während der andere, der blass und kränklich aussah,
schüchtern und verlegen, nicht onanierte sondern regelmäßig den
Coitus ausübt.Wir fassen unter dem Namen „Onanie“ eine Reihe von Vorgängen
zusammen, die wir psychisch u. organisch nicht das Recht haben als
gleiche aufzufassen. Es gibt unter den autoerotischen Vorgängen
solche die schädlich und solche, die nicht schädlich sind. Vor allem
kann man zwei grosse Gruppen von Onanisten unterscheiden:
1) die ohne Friktion, durch den reinen Phantasieakt verlaufende
Onanie (durch obszöne Reden, Lektüre od. gewisse Affekte), die sog.
„geistige Onanie“ undS.
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2. die Onanie mit Friktion; bei dieser gibt es:
a) rein mechanische Reizung ohne Phantasie
b) erst Phantasie und im Anschlüsse daran Friktion
c) die bes. schädliche Form der Masturbatio prolongata u.
d) der M. interrupta.Alle diese Formen haben ihr Analogon in der Pollution.
Dann gibt es eine Reihe autoerotischer Vorgänge von erogenen Zonen aus,
die wir als Masturb. bezeichnen müssen.Auf die Frage, welche Formen schädlich sind, muss man sagen: die, wo
die Phantasie häufig in Anspruch genommen und die Ejakulation aufge-
halten wird (Typus: Angstneurose); wo die Wollust ausgedehnt und das
Endlust hinausgeschoben wird. – Die reine Friktion ohne Phantasie istabsolutabsolut unschädlichu. normal, wenn sie nicht excessiv betrieben wird;
sie hilft den Liebenden über eine Zeit der Abstinenz hinweg.Was die Neurasthenie betrifft, die nach Freud durch excessive Onanie
verursacht werde, so müsse er seinen früher betonten Standpunkt
weiter vertreten, dass wir überhaupt keine Neurasthenie sondern
nur Angstneurosen finden. Die Neurasthenie resp. Angstneurose hat
auch mit der Onanie direkt keinen Zusammenhang. In Zweifelsfällen
versteht Ref. zu zeigen, dass es sich dabei nur um einen psychischen
Konflikt mit stark verdrängten sexuellen Begehren handelt.Der Ejakulationsprozess hat verschiedene Ursachen. Man findet
sie bei Leuten mit starken Affekten, bei solchen, die eine lange Spannung
nicht ertragen können und sich davon durch vorzeitige Ejakulation
erlösen. Auch bei bes. geringer Libido, wo die Leute, die z. B. bei
ihren Frau vorzeitig ejakulieren mitunter bei einer Geliebten über
gute Potenz verfügen.Der Schaden der Onanie liegt auf ganz anderem Gebiete:
in dem schweren psychischen Kampf, den die Onanisten zu führen
haben, wenn man sie über die Schäden und die Verwerflichkeit
der Onanie aufgeklärt hat. Diese Vorwürfe beziehen sich nicht
auf den Akt selbst, sondern auf die Phantasien, mit denen erS.
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ursprünglich verbunden war. Unter diesen (spieleneine besondere Rolle
die homosexuellen Phantasien (kann das Weib zugleich spielen, Sym-
bolik der Hand), 2. die Inzest-Phantasien und 3. perverse Phantasien. Diese
Phantasien sind ursprünglich in voller Deutlichkeit vorhanden,
verändern sich aber später derart, dass sie selbst dem Autoerotiker
nicht mehr verständlich sind. Eine eigene Symbolik ist dazu be-
stimmt die Phantasien zu verdecken. Dann kann jedoch nach dem
Zeitpunkt (Stufen) des Beginnes der Onanie die Diagnose auf
diese Phantasien stellen. Wenn die Onanie einmal so leicht,
das andere Mal schwer od. gar nicht aufgegeben wird, hängt damit
zusammen, welche Phantasien sich mit dem Akt verknüpft haben.Ref. erzählt nun einige (6) Fälle, die über Nutzen und Schaden
der Onanie Aufschluss geben und zeigen, dass selbst eine lange Jahre
hindurch fortgesetzte, ja sogar excessiv betriebene Onanie ohne
Beschädigung der Potenz und Sexualsphäre ertragen wird.Zu erwähnen ist, dass es Leute gibt, die das Gegenteil einer Schuldbe-
wusstsein empfinden, Leute welche mit der Onanie die Vorstellung eines reli-
giösen Aktes, von etwas bes. Heiligen verbinden.Der Neurotiker, der nie onaniert hat, ist ein sehr schwe-
rer Fall; er besitzt dann so mächtige Hemmungen, dass auch für
die Heilung eine schlechte Prognose zu stellen ist.Herr Freud meint, die Onanie sei schädlich wegen des psychi-
schen Kurzschlusses, den sie herstelle, so sei einzuwenden, dass
dieser Sektionsfund eine Verkehrung der Tatsache darstelle. Die Ona-
nisten haben starken Trieb und geringe Hemmungen und dieselbe
Verhalten zeigen sie auch dem Weibe gegenüber. Es stehe aber
noch der Beweis aus, dass diese Verhältnisse eine Folge der
Onanie seien.Die Onanie sei die Rückkehr zum ersten Lustwerbe des
Menschen, ein infantiler Vorgang. Sie richtet sich auf die Mutter
oder eine andere Person, die seither verdrängt wurde und nun
in der Onanie-Phantasie festgehalten wird. Das Aufgeben derS.
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Onanie wird davon abhängen, ob man imstande ist, den Akt vom ersten
Lustwerb zum Fortschritt zu bringen.Eine Prophylaxe der Onanie wäre nicht nötig. Sache der Erziehung
ist es, dem Kind alle Träume zu ersparen, die sich später in den den
Akt begleitenden Phantasien wiederholen.Hitschmann möchte den Widerspruch zwischen seinen und Stekel
Ausführungen überbrücken. Denn Stekel die Neurasthenie leug-
net, so übersieht er, dass z. B. im Falle des zwei Brüder Pat.
an einer Hysterie erkrankt unter der Form einer Neurasthenie,
wie Freud ja erwähnte. Nichts neues ist ferner, dass auch der
exessive Onanist gesund bleiben kann, das beweise nichts da-
gegen, dass man als Ursache der Neurasthenie gehäufte Pollutionen
finde. – Nicht neu ist ferner, dass die Fortsetzung einer mass-
voll durchgeführten Onanie oft besser ist als das plötzliche abso-
lute Aufgeben. Die Leute, die nicht schlafen können ohne zu onanieren
und diesen Impuls dazu haben, das sind eben gewesene Onanisten.
Diese Erscheinung ist ein Symptom ihrer Onanie. – Die Ejakulatio
praecox ist nicht eindeutig und hat wahrscheinlich auch psy-
chische Ursachen; sie wird am ehesten erzeugt durch die sog.
„geistige“ Onanie.Steiner findet Stekels Ausführungen nicht befriedigend, in denen
das Gute nicht neu und das Neue nicht gut war.Federn möchte feststellen, dass trotz Stekel die Neurasthenie für ihn
bestehen bleibe. – Die Ejakulatio pr. könne keine Selbsthilfe
der Natur sein, weil die Pat. nach Heilung die Spannung sehr gut
vertragen. – Bezüglich des „Kurzschlusses“ gelte das Gegenteil
von Stekel Argumentation: die Onanisten haben starke Hem-
mungen und wenig Trieb. Wenn die Onanie eine Rückkehr
zum ersten Lustwerb des Menschen ist, dann ist es jeder Lust.Röller meint, Stekel sei auf einem richtigen Wege gewesen, habe
sich aber mit den Formen der Onanie zu sehr an der Oberfläche
gehalten. Es bleibe nicht gleich, ob die Onanie mit oder ohneS.
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Friktion vorgenommen werde, in der Hauptsache sei daran festzuhalten,
dass nicht der Akt sondern die Phantasie das Entscheidende sei. – Die
Onanie mit Friktion und ohne Phantasie entspricht nicht dem normalen
Typus sondern ist eine narzissistische. – Interessant ist, dass das Aufgeben
der Onanie beim Hysteriker Neben-Schädigungen mit sich bringt, weil er
seine noch Verhältnissenichtbeherrscht und die Beschwerden nur steigern,
sobald er sie nicht onanistisch zum Ausdruck bringen kann.Adler findet, bei Stekel sei manches unterlaufen, was sich nicht
halten lasse. So könne man die Spermatorrhoe nicht in Parallele
stellen mit der Masturbation. – Die echte Sp. wäre allerdings eine
Form der Pollution. Was die Existenz der Neurasthenie
betreffe, so müsse er den AusführungenStekelbeipflichten.Prof. Freud ist im einzelnen mit Stekel Ausführungen
einverstanden in anderen Punkten möchte er gegenteilige
Ansichten weiter verbreiten.Die blosse Friktionsonanie ist wohl nur für die Kindheit wahr-
scheinlich; später dürfte wohl immer eine Phantasie, wenn auch
eine unbewusste, dabei sein.Für die Neurasthenie ist zuzugeben, dass dieser Punkt der
sorgfältigsten Nachprüfung bedarf. Das Missverständnis bezügl.
der ätiolog. Rolle der Onanie habe schon Hitschmann aufgeklärt.
Die Zurückführung der Onanie auf den Abgewöhnungskampf
lässt uns nicht verstehen, warum der Kampf dem Masturban-
ten so schwer wird und woher das Entsetzen rührt, wenn er in
dem Kampf unterliegt.Stekel möchte eine Reihe von Missverständnissen aufklären.
Der Kampf wird Ihnen so schwer wegen der fürchterlichen Dro-
hungen und der Selbstvorwürfe, die sie sich wegen ihrer
Phantasien machen. Es ist ein Kampf um ihre Selbständig-
keit im erotischen Leben.Wir wissen sehr wenig vom Einfluss der Onanie aufs Seelen-
leben; wir kennen die Symbole der Onanie fast gar nicht –S.
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Die Schädlichkeit der Onanie beruht nicht auf dem Akt selbst, sondern
auf den ethischen, religiösen, ästhetischen Hemmungen.Der Begriff der Neurasthenie wird sich nicht mehr aufrecht erhalten
lassen; Freud sieht keine, weil er keine mehr sehen kann.Steiner meint, man solle bei der Onanie von den natürlichen Ver-
hältnissen ausgehen und die Sache auch von einer physischen Seite
untersuchen. Einen Ansatz dazu hat Stekel unternommen; es ist
sicher, dass nicht alle Formen schädlich sind; ja mehr sie sich dem
Coitus nähert, desto weniger schädlich wird sie sein. Mit der
Zeit wird aber auch da eine Überreizung der pars urethralis
zustande kommen. –Pollution und Onanie sind tatsächlich vielfach gleichzusetzen.
Der Akt verläuft meist mit einer Phantasie ein und es bedarf dann nur
noch eines geringen Anstosses, um die Pollution hervorzurufen.Die Existenz der Neurasthenie sei unleugbar; Ref. sieht täg-
lich eine Reihe von Fällen von reiner Aktualneurose. Ebenso wenig könne
über die physiologischen Grundlagen der Ejakulatio praecox ein
Zweifel sein.Man tut der Onanie zu viel Ehre an, wenn man einen eigenen
Typus des Onanisten aufstellt. Die Onanie ist keine Krankheit,
ja nicht einmal ein Symptom. Die Schäden sind nicht die der
Onanie sondern die der Neurasthenie.Adler findet in den Ausführungen insofern einen Widerspruch
als Steiner erst den Zusammenhang von Onanie und Neurasthenie
betonte, dann aber die Onanie nicht vom Standpunkt des
Nutzens und Schadens, sondern nur als Symptom aufgefasst
wissen wollte, was auch sein Standpunkt sei.Stekel verpflichtet sich jedem Neurastheniker zu analysieren
und die dahinter steckenden Verdrängungen aufzuzeigen. –
Es gibt auch Pollutionen ohne sexuelle Erregung am Abend.Hitschmann findet es selbstverständlich, dass man auch bei
der Analyse eines Aktualneurotikers verschiedene KomplexeS.
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und Konflikte finden wird, die ja überall da sind.
Röller wendet ein, dass auch die dem Coitus möglichst ähnliche
Onanie schädlich sein könne, wie es ja auch schädliche Koitusse
gebe. Es handelt sich immer um die Phantasien und die Triebe,
die dahinter stehen.Friedjung möchte sich auf die Onanie der kleinen Kinder beschränken,
die er aus eigener Erfahrung kenne. Er habe die Onanie häufig beob-
achtet bei kleinen Kindern schon mit 5/6 Monaten und einem Jahr.
Es handelt sich dabei allerdings um onanistische Akte im weitesten
Sinne und es sei die Frage, ob dieselben mit der Onanie des geschlecht-
reifen Individuums auf eine Stufe zu stellen seien. Sie gehen nämlich
meist ohne Erektion und ohne Orgasmus vor sich. Was die Frage der
Schädlichkeit betreffe, so hat Ref. noch keinen einwandfreien
Fall von Schädlichkeit in so junger Kinderzeit kennen gelernt. Auch
bei größeren Kindern von 5 bis 10 Jahren habe er noch keinen Fall
gesehen, wo die Onanie direkt das auslösende Moment, z. B. für das
schlechte Aussehen gewesen sei und wo durch Abstellung derselben
Heilung erzielt worden wäre.Auch er könne bestätigen, dass nicht jedesmal eine sexuelle
Erregung vor dem Schlafengehen die Pollution ausgelöst hat. Es gibt
Pollutionen, die nicht auf so unschuldige Weise zustande kommen
ohne physische Mithilfe des Träumenden, sondern wo der Betreffende
im Schlaf Koitusbewegungen vollführt.Adler möchte hervorheben, dass man bei Neurotikern diese
Erscheinung finde und dass einer seiner Pat. sie treffend
„onanistische Traumbewegung“ genannt habe.Ferner möchte er erwähnen, dass er stets die psychogene Ein-
heit aller Neurosen (auch der Aktualneurosen) behauptet habe.Prof. Freud erinnert daran, dass die Konstatierung der Onanie
o auch nicht immer leicht sei und dass er diesbezüglich einem
Menschen nicht glaube, ehe er ihn nicht 3-6 Wochen in der Kur
habe. – Die Anzahl der Menschen, die im Schlafzustand die Ona-S.
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nie fortsetzen ist viel größer als man glaubt, so dass viele, die
von der Onanie nichts wissen, tatsächlich doch onaniert haben.
In der Auffassung der psychogenen Einheit der Neurosen könne
er keine Priorität erblicken, da die Libido als das allen Neurosen
zugrunde liegende Moment, die Einheit derselben begründe.Adler reklamiert seine Behauptung dahin, dass sich psychisch
kein Unterschied zwischen dem Charakter des Aktualneurotikers
und des Psychoneurotikers aufweisen lässt.Stekel beharrt darauf, dass er zuerst behauptet habe, es gebe
keine Neurasthenie und es finden sich bei der Angstneurose psy-
chische Konflikte.Adler wendet ein, dass Stekel in seinem Buche einen Unterschied
zwischen Angstneurose und Angsthysterie mache.
Prof. Freud hat weder Abschließendes zu dieser Frage zu sagen noch
die Absicht die verschiedenen Probleme entscheiden zu wollen, son-
dern nur eine Anzahl von Formulierungen zur Kundgebung seines
Standpunktes vorzubringen. Er werde sich dabei auf die Genitalneurose und die
wesentlichen Fragen nach dem Schaden derselben beschränken.
Vorausschicken sei die Bemerkung, dass die Onanie fälschlich
als klinische Einheit aufgefasst werde und das das Wesentliche
daran die Phantasien seien.Die Frage, ob die Onanie ein Symptom, ein Krankheitszustand
oder die Ursache von Krankheiten sei, geht von einer wenig in-
telligentenFragestellungVoraussetzung aus: ob die Onanie zu-
fällig entstehen könnte und nicht selbst tiefere Ursachen hätte.Die frühzeitige Onanie ist ein Zeichen großer sexueller Be-
dürftigkeit; ob sie Schaden bringt oder vertragen wird hängt von
der Beziehung des Sexualtriebs zum Ich ab. Die Frage nach dem
Schaden der Onanie hat nur einen Sinn, wenn man die Onanie
vergleicht mit anderen Arten der sexuellen Betätigung.
Sonst ist die Frage der Onanie gleichbedeutend mit dem SchadenS.
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der Sexualität überhaupt, die zu den gefährlichsten Betätigungen des
Individuums gehört. So weit gefasst also das Thema von einem Schaden
der Onanie und es bleibt nur die Betrachtung des Schadens der
Onanie insofern sie eine besondere Art der Sexualbetätigung
ist. Fälle wo die Onanie nicht schädlich ist, kommen als negative
Fälle die Frage nach dem Schaden der Onanie natürlich nicht ent-
scheiden.Wenn also die Onanie schadet (und die Bedingungen dafür
liegen jenseits unseres Themas), so schadet sie auf folgende Weise:
I. somatisch,
II. psychisch,ad I. gibt es einfache Gesichtspunkte: 1. indem sie Gelegenheit zu übermäßiger
Sexualbetätigung gibt;
2.) indem sie eine nicht adäquate Art der sexuellen Be-
tätigung darstellt (Steiner), die mit weniger Arten von Reizen
beschäftigt, was nicht ohne Einfluss auf die Zusammen-
setzung des Sekrets ist.
3.) indem sie zu Schädigungen der normalen Potenz Anlass
gibt. Es beweist nichts dagegen, dass viele Onanisten ihre
Potenz behalten haben. Man verliert sie auf gewissen
Stufen, von denen später die Rede sein wird.ad II. sind die Schädigungen ausgiebiger und durchsichtiger.
1.) durch die Vorbildlichkeit, indem sich das Individuum ge-
wöhnt, die Befriedigung der Bedürfnisse nicht durch
große Aufwände sondern durch „Kurzschluss“ zu erreichen.
2.) durch Lösung des Zusammenhanges mit seinen Nebenmen-
schen; die onanistische Befriedigung ist ein antisozialer
Aktund bringt den Betreffenden auch in Gegensatz zur
Gesellschaft.
3.) durch das Übergewicht des Phantasielebens gegenüber
der Realität, vorbildlich für eine Menge von Funktionen.S.
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4.) durch die übergroßen Ansprüche, die er infolge der Phanta-
sieverwöhnung an die Realität stellt, die ihn niemals zu be-
friedigen vermag.
5.) durch die Unfähigkeit im Ertragen von sexuellen Ein-
schränkungen, welche das Leben, speziell in der Ehe, notwen-
dig macht.
6.) dadurch, daß die onanistische Betätigung gleichzustellen
ist der Erhaltung des infantilen Zustandes nach jeder
Richtung. Darin liegt die psychische Hauptschädlichkeit
der Onanie, weil damit die Grundlage zur Psychoneurose
gegeben ist, die eintritt, wenn Konflikt und Ablehnung
dazu kommen.
7.) durch die allgemeine Erniedrigung des Sexuallebens, die
sich aus der Billigkeit, Bequemlichkeit und sozialen
Geringschätzung dieses Sexualaktes ergibt. Diese Onanisten
können dann mit Personen, die sie lieben und achten
nicht sexuell verkehren, wohl aber mit solchen, die sie
geringschätzen.Ein neuer Punkt komme beim Weib zum Vorschein, wo es bei Aus-
übung der Onanie zu einem Geschlechtskonflikt komme. Wäh-
rend der Widerstand beim Manne meist soziale Natur ist, ist er
beim Weib ein direkter Geschlechtskonflikt. Die Onanie hat beim
Weib als infantile Betätigung auch männlichen Charakter.Alle Gesichtspunkte unter zwei große Kategorien zusammen-
fassend könne man sagen, die übermäßige onanistische
Betätigung bringe Störungen hervor im sozialen Ver-
halten des Individuums und in seinem Verhalten gegen die
Wirklichkeit, der gegenüber die Denkwirklichkeit (Phantasie-
leben) dominiert.Man darf nicht glauben, daß mit der Beseitigung der
Onanie auch die Schäden derselben beseitigt sind. Die
Onanie ist nur das Phänomen, hinter dem sich andere Mächte verbergen.S.
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Neben den Schädigungen sei der Nutzen der Onanie nicht zu ver-
nachlässigen, der darin bestehe, dass sie
1.) der Abstinenz entgegenarbeite und immerhin eine sexuelle
Befriedigung darstellt, welche die sexuelle Spannung, die
oft pathogen wirken würde, entladet.
2.) bringt sie eine Ermäßigung der Potenz zustande, welche in
unserem Kulturleben notwendig ist, um die von der Gesell-
schaft geforderten Bedingungen des Ehelebens etc. einzuhalten.
3.) ermöglicht sie dem jungen Mann, sich in der zweiten kulturellen
Latenzzeit den anderen Aufgaben zu widmen.
Hervorzuheben ist auch, dass die sexuelle Freiheit und die damit
gegebene Unabhängigkeit von den Eltern notwendige Postulate
sind. – Endlich ist noch die Infektionsfreiheit anzuführen.Steiner führt zum Nutzen der Onanie noch an eine bessere Ausbildung des
Phantasielebens (künstlerische Produktion).Stekel freut sich, dass manches von dem, was er sagte, in den Ausführungen
Freuds enthalten war. Es ist aber noch eine andere Betrachtungs-
weise des Problems möglich. Für gewisse Leute ist nämlich der Koitus
die inadäquate Form der Befriedigung.
Die Onanie ist, infolge des Schuldbewusstseins, auch nicht immer die
billigste und bequemste Art der Befriedigung.
Bezüglich der weiblichen Onanie ist zu bemerken, dass es Fälle gebe,
wo direkt am Scheideneingang (und nicht an der Klitoris) zu onanie-
ren begonnen wird.Federn bittet Prof. Freud um Darlegung seines Standpunktes in betreff der
Neurasthenie.Furtmüller möchte Stekel gegenüber die Frage aufwerfen, warum ge-
rade die Onanie mit solchen Schrecken belegt werde. Wieso z. B. die
viel konkreteren Gefahren des illegitimen Geschlechtsverkehrs
die Menschen im allgemeinen doch nicht abschrecken, während die bloße
Schilderung der viel ferner liegenden der Onanie so großen Eindruck
machen. Die Onanie muss offenbar etwas an sich haben, was die Betreffen-
den für diese Angst so empfindlich macht.S.
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Prof. Freud wendet sich zunächst gegen einige Einwendungen
Stekels und hebt hervor, dass wenn man vom Schaden der Onanie
spreche, man selbstverständlich nur die positiven Fälle in Betracht
ziehen könne und nicht die, wo sie nicht geschadet habe.
Wenn Stekel meine, der ganze Schaden der Onanie komme von der Vorstellung,
sie hätten sich durch die Onanie geschädigt, so ist das eine Ableitung
tiefgründiger psychischer Wirkungen von der bewussten psychischen
Oberfläche. Der Schrecken muss erst von der Person auf Grund tieferer
Begründungen akzeptiert werden (Furtmüller).
Was die von Stekel behauptete Nichtschädigung der Potenz betreffe, so
sei hervorzuheben, dass selbst der Geheilte gegen andere Männer
eine bedeutend geringere Potenz aufweise.Dass Frauen direkt am Scheideneingang zu masturbieren beginnen,
ist sehr unwahrscheinlich; man übersieht dabei wohl die Kindheits-
onanie.Vollkommen anzuerkennen sei, dass ein guter Teil der psychischen
Schäd-
lichkeit der Onanie (Konfliktbildung) von dem Widerspruch der
Eltern und Erzieher in der Kindheit ausgeht (Kastrationskomplex);
das fällt jedoch mit der allgemeinen Stellungnahme der Eltern gegen
die Sexualität zusammen.Was seine Stellung zur Neurasthenie betreffe, so habe er viel weniger
daran geändert als man meine und das Wesentliche des alten Stand-
punktes festgehalten. Er glaube fest an die Unterscheidung
von Aktual- u. Psychoneurosen (Steiner) im Gegensatz zu Adler
u. Stekel. Dass häufig zu dem rein Physiologischen das Psychische
dazu kommt, sei er gerne bereit anzunehmen. Zu bestreiten sei
dagegen, dass die Symptome der Neurasthenie hysterisch seien –
es seien rein toxische Symptome und ihre event. symbolische Be-
deutung (Stekel: Kopfdruck – Geburtsphantasie) sei ein psychischer
Überbau. – Ähnlich sei auch die Unterscheidung zwischen
Angstneurose und Hysterie festzuhalten. Auch die Komplikationen
seien schon in der ersten Arbeit über die Angstneurose angedeutet.S.
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Die Angstneurose liefert das Material über dem sich dann eine Hysterie
aufbauen kann.
Übrigens war die Theorie der Neurosen niemals eine rein psychologi-
sche, denn die Sexualität ist ja auch ein organischer Faktor.Der Vorsitzende beantragt, da noch einige Diskussionsredner zum
Worte gemeldet seien, die Fortsetzung der Diskussion am nächsten
Mittwoch.~ ~ ~