Bericht über den III. Psychoanalytischen Kongress in Weimar am 21. und 22. September 1911 im Hotel Erbprinz 1911-523//1912-763

Rank, Otto (1911-523//1912-763): Bericht über den III. Psychoanalytischen Kongress in Weimar am 21. und 22. September 1911 im Hotel Erbprinz

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    231

    Korrespondenzblatt.

    Wir dürfen in diesen Beschlüssen des Weimarer Kongresses einen wesent-
    lichen Fortschritt auf dem Wege zu einer festeren Organisation begrüssen. Hoffen
    wir, dass im neuen Vereinsjahr die Internationale Psychoanalytische Vereinigung
    auf Grund dieser Verbindung vorher getrennter Kräfte blühe und gedeihe.
    Der Präsident:
    Küsnacht-Zürich, Dr. C. G. Jung.
    Im November 1911.


    II. Bericht über den III. Psychoanalytischen Kongress in Weimar
    am 21. und 22. September 1911 im Hotel Erbprinz.

    1. Der Kongress.

    Der Kongress wird vom Präsidenten, Dozent Dr. Jung in Küsnacht-Zürich
    geöffnet, der die unter günstigen Auspizien und unter dem Schutze eines guten
    Genies loci tagende grosse Versammlung, an der auch verschiedene Damen teilnehmen,
    begrüsst. Er fühlt sich glücklich, dass die Tagung mit anderen, freieren Gefühlen
    begonnen werden kann als die letzte, nachdem viele Schwierigkeiten, die uns früher
    bedrückten, überwunden sind.

    2. Liste der Kongressteilnehmer.

    1. Dr. Abraham, K., Berlin W., Rankestr. 24.
    2. Dr. Amon, Rhölden, K., New-York, City, 149 E. 62th St.
    3. Frau Andrea-Salomé, Lou, Göttingen.
    4. Dr. Bjerre, Paul, Stockholm.
    5. Dr. Binswanger, L., Kreuzlingen, Kuranstalt Bellevue.
    6. Prof. Bleuler, Zürich V, Burghölzli.
    7. Frl. Boeddinghaus, Martha, München, Prinz-Ludwigstr. 5.
    8. Dr. Brecher, Guido, Bad Gastein, Haus Sponfeldner.
    9. Dr. Brill, A. A., New York, Central Park W 97.
    10. Dr. Eitingon, M., Berlin, Marburgerstr. 81.
    11. Dr. van Emden, Leiden.
    12. Dr. Federn, Paul, Wien I, Riemerg. 1.
    13. Dr. Ferenczi, S., Budapest VII, Elisabethring 54.
    14. Frau Dr. Hillel, Berlin, Uhlandstr. 149.
    15. Prof. Freud, Wien IX, Berggasse 19.
    16. Dr. phil. Frhr. v. Gebsattel, E., München, Finkenstr. 2.
    17. Frl. Dr. Ginsburg, Schaffhausen, Breitenau.
    18. Dr. Hinkle, New York.
    19. Dr. Hirschfeld, Magnus, Berlin NW, In den Zelten 16.
    20. Dr. Hitschmann, Ed. Wien I, Rotenturmstr. 29.
    21. Dr. Hollerung, Edw., Graz, Schillerstr. 24.
    22. Dr. phil. Hony, L., Nürnberg, Blumenstr. 11.
    23. Dr. Jekels, Bistrai bei Bielitz, Österreich-Schlesien.
    24. Prof. Jones, Ernest, Toronto (Kanada), 407 Brunswick Avenue.
    25. Dr. Juliusburger, O., Steglitz-Berlin, Siemensstr. 13.
    26. Doz. Dr. Jung, C. G., Küsnacht-Zürich.
    27. Frau Dr. Jung, Küsnacht-Zürich.
    28. Pfarrer Keller, Adolf, Zürich 1, Pfarrhofstatt 6.
    29. Dr. Kücher, Heinz, Gr. Lichterfelde, Berlin, Boothstr. 19.
    30. Dr. Ludwig, Arthur, München, Adalbertstr. 61.

    Zentralblatt für Psychoanalyse. II
    16

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  • S.

    232 Korrespondenzblatt.

    31. Dr, Maeder, A., Zürich ‏,ל‎ Vogelsangstr, 46.

    32. Dr. Marcinowski, Holsteinische Schweiz, Haus Sielbeck am Uklei.
    33. Dr. Mensendieck, Zürich V, Dolderstr. 93.

    34. Schwester Moltzer, Zürich V, Dolderstr, 90.

    35. Dr. Nelken, J., Zürich ‏,ל‎ Plattenstr. 19.

    36. Dr. Pfister, 0., Pfarrer, Zürich I, Schienhutgasse 6.

    37. Prof. Putnam, James J., Boston, Mass, 106. Marlborough St.
    88. Rank, Otto, Wien IX, Simondenkgasse 8.

    39 Hofrat Dr. Rehm, Miinchen, San., Neufriedenheim.

    40. Dr. Reiss, Tiibingen, Nervenklinik.

    41. van Renterghem, Amsterdam, 1 Van Breestraat.

    42. Dr. Riklin, F., Küsnacht-Zürich.

    43. Rotenhåusler, 0., Zürich V, Gloriastr. 70.

    44. Dr. Sadger, Wien IX, Liechtensteinstr. 15.

    45. Dr. Seif, L, München, Franz-Josefstr. 21.

    46. Frau Dr. v. Stach, M., Berlin-Schwarzendorf, Zelbergerpl. 1.
    47. Dr. Stegmann, Dresden, Mosczinskystr. 18.

    48. Dr. Steiner, Maxim., Wien I, Rotenturmstr. 19.

    49. Dr. Stekel, W., Wien I, Gonzagagasse 21.

    50. Dr. Stockmay er, W., Kreuzlingen, Kuranstalt Bellevue.

    51. Dr. Vollrath, U., Jena, Psychiatr. Klinik.

    52. Dr. Wanke, Friedrichroda, Gartenstr. 14.

    58. Dr. Frhr. v. Winterstein, Alfr, Wien IV, Gusshausstr. 14.
    54. Dr. Wittenberg, W., München, Arcisstr. 6.

    55. Frl. Wolff, Antonia, Zürich V, Freiestr. 9.

    8. Vortrüge.

    21. September,

    . Prof. Putnam: Über die Bedeutung der Philosophie für die weitere Entwicke-
    lung der Psychoanalyse.

    2. Prof Bleuler: Zur Theorie des Autismus.

    Dr. Sadger: Über Masturbation.

    4. Dr. Abraham: Die psychosexuelle Grundlage der Depressions- und Exaltations-

    zustände.

    Dr. Ferenczi: Einige Gesichtspunkte zur Frage der Homosexualität.

    . Dr. Körber: Über Sexualablehnung.

    . O. Rank (für Dr. Sachs): Die Wechselwirkungen zwischen der Geisteswissen-
    schaft und der Psychoanalyse.

    p

    sov

    22. September.

    8. Prof. Freud: Nachtrag zur Analyse Schreber's.

    9. Dr. C. G. Jung: Beitrag zur Symbolik.

    10. 0. Rank: Uber das Motiv der Nacktheit in Dichtung und Sage.
    11. Dr. Paul Bjerre: Zur analytischen Behandlung der Paranoia,
    12. Dr. Nelken: Uber Phantasien bei Dementia praecox.

    Uber die Vorträge ist von O. Rank referiert worden im Zentralblatt für
    Psychoanalyse II. Jhrg. Nr. 1. р. 102#. Wir verweisen anf dieses Referat.

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    Korrespondenzblatt. 233

    4, Vereinsgeschäfte und Beratungen,
    a) Bericht über das'Vereinsjahr 1910/11, erstattet vom Präsidenten Dr. С. G. Jung.

    Jahresbericht.

    Nachdem auf dem um 11/, Jahre zurückliegenden Kongress iu Nürnberg die
    Gründung eines Internat. Vereins beschlossen wurde, erfolgten zunächst die Grün-
    dungen in Wien, Berlin und Zürich, Die Ortsgruppe Berlin konstituierte sich im
    März 1910 mit 9 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Dr. Abraham. Darauf folgten
    im April die Ortsgruppe Wien mit 24 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Dr. Adler-
    Zürich konstituierte sich im Juni mit 19 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Dr.
    Binswanger. Damit waren die Fundamente gelegt zu unserer I. Ps.-A.-V., die mit
    ihren auf 3 Länder verteilten 52 Mitgliedern zunächst eine recht zarte Pflanze war. Ich
    kann mit grosser Freude und Befriedigung konstatieren, dass unser Verein im ver-
    gangenen Jahre aber ein recht kräftiges Leben entwickelt hat. Im Februar 1911 ging
    die in den Boden Amerikas gelegte Saat auf. In New York konstituierte sich eine
    Ortsgruppe mit 21 Mitgliederu unter dem Vorsitz von Dr. Brill. Endlich kam
    auch der Süden Deutschlands: Im März konstituierte sich eine Ortsgruppe München
    unter dem Vorsitz von Dr. Seif mit 6 Mitgliedern.

    Im Laufe des Jahres 1911 hob sich die Mitgliederzahl der Gruppe Berlin
    von 9 auf 12, diejenige Wiens von 24 auf 38, und diejenige Zürichs von 19 auf 29.
    Auf diese Weise stieg die anfångliche totale Mitgliederzahl von 52 auf 106. Wir
    haben uns also etwas mebr als verdoppelt.

    Die Ziiricher schulden der wissenschaftlichen Anregung Freud’s tiefe Dank
    barkeit. Ks erleichtert daher unsere schwer lastende Dankesschuld, wenn wir darauf
    hinweisen diirfen, dass die Griinder der Ortsgruppen in Berlin, Miinchen und New-
    York einst durch die Züricher Schule gegangen sind.

    Dieser erfreulichen äusseren Vermehrung entspricht eine ebenso lebhafte
    wissenschaftliche Tätigkeit im Innern der Sektionen. Ich verweise auf die weit-
    ausgreifenden Themata, über die in den emzelnen Gruppen referiert worden. Eine
    positive Förderung wissenschaftlicher Probleme ist allerdings nur da zu erwarten,
    wo reiche Erfahrung des einzelnen Mitgliedes beiträgt zur Lösung aufgeworfener
    Fragen. Dieser Idealzustand ist im allgemeinen schwer zu erreichen und besonders
    die Gruppen mit jüngerer Lokaltradition werden ihr Hauptziel in der Erziehungs-
    und Belehrungsarbeit zu erblicken haben. Die Psychoanalyse verlangt zum Schrecken
    von Jedem, der sich heutzutage von Anfang an hineinzuarbeiten hat, ein unge-
    wöhnliches Mass von Fleiss und wissenschaftlicher Konzentration, wenn sie nicht
    anders eine freischwebende Kunst individuellster Begabung sein soll. Die Ver-
    suchung, wissenschaftlicher Evidenz sich zu entschlagen, ist bei psychoanalytischer
    Arbeit besonders gross, besonders noch, da, wie alle anderen Kulturlächerlichkeiten

    auch die wissenschaftliche Pseudoexaktität in den Augen des Analysierten
    in ihre eigene Hohlheit zusammensinkt. Damit fällt aber das Systematische, Ge-
    ordnete, Wohlgefügte und einfach Überzeugende wissenschaftlicher Arbeits- und
    Darstellungsweise nicht weg. Uns, denen es vergönnt ist, in neuentdeckten reichen
    Ländern Besitz zu ergreifen, liegt es ob, durch Selbstzucht zu verhindern, dass diese
    Güter vergeudet und verschleudert werden durch ungezügelte Phantasie. Vergessen
    wir nie, dass alles, was wir denken und innerlich schaffen, nur dann gut gedacht
    und geschaffen ist, wenn es sich mit menschlich begreiflicher Sprache an die Mensch
    heit wendet. Was das Schicksal von uns erwartet, ist, dass wir das ungeheure Er-
    kenntnisgut, das uns durch die Freud’sche Entdeckung geworden ist, getreulich

    16*

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    234 Korrespondenzblatt.

    verwalten und in Form einer echten und rechten Wissenschaft unseren Mitmenschen
    vermitteln und nicht zur Befriedigung des eigenen Ehrgeizes missbrauchen. Diese
    Aufgabe verlangt vom Einzelnen nicht nur ein hohes Mass an Selbstkritik, sondern
    auch eine gründliche psychoanalytische Bildung, Diese Bildung lässt sich, wie be-
    kannt, nur schwer durch isoliertes Arbeiten erreichen, viel leichter und besser aber
    durch das Zusammenarbeiten verschiedener Köpfe. Diese Lehr- und Erziehungsarbeit
    soll eine der Hauptaufgaben der Ortsgruppen unseres Vereines sein, und ich möchte
    diese Aufgabe den Vorsitzenden der Ortsgruppen ganz besonders ans Herz legen.
    Neben den Ergebnissen neuerer Forschung sollte auch die Diskussion elemen-
    tarer Fragen Gegenstand der Verhandlungen in den Ortsgruppen sein, wodurch
    gerade die jiingern Mitglieder Gelegenheit hätten, sich gewisse prinzipielle Auffassungen
    zueigen zu machen, deren gründliche Kenntnis eine conditio sine qua non wissen-
    schaftlicher Methode ist. Dergleichen prinzipielle Diskussionen wären geeignet,
    mannigfache theoretische und praktische Missverständnisse aus dem Wege zu
    räumen, Es scheint mir auch sehr von Belang, abweichende Meinungen einer bal-
    digen und gründlichen Diskussion zn unterwerfen, um Verzettelung der Arbeitskräfte
    auf unnütze Nebenwege zu verhüten. Diese Möglichkeit liegt, wie die Kreignisse
    in Wien gezeigt haben, nicht sehr fern, indem die derzeitige Schrankenlosigkeit der
    psychoanalytischen Forschung und die Unabsehbarkeit der von ihr berührten Pro-
    bleme förmlich einladen zu ebenso umstürzenden wie unberechtigten Veränderungen
    der von Freud aufgefundenen und durch jahrzehntelange Arbeit bestätigten Prin-
    zipien der Neurosenlehre. Ich glaube, wir dürfen derartigen Versuchungen gegen-
    über nicht vergessen, dass unser Verein wesentlich auch den Zweck hat, „wilde“
    Psychoanalyse zu desavouieren und bei sich nicht zu dulden. Es steht nicht zu be-
    fürchten, dass der von unseren Gegnern längst gewünschte Dogmatismus damit in
    die Psychoanalyse einbreche, sondern wir bedürfen nur des zähen Festhaltens an
    den einmal gewonnenen Prinzipien, die wir solange zu behaupten haben, bis sie ent-
    weder in allen Stücken bis zur grösstmöglichen Evidenz bestätigt oder als gänzlich
    unrichtig erkannt worden sind.

    Gegenüber diesen Bemerkungen und Wünschen bezüglich der Wissenschafts-
    pflege im Schosse der Ortsgruppen muss ich Ihre Aufmerksamkeit auch auf die
    psychoanalytische Publizistik lenken. Das vergangene Jahr hat uns zum Jahrbuch
    das Zentralblatt für Psychoanalyse gebracht, das unter seiner rührigen Redaktion
    bereits beträchtliche Materialien herausgebracht hat und durch seine Vielseitigkeit
    ein gutes Bild der Vielseitigkeit der Psychoanalyse liefert. Das nächste Jahr wird
    uns ein weiteres Organ bringen von einem nicht mehr medizinischen sondern allge-
    meinen Charakter,

    Ich habe es dieses Jahr mit eigenen Augen gesehen, wie gross der Kindruck
    ist, den die Bemühungen für unsere Sache in der Welt gemacht haben. Kenntnis
    und Schätzung der Psychoanalyse sind viel weiter verbreitet als man gewöhnlich
    annimmt.

    Das vergangene Jahr hat uns Zürichern einen Verlust gebracht, der für unsere
    wissenschaftlichen Zukunftshoffnungen besonders schmerzlich ist, es ist der Tod
    unseres Freundes Honegger, der sich durch seinen geistreichen Vortrag in Nürn-
    berg auch bei den anderen Vereinsmitgliedern eingeführt hat,

  • S.

    Korrespondenzblatt. 235

    ' b) Kassabericht.

    Frs. | Cts.
    Einnahmen: |
    Mitgliederbeitrüge:
    Ortsgruppe Wien für 38 Mitglieder . . . A 9023,
    P Berlin TL ⑧ a ford NS
    , Zürich 訣 基 A ‏שו‎ Loc MN ‏ה‎
    ‎⑤ New York 。 26 。 .......(. 267 | 80
    ја München!) , 1 4 ඞෲ A ‏כ‎ O
    107 1095 | 47
    Ausgaben:
    Korrespondenzblath ii S ‏הרק בד‎ A ME YT Sl €8
    Zirkulare und Statuten są sue RE EIN re ERS ‏ליה‎ 28 | 50
    Portos. und Bureaumstenal ii p e E A 4 55
    Auslagen für den Kongress in Weimar . . . . . . . . . . . + ⑪ 70
    282 | 43
    Überschuss auf neue Rechnung . . 813 | 04
    | 1095 | 47

    5. Beratung iiber den Anschluss des Korrespondenzblattes an das
    Zentralblatt für Psychoanalyse.

    Dr. Stekel berichtet vorerst über die Erfolge des Zentralblattes. Die Abon-

    . nentenzahl ist von 100 auf 350 gestiegen. Finanziell hat der Verleger mit dem

    ersten Jahrgang noch ein Defizit, und bei der gegenwärtigen Ausstattung des Blattes

    wird eine Erhöhung des Abonnementspreises von 15 auf 18 Mark notwendig werden;

    für die Mitglieder der Vereinigung wird aber der Verlag mit einer Reduktion des
    Abonnementspreises entgegenkommen.

    Es wird beschlossen, den gegenwärtigen Kassaüberschuss der Redaktion des
    Zentral-Blatt zur event. Reichergestaltung einzelner Nummern zur Verfügung zu
    stellen.

    Ferner wird das Zentralblatt zum obligatorischen Vereinsorgan
    erklärt, wobei das Korrespondenzblatt als solches eingeht und statt dessen die Ver-
    einsmitteilungen in einer besonderen Rubrik am Schlusse der Zentralblattnummern
    erscheinen. Aus technischen Gründen werden Artikel und Mitteilungen des Zentral-
    blatts im allgemeinen in deutscher Sprache erscheinen, wobei immerhin Artikel, bei
    denen es auf die Sprache wesentlich ankommt, auch in einer anderen Sprache ge-
    bracht werden können.

    Der Mitgliederbeitrag wird, da das Abonnement des Zentralblatts zu reduziertem

    . Preise (voraussichtlich ⑫ Mark) inbegriffen ist, erhöht, und zwar, um die Zentral-
    leitung nicht von allen Mitteln zu entblössen, auf 15 Mark (= 18 Kr. = frs. 18,50
    $ = 8.70). Überschüsse sollen vorläufig dem Dispositionsfond für das Zentralblatt
    zugewendet werden.

    1) Zur Zeit der Rechnungsablage standen noch aus 5 Mitgliederbeiträge der
    Ortsgruppe München.

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    236 Korrespondenzblatt,

    Der Vorschlag von Prof, Freud, den Zentralpråsidenten von Amts wegen als
    Mitherausgeber des Zentralblattes zeichnen zu lassen, wird abgelehnt.

    Stekel wird bevollmächtigt, mit dem Verlag die definitiven Vereinbarungen
    über die Beziehungen zwischen Verein und Zentralblatt zu treffen,

    In der Folge wird eingehend über die Verbesserung des Referatenwesens dis-
    kutiert und den Ortsgruppen und Mitgliedern eine Jebhafte Tätigkeit in diesem
    Sinne iiberbunden; die Redaktion soll die Angelegenheit mit den Vorsitzenden der
    Ortsgruppen und den Mitgliedern organisieren.

    6. Mitgliedfrage.

    Uber die Grenzen, innerhalb welcher die Mitgliedschaft des Vereins erteilt
    werden kann, kommt die Versammlung zu folgenden Gesichtspunkten: Die Grt-
    lichen Verhältnisse der Gruppen erlauben keine allzu speziellen Bestimmungen, Die
    Ortsgruppen sind selbst verantwortlich für die Qualität der Mitglieder. In Zürich
    wird z. B. akademische Graduierung verlangt. Die Ortsgruppe Berlin erteilt die
    Mitgliedschaft nur an Ärzte. Kine zu grosse Liberalität ist nicht angezeigt. Der
    Grundcharakter der Analyse ist ein wissenschaftlicher, darum muss von den Mit-
    gliedern wissenschaftliche Vorbildung und Tätigkeit verlangt werden. Mit der Zeit
    wird es notwendig werden, z. B. der Lehrer wegen, Laienorganisationen zu schaffen,
    mit Fúblung mit den Ortsgruppen. Für Pflege und Ausbildung der Analyse ist es
    nicht nötig, zu sehr in die Breite zu gehen. Die Fruchtbarkeit der Analyse ist aus
    verschiedenen Gründen durch kleinere Organisationen besser gewährleistet als durch

    zu umfangreiche.
    7. Organisation.

    Am Nachmittag des zweiten Sitzungstages wird über die Organisation
    der I. Ps-A.-V. inAmerika beraten.

    Erst hat sich die Ortsgruppe New York gebildet. Seither wurde von
    Prof. Jones in Toronto eine ,General Association gegriindet, deren Mitglieder
    nicht, wie bei den übrigen Ortsgruppen zum grössten Teil in derselben Stadt wohnen
    sondern in Amerika und Canada zerstreut sind, weil sich die Gelegenheit zu einer
    lokalen Konzentration nicht geboten hat. Sie können sich also nicht in kurzen Zeit-
    abstinden versammeln. Darnach richten sich die Statuten mit rigorosen Aufnahme-
    bestimmungen. Es soll nun den Verhältnissen Rechnung getragen werden, indem
    der „General Association“ die Rechte und Pflichten einer Ortsgruppe der I. Ps.-A.-V.
    gegeben werden. Beiden amerikanischen Ortsgruppen soll die vollståndige Unab-
    hängigkeit voneinander gewährt, der Ortsgruppe New York als solcher sollen z. B.
    keine Verpflichtungen gegenüber der „Gen. Ass.“ auferlegt werden; die event. Zuge-
    hórigkeit zu beiden Gesellschaften soll ganz dem Gutdünken der einzelnen Gruppen
    überlassen werden. Im Zweifelsfalle entscheidet die Zentrale über entstehende

    Schwierigkeiten,
    8. Nächster Kongress.

    Es wird gewünscht, dass der nächste Kongress die Ferien- und Militärdienst-
    verhältnisse berücksichtige und als Zeitpunkt der Anfang des Monats September
    vorgeschlagen und als nächster Kongressort vorläufig München in Aussicht ge-
    nommen. Die definitiven Beschlüsse darüber werden der Zentralleitung überlassen
    in der Meinung, dass der Zeitpunkt des nächsten Kongresses spätestens in den ersten
    Monaten nach Neujahr festgesetzt und mitgeteilt werde.

  • S.

    237

    Korrespondenzblatt.

    9. Zentraleitung.

    Die Zentraleitung wird durch Akklamation neu bestätigt mit Dr. C. G.
    Jung als Präsidenten und Dr. F. Riklin als Sekretär, beide in Küsnacht-Zürich.
    Im Namen der Vereinigung dankt Dr. Ferenczi Dr. Abraham für die
    treffliche Organisation des Kongresses. Prof. Freud wünscht allen Teilnehmern
    glückliche Wiederkehr am nächsten Kongress und Dr. Jung den Ortsgruppen besten
    Erfolg in ihrer Arbeit.


    III. Berichte der Ortsgruppen.

    Ortsgruppe Wien.

    Geschäftliches. Seit dem letzten Vereinsbericht sind folgende Mitglieder
    ausgeschieden: Dr. Alfred Adler, Dr. D. J. Bach, Dr. Carl Fürthmüller,
    Franz Grünner, Gustav Grädner, Frau Dr. Hillel-Jörding, Paul Klampferer,
    Dr. Stefan von Madday, Dr. Ernst Oppenheim, Dr. Franz Frhr. v. Hye.

    Als neue Mitglieder wurden aufgenommen:
    Dr. Jan van Emden, Leiden (Holland), Rapenburg.
    Dr. August Stärcke, Huinter Heide (Holland), Doldersche Weg 30.
    Frl. Dr. S. Spielrein, Wien IX, Alserstrasse 23, Pension Cosmopolite.
    Die Wiener Psychoanalytische Vereinigung zählt nunmehr 34 Mitglieder.
    Die wissenschaftlichen Vortragsabende begannen Mittwoch, am 18. Okt. 1911
    und finden vorläufig im Café Korbi, I. Brandstätte 7, Mezzanin statt.
    Am 18. Oktober fand eine ausserordentliche Generalversammlung statt mit der
    Tagesordnung: Kongressbericht und innere Vereinsangelegenheiten.


    1. Sitzung, am 18. Oktober 1911:

    Dr. Viktor Tausk: Beispiele für Problemstellung in und aus
    der Psychoanalyse.

    Der Vortragende erläutert an einem einfachen Traum, dass der Sinn des
    Traumes, wie ihn Freud aufgestellt hat, auch ohne Voraussetzungen aus der Psycho-
    analyse selbst ganz mit exogenen Mitteln der Wissenschaft aufgedeckt werden
    können. Er zeigt dabei alle Probleme, die sich dem Unternehmen in den Weg
    stellen und unterweg gelöst werden müssen. Insbesondere betont er das Verhält-
    nis von Affekt und Trieb, den Anteil des Zeitbewusstseins im Triebleben im allge-
    meinen und im Traum im besonderen und schliesslich die biologische Funktion des
    Traumes als Triebbefriediger vermöge dieser Ausschaltung des Zeitbewusstseins und
    vermöge der haltmechanischen Plazierung der Traumvorstellungen, die er mit
    der von Freud aufgestellten Theorie der Regression erklärt. (Ausreferat.)

    Aus der Diskussion, in der vielfach eine pädagogische Darstellung des
    Psychoanalyse als Aufgabe hervorgeht, wird heit schliesslich als selbstän-
    digen Thema das Problem von der angeblichen Zeitlosigkeit des Unbewussten (Freud)
    heraus, dem ein eigener Diskussionsabend gewidmet werden soll (Dr. Stekel und
    Dr. Reinhold übernehmen Referat und Korreferat).


    2. Vortragsabend, am 25. Oktober 1911.

    Dr. Ludwig Klages (aus München) als Gast: Zur Psychologie der
    Handschrift.

    Die Psychologie der Handschrift wird als ein Teil der Physiognomik der
    Funktion der Organe behandelt und ihr als solcher das allgemeine Schema zugrunde