Deutsche Ehrengäste 1909-091/1909

N. N. (1909-091/1909): Deutsche Ehrengäste

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S.

New-Yorker Staats-Zeitung, Montag den 30. August 1909.

Deutsche Ehrengäste.

      Zu der am 6. September beginnenden
und eine volle Woche währenden, zwanzig-
jährigen Jubelfeier der Clark-Universität
in Worcester, Mass., sind drei deutsche Ge-
lehrte als Ehrengäste geladen und haben
diesem ehrenvollen Ruf gern Folge ge-
leistet. Professor William Stern, der
an der Breslauer Universität den Lehr-
stuhl für Philosophie und Psychologie
inne hat, wird aus Anlaß der Feier vier
Vorträge halten, welche die Themata
„Psychologie der Zeugenaussage“, „Psy-
chologie des Kindes“ und „Psychologie
der Individualität“ behandeln werden.
Der Gelehrte, der zum ersten Male nach
Amerika kommt, wird nach beendeter Feier
einen Abstecher nach den Niagara-Fällen
unternehmen. Professor Dr. Sigmund
Freud ist Spezialist für Nerven-Krank-
heiten in Wien und außerordentlicher
Professor der dortigen Universität. In
seiner Begleitung befindet sich sein enge-
rer Kollege und Freund Dr. C. G. Jung,
Privatdozent an der Universität Zürich.
Beide Herren werden ebenfalls in Wor-
cester fachwissenschaftliche Vorträge hal-
ten. Die deutschen Gäste sind für die
Dauer ihres hiesigen Aufenthaltes im Ho-
tel Wolcott abgestiegen.

      Der Präsident des Drew Theological
Seminary in Madison, N. J., Professor
Henry A. Buttz, der an der Anstalt über
das Neue Testament und Exegese liest,
kehrte in Begleitung seiner Gattin von
einem dreimonatigen Besuch in Europa
zurück. Er hat sich längere Zeit in der
Schweiz aufgehalten und dann eine Reise
durch Deutschland gemacht. Es war seine
siebente Reise nach der alten Welt.

      Der jetzt wieder dem Metropolitan-
Opernhause angehörende, frühere Direk-
tor des Irving Place-Theaters Otto Weil
ist am 15. Mai nach Europa gefahren und
hat Italien, die Schweiz, Oesterreich und
Deutschland besucht. In Karlsbad und
Wien traf er mit Direktor Dippel zusam-
men, dem er bei der Erledigung der Vor-
arbeiten für die kommende Saison be-
hülflich war. Wie er sagte, wird das
Metropolitan Opernhaus im kommenden
Winter über die größte Gesellschaft ver-
fügen, die je hier gewesen ist. Die Er-
öffnung der Saison findet am 15. No-
vember statt.

      Reich mit Novitäten beladen ist der
Vertreter der Firma Felix Bloch Erben
in Berlin, Hans Bartsch, der im vergan-
genen Jahre am hiesigen deutschen Theater
am Irving Place als Sekretär thätig
war, eingetroffen. Da sind neue Operet-
ten von Leoncavallo, Lehár, Ed. Eysler,
Leo Fall, Victor Holländer und Oscar
Straus, von denen Savage bereits die
Lehár’sche erworben haben soll. Auch die
Operette „Die geschiedene Frau“ von Leo
Fall soll im Winter hier zur Aufführung
gelangen. Ein neues Stück von Ludwig
Fulda, „Das Exempel“, ist für Frohman
bestimmt, der wahrscheinlich auch Nehmer
des neuesten Schwanks von Gustav Ka-
delburg, „Der Weg zur Hölle“, sein wird.
An interessanten Novitäten dürfte es da-
her in der nächsten Saison nicht fehlen.

      Marine-Oberbaurath Paul Entereck
wird sich nicht lange hier aufhalten, da
er schon am 8. September mit dem
Dampfer „Lusitania“ von der Cunard-
Linie die Rückreise anzutreten gedenkt.
Er gehört der kaiserlichen Marine-Werft
in Wilhelmshaven an und will hiesige
Werftanlagen besichtigen. Außerdem ist es
für ihn von großem Interesse, den Be-
trieb auf den beiden Dampfern während
Fahrt zu studiren. Er ist in Beglei-
tung seiner Gattin und wohnt im Wolcott
Hotel.

      Drei Monate ist der Violin-Virtuose
und Professor am Konservatorium in
Indianapolis Johannes Miersch in
Europa gewesen und hat Paris, München
und Berlin besucht. — Der Künstler, der
aus Dresden gebürtig ist und seine künst-
lerische Ausbildung in Paris und Dres-
den erhalten hat, ist Hof-Virtuose des
Königs von Griechenland.