Rank, Otto (1908-416/1908.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Adler & Federn ›Anträge zur Reform der Arbeitsordnung‹
S.
S.
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Memorandum.
Das in der Sitzung vom 5. Februar 1908 zur Formulierung der
in dieser Sitzung vorgebrachten undbesprochenenbereits Anträge
zu einer Änderung der
zur Arbeitsordnung eingesetzte Komite, bestehend aus den
Herren Adler, Hitschmann, Wittels,Freud, Graf
und Federn, von welchen die beiden letzten nicht erschienenwarensind, legt dem Plenum folgende Beschlüsse zur Abstimmung
vor: — Die Kom. wird abgeschafft.
I. Der Redezwangistwird aufgehoben; die Diskussionen
findetnachin der in wissenschaftlichen Körperschaften
üblichen Weise statt; d.h. jeder spricht wenn und
so oft er sich zum Worte meldet. Der Vorsitzende kann
jederzeit das Wort ergreifen, der Referent hat ein
Schlusswort, auf welches er verzichten kann.Begründung: Aus Furcht vor dem Redezwang sind Zweifel-
los manche Herren nicht sowohl häuslich aufgehalten
als unmittelbar nach dem Vortrag des Referenten
geflohen, was sowohl dieDiskussionBesprechung als auch die
Arbeitsleistung des Vereines schädigt.Ferner wird, wer nichts Besseres zu sagen hat durch den Redezwang
gezwungenleicht verleitet aus be- zu persönlichen An-
fällen verleitet waswas sich.
Überdies gewinnen die Reder, die etwas zu sagen haben
an Zeit länger oder event. mehrmals zu sprechen.
Zur Beibehaltung der Krone sprach blos die den
Psychoanalytikern bekannte Tatsache, dass jedem Aufge-
forderten etwas einfallen müsse; wogegen zu bemerken
ist, dass solche Einfälle ausserhalb des psychoanalyt.
Verfahrens nicht immer von Wert sind. —II. Es werden Referatabende eingeführt u. für diesen
Zweck ist ein Herr zu stellen, der an jedem Mittwoch
vor Beginn des Vortrags die erschienene einschlägige
Literatur (Bücher u. Zeitschriften) kurz referiert. —
(nach Antrag Wittels)S.
ausserordentlich
Die Versammlung wählt
mit absoluter Majoritätreferiert wird
dieihrein od. zwei wichtig erscheinenden Themen aus dem Referatabend
mit relativer Maj. aus. Der Referent meldet sich von Fall zu Fall freiwillig.
Die Referatabende finden nach Maassgabe der auf-
gehäuften Literatur einerseits od.undnach Zahlderder
anderseits prinzipiell allmonatlich statt.
Kasustische Mitteilungen sind ausserordentlichen
Diskussionsabenden vorzubringen.Begründung: Die Notwendigkeit der
Lekt.Referatabende
bedarfbei unsnach dem oben Begründung. Die ange-
gebene Ausführung erschien als die beste.In Fall—
wöchentlichen kurzen Mitteilungen wurden vorgeschlagen
von (Wittels, Hitschmann, Adler). — Diese Herrensolltenwären privatim
die ihnen event. aufgegangene Litt. vor Beginn der Sitzung
mitteilen. Es soll im allg. zur ein Autor genanntden Autor genannt werdenwerden
u. Titel nennen.mit Titel. Einenachkurze Mitteilung einer solchen Arbeit soll
an einem Tag erfolgen falls sich freiwillig kein
Herr für ein gewünschtes Referat meldet muss auch
des Ref. verzichtet werden. Ein Zwangkannsoll
nicht ausgeübt werden. —III. Die Anmeldungen
fürzu Vorträgensolltenhätten mehrere zu
mindestens für 2 Abendevorherzu erfolgenvorherzu
erfolgen so dass den Herren mindestens 14 Tagen
zur Vorbereitung event. Koreferate zur Verfügung
stehen. Zur Durchführung dess. Beschlussessolltewird ein ein Herr
Vorsitzender ein Sekretär zur Seite gestellt, der auch
die Anordnung des Referatabends reguliert.Begründung: Zweck dieser Bestimmung ist ein fruchtbarere Vortrag
des Redners u. der Diskutierenden zu ermöglichen. Ange-
sichts der Tatsache, dass durchschnittlich 25-30 Abende
jährlich zur Verfügung stehen wovon 6-8 durch die
Referatabendeausgefüllt werden,bleibenmanche
Vorträge mit ihrer Disk. mehrere Abende in Anspruch nehmen ist die
Repert. —S.
Repertoire
Annehmenbeidemeiner Zahl von 20 Mitgliedern
bleibt es fastist esfalschgeboten, wenn jederMitgl.von ihnen nur
einmal im Jahre vorträgt, wasmoralischeeine
Pflicht ist und würde einein Reper.dem Komite Pflicht sein
Repertoire ein-jedem Mitglie de zuhelfen.Voranmeldung Antrag
Vorerst wirunterlassen weil die moralische
Gewicht dieser Erwägung für genügend erachtet
wurde. —IV. Wer
viermalmehr hintereinander ohne Entschuldigung
ausbleibt, gilt als ausgetreten.
Die Begründung hiefür liegt in der Kritik des Vereins
und in seiner Arbeitsweise.V. Die Aufnahme der Mitglieder hat nach dem bisherigen
Modus zu erfolgen.
Begründung: Das Komite ist nacheifrigerreifer Erwägung
Überlegungaller unterbreiteten Vorschläge zu dem
bisherigen Modus als dem einfachsten und billigsten
zurückgekommen. Die vorgebrachten Bedenken
bezügl.Auf-Ausbleiben u. Bekanntwerdeneines Geistesvon Dingen
Anträge durch Kenntnisder Wahlordnung völlig vermieden werden
die in derdie vorgeschlageneDiskussion ins Treffen geführtenWahlordnung
habe dass Freudschen Vereinigung hinter welcherwürden
schaftlichdas Komite hält f. für unzweckmässig
misstrauenErschwerende Bedingung aber
einzuführen,amhauptsächlichst weil dieVereinig
Versamml. an einem LokalOrttagen bietet vielleichtein
eines geladenen Gesellschaftu. die Herren die dem
Professornichtnichtmehrganz nah stehenfernstehnmüssten.Diesem Antrag des Komite steht ein Einzelvorschlag
Adlers, den er selbst vertreten wird,und
derlautend: Monatliche Zusammen-
kunft in einem andern Lokal (etwa einem
kleinen Vorsaal an Restur.) mit Entlehnung aller
mit 2/3 Maj. aufgen. Bewerber aus denen dann
die Wahl in den engeren Kreis nach dem bish.
Modus getroffen wird. —S.
AnmerkungenÜberdies Vorschlägen gibt das Komite noch folgenden
Bemerkungen der Versammlung Ausdruck: Durch Änderung
des Lokales würdenwärezwar auch die historischen Gründe nicht
gering herabgesetzt sowohlderdes Ort als auch d. Charakter
Zusammenkünfteihr wer-ist allen Mitgliedern so wertvoll, dass sie so
wenig als möglich daran zu ändern wünschen.
Es istjedochmöglich durch Paragraph 1nur beidass in letzter
Zeitvorgekommenenvorgekommenen Reibungswiderstände vielleicht zu bessernund
jedoch hoffen wirnur danndiefesteAbsicht,dem Verein aufzu helfenWahrheit in Rücksicht auf Lauterkeit undHöflichkeitLauterkeit zu geben (ZerrissenheitStreitigkeiten zu vermeiden)Überwindung aller persönlichen Sprache Fehler UngehobeltheitVermeidungReibungenIn diesem Sinne empfiehlt das Komite die
diskussionslosedievorgebrachten Adler
AbstimmungAnträge!
(Annahme)Die Liste mit Weglassung d. Begründung lautet:
Sowie —Dieschriftliche Mitteilung dieses Memorandums an
alle Mitglieder der Vereinigung —S.
1
Adler bringt zur Reform der Arbeitsordnung einige Vorschläge und
Anträge vor:
1.) Abschaffung der Urne und damit Aufhebung des Sprechzwangs,
an deren Stelle das System der freien Meldung treten solle.
2.) Vorträge sollen nur alle 14 Tage stattfinden. Die dazwischen-
liegenden Abende sollen mit der Fortsetzung der Diskussion
über den letzten Vortrag und durch die Mitteilung von
Referaten ausgefüllt werden. Das soll eine gründlichere
Vorbereitung und Ausarbeitung der Vorträge, andererseits
aber eine ernste, rein sachliche Diskussion ermöglichen.
Diese ist so zu leiten, dass entweder der Vortragende selbst,
oder einer der Kollegen oder der Herr Professor die für
dieses Thema in der Diskussion wichtigsten Probleme
zusammenfasst. —
3.) Soll für die folgenden Neuanmeldungen und Aufnahmen
von Mitgliedern die geheime Abstimmung eingeführt
werden und Stimmenmehrheit entscheiden. —
Dazu beantragt Federn
4.) Die Aufhebung des geistigen Kommunismus. — Man dürfe keine
Gedanken ohne Autorisation des Urhebers verwenden. — Dies
vorne weil man in der freien Diskussion gehemmt. Auch
könnten Meinungen, die das Ver. verbreiten, das Protokoll re-
vidieren.Es wird nun über diese Anträge die
Debatte eröffnet.
Stekel geht nach Zurückweisung der persönlichen Ausführungen
Federns auf die Vorschläge näher ein.
ad 1.) stimmt er zu. —
ad 2.) legt er Bedenken, dass sich im Laufe von 8 Tagen das Interesse für
die Diskussion abschwächen werde. Man soll diesbezüglich keine RegelS.
2.
aufstellen. – Referate hält er für wertvoll.
ad 3.) für die geheime Abstimmung; aber nicht die einfache Majorität
soll entscheiden, sondern 3 negative Stimmen sollen zur Ab-
lehnung genügen. –
Hitschmann:
ad 1) stimmt er, allerdings an den psychologischen Reiz der Urnen-
wahl erinnernd, zu. –
(3) ad 2, beantragt er die Wahl von Korreferenten. –
Dann sollten vielleicht die Vorbereiteten immer zuerst sprechen.
Das Weggehen nach dem Vortrag sollte aufhören.
Die Verschiebung der Diskussion soll nur im Bedarfs-
fall aber nicht regelmäßig eintreten.
ad 3, für Referate und geheime Abstimmung. –
ad 4, könne nur ein taktvolles Vorgehen regeln. –
Sadger :
ad 1, Zustimmung. – Damit fiele auch das Weggehen nach dem
Vortrag weg. –
ad 2.) Gegen Verschiebung der Diskussion. –
Wenn eine genügende Anzahl von Referaten gemeldet
sei, möge man einen ganzen Abend damit füllen.
ad 3, möge niemand vorgeschlagen werden, den nicht 2-3 kennen.
ad 4, möge jeder Vortrag, der nicht ausdrücklich freigegeben
wird als geschützt gelten. –
(5.) Antrag: persönliche Ausfälle und Übergriffe sollen vom
Vorsitzenden, dem die Macht hiezu einzuräumen sei, so-
fort unterdrückt werden. –
Wittels: nimmt Stekel gegen die zu weit gehenden persönlichen
Angriffe in Schutz. – Er selbst könne nichts schreiben ohne
dabei Ideen des Professors zu verwenden; ohne Quellenangabe.
Federn ist für Annahme des Antrags 5; da er sich schuldbewußt
fühlt. – Die Diskussion über wichtige Probleme solleS.
3.
fortgesetzt werden. – In die Referate könne man auch ältere
Bücher aufnehmen. – Er habe Stekel persönlich nicht beleidigen wollen. –
ad 5) ist er für geheime Abstimmung und 2/3 Majorität.
Deutsch stellt einen
(6) Antrag: immer zwei Vorträge zugleich, zur besseren Vorbereitung
anzukündigen. –
ad 3, Möge man an einem bestimmten Tag in jedem Monat die
Vorgeschlagenen einladen, um sie kennen zu lernen. –
Bass:
ad 2, begrüßt die Einführung von Referaten warm. –
ad 3, mögen die Vorgeschlagenen vom Vorschlagenden nur dem
Herrn Prof. nominiert werden, der sie dann verlautbaren solle. –
Über den Aufzunehmenden müßte von 1 oder 2 Herren
referiert werden. –
Reitler erklärt sich mit den Anträgen einverstanden,
spricht sich aber gegen den Antrag 5 aus. –
Sadger: entgegnet darauf. –
ad 3, die Information hält er zur Charakterbeurteilung für nicht
genügend. –
Heller schließt sich der letztgenannten Ansicht an, der Vor-
schlagende bürge für seinen Werber. –
ad 4) könne durcheinenBeschluss nicht geregelt werden; das
sei Sache des persönlichen Taktes. Ein solcher Beschluss
würde auch die schriftstellerische Tätigkeit unterbinden.
Wittels beantragt Schluss der Debatte. Angenommen.
Die noch gemeldeten Herren gelangen zum Wort.
Graf: Die Reformvorschläge entstammen einem Unbehagen. –
Wir sind nicht mehr die Gesellschaft, die wir früher waren. –
Noch Gäste des Herrn Prof. sind wir auf dem Wege ein Verein zu
werden. Er stellt daher einen
(7.) Antrag: die Zusammenkünfte aus der Wohnung des Herrn
Prof. weg zu verlegen.S.
4.
Prof. Freud:
ad 5) dagegen; es sei ihm peinlich, jemand zurechtweisen zu müssen.
Stehe die Sache so, dass die Herren sich untereinander nicht
ausstehen können, dass keiner seine wahre wissenschaftliche
Meinung äußere etc. dann bleibe ihm nichts übrig, als
zu schließen. Er habe gehofft, dass die Schwierigkeiten des
persönlichen Verkehrs durch die tiefere Seelenkenntnis be-
hoben würden, und hoffe auch jetzt noch darauf. –
Die ihm in Antrag 5 zugedachte Gewalt möchte er nur in
dem Falle gebrauchen, wenn einige durch ihre Unterhaltung
(8) die Rede stören.
Er hoffe aber auf einen gewissen Grad von Ernsthaftigkeit und Offen-
heit und dankt den beiden Antragstellern für das frei-
mütige Aufrollen dieser peinlichen Angelegenheiten. –
(9) Er beantragt schließlich zur Ausarbeitung der ersten 3 Vor-
schläge, die rein technischer Natur seien ein Komite zu wählen,
das diese das nächste mal praktisch zusammengefasst vor-
legen solle. Über den Kommunismus dagegen solle jetzt
weiter verhandelt werden und zu diesem Zweck die Aufhebung
des Debattenschlusses erfolgen.
Sein Standpunkt in der Kommunismusfrage sei nach wie
vor derselbe. Seiner Meinung nach sei da nichtstats
Wesentliches zu ändern, er teile Hellers Anschauung vollkommen.
Jeder möge übrigens die Art, wie seine Gedanken behandelt
wissen selbst sagen. Er persönlich gibt alles Gesagte preis. –
Antrag 9 wird angenommen und ein fünfgliedriges
Komite aus den Herren Adler, Federn, Graf, Hitschmann
und Wittels gebildet.
Debatte über Kommunismus:
Stekel findet, obwohl diese Ideen in der Luft liegen, die Wahrung
des geistigen Eigentums berechtigt. – Er persönlich habeS.
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es für seine Pflicht gehalten, die Ideen des Professors zu pro-
pagieren; sei dabei unterunter eine Entgleisung vorgekommen
sage sage er ein pater peccavi; es werde nicht mehr vor-
kommen; er werde diese Art von Schriftstellerei aufgeben
und sich bestreben Reibungspunkte zu vermeiden. –
Adler wendet sich, nachdem Federn seinen Antrag (4) zurück-
gezogen hat, diesem Punkt eingehender zu. – Es handle
sich bei dem Antrag nicht darum Details unter Klausur
zu stellen sondern einer Zurückhaltung in der Diskussion
vorzubeugen. Es handle sich aber auch darum den Kommu-
nismus der hier vorgebrachten Problemstellungen und
Lösungen aufzuheben; das könne natürlich nur auf
auf wichtige Themen bezogen werden die sich jemand
als Problem vornimmt.
Urbantschitsch ist für strenge Massregeln bei Neuaufnahmen.
In der Frage des Kommunismus könne nur der per-
sönliche Takt entscheiden. –
Hierauf wird der Adlersche Antrag über die Aufhebung des
Kommunismus in der von Steiner vorgeschlagenen Abänderung
zum Beschluss erhoben:
Alles in dem Kreis an geistigem Eigentum Vorgebrachte
steht so lange zur Benützung frei, als es nicht vom
Urheber ausdrücklich als sein Eigentum reklamiert
wird. –
Einstimmig angenommen.
/S.
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Ref. vernachlässigt mit Rücksicht darauf, dass die psychische Impotenz
des Mannes erst kürzlich in unserem Kreise besprochen wurde, die An-
ästhesie des Mannes und beschäftigt sich nur mit der des Weibes.
Schon bei der Definition stößt man auf die Verschiedenheit der Auf-
fassungen, die einen bezeichnen als Anästhesie nur das vollkommene
fehlen des Geschlechtsgefühls, der Libido, das bei dem Individuum
auch nicht mehr herzustellen ist. Davon werden die Fälle unter-
schieden, wo das Geschlechtsgefühl vorhanden ist, und nur
beim Koitus die Empfindung fehlt. Eine solche Unterscheidung
falle aber für diese Betrachtung weg. –
Es scheine wirklich Fälle von Anästhesie zu geben, die sich oft mit
Aplasie des Genitales, mit schweren Degenerationszeichen verbinden.
Die sexuelle Anästhesie (fehlen jeder Wollustempfindung beim Koitus)
ist sehr häufig; nach einer Statistik betrifft sie 1/3 aller deutschen Frauen.
Diese Individuen kennen aber die Wollust von anderen Seiten her.
Dieser Zustand sei wegen seiner Häufigkeit physiologisch. –
In der Ehe könne er oft behoben werden. –
Neben der ersten, der passageren Form, gebe es noch
2.) eine fakultative, dabei handle es sich um psychische
Dinge. – Es frage sich um den Typus, den die Frau braucht.
Bei der dritten, der relativen Form, liege die Schuld auf Seiten
des Mannes. Sie kommt durch den Mann nicht zur Ejakulation,
während ein anderer sie befriedigen kann.
Ref. führt nun aus seiner Erfahrung zwei Fälle zum Beleg an,
und weist dann kurz auf die Folgen der sexuellen Anästhesie hin.
Bei der totalen treten keine direkten Folgen auf.
Chrobak habe vollkommene Anästhesie nur bei minderwertigem Organ
gefunden.
Eine der Folgen sei eine gesteigerte Sterilität (nach Kisch 38%
aller Anästhetischen steril)
Die unvollkommene Anästhesie soll auch Krankheiten hervorrufen. –S.
7
Eine weitere Folge sei die sexuelle Neurasthenie; häufig bei denen,
die zwar in somatische Erregung kommen aber keine Befriedigung
finden, diese können auch Angstneurose bekommen (Freud).
Was das psychische Bild der Anästhetischen betreffe, so weisen
die wirklich Anästhetischen psychische Abnormitäten auf.
Andere zeigen schon als Mädchen auffallend altruistische Be-
strebungen. Wenn sie sich dem Manne hingeben, so tun sie es
nur ihm zuliebe, sie opfern sich gleichsam auf. Als Frauen
haben sie zahlreiche platonische Freundschaften, haben immer
einen Kreis von Freunden um sich etc. (Rahel Varnhagen
hat vielleicht diesem Typus angehört).
Die anderen Anästhetischen wieder werden zum Ehebruch gedrängt,
wenn sie bei ihrem Mann keine Befriedigung finden; es sei
aber auch begreiflich wenn sich die beim Koitus Anästhetische
andern Arten des Verkehrs zuwende.
Ref. wendet sich dann zur Besprechung des Zusammenhanges
von Hysterie und Anästhesie; diese sei ein psychisch erworbener
Zustand. Misslungene Verdrängung sexueller Erlebnisse
wird auch die Ursache der Anästhesie (wie der Hysterie) sein.
Neben den anatomischen Dingen (die Anästhesie hänge nebenbei
bemerkt ebensowenig mit den Ovarien zusammen wie die Hoden
mit der männl. Libido) käme als Ursache noch die „kon-
stitutionelle Schwäche der Genitalzone“ (Freud) in Betracht.
Auch übermässige Masturbation der Klitoris (Freud, Sexualtheorie).
Das führe zur Annahme eines Latenzstadiums wo wahr-
scheinlich jedes Mädchen normalerweise anästhetisch sein
wird. – Es handle sich hier nicht um Lokale sondern um
psychische Dinge, wobei das Verbotstrauma vielleicht auch eine
Rolle spiele. – Lange Liebe zu den Eltern könne auch zur Anästh.
führen (Freud), ebenso lange Verlobungszeiten. – Auch das
Überwiegen des homosexuellen Moments spiele mit.S.
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Für die Prophylaxe und Therapie sei zunächst die sexuelle Auf-
klärung von grosser Bedeutung. Ferner dass der Mann mit
einer vollen Potenz in die Ehe komme und sanft und schonend
vorgehe. – Die absolute Jüngferlichkeit sei nicht das Ideal.
Das eigentliche Heilmittel bestehe darin, dass man die Klitoris ge-
wissen Friktionen unterzieht; dann sei ihr zunächst von andern
Zonen Befriedigung zu verschaffen.
In gewissen Fällen könne man zur psychischen Behandlung
greifen. –
Hinzuweisen sei auf die Art wie gewisse Naturvölker durch Reiz-
mittel (Reizringe) die Frau in Erregung zu bringen suchen. –
Mit der Anführung eines Falles schließt der Referat. –
Hervorhebung der wichtigsten Diskussionspunkte:
1) Definition,
2) Psychisches Bild,
3) Folgen (teils organische: Sterilität etc. – dann nervöse. –
Angsthysterie etc.)
4) Ursachen
5) Prophylaxe und Therapie
6) Kasuistik
7) Männliche Anästhesie
8) Unterscheidungen der rein organisch bedingten und der
psychischen Anästhesie. –