[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] II. Diskussion über Onanie 1912-061/1911.02

Rank, Otto (1912-061/1911.02): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] II. Diskussion über Onanie

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     P R O T O K O L L 

    der

     7.  S  i  t  z  u  n  g 

    am 6.Dezember 1911.


     

    II. D I S K U S S I O N  U E B E R  O N A N I E .

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              Hitschmann geht aus von der durch Freud erwiesenen Allgemein-
    heit der Onanie im Säuglingsalter wie in der frühen Kindheit, die
    nicht nur eine mildere Auffassung der Onanie, sondern auch die Ein-
    sicht in mancherlei Vorteile derselben für das Individuum herbei-
    führte. Dennoch bleibt es unzweifelhaft, dass die exzessive Mastur-
    bation bedeutsame Folgen haben kann. In psychischer Hinsicht wer-
    den die Betreffenden durch das Phantasie-Ideal verwöhnt, zeigen den
    Selbstvorwurf der Willensschwäche und ersparen sich den für den
    übrigen Lebenskampf vorbildlichen Kampf um das Liebesobjekt. Sie wer-
    den unfähig zum Ertragen der Abstinenz wie des Coitus interruptus
    und finden nur schwer den Uebergang zur Ehe. - Von den körperlichen
    gesundheitlichen Folgen der exzessiven Onanie und der mit ihr in
    Zusammenhang stehenden gehäuften Pollutionen wird vor allem die
    von Freud beschriebene echte sexuelle Neurasthenie erwähnt; ferner
    anatomische Veränderungen im Urogenitalapparat und Impotenzerschei-
    nungen, unter diesen namentlich Ejaculation praecox und gehäufte
    Pollutionen, die vorwiegend auf die geistige Onanie zurückgehen. Es
    scheine ungezählte Uebergänge von der Onanie über Onanie im Schla-
    fe bis zur Pollution zu geben, die in gehäufter Form wahrscheinlich
    nicht als normales Symptom aufzufassen ist. Die dazugehörige orga-
    nische Disposition sowie der Zusammenhang mit der Urethralerotik
    und Enuresis sind noch nicht genügend geklärt. - Ein grosser Teil
    der neurasthenischen Symptome findet sich in ganz analoger Weise
    bei der Frau, bei der ja die Mmasturbation ebenso häufig und exzes-
    siv wie beim Manne betrieben wird; in der Kinderzeit nach Freud häu-
    figer an der Klitoris, später an den kleinen Labien, u. zw. meist der
    linken, weil die rechte Hand benützt wird. Als bedeutsamste Folge
    erscheint bei der Frau die sexuelle Anästhesie, welche Freud auf
    die seinerzeit übertrieben betätigte Klitorissexualität zurückge-
    führt hat. Titillation vulvae oder Aenderung der Stellung im Koitus
    kann manchmal die Empfindungslosigkeit beheben.

              Endlich wird die durch den psychischen Anteil am Masturbation
    akt (Phantasien) bedingte Bedeutung der Onanie für die Entwicklung
    der Psychoneurosen erwähnt. Der perverse Inhalt der Phantasien, ihre
    Verdrängungsneigung und Eignung zur hysterischen Symptombildung

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    (Freud) sowie ihr Uebergang in die hysterischen Traumzustände (Abraham)
    werden hervorgehoben. Als früher sexueller Vorwurf, häufig kompliziert
    durch ein imponierendes Verbotstrauma wird die Onanie zur Ursache
    mancher Zwangsvorstellungen, während die bekämpfte und plötzlich un-
    terbrochene Onanie durch einsetzende Unbefriedigung zur Angst füh-
    ren kann.

              Prophylaxe und Therapie: Die Fortsetzung oder exzessive Betäti-
    gung der wahrscheinlich normalerweise rezidivierenden Pubertätsona-
    nie ist gewiss zu inhibieren. Sollen Aerzte und Erzieher in der Pro-
    phylaxe Erfolgreiches leisten, so ist die erste Forderung die nach
    ausreichendem Sexualwissen dieser Faktoren und nach einer aufrich-
    tigen ablenkenden Erziehung, die natürlich brüske Verbote und
    schwere Drohungen zu meiden hat. In der schwierigen Behandlung
    einer bereits exzessiven Onanie darf die psychische Beeinfluss-
    barkeit nicht unterschätzt werden.

              Federn kann das Gesagte im Grossen Ganzen akzeptieren.
              Bei den psychischen Folgen der Onanie müsse man die psy-
              chische Sexualität vor der Pubertät scharf scheiden von
              der Onanie. - Ob die sexuelle Anästhesie getrennt werden
              könne von der auf einem psychischen Oberbau entstandenen,
              sei noch nicht geklärt; er meine, dass jede Anästhesie psa.
              beeinflussbar sei. - Beim Abwehrkampf werde wohl zu schei-
              den sein, wie weit die Onanie schädlich wirke, weil sie für
              sündhaft gehalten werde und wie weit sie an sich schäd-
              lich sei: also die affektive Wirkung von der Komplexwir-
              kung.

              Sachs macht eine kleine literarische Mitteilung, welche die
              ablenkende Wirkung des Sportes bei einer sportlich so her-
              vorragenden Nation wie den Engländern fraglich erscheinen
              lässt. In Kiplings Selbstbiographie finde sich an zwei Stel-
              len der ausdrückliche Hinweis auf die Masturbation der
              Schüler im Collage.

              Stekel ist mit dem Wenigsten einverstanden und verurteilt
              den reaktionären Standpunkt Hitschmanns. Gerade bei Onanis-
              ten finde man wirklich heroische Sexualakte. Der Mensch
              kann nur Lust empfinden, wenn er Hindernisse zu überwinden
              hat; darum schiebt sich zwischen den onanistischen Akt und
              die Ausführung das Schuldbewusstsein ein. / Dass die Onanie
              Neurasthenie erzeuge bestreite er. - Auch werden die Frauen
              nicht anästhetisch weil sie onaniert haben, sondern umge-
              kehrt, sie haben onaniert, weil ihnen der adäquate Befrie-
              digungsakt verschlossen war (z.B. wegen Homosexualität).
              Stegmann möchte sich insofern an Stekel anschliessen, als
              ihm kein Fall bekannt geworden sei, in dem die Onanie als
              körperliche Schädigung anzusehen gewesen wäre. Die Leute
              fühlten sich wohl geschädigt, aber es liessen sich jedes-
              mal die psychischen Komponenten dafür aufzeigen. Diese
              Auffassung ist praktisch sehr bedeutsam und macht dazu ge-
              neigt, die Onanie nicht grundsätzlich auszuschalten, wo man
              nichts besseres an ihre Stelle setzen kann. Das Ziel der
              Behandlung wird dann die Menschen psychisch frei und fürs
              Leben brauchbar zu machen.

              Hitschmann erwidert, dass gewisse organische Schädigungen
              des Urogenitalapparates gesichert seien. Ueber die Anästhesie

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                        lasse sich nicht so allgemein urteilen.

                        Prof. Freud macht die methodische Bemerkung, dass die Prob-
                        leme der Onanie ausserordentlich kompliziert seien und
                        dass es Aufgabe der Diskussion sei, für alle Behauptungen
                        nebeneinander Raum zu schaffen; eine Reihe aufzustellen,
                        in der alle möglichen Kombinationen von Aetiologie und
                        Effekt Platz haben.

                        Stekel bemerkt noch, dass der gute Erfolg des Positions-
                        wechsels bei der Anästhesie daher rühre, dass die betreff-
                        fenden dann ein bedeutsames Stück ihrer Libido dann mit-
                        geniessen (häufig die homosexuelle Komponente).

                        Hitschmann hat diese ihm bekannten Momente wegen dy Aussc
                        schaltung der fakultativen Anästhesie nicht berücksichtigt
                        und hält sie auch für ungenügend zur Widerlegung seiner
                        Ausführungen.

              Tausk hält eine artifizielle Isolierung des weitverzweigten
    Themas für nötig und gibt eine schematische Uebersicht der gesonder
    zu behandelnden Teilprobleme.

              I. Auftreten der Onanie (immer und überall möglich).

              II. Bei den Ursachen der Onanie werden die eigentlichen Ursachen
                 geschieden von den Anlässen. Die Ursachen liegen im Trieb-
                 leben, das nach Betätigung verlangt, die Veranlassungen kön-
                 nen verschiedene sein; zu unterscheiden sind die äusseren von
                 den durch einen Reflex .. hervorgerufenen inneren.

              III. Der Zweck der Onanie ist damit gegeben, dass sie eine Funk-
                 tion des Trieblebens mit dem Resultat der Lustgewinnung ist

              IV. Die Subjekte der Onanie lassen sich in zwei Gruppen scheiden:
                 1. Die Säuglings-und- spätere Onanie
                 2. Die Onanie bei Männern und Frauen.

                 ad 1 ist ein grosses biologisch-psychologisches Problem
                 offen: Nämlich ob die Säuglingsonanie gleichzustellen ist
                 der Betätigung der Organe überhaupt zum Zwecke ihrer Ak-
                 tionssetzung oder ob sie eine Lustgewinnung bedeutet, die
                 über diese einfache Betätigung bereits hinausgeht. Dabei
                 die Frage, wann sich die Lustgewinnung von der Betätigung
                 als selbständiges Prinzip abspaltet.

    V. Die Formen der onanistischen Betätigung sind zunächst nach
       dem Körperteil zu sondern in;

       1. die genitale, 2. die anale, 3. die an andern Zonen, 4. die psy-
       chische, die sich nur in Phantasien ausgibt und 5. die mutu-
       elle, die sowohl homosexuell als heterosexuell sein kann.

    VI. Wirkungen der Onanie, worunter zunächst nicht die allgemeinen,
       sondern die schädlichen Wirkungen verstanden werden, die zer-
       fallen: 1. in somatische Schädigungen (Ueberreizung des peri-
       pheren Nervensystems mit der Folge rascher Reaktion
       auf geringe Reize; Ueberreizung der sekretorischen
       Organe (Ejaculatio praecox, Pollutionen); Abstumpfung

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                     des peripheren Nervensystems an dieser Zone; Sphinkter-
                     schwäche; Säfleverlust; somatische Impotenz.)

                  2. Uebergangsformen, die nicht mehr allein somatische Schä
                    digungen sondern diese in Verbindung mit psychischen
                    zeigen. Die somatischen Schädigungen werden Objekt für
                    die psychische Einstellung, werden psychisch verwertet.
                    Hierher gehören: allgemeine Mattigkeit, die einer allge-
                    meinen geistigen Mattigkeit parallel geht, Stuhlverstop-
                    fung, Anorexie.

                  3. psychogene psychische Schädigungen, die für uns eigentlich
                    wichtigen, die durch bewusste Betrachtungen des Subjekts
                    zustandekommen, durch ein Urteil über sich selbst.

    A) wird hier genannt die Angst und die durch sie hervorgerufenen
    Schädigungen. Die Angst ergibt sich leicht, wo der onanistische Akt
    dem Individuum nur als Provisorium gilt, durch Dissoziation. Ob die
    Angst somatischen (Freud) oder psychischen Ursprungs ist, bleibt hier
    offen. -

    B) wird gezeigt, in welcher Beziehung die Onanie zu den Perversionen
    steht. 1. tritt sie auf als Ausdruck einer bestimmten Perversion, die
             entweder im Akte selbst oder in der Phantasie ausgedrückt
             sein kann;

         2. als Fixierung einer Perversion (Beim Säugling wird durch Ver
           bot des Spielens an der Genitalzone das onanieren an den
           anderen (perversen) Zonen direkt kultiviert);

         3. kann sie aber auch eine Perversion erzeugen und wählt sie in
           diesem Falle zugleich aus.

    C) Für die Wahl des Liebesobjektes ist die autoerotische Lustbefrie-
    digung/also die Wahl des inneren Objektes, insofern schädlich, als
    sie eine Verzögerung oder ein Ausbleiben der äusseren Objektwahl
    bewirkt. Bei deisem Uebergang sind nicht alle Perversionen gleich-
    wertig und die Möglichkeit des Ueberganges wird dadurch entschie-
    den, ob sich die Phantasie auf das ganze unersetzliche Objekt kon-
    zentriert hat oder auf einzelne Eigenschaften desselben, die auch an
    anderen Objekten zu finden sind.

    D) Folgen der Onanie für den Charakter, der die Bereitschaft des Trie-
    bes darstellt, gewisse Objekte immer wieder zur Befriedigung zu wäh-
    len. Diese Affektbereitschaft behält beim Onanisten ihre infantile
    Form, diffus und rasch zu reagieren, woraus sich die Unfähigkeit auf
    etwas zu verzichten ergibt (Unfähigkeit zur Abstinenz). Wenn das Sub-
    jekt in eine inadäquate Rolle tritt, ist es immer bereit zur Onanie
    zurückzukehren. Im späteren Alter zeigt sich Ueberempfindlichkeit

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    gegen Mängel des Sexualobjekts (bes. Brüste) infolge Phantasieverwöh-
    nung. Aus dem Abgewöhnungskampf stammt einiges schon genannte; in der
    Zeit seines regelmässigen Versagens stellen sich Zweifel an der Wil-
    lensstärke, Resignation und Abfinden mit Elend und Schwäche ein. Die-
    ses Spiel vollzieht sich immer wieder im Leben des Onanisten; er -
    wähnt wird ferner die Verschlossenheit des Onanisten, seine Scheu
    und Mutlosigkeit. Zu einem wesentlichen Schaden im Abgewöhnungskampf
    wird auch die Angst.

    E) Was in der Onanie mit den Triebkomponenten geschieht und in wel-
    cher Weise sie verwendet werden? Der Genitalonanist verliert die
    Beziehung zur Totalität des Weibes, in der er nur ein Genitale sieht,
    weshalb bald nach der Befriedigung die Abwendung vom Objekt eintritt.
    Die Synthese der perversen Komponenten zur normalen Liebe misslingt
    und damit tritt eine Entwertung des Weibes ein, die eine besondere
    Beziehung zwischen Onanismus und Zynismus bedingt. - Auch eine durch
    die Selbstverachtung und den Glauben an die Asexualität der andern
    gegebene Hemmung in der sexuellen Aggression kann die Folge sein. Er
    glaubt, dass die Frauen ihn infolge der Schädigung seiner Potenz ver-
    achten müssen und hält sie für unersättlich im Sexualgenuss, worin
    neben der Ueberschätzung auch die Unterschätzung des Weibes wieder
    zum Ausdruck kommt. Die Ueberbesetzung der Sexualsphäre beim Onanis-
    ten ist der eigentliche Grund seiner Konzentrationslosigkeit. Er ist
    ferner fast nie befriedigt, weil er immer auf Erlösung wartet.

         Das Individuum steht dann vor der Aufgabe, diese Schäden zu pa-
    ralisieren, was ihm mittels der Rationalisierung und der Reaktions-
    bildung gegen die Schäden gelingt oft bis zu einem hohen Grade ge-
    lingt.

         Der Onanist macht ferner das Weib zur Heiligen (nach dem Vor-
    bild der Mutter und als Kompensation auf sich selbst). Die Onanie ver
    dirbt das Liebesleben, indem sie die Werbekraft herabsetzt und die
    Männer zur Prostitution treibt. -

         Bei Männern und Frauen findet sich ferner eine Unbeständigkeit
    in der Liebe, weil das gewählte Objekt nicht der Phantasievorstellung
    entsprechen kann. Das Schicksal der Bisexualität ist ein Hauptprob-
    lem der Onanie. Das in der Onanie kultivierte männliche Element ent-
    spricht beim Manne der homosexuellen Komponente, bei der Frau mit dem

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    Penisäquivalent der Klitoris ihrer männlichen Komponente, die ja auch
    homosexual ist.

    F) Zur Nneurose hat die Onanie nicht nur insofern Bbeziehung, dass sie
    in vielen Fällen die Brücke zur Nneurose ist, sondern auch Beziehun-
    gen besonderer Art, die mit der Betätigung der verschiedenen Zonen
    zusammenhängen, zur Nneurosenwahl. Bei der Zwangsneurose scheint die
    anale, bei der Hysterie die genitale Zone die Hauptrolle zu spielen.

    G) Endlich hat sich in 18 beobachteten Fällen eine Eeigentümlich-
    keit der Ffamilieneinstellung gemeinsam ergeben. Die betreffenden
    hatten durchaus sadistische Väter, u.zw. sowohl von der brutalen
    grausamen Art, wie die der stillen, harten Autorität (allwissend, all-
    mächtig), welche zwei Formen auch Unterschiede im Schicksal der
    betreffenden Onanisten bedingten. Die Söhne hatten in allen Fäl-
    len bis spät in die Pubertät an die Asexualität der Väter geglaubt
    und um das 20. Jahr hatte sich ein ausgesprochener affektiver Anta-
    gonismus zwischen Vater und Sohn herausgestellt; offenbar weil es
    der Vater unterlassen hatte, dem Sohne den Weg zum Weib zu zeigen.
    Die Heterosexualität war in allen Fällen geschädigt, dadurch dass
    die Sublimierung der perversen Komponenten und ihre Betätigung im
    Sexualakt verhindert war. -

         Unter besonderen Umständen wird die Onanie darum schädlich,
    weil eine gewisse Reaktion des Milieus auf sie stattfindet, die das
    Subjekt nicht aufarbeiten kann. Darin ist auch das Moment der Konsti
    tution gegeben, das in der Ueberbesetzung des sexuellen Bedürfnisses
    und speziell einzelner erogener Zonen wurzelt.

    H) Was endlich die allgemeine Bedeutung der Onanie betreffe, so zei-
    gen gewisse Kulturformen einen innigen Zusammenhang mit der Onanie,
    was schon dadurch verständlich wird, dass viele Subjekte, die diesen
    Schädigungen unterliegen, in der Gesellschaft wirksam sind. Für man-
    che Personen bedeutet Onanie Sexualität überhaupt, so dass die Prü-
    derie und sexuelle Verlogenheit in letzter Linie auf die Onanie zu-
    rückzuführen ist. Die Werbekraft des Mannes wird allgemein herabge-
    stzt, worauf wieder ein Stück der Frauenemanzipation zurückgeht.
    Endlich als Folge der Verdächtigung der Sexualität eine allgemeine
    Entfremdung der Geschlechter.

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    Friedjung meint, dass bei der Säuglingsonanie zwischen reiner
    Organbetätigung und spezieller Lustgewinnung nicht streng zu
    scheiden sein wird, dass es aber sicherlich solche mit speziel-
    ler Lustgewinnung gebe. - Er möchte ferner die Frage aufwerfen,
    ob es erwiesen sei, dass jede Onanie mit Phantasien verbunden ist.
    Die zweite Onanieperiode vor der Pubertät könnte vielfach auch
    ohne besondere Phantasien verlaufen und vielleicht stehen gera-
    de diese Individuen vor einer normalen Zukunft. - Der Zusammen-
    hang vonder Prüderie und Sexualverlogenheit mit der Onanie sei
    schwer zu erweisen. Mit dem Eindringen der christlichen Anschau-
    ungen wurde der Sexualverkehr an sich als verabscheuungswürdig
    betrachtet. - Die Frauenemanzipation als Folge der Onanie sei
    ein Hysteron proteron.

    Hitschmann findet im psychologischen Teil der Ausführungen viel
    Interessantes und Geistreiches. Den grob sadistischen und sich
    asexuell gebenden Vater habe er auch gefunden. Es spielen je-
    doch noch andere Dinge hier mit, indem ein solcher Vater zum
    Hass mehr Anlass gibt und den Oedipuskomplex verstärkt. In sol-
    chen Fällen scheint der Sohn eine weibliche Einstellung gegen
    den Vater zu haben. -

         Durch Reiben mit rauhen Dingen dürfte wohl kaum eine orga
    nische eher eine hysterische Anästhesie entstehen können.
    Auch wird die somatische Impotenz wohl nicht heranzuziehen sein.

    Sachs: Bei der Auffassung des Weibes als Genitale durch den Ona
    nisten erscheine die Masturbation nicht als Ursache, sondern nur
    als Mechanismus, durch den hindurchgegangen werden muss. und die
    eigentlichen Motive tiefer liegen; nämlich in dem unvollkommen-
    en Zusammenfassen und Ausleben der Partialtriebe, welches die
    Phantasie überlastet.

    Doz. Zappert möchte trotz aller Anerkennung der fruchtbaren Idee
    doch die onanistische Tätigkeit des Kindes am Genitale anders
    auffassen als das Lutschen. In so weit diese Betätigungen einen
    Schluss auf spätere Folgen gestatten besteht der behauptete
    Konnex nicht. Dass wir der Onanie in der Verursachung der Neu-
    rosen nur eine sekundäre und keine kausale Rolle zuschreiben,
    freue ihn zu hören. Ebenso konstatieren zu können, dass er nun die
    Antwort auf seine Frage, was denn die Onanie schädigend mache,
    gehört habe? Der Abgewöhnungskampf, der bei einem grossen Teil
    der onanisten besteht, ist ein schweres psychisches Moment und
    bei solchen, bei denen dieser Abgewöhnungskampf ein sehr gelun-
    gener ist, wird die Onanie wenig Schädlichkeiten hervorrufen. Ob
    sich das Individuum in einem Kampfe befindet oder nicht könnte
    entscheiden, ob die Onanie Schädigungen hervorruft oder nicht.
    Die schwere des Kampfes ist schon durch anderweitige Umstände,
    wahrscheinlich konstitutionelle Eigenschaften, bedingt.

    Tausk bemerkt zur Auffassung des Lutschens, dass man die Wirkun
    gen der frühen Sexualität nur auf dem Wege der Psa. kennen lernen
    könne, daher eine Verständigung mit den Kinderärzten schwer mög-
    lich sei, wenn diese nicht dem Standpunkt der Psa. Rechnung tragen.

    Stekel findet, der Redner habe den Bogen viel zu weit gespannt
    und darum Dinge einbezogen, die allgemeine Giltigkeit haben. Die
    Aufzählung der organischen Schädigungen müsse er als Meyer-
    Brockhaus-Komplex abweisen; es könne auch umgekehrt sein, dass
    diese Leute onanieren, weil sie diese Minderwertigkeiten haben.
    Die Hauptfrage sei noch immer die des Schuldgefühls und warum
    es bei einem auftrete, beim andern nicht. Beim Koitus wird das
    Schuldgefühl verringert, weil es ein sozialer Akt ist. In diesem
    Sinne ist das Geheimnis der Lustgewinnung bei der Orgie, dass
    das Schuldgefühl auf ein Minimum reduziert wird. - Die Ableitung
    von Prüderie und Zynismus stimme nicht. Der strenge Vater erklä-
    re sich aus der Trotzeinstellung, wegen des Verbotes. Ein wirk-
    lich strenger Vater sei eher eine Entlastung für das Schuldge-
    fühl.

    Prof. Freud möchte für Tausk insofern in Schutz nehmen, als auch
    viele von uns gewiss meinen, dass das Kernproblem der Neurosen-
    wahl in der Onanie liegen.

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